Das jüngste Abenteuer meiner Radfahrerfreundin Loretta Pavan hatte mich zum Nachdenken gebracht … Ich bin sofort Feuer und Flamme. „Everestig“ … Die Idee gefällt mir, und ich kann es kaum erwarten, das auch zu probieren.
Ich musste noch eine geeignete Route finden, aber unsere Plose scheint mir geeignet. Und dann ging alles ganz schnell. Spontan entschloss ich mich am Freitag zu starten.

Everesting?  Mein Versuch am 30.09.2017

Hall of fame worldwide Hall of fame Italy strava

Regeln: Auf- und Abstieg auf derselben Strecke nonstop, auf Strava dokumentiert, muss am Ende mindestens 8848 Höhenmeter ausmachen. f

Meine Route: Brixen-Palmschoß mit einem Höhenunterschied von 1100 Hm.

Abfahrt: 3 Uhr morgens, Ende: kurz nach Mitternacht.

Fahrzeit: In der ersten Hälfte bin ich recht gleichmäßig in die Pedale getreten, ca. 1:45 für den 16 km langen Anstieg, 25 Min. bergab, umziehen, Essen und Trinken holen… Eine „Fahrt“ genau um 2:30 Uhr, in der zweiten Hälfte wurde ich etwas langsamer, nicht so sehr in den Zeiten auf dem Fahrrad, sondern eher, weil ich bei den Wechseln nicht mehr so organisiert war …

Reine Fahrzeit: 17 h, insgesamt 21 h.

Krisen: Schon nach dem 1. Aufstieg hatte ich eine Krise. Ich konnte mir nicht vorstellen, diesen Berg noch 7 Mal zu schaffen…
Und auf dem 5. Aufstieg: Ich hatte bis jetzt nur die Hälfte erledigt und es schien mir unmöglich, alles noch einmal zu schaffen. Mittag war bereits verstrichen, und ich rechnete damit, dass meine Geschwindigkeit ständig verlangsamt werden würde und befürchtete, die gesamte folgende Nacht in die Pedale treten zu müssen. Ich hatte die Nacht zuvor kaum geschlafen und wollte keinen Sekunden-Schlaf riskieren.  Dunkle Wolken am Himmel. Die Vorhersage für den Abend war nicht perfekt.

Die Abfahrten: Anstatt Zeit zu haben, mich auf den Abfahrten zu regenerieren, sind diese schwer, da die Strasse teilweise in schlechtem Zustand ist: tiefe Schlaglöcher, Längsrillen, der Asphalt oft ein Flickenteppich. Ich hatte mir das selbst eingebrockt, jetzt musste ich dafür bezahlen. Ich war jedesmal froh, gesund am Fusse des Berges angekommen zu sein, vor allem in den beiden verregneten Abfahrten.

Wetter: Bewölkt. Die Vorhersage war nicht schlecht, aber es könnte in einigen Gebieten etwas Regen geben. Auf der vorletzten Strecke fing es an zu Nieseln. Die letzte Runde voll im Dauer-Regen. Aber ich habe es positiv gesehen. Es war eine ganz besondere Atmosphäre, bei Dunkelheit und Regen zu fahren. Auch die beiden Nachtabfahrten waren im oberen Teil des Berges wegen des dichten Nebels schwierig: Ich konnte kaum meine Hände am Lenker sehen.

Langeweile? Eigentlich nie. Nach einigen Passagen kannte ich jedes Detail, und um nicht den ganzen Berg vor mir zu sehen, teilte ich die Route in kleine Abschnitte auf: bis zur ersten Kurve, das Straßenschild mit dem Hirsch darauf, den großen Stein und so weiter. Das hatte den Vorteil, dass ich mich durch den immensen Höhenunterschied vor mir nicht entmutigen ließ. Und ein Hörbuch auf meinem Mobiltelefon lenkte mich ein wenig ab. Was mag sich wohl der Fahrer des Busses gedacht haben, wenn er mir in seiner Schicht x-mal begegnet ist? Glaubte er vielleicht Halluzinationen zu haben.

Begleitung: Leider gab es niemanden, der mich zumindest auf dem einen oder anderen Aufstieg begleitete. Was sage ich? Niemand? Hermann fuhr mit mir auf der vorletzten Bergfahrt mit. Aber ich konnte von ihm nicht verlangen, dass auch beim letzten Mal bei Regen mit mir fährt. Ich hatte mir das selbst zuzuschreiben, jetzt musste ich dafür bezahlen. Aber als guter Ehemann behielt er seine Stellung zu Hause und räumte x-mal hinter mir auf, wenn ich wie ein Wirbelwind durchs Haus streifte. Ich danke dir!

Fazit: Gleich nach meiner Ankunft um Mitternacht sagte ich so oft wie zuvor: „Das war’s – nie wieder…!“. Beim Frühstück am nächsten Tag haben Hermann und ich ein wenig nachgedacht: Welche Aufstiege wären geeignet, um …? Was wäre, wenn das Basislager beim Bicigrill Ruota Libera in Avio ist mit Aufstieg Richtung Lago Pra da Stua…? Träumen wird doch wohl erlaubt sein …?