Frau + Karbon = Randonneur(in) - aber nicht nur ...

Fast wäre der Tag zu kurz gewesen …

Vorausgeschickt: 28 km/ fast 2000 Hm                   italiano

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Ich hatte zwar nicht so gut geschlafen, aber nicht weil ich mir in meinen kühnsten Träumen  vorgestellt habe, dass ich unter Umständen die kommende Nacht nicht in meinen gemütlichen Federn verbringen würde … So ein Tag ist aber nicht sooo lang, überhaupt, wenn man auf das gemütliche Frühstück nicht verzichten will …

Und ich hatte nur mit halbem Ohr zugehört, wo es hingehen sollte … Nach Villnöß. Bin K800_20171209_104830immer mit allem einverstanden. Und Villnöß mit seinem Zenleser ist ja eine nette kurze Tour. Und deshalb bin wie gewöhnlich ich diejenige, die kostbare Zeit „vergeudet“.

Erste Zeitverschwendung: Ich schlage vor in St.Magdalena zu starten (ein paar Höhenmeter mehr und Parkplatzgebühr gespart).
Wunderschön das Ranui-Kirchlein vor den Geislerspitzen. Kaaaalt ist es schon jetzt, verstärkt durch Wind.
Zweite Zeitverschwendung: Die  paar Kilometer durch verschneite Bergwälder, wunderschön. Beeilen? Ich doch nicht. Hermann ist eh schon hinter den Bäumen verschwunden. Wird wohl wieder keine gemeinsame Tour, sondern eine zusammen … Ich will nicht sagen, dass ich extra langsamer gehe … aber auch nicht schneller …
Dritte Zeitverschwendung: Beim Anstieg zum Kreuzjöchl (inzwischen ist mir klar – es geht nicht auf den schon gefühlte hundert Mal bestiegenen Zenleser) sind wir alleine und müssen über den steilen Hang hinaufspuren. Wo geht die Spur nur normalerweise? Wir halten uns auf einem Buckel mit ein paar einzelnen Kiefern. Teilweise ragen Grasbüschel aus dem Schnee. Zum Glück liegt nicht so viel in der Falllinie, sonst wäre ich sicher nicht weiter gegangen. Trotzdem wühle ich mich mühsam hinter Hermann her. „Als Zweite gehen ist auch ganz schön brutal“, wer hatte diesen Spruch mal losgelassen? Ein paar Meter grundloser Schnee, dann wieder eine Eisplatte drunter, dann wieder eine Grasstufe, steil und immer steiler. Das bedeutete drei Meter gehen, Spitzkehre, drei Meter, wieder Spitzkehre und so weiter. Bei manchen Kehren bin ich so ungeschickt, dass ich minutenlang (übertrieben) rummergele, bis ich den einen Ski unter dem anderen wieder rausbekomme. Inzwischen fange ich innerlich an zu schimpfen: Muss das sein? Können wir nicht eine normale Tour machen? Irgendwann wird es mir zu steil und ich ziehe die Skier aus. Fehler. Nun versinke ich erst recht. Hermann von weiter oben kommt mir zu Hilfe. Irgendwann sind wir oben. Stürmisch der Wind auf dem Kreuzjöchl. Bis ich mit den Handschuhen ungeschickt abgefellt und angezogen habe, vergeht wieder Zeit. Und nun die Überraschung. Die Abfahrt soll runter ins Gadertal gehen, nicht nur ein Stück und dann wieder zurück. Hmmmmhmm – das ist mir neu.

Vom Weiler Mischì bei Campill legen wir die Felle wieder an und los geht der Aufstieg zur Schlüterhütte. Es ist schon fast 14 Uhr, Dank meiner zeitverschwendenden Aktionen. 2 1/2 Stunden steht auf einem Schild.  Erstmals wird mir bewusst: Es könnte knapp werden mit dem Tageslicht. Um 17 Uhr wird es dunkel. Hermann witzelt: Wir können ja im Winterlager der Schutzhütte übernachten. Und Essen? Ich habe grad mal die Hälfte meines Brotes gegessen und fast nichts getrunken. Ich nehme mir auch weiter nicht die Zeit dazu. Der Weg ist schön präpariert. Mindestens das … Aber nicht lange und es gibt nur noch Fußspuren und dann kommen uns ein paar Jungs auf Skiern entgegen. Die meinen, wir könnten ja ihren Spuren folgen, sie seien in die selbe Richtung gegangen. Oben blase ganz schön der Wind.
Mit Zeitverschwendung ist nun nichts mehr. Ich beschleunige immer mehr als ich sehe, K800_20171209_152338dass die Sonne schon langsam am Untergehen ist. Ich kann die wunderschöne Gegend gar nicht genießen. Ich beeile mich, irgendwann bin ich sogar mal vorne. Immer wieder mal ein Schild. Nun steht schon zum dritten Mal, dass es noch 30 Minuten zur Schlüter-Hütte ist. Die Spur der anderen ist zugeweht und Hermann meint wir seien falsch. Mist. Vorwürfe. Was habe er sich dabei gedacht ohne Karte in eine (zumindest im Winter) unbekannte Gegend zu gehen und ohne GPS-Track. Wie sollen wir den Weg finden, dessen Markierung unter dem Schnee versteckt sind. Es wird sicher bald dunkel. Was wird das noch werden? Gibt es hier überhaupt Handy-Empfang? Gehören wir bald zum Club derer, die sich von der Bergrettung holen lassen müssen? Die Leichtsinnigen, die sich in Gefahr begeben? Hätte ich doch mindestens eine Stirnlampe eingepackt (Hätte ich gemacht, hätte ich besser zugehört …). Kann man mit dem Handy im Dunkeln leuchten? Und hält der Akku noch? Tausende Gedanken schwirren mir durch den Kopf. Da! Da sind sie wieder die Spuren. Aber sie führen auf eine Scharte hinauf. Ich meine, die Hütte ist weiter rechts. Hermann meint mit „Meinen“ ist es auch nicht getan, man müsse es schon wissen. Also steigen wir zur Scharte hinauf. Starker Wind. Kalt. Sonne am Horizont. Die Hütte ist von hier aber K800_20171209_162315nicht zu sehen. Und jetzt erkenne ich die Scharte: Eine kurze steile Abfahrt und man gelangt auf die Abfahrtsspuren der Zenleser-Kofel-Tour. Zum Glück! Gerettet! Nun kennen wir uns aus. Die Sonne verabschiedet sich endgültig hinter den Bergen. Es wird bitter kalt, also noch bitterer … Es wird rasch dunkel. Sonnenbrille ab und es ist wieder heller. Schnell sind wir unten bei der Zanser Alm. Hätte der Geiz nicht aus mir gesprochen, wäre hier jetzt unser Auto. So müssen wir noch über die Rodelbahn hinunter ins Tal. Meine Kinnlade ist gefroren. Aua.
Beim Auto. Unter -10° … Wie kalt war es dann wohl weiter oben? Zähneklappernd beiße ich in mein halbes Brot, es knirscht … das Stück Paprika ist steinhart gefroren …

Zuhause: Hermann mit Galgenhumor: „Detailierte Tourenplanung ist eben wichtig. Wir waren pünktlich wieder zurück  …“ Und: „Die Karte liegt in der Küche“

strava   relive

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villnöß

Beschreibung:

Ausgangspunkt St.Magdalena/Ranui. Zunächst über den Weg am Bach entlang zur Zanser Alm. Von hier zuerst der Langlaufloipe folgen und dem 6-er Weg zur Tschanschenon-Alm. Von hier aufsteigen zum Kreuzjoch und abfahren. Vorbei an der Medalgesalm, dann der Rodelbahn folgen bis zum Weiler Miscí. Auffellen und immer der Beschilderung „Schlüterhütte“ folgen. Von dort abfahren über die Kaserill-Alm und zurück nach Zans und Ranui.  Variante: Wir haben das Kreuzkofeljoch bei der Schöüter-Hütte nicht gefunden (unter Zeitdruck, siehe Bericht oben) und sind ein Joch früher aufgestiegen und auf die Aufstiegsspur zum Zenleserkofel abgefahren. Auch schön.
strava   relive

8 Kommentare

  1. alex

    Iss schon schön da bei Euch… *schau ein wenig sehnsüchtig-neidisch*

  2. Robert

    Traumhaft!

  3. Sigrid

    Bei gut minus 10 Grad Anfang Dezember kann einem wirklich der Paprika im Brot gefrieren…. Gabi, danke für deinen abenteuerlichen Blog. Mit 2 kleinen Kindern und einem Skimuffel von „dennoch super“-Ehemann kann ich diese Erlebnisse so zumindest er-lesen, wenn schon nicht selbst er-leben.
    Sigrid

  4. wol

    Ampolloso!

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