Frau + Karbon = Randonneur(in) - aber nicht nur ...

Autor: Gabi Winck (Seite 2 von 13)

80% ist mental - der Rest ist Kopfsache

Superrandonneé Lombardia Extreme

Die Unendlich-Stolz-Formel: Tu, was du glaubst, nicht zu können …
Covid-19 bremst den Sport aus, als endlich die Regionengrenzen fallen, machen wir uns gleich in die Lombardei auf … italiano Strava

Zuerst wie immer mein Video:

Vorausgeschickt:
Das Format Superrandonneé wird in Italien immer beliebter, besonders in Covid-19 Zeiten ist es ideal. Es gibt inzwischen in ganz Italien 6 permanente Superrandonneés. Innerhalb 60h muss ein vorgegebener Parcour gefahen werden. Dieser hat um die 600 Kilometer und muss über 10.000 Höhenmeter aufweisen. Die Superrandonneé Lombardia Extreme hat 14.000 Höhenmeter.
Im vergangenen Jahr haben wir unsere erste Superrandonneé erfolgreich gefinisht, die Ötztal-Rundfahrt von der Ara München. Toll dabei ist, dass ein Startplatz in Brixen eingerichtet wurde, von der Audax Paris genehmigt. Wir hatten damals zweimal im Hotel geschlafen und somit die Zeit ziemlich genau ausgereizt.
Nun die Lombardia Extreme versprach mit 4000 Höhenmetern mehr nochmal eine Nummer größer zu werden. Schlaf? Ausreichend? Wohl kaum. Wenn wir Zeit einsparen müssen, um zeitlich anzukommen und als Randonneure homologiert zu werden, dann wohl durch Streichen der Schlafstunden. Also, Hotel können wir uns „abschminken“. Was nun? Dann halt das Schlafzimmer mitschleppen … Das bedeutet bei mir zum Glück nicht mal ein Kilogramm mehr Gewicht, allerdings hängt die Tasche am Lenker im Wind und bremst wohl etwas.

Start: Parabiago 4:30 Uhr –der Countdown von 60 h läuft nun …
Wunderbar durch die frühmorgendlichen Dörfer zu fahren dem Sonnenaufgang entgegen. In der Ferne vor uns wohl die Bergketten, die für heute auf dem Programm stehen. Es geht leicht auf und ab. Voll motiviert brenne ich dem ersten der 15 Berge entgegen.
Ich habe gelernt: Die Vorfreude auf die ersten Berge flacht sich frühestens bei der dritten Passhöhe merklich ab.

2. Colle Brianza (Km 82, 1200 Hm Aufstieg)

Unser erster Berg. Die Steigung ist moderat bis auf ein paar kurze „bissige“ Abschnitte.
Erstaunen, als wir am höchsten Punkt vor einer Schranke stehen mit Fahrbeschränkung. Wir fahren trotzdem. Die Straße ist übersät mit Löchern. Schnelle Abfahrt unmöglich. Durch ein verlassenes Dörfchen, bezeichnenderweise „Gosttown“, dann wird die Straße besser. Die langsame Abfahrt hat uns schon aus meinem Zeitplan „geschossen“.
Ich habe gelernt:  Dass ich wohl keine Rückschlüsse aus unserer Erfahrung bei der TPBR 2019 gezogen habe: Dort waren wir schon nach einem halben Tag nicht mehr im Zeit-Plan. 

3. Passo di Valcava (Km 109, 1200 Hm Aufstieg)

Abfahrt ins Tal und auf der anderen Seite geht es gleich wieder hoch, moderate Steigung. Aber nach etwa 10 Kilometern bekommen die Beine das erste Mal so richtig Arbeit. Der Blick zurück in die Ebene Richtung Bergamo lässt die Anstrengung kurz vergessen, aber dann wird es wirklich steil mit mehr als 18% Steigung und nicht nur ganz kurz … Die Passhöhe lässt die Anstrengungen vergessen. Traumaussicht. Die zwei Würstelstände lassen wir links liegen. Foto. Ein Radfahrer-Paar bittet uns ein Foto zu schießen … Meine Gedanken rotieren … Lombardei … eigentlich sollten wir garnicht hier sein wegen der Lage Covid 19 und ich soll ohne Handschuhe ein fremdes Smartphone angreifen … Soll ich? Aber wie formuliere ich eine Absage? Ich springe über meinen Schatten. Wird sich wohl in 10 Tagen rausstellen. Ich geben ihnen sofort auch mein Handy, damit sie wechselweise uns knipsen. Dann geht es flott Richtung Tal.
Ich habe gelernt:
Erstens: Kontakt zu anderen lässt sich nicht unbedingt vermeiden.
Und zweitens: 20% Steigung können dazu führen, dass man (frau) fast hintenüberkippt, da sich das Vorderrad von der Straße hebt … Auch mit voll bepacktem Rad.

4. Berbenno (Km 134, 360 Hm Aufstieg)

Das ist gar kein richtiger Berg. Wir müssen hoch in ein kleines Dörfchen, um dann ins Val Brembilla zu gelangen. Der Aufstieg liegt in der prallen Sonne. Der Schweiß läuft in die Augen. Die Abfahrt durch die Schlucht des Torrente Brembilla ist dafür sehr angenehm. Fast am Talschluss lohnt sich ein Fotostopp an einer wunderschönen mittelalterlichen Stein-Brücke, am Ponte del Cappello.
Ich habe gelernt: Wessen Ziel es ist, in weit unter 60h ins Ziel zu fahren, der/ die darf nicht dauernd stehen bleiben, um Fotos für das Video zu schießen. Hier geht es um ENTWEDER- ODER.

5. Passo di Zambla (Km 174, 1050 Hm Aufstieg)

Der Colle di Zambla ist Übergang zwische Val Brembana und Val Seriana. In der Mittagshitze treten wir durch das Brembatal hoch und biegen ab Richtung Oltre Colle, das unter der Passhöhe liegt. Etwa auf Halbweg kommt es mir in den Sinn eine der Fahnen, die fast auf jedem Haus hängen, zu fotografieren „Noi – Herz – Bergamo“. Da sehe ich zufällig auf dem Display, dass gerade ein Anruf eingeht. Wer braucht mich da? Aha! Mino, der Organisator, mit seiner Barbara, die auf  dem Heimweg aus dem Urlaub einen Umweg machen, um uns zu sehen. Wo wir sind? Sie möchten mir uns ein Eis essen. Noch mindestens 6 Kilometer bergauf sind es. Stress. Wir werden erwartet, ich lege einen Zahn zu. Und gelange gefühlt am Ende nach Oltercolle. Aber Eis und Cola richten mich wieder auf. Die letzten vier Kilometer gemeinsam mit Mino und Barbara gehen mit Quatschen schnell vorüber.
Ich habe gelernt: Man sollte sich von anderen nicht stressen lassen, die Zunge hängt in der Mittagshitze schnell mal bis fast auf den Boden. Aber Eis wirkt Wunder bei der Schnell-Regeneration.

6. Passo della Presolana (Km 209, 720 Hm Aufstieg)

Vor dem Schlafengehen müssen noch zwei Pässe überwunden werden, damit wir im Zeitplan bleiben. Der Presolana ist relativ schnell geschafft. Aber unterwegs spielen die Gedanken verrückt. Irgendwie scheint meine Moral etwas unten zu sein – noch ein relativ hoher Pass und das nachdem wir schon über 200 Kilometer und über 4000 Kilometer in den Beinen haben. Wie schön wäre es jetzt gemütlich in einem Hotel einchecken zu können, mit einem leckeren Abendessen und einem Gläschen Wein den Abend ausklingen zu lassen … Aber wir haben es ja so gewollt. Die niederträchtigen Gedanken schnell weggewischt! Ich lenke mich ab, indem ich andauernd das Navi konsultiere, aber die Kilometer schwinden dadurch auch nicht schneller. Nur die Zeit. Wie spät wird es wohl werden, bis wir unseren Biwacksack ausrollen können? Und wenn wir den Vivione heute nicht mehr schaffen sollten? Dann würde wohl auch nichts aus den 60h und der Homologation als Randonneure, gut dann halt innerhalb 72h finishen und im Touristenmodus aufgelistet. Nein, keinesfalls! Jetzt stehen wir schon im Rampenlicht, da Mino unsere Bilder auf Facebook veröffentlicht. Welche Schmach wäre es wohl, wenn wir es nicht schaffen? Wir, die ersten, die die Superrandonneé in Angriff genommen haben? Sinnierend geht es weiter. Ich lenke mich auch dadurch ab, dass ich etwas rundum schaue. Was liegt denn da am Straßenrand? Eine Rolle original verpacker Spagat. Könnte frau gut brauchen im Garten zuhause. Mitnehmen? Ich habe schon viele Sachen unterwegs gefunden … oft sehr brauchbare, aber auch sehr unhandliche, wie zum Beispiel an einem Sella Ronda Bike Day einen Zentnersack Kartoffeln. Wie sollte ich den bloß transportieren … Habe ihn leider liegen lassen müssen. Sonnenbrillen, Buffs, mehrere Paare Radhandschuhe und und und sind schon in meinen Besitz übergegangen. Aber was soll ich mit dem Spagat machen? Ich habe so schon wenig Platz und ein recht schweres bepacktes Rad über die Pässe hochzuschleppen, schweren Herzens fahre ich also standhaft vorbei an der Rolle, genau wie an dem großen Kartoffelsack damals …
Irgendwann, ich langweile mich wieder, blättere ich zufällig wieder mal durch das Garmin-Menü. Was sehe ich da? Die elektronische Schaltung hat nur noch 60%. Nanu? Die hatte ich ja erst aufgeladen. Und ich dachte eigentlich, dass ich den Sensor deaktiviert hatte. Schnell hole ich das nach. Dass der Sensor Di2 an einem Tag so viel „Saft“ braucht, um mit dem GPS-Gerät zu kommunizieren, wusste ich auch nicht. Ich rechne fieberhaft, heute hatte es 40% „gefressen“, wenn es morgen und am Montag genau so viel braucht, dann werde ich mein Rad wohl die Passhöhen hoch schieben müssen, wenn ich nicht mehr schalten kann. Oh weh!
Auf der Passhöhe einige Restaurants, aber leider gibt es erst ab 19:00 Essen. Also machen wir uns an die Abfahrt ins Val di Scalve. Unterwegs bremsen wir aprupt. Hoch über der Schlucht des Flusses Dezzo liegt hier spektakulär das Ristorante Serenella. Wir entscheiden uns statt der Pizza für ein leckeres Nudelgericht. Die nächste Steigung kann kommen.
Ich habe gelernt:
Stets kontrollieren, dass der Di2-Sensor nicht „quatschen“ kann mit der Garmin. Das braucht einen Menge Strom … 3 Tage an und die Batterie ist leer!!! Der Sensor muss aus bleiben und nur ab und zu Kontrolle, wie voll die Batterie noch ist. (Vorausgeschickt: Es geht nochmal gut: Am Ende der Tour werden immer noch 60% Batterie übrig sein).
Und: Sparen ist gut und recht, aber Fundstücke müssen leider zurück bleiben.

7. Passo del Vivione (Km 238, 1100 Hm Aufstieg)

Die ersten Aufstiegskilometer gehen ganz leicht von der Hand. Hermann bleibt zum Anziehen stehen und ist bald aus dem Blickfeld verschwunden. Relativ fröhlich radle ich weiter, den letzten Anstieg heute werde ich wohl auch noch schaffen. Schilpario ist erreicht. Jetzt wird das Sträßchen schmaler, der Ausblick auf die umliegenden Gipfel in der letzten Abendsonne wunderbar. Aber jetzt wird es so richtig steil. Und das heute noch. Mein Mut schwindet. Ich versuche mich abzulenken und bewundere die wunderschön gelb blühenden Goldregenbüsche rundherum. Hermann überholt mich. Von vorne wütendes Hundegebell. Eine Schafherde und Hirtenhunde. Oh weh! Ich trödle etwas und beobachte, ob sie Hermann vor mir bösen gesinnt sind. Sind sie nicht … bzw. sind sie schon, aber zwischen ihm und ihnen ein Zaun steht. Also kann ich jetzt auch unbehelligt vorbei. Das nennt man wohl „feige“.
Es wird langsam dunkel. Die Straße schlängelt sich spektakulär am Hang entlang. Man kann den Abgrund links noch ein wenig sehen und vor allem erahnen. Vor uns weit oben einen Einschnitt im Bergkamm. Was? So weit müssen wir noch hoch? Meine Garmin zeigt aber, dass nur noch wenige Höhenmeter vor uns liegen. Verstehe ich nicht. Ist der vor uns hinter dem Horizont versteckt? Genau! Vor uns eine Kurve, da noch rum und man kann den Pass im letzten Licht erkennen. Warm angezogen und nun liegen 25 km Abfahrt in stockfinsterer Nacht vor uns. Nach einigen Kilometern eine Warntafel: Straßensperre!!! Was ist, wenn wir da nicht vorbei kommen? Wieder zurück? Ein langer Umweg? Die Unsicherheit lässt mich nicht nur vor der Kälte zittern. Die Müdigkeit ist wie weggeblasen. Glücklicherweise gibt es kein Hindernis und es gibt zum Glück auch keine Müdigkeitsattacken, die mich bei Nachtfahrten öfters ereilen. Im Talgrund der Val Camonica angelangt, geht es schon Richtung Mitternacht, deshalb sollten wir langsam daran denken einen Schlafplatz zu finden. Hermann hatte zuhause einen idealen gefunden, erinnert sich aber nicht mehr, wo dieser sei. So fahren wir dem Fluss Oglio entlang taleinwärts. Es ist stockfinstere Nacht. Nicht lang und ich kann am Straßenrand schemenhaft ein paar Bänke erkennen. Ein Picknick-Platz? Wir schauen mal nach und entschließen hier zu bleiben, wer weiß, ob was Besseres nachkommt. Schnell Matratze, Biwacksack und Schlafsack ausgepackt. Hermann liegt schnell in seinem „Bett“, ich muss erst noch meine Luftmatratze aufpumpen und werde dadurch wieder so richtig wach. Nach einigem „Herumgeklaube“ bin auch ich in der Horizontalen.

Der Schlaf will nicht so schnell kommen. Ich döse ein und werde nicht lange danach wieder wach, da ich friere. Der Schlafsack ist für Temperaturbereiche über 10°. Anscheinend ist es kälter. Ich ziehe die Gore-Jacke an, mein Schlaf ist weiterhin leicht und als Hermanns Wecker klingelt, bin ich schon längst wieder wach. Schnell die Schlaf-Utensilien zusammengerollt und verstaut, Zähne geputzt und ab die Post. Vor uns liegen zwei kleinere Berge, dann der große Passo San Marco. Und vor dem nächsten Schlafengehen beim Comosee dann noch ein Pass.
Ich habe gelernt:
Erstens: Hochmut kommt vor dem Fall. Oder Einbildung ist auch eine Bildung: Gabi vorne und stellte sich vor während einer gemütlichen Rast den Göttergatten nachkommen zu lassen. Dieser holte seine bessere Hälfte aber früher als erwartet ein und war auch bald nach oben den Blicken entschwunden. Gabis Beine hingegen wurden durch den „Rückschlag“ noch schwerer.
Zweitens: Schlafplatzsuche ist nicht so leicht. Und wenn man einen geeigneten gefunden hat, dann ist die Müdikeit oft schon wieder überwunden.

8. Passo di Aprica (Km 286, 800 Hm Aufstieg)

Gegen 5 Uhr sind wir wieder im Sattel. Ein Kaffe wäre jetzt mein größter Wunsch. Und siehe da Kraft der Gedanken, nicht weit eine Bar, die kurz nach 5 schon offen hat. Stärkung mit Brioches und Lattemacchiato.

Nun kann der Pass kommen. Die Dämmerung taucht die umliegenden Berge in magisches Licht. Die Motivation ist groß, einen Großteil haben wir ja gestern geschafft. Aber der Hauptanstieg von 1770 Höhenmetern auf den Passo San Marco kann ich mir noch nicht so recht vorstellen. Ab Edolo am Nordende des Val Camonica steigt die Straße nach einer steilen Rampe moderat an. Ich entdecke ein Hinweisschild Passo Mortirolo und Gavia, das bedeutet, recht weit von daheim sind wir gar nicht mehr. Ich verbiete mir diesen Gedanken. Die Sonne geht grad auf, als wir den Passo Aprica erreichen. Flotte Abfahrt in die Valtellina, das Veltlin, das Tal der Adda. Hier sind wir schon im Vorjahr bei der TPBR durch gekommen.

9. Teglio (Km 308, 500 Hm Aufstieg)

Wir dürfen jedoch vorerst nicht im Tal bleiben, sondern die Strecke führt uns den sonnendurchfluteten Hang hinauf in das Dörfchen Teglio. Hier erwartet uns ein super gutes zweites Frühstück in der Bar auf dem Dorfplatz. Gestärkt geht es 40 Km abwärts und dann auf und ab über die „strada del vino“. Das was auf der Karte als Abfahrt erschien entpuppt sich als ziemlich kupierte Strecke. Ein Fall von „Denkste“.
Ich habe gelernt: Beim Planen habe ich die ebenen und Abwärtspassagen unterschätzt. Und sind dort immer aus dem Zeitrahmen gefallen. Aufwärts hingegen haben wir unsere Planung immer wieder eingeholt (außer beim San Marco).

10. Passo San Marco (Km 380, 1770 Hm Aufstieg)

Mittag. Wir beginnen mit der Steigung. Und die ist immer so um die 10% und mehr. Die ersten Kilometer liegen im Schatten. Um die 25 Kilometer und 1770 Höhenmeter zu überleben, teile ich mir die Strecke in 5er-Päckchen auf: 5 Km, kurze Pause, … wieder 5, Pause, … Nach den zweiten 5 sind wir zufällig in Albaredo und danach folgen 5 Kilometer mit knackiger Steigung – bis zu 15% Steigung. Wir beschließen uns vorher zu stärken – bei zünftigen Pizzocheri, naja, nicht die ideale Sportlernahrung, aber gut für die Motivation. Die Steigung geht wider Erwarten gut von der Hand, dann wird es immer mühsamer. Die Geräuschkulisse tut das Ihrige. Gefühlte Millionen Motorräder sind an diesem Sonntag unterwegs auf den San Marco. Ätzend. Irgendwann wechsele ich von 5er-Paketen auf 1er-Pausen, das heißt nach jedem Kilometer eine kurze Trink-Pause. Ich lenke mich damit ab, dass ich einen Ziegenhirten beobachte, der mit seiner Herde Richtung Almhütte zieht. Eine Geiß und ein Jungtier widersetzen sich dem Tempo der Gruppe und latschen in aller Seelenruhe hinterher. Von der Straße oben versucht aus dem Auto ein Hirtenkollege die beiden Abtrünnigen anzutreiben. Erfolglos, denn eiliger bekommen es die beiden nicht. Ich fahre weiter und bekomme das Ende der Geschichte leider nicht mehr mit.

Die Passhöhe taucht in der Ferne auf. Meine Beine motiviert das kaum merklich. Irgendwann bin ich dann da. Das Chaos hier oben ist enorm. Ungeordnet stehen Motorräder überall herum. Man kann sich nur durchschlängeln. Nach dem Passfoto und kurzem Panoramarundumblick flüchten wir wieder.

Nun geht es viele Kilometer abwärts bis ins Brembana-Tal (nanu, da waren wir doch schon mal – stimmt, am Vortag, einige Kilometer weiter südlich, da hätten wir doch eigentlich schön abkürzen können …) durch das Tal des Flusses Bremba geht es über einen schönen Radweg, angenehm diese Ruhe nun, fernab von allen knatternden Motorrädern. Nun nur noch ein Pass vor der wohlverdienten Schlafpause.


Ich habe gelernt: Pizzoccheri alla Valtellina sind zwar super lecker, aber um in der Mittagshitze auf den Pass zu wollen eher hinderlich.

11. Culmine di San Pietro (Km 435, 1200 Hm Aufstieg)

Am späten Nachmittag soll es noch einmal hoch gehen. Lust auf zusätzliche Anstrengung habe ich gar nicht. Seit der Passhöhe des San Marco schwirrt der Culmine San Pietro als Schreckgespenst durch meinen Kopf. Bei San Giovanni Bianco verlassen wir den Brembo-Fluss. Ich bräuchte dringend noch eine Bar für Kaffee, Eis und Cola, aber nichts. Wir biegen ein in das Val Taleggio und glücklicherweise finden wir hier die Bar Trattoria dell’Arlecchino. Gerettet. Ich kann mich gar nicht mehr entscheiden weiter zu fahren, so angenehm sitzt es sich unter der überdachten Terrasse.

Aber wir müssen … und folgen nun der sehr schönen und verkehrsarmen schmalen Straße durch die Schlucht des Torrente Enna. Landschaftlich wunderschön geht es weiter in moderater Steigung durch Taleggio und Vedeseta. Wir füllen nochmal unsere Trinkflaschen auf und weiter geht es durch grüne Wälder bis auf die Passhöhe des Culmine. Nun heißt es alles anziehen, denn es wird empfindlich kühl. Wie wohl die heutige Nacht wird? Werde ich wieder frieren? Aber noch ist nicht Zeit daran zu denken. Wir fahren ab nach Ballabio und weiter hinunter nach Lecco am Comer See. Am Seeufer kehren wir zum Abendessen ein. Es dämmert langsam, als wir uns nochmal auf den Weg machen. Wir wollen noch etwa 20 Kilometer weiter am Ufer des Sees bis nach Bellagio. Die Lichter der Dörfer spiegeln sich im See. Die Stimmung ist wurderschön. Zunächst geht es kilometerlang durch Tunnels. Wieder im Freien bläst uns eine sehr starke Brise entgegen.

Brise ist eigentlich kaum die richtige Bezeichnung, es ist teilweise ein ausgewachsener Fallwind, der mich mehrmals fast umwirft. Neben der Straße finden wir keine Möglichkeit unser Lager aufzuschlagen, erst als wir den Uferbereich verlassen und die Straße ansteigt, sehen nach dem Kreisverkehr eine geeignete Stelle. Ein gemauertes Gebäude mit Arkaden und darin ein Brunnen? Bei Nacht können wir es nicht genau erkennen. Rundherum gepflegter Rasen. Hinger dem Gebäude machen wir es uns gemütlich. Wieder mal ist Hermann schneller „in den Federn“. Ich brauche bis ich meinen Schlafplatz eingerichtet habe. Und dann muss ich mich mehrmals aus meinem Schlafsack schälen, denn ich rutsche von meiner Luftmatratze. Es dauert, bis ich ein ganz ebenes Plätzchen gefunden habe. Es wird schon langsam hell, als wir nach wenigen Stunden Schlaf wieder unsere Habseligkeiten zusammen packen. Kaum dass wir unsere Räder hinter dem Haus hervorgeschoben haben, hält dort die Müllabfuhr. Die hätten wohl Augen gemacht, wenn sie uns noch in unseren Schlafsäcken angetroffen hätten.
Ich habe gelernt:
Erstens: Im Taleggio-Tal: Eis und Cola wirken schnell Wunder. Auch wenn man glaubt, keinen Meter mehr fahren zu können.
Zweitens: Wie man sich bettet so liegt man.

12. Madonna del Ghisallo (Km 487, 500 Hm Aufstieg)

Ich bin schon gespannt auf den ersten Pass heute. Das Kirchlein dort ist den Ciclisti, den Radfahrern, geweiht. Der Comer See erwacht langsam. Die paar Hundert Höhenmeter schaffen wir rasch.

Und oben sind wir kurz vor Sonnenaufgang. Die Stimmung ist mystisch. Kurze Rast und wir müssen weiter. Hermann stresst. Schon am Tag zuvor hat er versucht mir vorzurechnen, dass es heute knapp werden würde. Ich tue das als Hirngespinst ab. Nur 5 kleine Pässe, grad mal 125 km und knapp 3500 Höhenmeter. Dass ich nicht lache, das reißen wir doch locker runter. Und wir haben ja lange Zeit, bis halb fünf am Nachmittag. Das wär wohl gelacht.
Kurze Abfaht von der Madonna del Ghisallo und dann liegt schon die nächste Steigung vor uns, der Berüchtigte Muro di Sormano.

13. Muro di Sormano (Km 500, 610 Hm Aufstieg)

Die Hälfte des Anstieges in moderater Steigung auf dem Rad. Nach dem Dörfchen Sormano teilt sich die Strecke, der Muro – 1,7 km oder die Ausweichstrecke über 4 Kilometer.

Da bei der Randonneé der Muro vorgesehen ist, stellt sich uns auch keine Frage. Kurz nach der Abzweigung, wirft es mich auch schon vom Rad. Wie da jemand mit dem Rennrad hoch kann? Durchschnittliche Steigung ist 17%, die maximale Steigung 25% – wir gehen die gesamten fast 2 Kilometer zu Fuß, an die 250 Höhenmeter. Zum Glück haben wir beide MTB-Schuhe mit Profil. Mit Rennradschuhen hätte man/ frau wohl barfuß hoch müssen. Oben angelangt Lattemacchiato, Brioches gibte es leider keine, überhaupt komische Hütte da oben.  Also wird unser Frühstück wohl noch warten müssen.


Die Abfahrt nach Como folgt. Kurz vor dem Ufer wird mir aber klar, dass die Uferstraße nicht eine solche ist, sondern etwa 100 m über dem See 15 km von Dorf zu Dorf und somit auf und ab verläuft. In Blevio finden wir endlich eine geöffnete Bar. Und gleich daneben der kleine Supermarkt „La Dispensa“, in dem wir uns vom sehr netten Inhaber leckere Ciabatte belegen lassen. Denn gemütliches Mittagessen ist keinesfalls drin zeitlich.
Ich habe gelernt: Nach über 500 Kilometern und über 10.000 Höhenmetern ist alles, was über 15% Steigung hat nicht mehr tretbar. Mein Drahtesel wirft mich einfach ab. Und weil ich so langsam schiebe, macht sich sogar meine Garmin über mich lustig und zeigt 0% Steigung an. Hahahahahaaaa!!!

14. San Fermo della Battaglia (Km 541, 700 Hm Aufstieg)

Kurz stürzen wir uns ins Verkehrschaos von Como. Mit Mino hatten wir Rücksprache gehalten. Original führte die Strecke bei Cernobbio in einem kleinen Bogen durch die Schweiz. Wir aber biegen kurz vorher links ab. Kilometer und Höhenmeter sind auf beiden Streckenabschnitten in etwa gleich, die Nur-Italien-Strecke sei etwas ruhiger verkehrsmäßig.  Eine kleine Nebenstraße führt uns  wieder mal nach oben. Wir erkennen, dass wir hier vor einem Jahr bei der TPBR schon mal waren. Die Sonne sticht jetzt schon ganz schön. Bald haben wir San Fermo della Battaglia erreicht und nach dem Pflichtfoto radeln wir gleich weiter. Habe ich mich schon auf das flache Stück gefreut, so erscheint es mir jetzt sehr lästig, denn flach ist es keineswegs. Ständig geht es bergauf, dann wieder bergab. Ein strammer Wind bläst uns zudem entgegen. Immer wieder scrolle ich durch meine Karte und schaue, wann denn endlich der Luganer See käme und wann endlich der nächste Aufstieg. Wer hätte das gedacht, dass ich mich nach einem Aufstieg sehne … Aber der eigentliche Berg war ja auch nicht der Beweggrund meines Wunsches. Aber wir hatten einfach noch zwei Berge vor uns und je eher die überwunden wurden desto besser. Und das Auf und Ab das fraß einfach viel Zeit. Inzwischen hatte ich Hermann Recht gegeben. Die Stunden flossen nur so dahin und noch lange waren wir nicht am Ziel. Ich rechnete immer wieder nach. Dabei verging zwar viel Zeit, aber meistens kam ich auf kein ordentliches Ergebnis. Wo hatte ich das mal gehört: Die Anstrengung knabbert zwar die Fettreserven an, aber auch Muskelmasse und Gehirn. Da haben wir den Salat, ich glaube, bei mir fängt Letzteres auch schon an. Endlich der See. Nun noch ein paar Kilometer am Ufer entlang und es geht das vorletzte Mal hoch. Kurz vor dem Anstieg sind wir schon bei der Bar vorbei, bevor wir sie bemerken. Gut, dann halt 100 m zurück, denn ohne Stärkung mit Cola und Eis werde ich die knapp 700 m Aufstieg wohl schwer schaffen.

15. Ardena e Marzio (Km 572, 680 Hm Aufstieg)

Dann geht es auf den vorletzten Berg. Meine Berechnungen sagen, wir schaffen es locker. Jetzt noch hier hoch, dann vier Kilometer runter und dann nochmal 800 Hm hoch und wir sind da. Wenn wir um 15 Uhr spätestens am Fuße des Campo die Fiori sind … Nullo Problemo. Locker Zeit genug. Was Hermann da wohl rechnet. Und wirklich, die Passhöhe ist schnell geschafft. Oben gibt es sogar einige Bänke im Schatten und wir verspeisen unser Brot.

16. Campo die Fiori (Km 600, 810 Hm Aufstieg)

Ich bin entspannt. Hermann drängt weiter. Missmutig packe ich meine Sachen. Und schaue beiläufig nochmal auf das Streckenprofil. Und da sehe ich es. Mir dämmert es … Nun stehen nicht nur 4 Kilometer Abfahrt auf dem Programm, sondern noch weitere 16 km kupiertes Gelände. Die waren mir entgangen. Fieberhaft beginnt es in meinem Hirn zu arbeiten.

Das von mir angenommene Zeitpolster beginnt zu schwinden und plötzlich werden meine Bewegungen hektischer und ich bin ruckzuck auf meinem Rad. Weiter!! Das „falso piano“ wie man im Italienischen sagt, entpuppt sich als nicht so schlimm, es geht zwar immer leicht aufwärts, wir kommen recht schnell weiter. Und dann stehen wir in der Mittags-Gluthitze am Fuß des Campo di Fiori. Die ersten Kilometer sind in der prallen Sonne und fast nicht auszuhalten. Meine 5er-Taktik vom San Marco wird hier eine 2er-Taktik. 2 km – Trinkpause – 2 km. Mir geht langsam das Wasser aus. Zum Glück fährt man jetzt in schattigen Laubwäldern. Ab und zu schöne Aussicht auf die Ebene unter uns und auf das gegenüber am Hang liegende Dörfchen Santa Maria del Monte. Und dann eine Quelle.

Besser könnte es uns nicht gehen. Und bald sind wir oben. Geschafft! Alle Anstrengungen sind (fast) vergessen. Seit dem Start sind gut 59 Stunden vergangen. Wir haben es locker geschafft, aber inzwischen hätte nicht viel schiefgehen dürfen … und längere Schlafpausen wären keinesfalls drin gewesen.
Nun haben wir noch 50 Kilometer vor uns zurück zum Start. Aber das ist eine andere Geschichte.


Unser Ziel als erste Randonneure hier homologiert zu werden gut erreicht. Das macht mich schon stolz auf uns … Und Mino kann zumindest bis zum nächsten Start von irgendwem behaupten, dass bei seinem Superbrevet die Frauenquote sehr hoch ist und zwar 50% … normalerweise starten bei solchen Events höchstens mal 10% Frauen.





















10 Pässe Rennrad-Tour

Pfingstwochenende. Grenzen zu. Was tun? Gut, dann werden wir mal unser „Landl“ abfahren. Wir leben ja schließlich da, wo andere Urlaub machen …

Mein Video (4 min)

Tag 1:
Der Plan: Am ersten Tag über jede Menge Pässe am ersten Abend eine Pizzeria hoch über der Valsugana zu erreichen und danach einen Schlafplatz zu suchen.
Pässe: Karerpass – Passo San Pellegrino – Passo Valles – Rollepass – Passo Gobbera – Passo Brocon,
fast alles in Trentino – Alto Adige. Aber nur fast, denn auf der Abfahrt vom San Pellegrino mussten wir einige Kilometer hinein nach Venezien. Ob sie dort wohl kontrollieren werden und uns eine saftig Strafe aufbrummen oder noch schlimmer uns viele Höhenmeter zurück schicken?

Karerpass (+1700Hm): Nach dem Einrollen über den Radweg bis Blumau, steigt es über die Tierser Straße stetig an, ganze 1700 Hm. Der Tag verspricht gemischt bewölkt zu werden. Zum Glück waren wir nicht pünktlich abgefahren, denn die teils nassen Straßen künden von noch nicht lange passierten Regenwolken. Auf den Passhöhen ist es ziemlich kühl. Ich bin froh um meine dünne Daunenjacke.

San Pellegrino Pass (+700Hm): Nach der Abfahrt ins Fassatal stärken wir uns in Moena bei Latte Macchiato und Brioches für den Anstieg zum San Pellegrino Pass. Auf den ersten Metern kommt uns –oh Schreck- ein Carabinieri-Auto entgegen. Fährt vorbei. Nun, bei dem wenigen Verkehr heute wird wohl hier nicht noch ein zweites Kontrollauto lauern? Kurze Abfahrt nach Venetien.

Passo Valles (+600Hm): Etwas schlechtes Gewissen fährt aber mit als wir nach der Abfahrt den Passo Valles hinaufschnaufen. Ich denke mir schon Ausreden aus … wie „Ach, wir sind in Venetien? Ein Schild? Nö, keines gesehen …“ Wir retten uns über die Grenze. Vielleicht ist mir der Passo Valles deswegen so schwer gefallen, weil ich wusste, dass ich hier eigentlich nicht sein durfte. Und zurück hätten einen Gegenanstieg von 400 Höhenmeter und einen Umweg bedeutet. Aber nochmal gut gegangen.

Rollerpass

Rollepass (+400Hm): Auf den Rollepass rollte es sich gut hinauf. Nomen ist omen? Er gehört zu den „23 grandi salite del Trentino“ auf denen auch die Giro-Athleten starke Beine brauchten. Vorteil: In Kilometer-Abständen wird die Steigung in Prozent angezeigt und der Abstand zur Passhöhe. Motivation oder demotivierend … das hängt grad mal vom eigenen Konditionsstand ab.
Oben ist es ungemütlich kalt. Rasant geht es nach San Martino di Castrozza runter. Bei Lattemacchiato, Cola und Tramezzini diskutieren wir. Nach dem nächsten Pass wird eine Pizzapause eingelegt, dann Schlafplatzsuche. Oder wäre es nicht angenehmer jetzt in ein gemachtes Bett zu steigen. Ja, das machen wir, denn die Nacht-Temperaturen versprechen nichts Gutes. In der Pizzeria hätten sie ja auch Betten.

Passo Gobbera (+400Hm)  und Passo Brocon (+900Hm): Nach dem Rollepass liegt nun noch der Passo Brocon vor uns. Hermann liest im Internet, dass dieser schon seit Herbst gesperrt ist. Was nun? Wir müssen es aber probieren, einen anderen Weg gibt es nicht, um unsere geplante Runde fortzusetzen. Vielleicht kommt man um die Stelle herum? Es glückt. Ein Windwurf hatte große Flächen quasi entholzt und man war gerade dabei aufzuräumen. Aber ein großes Glück: heute am Sonntag nicht. Und wir schaffen es noch vor Dunkelheit auf unseren letzten Berg für heute.
In Pieve Tesino Pizza ja, aber Fehlanzeige – keine Schlafplätze. Oh, je! Dann müssen wir im Dunkeln noch weiter abfahren. Und Hermann hat nicht mal ein gescheites Licht.
Auf dem Valsugana-Radweg werden wir aber bald fündig. Ein Rastplatz mit Bänken und Tischen und im Hintergrund ein paar Bäume unter denen wir es uns gemütlich machen.
Die neue Matte, Biwaksack und Schlafsack ausgerollt und reingeschlüpft. Komm, du süßer Schlaf. Komm schnell, denn am nächsten Tag wird wieder weit und hoch pedaliert. Ich schaue noch etwas in die Sterne hoch. Normalerweise falle ich nach ein paar gelesenen Buchseiten schnell in den Schlaf. Ohne Buch …?
Ich mache kaum ein Auge zu. Kaum eingeschlafen, wache ich auch wieder auf. Atemnot. Der obere Teil des Biwaksacks liegt auf meiner Nase. Ich döse wieder weg. Wieder keine Luft. Biwaksack vom Gesicht schieben. Um 2 schaue ich wieder mal auf die Uhr. Ungewohnt so im Freien zu schlafen. Der Bach nebenan rauscht sehr laut. Im Gebüsch raschelt es ab und zu. Ich fröstle etwas. Aus dem Schlafsack nebenan kein Ton. Ich lausch angestrengt. Nichts.  Der Hermann wird wohl nicht erstickt sein in seinem Biwaksack wie ich vorher fast? Kann das eigentlich passieren? Soll ich aufstehen und nachsehen? Ich entschließe mich liegen zu bleiben. Hat eh keinen Sinn. Erstickte kann man ja nicht aufwecken und helfen kann man ihnen ebenso nicht. Also warten wir, bis es Morgen wird.

Die Gedanken fahren weiter Karussell. Irgendwann stelle ich mir vor, dass ich Schlafsack & Co nicht mehr schön klein zusammengerollt bekomme. Dann nämlich werde ich ein kleines Problem haben. Wie soll ich das Zeug dann weiter bringen, wenn ich es nicht mehr in die „Sweet Roll“ stopfen kann? Ich kichere innerlich: Ich wickle den Schlafsack einfach um. Dann sieht man wenigstens mein Sweet-Röllchen um den Bauch nicht mehr… Irgendwann übermannt mich der Schlaf (gibt es eigentlich davon eine Gender-Version? Überfraut oder so?).
Und gegen vier fangen die Vögel an zu zwitschern … nach maximal zwei Stunden immer wieder unterbrochenem Schlaf … würd ich eher sagen sie fingen an zu kreischen.
Hermann wickelt sich aus seinen Schlafhüllen. „Hast du gut geschlafen?“ Beiderseits ein „Naja, nicht so gut …“. Das Zusammenpacken geht wider Erwarten recht flott vonstatten und ich bekomme alles wieder in meine Rolle reingeschoben und unterm Lenker verstaut. Genial!

Tag 2:
Eben geht es talauswärts bis zum Caldonazzo-See. Hier frühstücken wir ausgiebig und fahren über eine kleine Höhe (+200Hm) hinab ins Etschtal südlich von Trient.

Monte Bondone

Passo Viote (+1400Hm): In Aldeno beginnt die lange Steigung auf den Passo Viote unter dem Monte Bondone. Ein wunderschöner Anstieg durch Dörfchen und Hochflächen. Hier war ich noch nie zuvor. Keinerlei Verkehr. Das Wetter ist auch traumhaft. Oben auf dem Viote aber tummeln sich unzählige Sonnenhungrige. Jede Wiese ist mit Volk auf Sonnenliegen belegt. Die Bauern werden sich freuen. Eigentlich wäre es jetzt aber angenehm auch so eine Liege zu haben, lesen, die Seele baumeln lassen. Irgendwas ist da bei unserer Pfingst-Urlaubsplanung wohl an uns vobei gegangen? Vom Viote hier haben wir Sicht auf das in weiter Ferne gelegene Brentamassiv. Wie soll das gehen? Weit weg von uns, hinter dem Gebirge (äh … geografisch gesehen westlich davon) befindet sich Madonna di Campiglio und der letzte Pass für heute: Passo Carlo Magno.
Aber zunächst müssen wir wieder abfahren und zwar nach Sarche nördlich des Gardasees. Traumblicke. Ein Spaß die super gepflegte Straße abwärts zu sausen. Irgendwann steht Hermann am Straßenrand, ich sause vorbei und weiter. Kurzer Blick auf mein Garmin-Gerät. Nanu? Wo ist denn die Strecke? Vollbremsung. Ich habe die Abzweigung beim Castel Madruzzo versäumt. Also wieder zurück, ich folge einer Radfahrerin, die Arme muss wohl noch hoch auf den Viote. Kein Hermann weit und breit. Da haben wir es nun. Ich hatte es schon länger erwartet. „Es“ bedeutet: Noch in (fast) jeder Tour gibt es einen Moment, wo wir uns „verlieren“. (Am Rande bemerkt: Hermann gibt meist mir die Schuld – das Frauchen hat schön brav dem Chef zu folgen. Aber Frauele hat seinen eigenen Kopf …). Also war es wieder mal soweit. Bei der Abzweigung in der Ferne sehe ich Hermann, er schaut zu mir herunter und fährt weiter ohne zu warten. Na warte! Mit Affenzahn rase ich abwärts über das Kopfsteinpflaster. Irgendwann hole ich ihn ein. „Warum wartest du nicht?“ Er hatte mich nicht gesehen – nur Augen für eine flotte Radler-Biene im pinkfarbenen Dress hatte er …

Stenico

Grad im Tal angelangt geht es auch schon wieder hoch (+400Hm). Durch den spektakulären Sarca-Radweg wollen wir hoch nach Stenico. Von dort führt hoch über dem Lago di Ponte Piá ein Sträßchen hinab ins Val Rendena. Zwischenstop unter dem Castel Stenico bei Lattemacchiato und Eis. Nein, die Straße nach Tione sei schon seit Monaten wegen Steinschlag gesperrt. Ein Durchkommen gebe es laut dem Wirt nich. Ein übermannshoher Zaun verhindere das. Eine Schande, dass den haushohen Steinbrocken niemand wegräume. Schade! Wir sind sowas von enttäuscht. Unsere Runde ist somit hier beendet. Da mischt sich eine Dame aus der lustigen weißweinschlürfenden Frauengruppe (und das am frühen Nachmittag …), sie habe gehört, dass man ein Rad an der Seite vorbeiheben könne …
Unser Plan reift. Nein, nicht Abkürzung über den Molvenosee nach Hause … Wir setzen unsere Runde fort oder versuchen es zumindest. Der Zaun ist wirklich über zwei Meter hoch. Darüber klettern wäre auch ohne Rad kaum möglich. Wenn man aber am Rand über die Leitplanke steigt, kann man hinüber gelangen. Aber wie die Räder dort herum heben. Ein Versuch ist es wert. Hermann klettert hinüber. Ich wuchte mein schwer bepacktes Rad hoch und versuche es mit gestreckten Armen nach rechts zu schieben, wo es Hermann in Empfang nimmt. Jetzt loslassen und das Rad würde im Abgrund verschwinden. Radtour ade! Es geht alles gut. Wieder mal mit etwas schlechtem Gewissen folgen wir der Straße. Wo wohl das Steinschlaggelände ist? Und was ist, wenn heute am Pfingst-Montag (in Trentino ist kein Feiertag) Arbeiter von Straßenbauamt oder Forst hier unterwegs sind beim Aufräumen? Peinlich. Ich stelle mir die Ausrede vor: „Zaun? Wo denn? Nicht bemerkt …“
Und ein weiterer Gedanke: Was, wenn am anderen Ende der Straße ein Zaun aufgebaut wurde, der nun überhaupt nicht zu überwinden ist? Dann müssen wir zurück und wer weiß, ob wir den Zaun nochmal schaffen würden. Eingesperrt, verhungern und verdursten?
Den Steinbrocken finden wir nicht und um den nächsten Zaun kann man nicht außen herum und er ist gleich hoch wie der erste. Aber unser Glück ist ein schmaler Einschnitt, durch den man sich hindurchzwängen kann und wenn man das Rad hoch genug hebt, dann kann das Rad da auch durch und der Lenker oben drüber. Geschafft. Mit ruhigem Gewissen geht es weiter.
Durch das Val Rendena führt ein Radweg bis in den Talgrund. Der hat jedoch wieder mal viele Höhenmeter zusätzlich.

Brenta-Gruppe

Passo Carlo Magno (+1100Hm): Von Pinzolo aus steigt die Straße an. Wir sind wieder auf einer der „grandi salite del Trentino“ und es gibt alle Kilometer ein Schild mit Informationen. Die Motivation steigt, wenn diese unter 7% liegt, darüber weiß ich, bedeutet Überlebenskampf. Der Schlafentzug nach so einem Tag wie gestern fordert wohl Tribut. Und in der Mittagshitze gilt wohl auch hier „nomen est omen“ – denn es geht nach St. Maria im Pein (deutsch veraltet für Madonna di Campiglio).
Madonna di Campiglio liegt noch im corona-bedingten Märchenschlaf. Und geträumt hat wohl auch die Planungsplattform „Komoot“, denn das Sträßchen aus dem Ort hinaus wird immer steiler. 20% Steigung und immer mehr werfen mich aus dem Sattel. Schieben tut auch mal ganz gut. Aber das Sträßchen mündet in einem Schotterweg und schließlich in einer Skipiste. Ärger! Als wir die Straße wieder erreichen sind wir dann schon fast auf der Passhöhe. Campo Carlo Magno, der letzte an diesem Tag.

Campo Carlo Magno

Wir düsen gegen das Val di Sole. Im letzten Augenblick erreichen wir noch einen Supermarkt. Am nächsten Tag nämlich ist Feiertag. Hermann googelt eine Pizzeria in der Nähe. Wir müssen nur etwas taleinwärts. Aber das Ristorante Dolomiti ist wirklich ein Volltreffer. Sagenhaft gute Pizza und lustige Bedienung. Meine Extra-Wünsche werden gerne, wenn auch mit Staunen erledigt: Weizenbier – halb Bier, halb Apfelsaft. Mein Spezial „Radler“. Das beste Getränk nach einem langen Radtag. Nach einem leckeren Dessert Semifreddo all‘ Amaretto – mit einem ganzen Schnapsgläschen Amaretto intus eiere ich dem nächsten Schlafplatz entgegen. Wir sind gut in der Zeit. Es ist noch hell und wir rollen auf dem Val di Sole – Radweg talauswärts. Jetzt noch ein schöner Schlafplatz … und den finden wir: Ein Spielplatz mit Grillstelle und einem überdachten

Essbereich. Dort schlagen wir unser nächstes Lager auf. Vorsichtshalber hänge ich die Ess-Sachen weit nach oben, im Brentagebiet gibt es bekanntlich Bären. So muss ein Bär halt mich als „Räuberleiter“ verwenden … Werden diese Gedanken wieder Schlaflosigkeit bedeuten?
Nein, ich schlafe verhältnismäßig gut. Das muss man halt auch lernen, irgendwo in der Wildnis schlafen.

Tag 3:
Hofmahdjoch (+1200Hm)
: Am Morgen ist es recht frisch, das Frühstück und Packen bei etwa 5°C, aber beim Losfahren in der Sonne wird uns gleich warm. Vor uns liegt auch wieder ein ordentlicher Anstieg zum Hofmahdjoch, Übergang vom Deutschnonsberg ins Ultental.
Irgendwie sind die Beine heute recht schwer. Ich versuche mich mit der mir unbekannten wunderschönen Gegend abzulenken, quatsche mit nachkommenden Mountainbikern. Die Steigung tut weh. Ich interpretiere das Höhenprofil falsch und Überraschung, ich, die ich glaubte bald oben zu sein, habe noch fast 400 Höhenmeter vor mir. Das nennt man demotivierend. Vielleicht habe ich auch etwas überzogen und wollte den beiden Mountenbikern zeigen, wie gut ich noch drauf war nach so vielen Kilometern und Höhenmetern (*grins). Wie sollte ich heute aber noch 1700 Höhenmeter auf den Jaufen schaffen, wenn es jetzt schon so schwer geht. Unmöglich. Der Demotivations-Grundstein war gelegt …
Abfahrt durch viele Tunnels ins Ultental. Und hier ist die Hölle los. Eine Blechlawine, Auto hinter Auto, rollt taleinwärts. Was ist denn heute bloß los? Fährt die eine Hälfte der Menschheit nach Ulten? Und die andere Hälfte womöglich ins Passeiertal? Das ist nach den beiden fast autofreien Tagen Horror pur.

Jaufenpass (+1700Hm): Hermann und ich diskutieren. Aber nicht lange … Wir haben beide wenig – nein absolut keine – Motivation. So viel Verkehr und noch so viele Höhenmeter. Ist das vernünftig? Muss immer alles genau nach Plan verlaufen? Darf man nicht auch mal Schwäche zeigen (naja, Anzeichen von Schwäche waren die vergangenen beiden Tage ja nicht unbedingt …). Aber jetzt? Sind wir Looser, wenn wir jetzt statt oben drüber unten rum zurück fahren? Nein, im Moment kann sich niemand von uns beiden vorstellen es irgendwie auf den Jaufenpass zu schaffen und wir wählen die Vernunft-Variante: Radweg von Meran nach Hause. Und siehe da auch das fast flache Radeln über 70 km ist auch noch ganz schön „brutal“. Aber der geplante Eis-Zwischenstop beim CB in Klausen zieht uns weiter.

Die Tour hat uns in unsere Grenzen verwiesen … Respekt vor der Super Randonneé Lombarda Extreme (600km/ 14.000Hm) bei der wir uns ganz kühn als erste angemeldet hatten (die Rando ist ganz neu). Ob wir da jedoch in 60 Stunden (Randonneur-Modus) durchkommen können? Ich bin mir da nicht mehr so sicher. Aber wer wagt gewinnt und es gibt ja immer noch die Möglichkeit unterwegs spontan in den Tourist-Modus umzudisponieren.

Feeling Randonneé

Gastgeber Equilibrio Urbano Cyclestore
Facebook YouTube Italiano – scrollare in basso

Equilibrio Urbano Cyclestore (Mailand/ Milano) organisiert regelmäßig Abende, die dem Radfahren gewidmet ist. Im Moment, des noch nicht unbregrenzten Ausgangs, laufen diese Abende virtuell aber live auf Zoom und YouTube ab.
Durch den Abend führten Fabio Coppi und Gianluca Ostini.
Der Abend war denjenigen gewidmet, die mehr erfahren möchten über die Möglichkeiten des Radfahres über mittlere bis lange Distanzen. Es ging im Besondern um Frauen-Radsport.

Die Gäste:
Marina Dionisi: Randonneurin hat unter anderem die 1001Miglia, dreimal Paris Brest Paris, MGM (Madrid-Gijon – Madrid) und das Race Across Italy (RAI) absolviert.
Barbara Toscano: Organisatorin von Randonneés und Ari Koordinatorin für Lazio Molise Abruzzen, Leiterin der italienischen Meisterschaft ARI, selbst Neuling im Radsport mit 3 über 1000km  in einer Saison, einschließlich Paris Brest und Repubbliche Marinare. Organisatorin der permanenten Superrandonneé der Alpitica, Super Randonnée und permanentes Extrem-Patent im Piemont.
Gabi Winck: Randonneurin/Triathletin mit LEL, 1001 Miglia, Alpi 4000 Parigi Brest, Iroman Swissman Extreme und Norseman und vielen anderen.

Hier die Aufzeichnung auf YT – bitte auf „dieses Video auf YouTube ansehen“ klicken!
Mein Beitrag (sprachlich schauderhaft *lach*) ab Minute 50:20

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=9l4bmxNi5v8?start=3020&w=560&h=315]


Italiano:

Equilibrio Urbano Cyclestore organizza regolarmente serate dedicate al ciclismo. Al momento queste serate sono virtuali ma in diretta su Zoom e YouTube. Fabio Coppi e Gianluca Ostini hanno guidato la serata.
Una serata dedicata a chi desidera conoscere meglio e riflettere sulle possibilità di pedalare le distanze medio-lunghe partendo da esperienze concrete. Avremo un punto femminile grazie a tre atlete che alla attività sportiva aggiungono impegni anche su altri aspetti ciclistici-

Le ospiti:
Gabi Winck: Randonneur/triatleta con all’attivo LEL, 1001 Miglia, Alpi 4000 Parigi Brest, Iroman Swissman Extreme e Norseman e tante altre-
Marina Dionisi: Randonneur ha completato tra l’altro la 1001 miglia, tre Parigi Brest, MGM e la Race Across Italy „RAI“.
Barbara Toscano: Organizzatrice di randonnee e Coordinatrice Ari per Lazio Molise Abruzzo, Responsabile del Campionato Italiano ARI- atleta neofita in ambito ciclistico con all’attivo 3 over 1000 in una stagione tra cui Parigi Brest e Repubbliche marinare. Organizzatrice e tracciatrice dell’Alpitica, Super Randonnée nonché brevetto permanente extreme in Piemonte.

Südtirolerin des Tages – Spendenaktion Nordkap

Radeln zu einem guten Zweck               pedalare per un buono scopo

Unterstützer/ sostenitori                   Das Projekt in den Medien/ il progetto nelle medie

Südtirol 1 „Südtirolerin des Tages“

12. Mai 2020  – Am Ziel!!!!! Arrivata al Capo Nord!!
13. Mai – Südtirol 1 – „Südtirolerin des Tages“  –  Radio Südtirol 1 – „Altoadesina del giorno“

Liebe Unterstützer, ihr bekommt in Kürze per Mail die Kontodaten von SÜDTIROL HILFT.
Wenn du mitmachen möchtest bei der Spendenaktion für zwei Südtiroler Familien, dann schreibe mir bitte: gabi_winck[at]yahoo.de
Danke an alle!!!
Gentili sostenitori, riceverete presto per e-mail i dati di ALTOADIGE AIUTA.
Se volete unirvi alla raccolta fondi per due famiglie altoatesine, scrivetemi: gabi_winck[at]yahoo.de
Grazie a tutti!!!

Radeln zu einem guten Zweck – so ging es weiter …

Projektbeschreibung und Unterstützer            italiano       

Das sagen die Medien: Südtirol Heute, Südtirol 1, Isarco e Brixner

Liebe Unterstützer*innen von „Radeln für einen guten Zweck“,

Hier der neueste Stand …
Das Radrennen NC4K  (Northcape4000) ist leider vom Veranstalter wegen der Situation Covid-19 abgesagt bzw. auf nächstes Jahr verschoben .
Ich bin losgefahren auf dem Ergobike und angekommen … und um die 10.000 Euro konnten an Südtirol Hilft überwiesen.
Danke an alle Spender. Vielleicht ist 2021, wenn ich hoffentlich real losfahren kann wieder jemand dabei? Diesmal möchte ich als Spendenziel den AEB (Arbeitskreis Eltern Behinderter) auswählen, der Großartiges leistet bei der Unterstützung von Familien.

harald
ergobike


Wie geht es weiter?
Wegen der Ausgangsbeschränkung bin ich seit einiger Zeit dabei die Strecke auf meinem Ergobike nachzufahren. Im Moment bin ich bei Tallinn/ Estland vorbei, Km 2500, weiter geht es von Helsinki aus durch Finnland.

Wenn Sie/ ihr sagt, dieses Jahr stemmen wir das finanziell nicht, ist das verständlich. Falls ihr trotzdem dabei seid … wäre das super!!! Bitte teilt mir das mit. Sobald ich virtuell am Nordkap angekommen bin, bekommt ihr die Kontodaten von „Südtirol hilft“.
Mit sportlichen Grüßen und bleibt gesund!!!
Gabi

karte_ganz

Erwischt …

tria

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Vierte Woche mit Ausgangsbeschränkung. In den letzten Wochen saß ich mehr oder weniger rund um die Uhr vor der digi Kiste, sprich Laptop, um Hausaufgaben für die ganze Schule zu managen und dann Kids und Eltern reihenweise telefonisch zu erklären, wie man Office365 und Teams bedient.
Mir fällt langsam die Decke auf den Kopf, ich schlafe schrecklich schlecht … Glaube, ich muss meine Lebenswandel mal umstellen .. Jetzt sind ja die OSTERFERIEN in Sicht … *grins*

Ausgangsbeschränkung? Das heißt zuhause bleiben, nur notwendigste Gänge, wie Essen besorgen sind möglich. Sportliche Betätigung im Freien nicht erlaubt. So ganz genau, weiß eigentlich niemand, was man darf und was nicht. Sich bewegen im nächsten Umkreis der Wohnung darf man anscheinend … Was ist die nächste Umgebung? Wie weit darf ich weg? Bisher wusste ich es nicht genau, jetzt weiß ich es …

Gestern – wunderschönes Wetter- ich muss einfach mal raus. Genau so will ich es machen, wie in den letzten Wochen selten mal : 300m vom Haus entfernt mich in die „Büsche schlagen“ und querfeldein, auf unmarkierten Steigen durch den Wald hoch. Taschenmesser und Tüte dabei, um für das Abendessen zu sorgen. Lecker Löwenzahn, angerichtet mit Pellkartoffeln. Mein Körper lechzt förmlich nach Bewegung, frische Luft und Sonne. Ohrstöpsel und Hörbuch und los! Ein Stück der Straße lang, dann startet ein Wanderweg steil nach oben. Ich wende meinen Kopf nach links, um ja das rot-weiß gestreifte Sperrband nicht zu sehen … Das hat vermutlich jemand abgerissen und die Reste hängen verwurschtelt in den Büschen. Frohen Mutes, wie super schön ist Wandern. Wusste ich gar nicht mehr … Man ist ja mit so wenig zufrieden im Moment. Nur noch vorbei beim letzten Haus. Vor mir schon der Wald. Ich steige hurtig weiter, höre angestrengt auf die Stimmen in meinem Ohr, die Geschichte scheint spannend zu werden. Aber irgendein Störgeräusch drängt sich mir auf. Was war das? War da was? Ich drehe mich um und im selben Moment schwant mir Böses. Im Laufschritt eilt mir eine dunkle Gestalt nach. Ich ahne es schon. Ein leicht schlechtes Gewissen stellt sich ein. Ein Forstbeamter … „Wohin wollen Sie?“ – Oje, was sage ich dem guten Mann jetzt? Tausend Gedanken stürzen auf mich ein … Wahrheit? Ja, ich entschließe mich für die Wahrheit … Hätte ich das doch bloß nicht getan … „Ich hatte vorgehabt da vorne in den Wald einzutauchen und weglos hoch nach Karnol …“ „Sie wissen, dass das nicht erlaubt ist! Wo wohnen Sie?“ „Da unten bei den Häusern, ich bin grad mal 300 m hier hoch … Wissen Sie …“ Ich jammere ihm was vor  und schildere ihm die ganze Geschichte von meiner momentanen Arbeitsbelastung  und und und …und dass ich unbedingt mal raus muss, ich kann sonst nicht mehr … und welchen Sinn hat das, die Leute sich nur im Umkreis ihres Hauses bewegen zu lassen, da treffen sich dann alle auf engem Raum … und ich, die alleine in den Wald gehe, werde bestraft? Wenn das noch länger so geht, dann kann ich mich gleich an den nächsten Baum knüpfen, zu dem ich nicht mal hin darf, das ist doch kein Leben mehr und sowas von sinnlos diese Beschränkung“. Das Gesagte kommt nicht so gut an … Der Forst-Beamte zückt sein Handy … dann meint er „Doch nicht gleich so reden … da gibt es Beratung … psychische …“ Verstärkung naht nun, aha der Kollege. Ich bestätige, das letzte war sicher nicht ernst gemeint und lege ihnen nochmal ganz sachlich meine Meinung nahe. Und sie sind im Grunde auch meiner Meinung, aber leider sind sie an die Bestimmungen gebunden. Und wenn jeder so täte … Ich stelle mir das Szenario gut vor: Tausende durchpflügen den steilen Wald, Frauchen mit Stöckelschuhen, Kettenraucher, Männer schieben Bierbäuche vor sich her … Ich würde lauthals lachen, wenn die Geschichte nicht so ernst wäre. Zu einer Lösung kommen wir nicht … Ich gebe klein bei, um nicht alles noch schlimmer zu machen, sie hätten ja recht … Der eine wirft ein:  „Ja wenn sie nicht gesagt hätten, sie wollten nach Karnol, sondern machten nur eine kleine Runde da oben rum und wieder hinunter … aber jetzt seien Sie bitte vernünftig und gehen wieder nach Hause!“ „Mache ich! Auf Wiedersehen!“ (Ogottogott – lieber nicht – was ist das bloß für eine blöde Abschiedsfloskel in diesem Kontext …). Ich mache kehrt und wandere geschlagen abwärts. In meinem Kopf arbeitet es. Was soll ich denn jetzt machen? Heimgehen? Nach 300 m Weges? Das hat jetzt nichts mit „Nicht-Klein-Beigeben-Wollen“ zu tun. Ich hatte einfach das Bedürfnis nach Luft und Bewegung. Nach den ersten Häusern bog ich also wieder nach Links ab, lief parallel zum Wanderweg die nächste Straße wieder aufwärts und am Waldrand über die Promenade wieder links Richtung des Hofes, die neuerliche Begegnung mit den Forstbeamten in Kauf nehmend … Von Weitem sehe ich schon zwei helle Punkte auf mich gerichtet, die Gesichter der  beiden Forsteler … Meine Gedanken schlagen Purzelbäume. Was wird jetzt passieren? Aber hatten der eine Beamten nicht vorher gesagt, wenn ich hier unten eine Runde machen wollte … wäre das in Ordnung gewesen? Das hieße doch, dass das, was ich gerade machte OK sei … zwar in Gegenrichtung, aber OK? Ich laufe an den beiden vorbei, lächle und winke zaghaft. Keine Reaktion … Puh, vorbei. Nun gehe ich auf die nächste Runde. Als ich dann die Straße wieder hoch laufe, kommt mir das Auto der Forstwache entgegen, die beiden Insassen sind mir zugewendet … vorbei sind sie. Glück gehabt. Nett war das aber nicht …. sich hinter dem Trunthof „verstecken“ und harmlosen einzelnen „Wanderen“ auflauern … und zwar am Waldrand, wo sich Fuchs und Henne gute Nacht sagen …  Gibt es in der Stadt nicht größere Probleme …?

Ich laufe noch weitere drei Runden. Abzweigen und im Wald verschwinden? – Nein, das kommt nicht in Frage.  Auf der einen Seite fühle ich mich im Recht und gleichzeitig redet doch das Gewissen auf mich ein: Wenn alle so täten … Also werde ich wohl in den nächsten Wochen schön brav daheim bleiben? Keine geheimen Ausflüge mehr? Nein, wäre mir doch zu peinlich noch einmal „erwischt“ zu werden …

Ich bin aber dankbar, dass ich zumindest im engen Umkreis laufen darf. Auf das Hörbuch kann ich mich aber nicht mehr konzentrieren. Dafür rechne ich vor ich hin: Entfernung zum Haus 300 Meter.. das heißt ein Radius von 300 Metern …  Kreisumfang – Zwei mal Radius mal π – das wären dann … ja, das wären dann 1800 Meter pro Runde … bei fünf Runden dann 9 Kilometer… Jede Runde knapp 100 Höhenmeter macht an die 500 Höhenmeter … Kann sich sehen lassen … Man ist ja mit wenig zufrieden in diesen Zeiten …

Beim nochmaligen Lesen meiner Geschichte … Täglich höre und sehe ich in den Medien so viele schlimme Nachrichten, Geschichten von Menschen, denen es viel schlechter geht, die um ihr Leben und das Leben ihrer Familie bangen müssen, die wochenlang zusammengepfercht mit vielen Mitbewohnern ohne Garten und Balkon leben müssen, sich nicht mehr das Lebensnotwendige leisten können UND ICH BIN SO WAS VON EGOISTISCH …  Für die kommenden Wochen werde ich mir vornehmen: ICH BLEIBE ZUHAUSE. Und nachdem eine Bekannte mir von ihren Erfahrungen bei 10-tägigem Aufenthalt im KH erzählt hat … und was die Ärzte und Schwestern leisten … ein verstauchter Knöchel gehört da im Moment wirklich nicht hin.

Das habe ich jetzt über eine Woche durchgehalten … erst heute wieder meine Ausgangssperren-Runde gelaufen.
Eine bedenkliche Entwicklung finde ich aber ist … die Watch Your Neighbor-Welle …  Ein Kollege wurde von den Carabinieri-Beamten besucht, weil (wahrscheinlich) die lieben Anwohner beobachten und anschwärzen …

erwischt

bike to … skitour

Kein Auto? Wetter schön (sagen wir mal eine Weile lang) …  Gelegenheit macht Diebe: denn es sind Corona-Virus-Zwangsferien.
Was tun? Kein Problem … Rucksack gepackt, MTB gesattelt und losgalopiert. Gut, galoppiert ist etwas übertrieben … sagen wir mal getrabt und dann gleich mal in Schritt-Tempo verfallen. Gleich nach Verlassen des Heimat-Stalles geht es nämlich tüchtig nach oben … 1100 Hm bis zum Umsteigen auf die Skier. Dann nochmal 700 Höhenmeter hoch. Keine Menschenseele unterwegs heute. Vermutete hier Leute, denn was machen denn alle die, die heute wegen des Corona-Virus arbeitslos sind und Menschenmassen meiden wollen-sollen-müssen? Ich sah die Tour auf jeden Fall als Freizeit-Arbeit … denn von unterwegs musste ich auf zahllose WhatsApp- Nachrichten meiner (auch fast arbeitslosen – wenn sie nicht so viel Hausaufgaben aufbekommen würden …) Schüler*innen.
Auf jeden Fall war die Tour zwar anstrengend, aber wunderschön und durch die Ablenkung – wenn nicht grad in einem „Funkt“-Loch – auch unterhaltsam … Das Wetter blieb (wie vorausgesagt) zwar nicht schön, aber frau muss ja mit dem Kopf durch die Wand, wenn sie sich was in den Kopf gesetzt hat. Jetzt weiter an die Arbeit, denn die Kids sollen-müssen-wollen (wohl eher nicht) gefördert werden.
Und: Das war heute ein  0-Emission-Ausflug … (wenn man davon absieht, dass ich jetzt mehr futtern muss und die Nahrungsmittelindustrie vielleicht auch nicht unbedingt umweltfreundlich arbeitet …)
Aber: Unsere Eltern, Großeltern machten dasselbe, wenn sie auf Kletter- oder Bergtour gingen … da war das noch ganz selbstverständlich mangels Fortbewegungsmittel, die heute bei fast jedem immer und jederzeit in der Garage stehen …

mtb

skier

ski

Trainingscamp auf Zypern

Zuhause noch Winter – auf Zypern in Kurz/ Kurz durch die grünen Hügel radeln … & Verwöhnpension im Constantinou Bros Pioneer Beach Hotel in Pafos. Was kann man sich Schöneres wünschen?

Hier zuerst einige Eindrücke:
https://www.youtube.com/watch?v=zZOV8hXMZYc&w=560&h=315


Zum täglichen Radeln kommen noch Laufen und Schwimmen angeboten von Peter Klemm und Michael Krell im Rahmen ihres Trainingcamps. Im Programm stehen auch Rumpfstabi-Einheiten und Stretching, für uns in der ersten Trainingswoche gab es das leider noch nicht. Das eigene Rennrad muss man nicht mitbringen, ich fühlte mich sehr wohl auf dem gemieteten BMC.
Die Radausfahrten in Leistungsgruppen fanden wir ideal. Nach kurzem Einfahren ging es hügelig und in moderaten Steigungen (kaum einmal mehr als 8%) ins Landesinnere,  landschaftlich wunderschön. Die Runden hatten für uns eine angenehme Länge mit 60 bis 150 km und jeweils 1000 bis 2500 Hm), grad richtig für die winterlich noch nicht ganz fitten Beine …
Zypern – wir kommen wieder!

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