Frau + Karbon = Randonneur(in) - aber nicht nur ...

Autor: Gabi Winck (Seite 1 von 15)

80% ist mental - der Rest ist Kopfsache

TransAlp Rando

resoconto in italiano

1250 Kilometer: Verona – Ljubljana – Verona

Tarvisio. 3 Uhr nachts. Ich bin alleine. Hermann hatte nach der Italy Divide keine Lust auf über 1200 Kilometer Rennrad. Kreisverkehr. Stockfinster ist es, bis auf den gleißend weißen Bildschirm meines GPS-Geräts. Violett schlängelt sich mein Weg, dem ich nach Ljubljana folgen sollte, über das Display. Wohin soll ich fahren? Rechts, links oder geradeaus? Versuch 1 – Irrtum, also zurück. Auch Möglichkeit 2 erweist sich als falsch. Ärger. Nummer 3 auch. Ratlos versuche ich es nochmal mit der ersten Ausfahrt. Doch richtig. Wie soll ich aber den Weg nach Timau und zum Plöckenpass finden, wenn nicht im Schneckentempo durch den Ausfall der Funktionen meines Geräts? Hilfe!! Aus- und Einschalten hat auch keine Wirkung. Dass ich so hilflos sein würde, hatte ich mir am Start wohl nicht ausmalen können.

2 Nächte und einen Tag zuvor …
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Hier ein Kurzfilm (am Ende der Seite der 6-Minutenfilm)



Mittwochnacht / Donnerstag: Nacht & Tag 1
485 km/ 3550 m D+

20:30 Uhr. Start an der Arena von Verona. An die 80 Personen setzen sich in Bewegung, darunter zwei Handvoll Frauen. Vier Tage später werden zwei Drittel wieder zurück sein, darunter 5 Frauen.
Wir fahren in die Dämmerung hinein, vor uns 1200 Kilometer Weg. Die Gruppe lasse ich nach etwa einer Stunde ziehen, das mörderische Tempo mag ich nicht mehr mitmachen. Wissen die nicht, dass wir noch ein paar Kilometer vor uns haben?

Erste Kontrolle am Gardasee. Dann geht es den See entlang nach Norden. Es ist Schlafenszeit und langsam fange ich an zu gähnen. Ich schließe an ein Grüppchen auf, das ist mir jedoch zu stressig und unrhythmisch. Ich beschleunige und fahre vor, gemütlich auf meinem Triathlonlenker lümmelnd. In der steilen Steigung nach Nago hinauf überholen mich die Jungs. Dann aber bin ich die restliche Nacht allein. Vielleicht durch Red Bull, einem grauenhaft süßen Getränk, habe ich keine Müdigkeitsattacken, vielleicht aber auch durch den spannenden Krimi, den ich mir via Hörbuch reinziehe. Lichtblick die Kontrollstelle beim Bicigrill in Faedo. Latte Macchiato und ein leckerer Kuchen motivieren mich zum Weiterfahren. Nun geht es zudem Richtung Heimat, ich kenne nahezu jeden Meter.

Vor Klausen wird es hell. Kontrolle Nummer 2. Hier halte ich mich nicht auf, trinke nur einen überteuerten Minibecher lauwarmen Tee. Brixen ist gleich erreicht. Frühstück!!! Dann folgt die nächste Steigung nach Elvas. Von der nun folgenden Strecke über den idyllischen Radweg durch das Pustertal bis nach Bruneck kenne ich jeden Meter. Auch die weitere Strecke durch das enge Rienztal und weiter über Olang und den gleichnamigen Stausee bis nach Niederdorf ist mir gut bekannt. Kontrolle Nummer 3 ist beim Sportplatz. Die Jungs vom Sportverein leisten super Arbeit. Sie warten mit einer leckeren Gemüsesuppe auf, grad das richtige für uns Radreisende: Flüssigkeit und Vitamine, ich gönne mir noch ein paar Nudeln, ein Brot mit Orangenmarmelade und zum Abschluss ein Joghurt.

Haben viele der Teilnehmer drei Gepäckbeutel abgegeben und nun an 5 Stellen Zugriff darauf, habe ich mich entschieden alles selbst mitzunehmen, so ist mein Bike nun nicht gerade leicht mit Biwakzeug und allem möglichen anderem beladen, was man als Frau so zu brauchen glaubt. Nun rolle ich es über den beliebten Radweg nach Toblach und Innichen und dann hinunter nach Lienz. Rollen. Das fordert seinen Tribut. Der Schlafentzug beginnt sich signifikant zu äußern. Ich gähne an einer Tour. Eine kurze Rast ausgestreckt auf einer Bank bringt auch den ersehnten Powernap nicht. Die unzähligen vorbeibrausenden Radler verhindern ein Wegnicken. Apropos – die vielen Hobbyradler, die diese Strecke mit Kind und Kegel bevölkern, sind nicht ungefährlich. Sie verhalten sich oft unberechenbar, scheren aus, halten plötzlich an. Bin ich froh, als Lienz erreicht ist. Zwischendurch der erste Regenguss. Das Wetter soll unstabil bleiben mit Gewitterneigung. Oje, ich Angsthase habe schreckliche Angst vor Blitz und Donner und immer wieder äuge ich misstrauisch nach oben.

 
Entlang der Drau wird es nun sehr einsam. Es geht oft über Schotterpisten und zudem immer wieder auf und ab. Bei Kontrolle 4 in Oberdrauburg gönne ich mir einen Latte Macchiato (wie immer mit 2x Zucker) und ein belegtes Brot. Ein Schwätzchen mit Valentina Rocca, die meine Brevetkarte abstempelt. Und weiter geht’s. Ich hatte vor noch bis Tarvisio fahren und dort etwas zu schlafen. Bis dorthin sind aber noch 70 Kilometer flach zu fahren und dann noch die berüchtigte Windische Höhe zu überwinden, die anschließenden 20 Kilometer zählen wahrscheinlich kaum. Es ist schon späterer Nachmittag und am Himmel bräut sich was zusammen.


Die 70 sind gefühlt relativ rasch runtergespult, dann wird es ernst. Berüchtigte Windische Höhe, genau, und das ist sie. Es geht gleich mit 15% Steigung los und weniger wird es kaum mal.
Später im Anstieg geht es dann auch los. In der Ferne blitzt es, ich zähle bis 7, aha, das Gewitter ist etwa 2 km weg … Mir sträuben sich schon die Haare, ich bin hier mitten im Wald, einsam. Schnell weg ginge nur nach unten. Aber die mühsam erkämpften Höhenmeter will ich keinesfalls ein zweites Mal machen müssen. Also mit zitternden Knien weiter. Das Gewitter verzieht sich wieder. Gefühlt wird es immer steiler. Mir scheint, dass mich mein Gepäck nach unten zieht. Ein LKW naht. In mir steigen die Grausbirnen auf in Erinnerung an die Erlebnisse bei der NC4K. Ich steige vom Rad und ziehe es an den Straßenrand. Ein Wieder-Aufsteigen in dieser Steigung? Unmöglich. So schiebe ich ein paar Hundert Meter. Angenehm nach fast 450 Kilometern nonstop. Ein weißes Auto kommt entgegen, das Fenster wird runtergekurbelt und eine Frau und ein Mann blicken mir besorgt entgegen. Ob ich Probleme habe? Nein, meine Beine haben allerdings was gegen diese mörderische Steigung. Ach so. Das Auto wendet und verschwindet wieder. Das habe ich in meinem Radfahrerinnenleben auch noch nicht erlebt. Das Auto hatte mich überholt, kam wieder zurück, um mir Hilfe anzubieten. Nun gibt es eine kurze Abfahrt. Sehr steil. Es fängt wieder an leicht zu regnen. Blitz! Oje, was mache ich jetzt? Die letzten Häuser waren vor der Abfahrt. Da wieder hoch? Etwas weiter ein Haus. Schaut unbewohnt aus. Ich stelle mich unter. Irgendwann kommen zwei Radfahrer vorbei. Ich traue mich noch nicht weiter zu fahren, es grollt immer noch in der Ferne oder doch nicht so fern? Langsam wird es dunkel.

Wieder kommt ein kleines Grüppchen vorbei, nun fahre ich mit. Ich kann Aurora und Maria Grazia erkennen und ein paar Jungs. Es ist so steil, dass Aurora die ganze Straßenbreite nutzt. Auf einmal Reifenquitschen. Ein Auto legt eine Vollbremsung hin, das Rad am Rand seiner Fahrbahnseite hat wohl sehr irritiert. Die haben aber auch einen Karacho drauf hier. Der höchste Punkt ist erreicht. Nun folgt die Abfahrt, vor der der Veranstalter gewarnt hatte. Verschlimmert wird es durch die Regennässe. Die Fahrbahn ist ein Flickenteppich, mitunter geht es mit über 18% Gefälle hinunter. Die Gruppe fährt schneller als ich, sodass ich nach der Grenze Italien/ Slowenien wieder alleine bin. Ich verfahre mich mehrmals und muss zurück. Meine Garmin reagiert mit Streik. Der Bildschirm wird weiß, keine Karte ist hinterlegt. Wo bin ich? Wie finde ich nun nach Tarvisio? Es wird wieder sehr steil. Zu Fuß irre ich durch die Dunkelheit, meine Reaktionsfähigkeit ist auch nicht mehr die beste. Ich bin nun seit über 27 Stunden ohne Schlafen unterwegs und mag nicht mehr. Warum bin ich hier? Ich sollte wohl in naher Zukunft in „Sportpension“ gehen … Eine so alte Tante hat hier wohl nichts mehr zu suchen. Ich kann zwischen den Bäumen ein Licht erkennen. Eine Kirche. Ich öffne die Strecke auf dem Smartphone. Ganz falsch bin ich wohl nicht. Und nicht mehr weit und ich bin da … die Kaserne in Tarvisio empfängt die Teilnehmer der Randonnée mit Essen, Schlafen und – Duschen. Gegen halb zwölf beziehe ich dann endlich mein Feldbett und nachdem ich mit meinen Ohrenstöpsel einen sinnlosen Kampf ausgefochten habe, falle ich auch ohne in einen tiefen Schlaf. Gefühlt nicht lange und die ersten beginnen mit Radschuhen rumzugehen, mit Plastiktüten zu rascheln und den Rest erledigen die lauten Schnarcher. Gabi ist wieder hellwach. Also raus aus dem Schlafsack, alles zusammengepackt, ich ziehe meine klammen Sachen wieder an, die nassen Socken duften unbeschreiblich, eine Kleinigkeit gefrühstückt und wieder raus in die Morgendämmerung.

Freitag: Tag 2
235 km/ 2200 m D+

Auf dem Programm stehen die 120 Kilometer nach Ljubljana und dasselbe wieder zurück. Es ist ungemütlich draußen, die Straßen nass. Die Radschuhe sind auch noch klitschnass. Die Strecke verläuft nun fast 50 Kilometer auf einem schönen Radweg ganz leicht bergauf. Finde ich gut, denn am Abend kann ich hier dann abwärts düsen. Ab Kranjska Gora bis Bled kenne ich die Strecke von meiner Northcape4000 vom Vorjahr. Wunderschöne Landschaften hier im Triglav-Nationalpark. Die Steigung geht schnell vorüber abgelenkt mit Quatschen mit Aurora und Maria Grazia, die ich an der Slowenischen Grenze wieder getroffen hatte. Und die lange Abfahrt durch das Tal des Flusses Radovna hatte mich schon letztes Jahr begeistert. Wir fahren um den Bleder See. Frühstückszeit. Es dauert etwas, bis wir eine geöffnete Bar gefunden haben und alle einverstanden mit der Wahl sind. Ich bestelle und zahle gleich, denn ich ahne, als Gruppe dauert alles etwas länger. Und wirklich, die anderen haben grad erst ihre Bestellung bekommen, da suche ich schon das Weite. Bis Ljubljana werde ich alleine durch die von Landwirtschaft geprägte Gegend radeln. Und schon wieder eine aufgestellte Ebene, 15% zeigt mein GPS-Gerät. Ein Regenwurm ringelt sich mitten auf der fast trockenen Straße. Der Arme. Ich steige vom Rad. Mal eine verlorene Seele retten. Wieder aufs Rad steigen. Allerdings erweist sich die Steilheit der Straße nicht gerade als regenwurmrett-freundlich. Aufsteigen – unmöglich. Anlässlich beginnt es in meinem Kopf zu arbeiten. Warum ist mein Rad so schwer? Zuviel Gepäck!

Und in dem Moment schießt die Erkenntnis durch meine Gehirnwindungen. Was zum Teufel machen Biwaksack, Matte und Schlafsack an meinem Rad??? Den Schlafsack brauchte ich in Tarvisio und dann erst wieder am Abend zurück am selben Ort. Warum habe ich mein Gepäck nicht dort gelassen? Die Nachlässigkeit bei der Planung wird sich heute noch bitter rächen, denn solche Steigungen werden noch diverse folgen. Ich könnte mich selbst ohrfeigen. Warum habe ich eigentlich nicht mehr Equipment an die Kontrollstellen schicken lassen? Warum wollte ich alles selbst mitschleppen?


Das muss ich nun büßen. Es ist wolkenlos heute. Sogar die Schuhe trocknen. Auch heute gibt es einige Schotterpassagen. Ich hoffe auf pannenfreies Durchkommen. Ich erreiche nach endlosem Auf und Ab den Stadtrand von Ljubljana. Auf dem Track sehe ich die Kontrollstelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ich muss aber noch 7 Kilometer bis ins Zentrum fahren. Nicht gerade angenehm, denn durch einer Ampel nach der anderen ist es ein ständiges Stop and Go. Bürgersteigkanten hoch und runter ohne Ende. Eine Runde durch das Zentrum der Stadt, ein paar Bilder geknipst, wie einen der Bronzeungeheuer der Drachenbrücke. Nur zu Fuß komme ich über den Marktplatz. Betörende Düfte umwabbern mich. An den Ständen am Platz Pogačarjev trg in Ljubljana kann man jeden Freitag leckere Gerichte aus aller Welt probieren. Aber dazu habe ich heute leider keine Zeit. Bei der Kontrollstelle empfangen mich Elena und Paolo mit wunderbaren Tortellini mit Butter und Parmesan. Ich wasche Radhose und Trikot. Mein Rad wird kurzerhand in einen mobilen Wäscheständer verwandelt. Als ich weiter fahre, kommt gerade Maria Grazia zur Kontrolle, auch sie hatte die Gruppe verlassen. Die Hitze ist extrem, ich komme nicht weit und eine Eispause muss sein. In Kranj. Die Überlandfahrt und die mörderischen Steigungen überwinde ich mit Rechnen: Wie viele Kalorien verbrauche ich mit meinem „Übergewicht“? Wie viele Knoppers mehr darf ich essen? Apropos Knoppers: Die Schoko-Riegel sind echt lecker und waren in der ersten Nacht auch der ideale Tröster, aber jetzt am brüllend heißen Nachmittag drücke ich nur noch verschmierte Waffeln aus der Verpackung, die Schokolade hat sich verflüssigt und läuft mir über die sonnenverbrannten Waden runter. Igitt, das klebt. Die Kalorien nützen so rein gar nichts.


Ich schaffe es bis Bled. Dort Supermarkt-Stop mit Kefir, Cola und Salzmandeln. Nach der Stärkung fahre ich zurück auf die Strecke. Minuten später kommt mir eine Gruppe entgegen, eine Frau macht irgendwelche Handzeichen, die Unverständnis darstellen sollen. Hähhh? Wer war denn das? Aurora? Maria Grazia? Wieso fahren die Richtung Ljubljana? Ich folge weiter meiner blauen Line auf dem Gerät. Komisch, die Straßenkreuzung kommt mir bekannt vor, da war ich doch davor. Oder etwa nicht? Ich fahre zurück, dort geht es zum See hinunter oder etwa nicht? Falsch! Ich fahre im Kreis. Jetzt dämmert es mir. Bei der Ausfahrt aus dem Supermarkt hatte ich die falsche Richtung gewählt. Alles gut. Die anderen sind nun schon weg. Als ich um den See fahre, fängt es an zu schütten. Zum Glück hört es bald wieder auf. Nun das lange Tal des Radovna hinauf. Im Talgrund lauern die 150 Höhenmeter mit 18% Steigung. Ich hatte mir geschworen, dass ich die zu Fuß bewältigen werde. In der Ferne jedoch höre ich ein Donnergrollen und wie durch ein Wunder pedalieren meine Beine die Steigung hoch als wäre es flach. Ich fühle mich wie Asterix bei den Goten. Meine Beine drehen so schnell und sind von der Seite sicher als kreisförmige Scheibe sichtbar- wie beim flitzenden Asterix. Wäre die Situation nicht so ernst, müsste ich jetzt laut lachen. Richtung Kranjska Gora nieselt es leicht, dann die ersehnten 10 Kilometer Abfahrt nach Tarvisio. Nun sind auch meine Schuhe wieder nass – wie gehabt. Es dämmert nun stark, als ich die Kaserne erreiche. Wie am Tag zuvor Essen, Dusche, Feldbett.

Samstag: Tag 3
260 km/ 3800 m D+


Ich wache auch heute wieder ohne Wecker auf, bzw. die Wecker sind menschlicher Natur. Ärger. Aber egal, heute stehen Hammeretappen an. Wahrscheinlich schaffe ich es eh nur bis Niederdorf. Die detaillierte Planung hatte sich schon am Vortag verabschiedet, hatte ich doch vorgehabt noch bis Timau weiter zu fahren – an die 80 Kilometer. Die Frage hatte sich jedoch am Vorabend nicht mehr gestellt.

Das Grüppchen um Aurora und Maria Grazia hatten sich schon verabschiedet, ich war noch beim Packen. Überraschung bei der Abfahrt: Das Display meiner Garmin ist genau so bleich wie wahrscheinlich mein Gesicht im ersten Schreckmoment. Ich sehe nur weiß und mittendrauf in dunkelviolett meinen Track, dem ich folgen sollte. Mittendrauf das kleine Dreieck, nämlich ICH. Im ersten Kreisverkehr fahre ich bei der ersten Ausfahrt ab, falsch. Zurück. Versuch und Irrtum auch die nächsten beiden Versuche. Dann wohl doch zurück zu Nummer eins. Stimmt doch. Irgendwie lande ich dann richtig auf dem Radweg in Richtung Tolmezzo. Nach etwa einer Stunde Fahrt ist auch die Karte wieder da. Hat wohl verschlafen, hahahhaaa! Als es dämmert, welch Spektakel, kann man erkennen, wo der Radweg verläuft, nämlich auf einer alten Bahntrasse und durch ein enges schluchtartiges Tal. Gewaltig schön. Dann ist der Radweg auf einen Schlag zuende, mitten in den Büschen. Links geht ein grobsteiniger schmaler Weg ab. Ich fahre ein paar Hundert Meter zurück. Falsch. Also doch den steinigen Weg. Dieser mündet zum Glück bald in ein ungepflegtes schmales Asphaltsträßchen und dann irgendwann auf eine richtige Straße.

Das nächste Hindernis jedoch schon kurz danach: Die Brücke, über die der Track führt ist verbarrikadiert. Kein Durchkommen, Drüberheben oder Durchschlüpfen möglich. Wieder zurück und der Umleitung folgen. In den letzten Stunden war ich mutterseelenalleine unterwegs. Wo sind denn die anderen alle? Tolmezzo ist bald erreicht, mich dürstet nach einem Kaffee, aber es ist noch zu früh. Dann halt in den nächsten Anstieg ohne Frühstück. In einem der nächsten Dörfchen werde ich dann fündig, es gibt aber leider nichts zu essen. Der Latte Macchiato hat aber meine Lebensgeister erweckt und ein Blick auf die SeteTrack-Plattform zeigt mir, dass ich nicht alleine auf der Welt bin, einige Radkollegen sind nicht weit vor mir. Die gefürchtete Steigung nach Timau unterm Plöckenpass ist sehr angenehm zu fahren, Andrea schließt auf und wir quatschen etwas. Bald bin ich an der Kontrollstelle im ristorante da Otto. Endlich ein leckeres Frühstück. In endlosen Serpentinen steigt die Straße nun bis zur Passhöhe. Die Strecke angenehm und die Aussicht klasse, ABER: in beide Richtungen reiht sich ein Auto an das nächste. Vor allem deutsche Targen. Die Leute wählen wohl die Abkürzung über den Plöckenpass, um schnell nach Süden zu gelangen. Zum Glück bin ich schnell oben.

Rasante Abfahrt hinunter nach Kötschach. Zum Glück habe ich null Ahnung, was nun auf mich zukommt. Endlos windet sich die Straße durch das Lesachtal nach oben. Hitze. Dann wieder verliert man die gerade mühsam erkämpften Höhenmeter durch kurze steile Abfahrten. Supermarktstopp. Es gibt am Samstagmittag kein Brot mehr. Die Dame an der Theke belegt mir ein gefrorenes Brötchen. Kefir, Pfirsiche, Cola, das ganze Programm. Weiter. In Obertilliach große Überraschung:

Plötzlich steht Hermann vor mir auf seinem bepackten Rennrad. Er war am Morgen daheim gestartet, nun wollte er über den Plöckenpass und ein paar andere Pässe, um mich am nächsten Tag irgendwo einzusammeln. Ich mache eine Pause bei Eis und Apfelschorle, Mario leistet mir mit einem Eis Gesellschaft. Er fährt los. Ich mache mich noch etwas frisch, sprich, hinterlasse im Bad eine Pfütze beim Versuch mich von oben bis unten mit kaltem Wasser zu benetzen, eine Dusche wäre praktischer gewesen. Der Kartitscher Sattel ist bald erreicht. Abfahrt nach Sillian. Dann mühsame 30 Kilometer leichte Steigung im Gegenwind. Unterwegs großes Hallo, als mir Maria Grazia und ihre Begleiter entgegen kommen auf ihrem Weiter-Weg nach Cortina.

In Niederdorf bewirten uns die Jungs vom Sportverein in voller Frische, als hätten sie ihren Dienst gerade erst begonnen. Im Hintergrund motivierende Klänge von Metallica. Super! Nach einer belebenden Dusche und Waschtag für Hosen, Shirt usw. (die Socken vergaß ich leider – die stinken weiterhin fürchterlich vor sich hin …) futtere ich mich durch die gesamte Speisekarte: leckere Gemüsesuppe, Maccheroni, Tortellini, Joghurt, Äpfel. Aurora kommt an und beschließt hier etwas zu schlafen. Ich ziehe weiter. Das heißt zurück nach Toblach und dann Richtung Cortina. Unterwegs obligater Fotostopp mit Blick auf die Drei Zinnen. Cortina ist rasch erreicht, dann geht es abwärts nach Tai di Cadore. Unterwegs dämmert es und ich treffe auf Mario.

Gemeinsam fahren wir die letzten Kilometer und essen in der Kontrollstelle, der Locanda alla stazion eine leckere Kartoffelsuppe. Gemeinsam schlagen wir unser Biwak auf der Terrasse der geschlossenen benachbarten Bar auf. Um drei klingelt der Wecker. Packen angesagt. Ich finde meine Stempelkarte nicht mehr und suche noch endlos lange. Mario fährt inzwischen.

Sonntag: Tag 4
280 km/  2000 m D+

In der Dunkelheit folge ich nun der Radstrecke auf der alten Straße durch das Piave-Tal. Bei Longarone wird es langsam hell. Misstrauisch äuge ich hinauf zur Staumauer des Vajont. Aber keine Sorge, die Staumauer ist zwar noch vorhanden, der See ist aber nicht mehr aufgestaut. Bei der Katastrophe vom Vajont 1963 gab es einen Bergsturz in den Stausee.

Dieser verursachte eine große Flutwelle, die sich über die Mauerkrone in das enge Tal ergoss und das Städtchen Longarone und andere Dörfer vollständig zerstörte. Bei der Katastrophe starben etwa 2000 Menschen.

Ein schöner Radweg führt nun bis kurz vor Belluno, dann geht es weiter durch das Hinterland und über die Hügel. Krise. Null Motivation mehr. Irgendwann dann finde ich doch eine Bar und nach Brioche und Latte Macchiato geht es auch wieder leichter. Bei der nächsten Kontrolle in Feltre treffe ich auf ein paar wenige Radfahrer. Es gibt kaum noch was zu essen. Ich frage mich, wo alle anderen geblieben sind. Nun folgt eine sehr schöne Strecke rund um den Monte Grappa nach Bassano. Der Radweg durch das Val Brenta ist anfangs schön kühl. Kurz vor Bassano aber wendet sich das Blatt. Brütende Hitze wird mich den gesamten Tag begleiten.

Die Strecke windet sich in hunderttausenden Richtungsänderungen durch die Ebene. In Creazzo werde ich von einer Gruppe netter Alpini bewirtet. Als ich losfahre, holt mich Hermann ein. Es ist nun schon späterer Nachmittag, immer noch ist es mega-heiß. Ein Radfahrer im TransAlp Radtrikot kommt uns entgegen. Großes Hallo. Es ist Giancarlo. Er hat das Ziel schon mittags erreicht und war mir nun entgegengefahren. 40 Kilometer!

Vorgeschichte: Bei der Veneto Gravel Extreme 600 hatte Giancarlo Plakate aufgehängt mit motivierenden Aufschriften für Elena und die anderen Mädels. Für mich nicht. In meinem Bericht schrieb ich darüber und Giancarlo meldete sich, entschuldigte sich vielmals, er habe mich nicht gekannt und versprach das wieder gutzumachen … Und jetzt war er da. Ein paar Kilometer weiter das Plakat „Vai Gabi“ und noch weiter „Stop Gabi“ und Giancarlo lud uns zu einem superleckeren Eis ein. Danke schön, Giancarlo!!! Die noch fehlenden 40 Kilometer gingen dann ganz locker, obwohl alle von den Schrecken der vier steilen Steigungen erzählten, die man dort vor sich habe. Steigungen? Welche Steigungen? Das Eis hat ganze Arbeit geleistet. Inzwischen hatten sich am Himmel über den Hügeln dicke Wolken zusammengeballt. Im Regenschauer stelle ich mich kurz unter. Es ist nun nicht mehr so heiß und zum Glück fahren wir dem Gewitter davon. Es ist noch hell, als ich in Montorio ankomme. Leider haben die Masseure schon Feierabend. Aber es gibt noch was zu essen und dann sinke ich nach einer schönen Dusche auf Matte und Schlafsack in den wohlverdienten Schlaf.
Am nächsten Morgen bin ich allerdings froh nicht noch weiter fahren zu müssen. Schön war es! Aber manchmal frage ich mich schon: Warum tut sich frau das an?

Die TransAlp Rando war definitiv Spaß Stufe 1 & 2*
Danke an Simonetta und Giorgio von Sport Verona für das Erlebnis. Und vielen Dank auch an die vielen freiwilligen Helfer, ohne die ein solches Event nicht möglich ist.


*Zur Erklärung
Spaß Stufe 1: Man unternimmt etwas und hat zu jederzeit Spaß dabei
Spaß Stufe 2: Man unternimmt etwas, unterwegs hat man nicht nur Spaß dabei, aber rückblickend war es Spaß.
Spaß Stufe 3: Das Unternehmen macht in keinem Moment Spaß und so sieht man es auch rückblickend

Mein 6-Minuten-Video:

Überlebenstraining Chiemsee-Rundfahrt

Zuerst das Video …

6:30 in Isarnähe in München bei Latte Macchiato, Brezel, Vollkorn-Schnitten, Marmelade, Kuchen, Käse, Wurst, Hummus und das in interessanter Umgebung, im 3MILLS Cycling & Coffee, im „Radladen“ mit Verkauf, Service und Verleih für Renn-, Gravel- und Crossräder und eben auch Café. Ein toller Ort, die Startunterlagen für die Chiemsee-Rundfahrt zu holen und Randonneure zu treffen. Ein Hallo mit Jörg und Igor von der ARA MUC, die das Brevet organisieren. Ein großes Hallo mit Sara, die ich von der Schottergaudi kenne und die ich im vergangenen Jahr mit meinem Northcape4000-Fieber anstecken konnte und die deshalb auch unter den wenigen Frauen war, die die 4700 Kilometer vom Gardasee zum Nordkap radelten. Ich treffe Horst, der aber bei der Pfaffenwinkel-Runde mitfährt, die auch heute startet, da war ich aber schon mal dabei vor Covid und auch bei der 600 Kilometer langen Voralpen-Rundfahrt, beides sehr schöne Veranstaltungen. Fast vergesse ich beim Frühstück, Schlemmen und Quatschen ist angesagt, vergessen, dass 300 Kilometer vor mir liegen.

mit Sara

In einer großen Runde soll es von hier bis zum Chiemsee und zurück gehen.

Start und Ziel ist der Röcklplatz, von hier ist das Isarufer und über diesen ist der Stadtrand von München bald erreicht. Die Randonnée führt über Radwege und Nebensträßchen verkehrsarm durch ländliche Gegend. Nette Dörfer werden durchfahren oder tangiert und sonst viele Wälder, Felder und Wiesen.

Irgendwie bin ich dann auch in Gedanken noch nicht ganz da – beim Radfahren, als ich um 8 Uhr zwei Ecken weiter beim Röcklplatz starten soll. Ich hantiere noch mit der digitalen Brevetkarte, um meine Position zu bestätigen und ein Foto hochzuladen, das sind sie schon weg … fast alle.

Die Ausgabe 2022 ist geprägt durch viel Regen. Das nagt an der Moral. Meine Gedanken nach etwa 50 Kilometern, die mir gefühlsmäßig schleppend langsam vergehen, sind genau so düster wie die dunklen Regenwolken über mir, die mal mehr mal weniger Wasser über mich ausschütten. Inzwischen bin ich bis auf die Haut nass. Werde ich durchhalten? Anfangs ist es noch kurzweilig, ein Schwätzchen mit Andreas K., dann holen wir eine Radgruppe vor uns ein. Das Wasser spritzt mir ins Gesicht. Wir plaudern grad über die Banane als praktisch verpackten Snack auf einer Radfahrt, eine Radlerin hat nämlich drei Stück hinten irgendwo festgemacht, da kommt Bewegung in den Radfahrer vor mir. Dieser macht ein scharfes Ausweichmanöver. Zu spät für mich. Ich fahre voll drüber über das Hindernis, es holpert, mein Bike wirft mich zum Glück nicht ab. Was war das? Ein Blick zurück. Hahahhaaaa, oje, das war der Snack, über den wir grad noch diskutiert hatten. Nun halt wahrscheinlich nur noch Bananenbrei … ist vielleicht eh leichter verdaulich …

Regen, Regen, es liegen noch 250 Kilometer vor uns. Wieder eine größere Gruppe, auch Ulrich, mein Gastgeber in München, ist dabei. Ich überhole, denn hinten am Rad von irgendwem kleben ist eine nasse Angelegenheit durch das Spritzwasser. Nur weniger sind mit Kotflügeln ausgerüstet. Dann zig Kilometer allein. Irgendwie scheinen keine Teilnehmer mehr um mich rum. Sind die vielleicht alle vernünftiger gewesen und ausgestiegen? Von Zweifel geplagt ziehe ich weiter. Irgendwann sind die 100 Kilometer voll. Vor mir eine Umleitung, auch das noch. Ein Unfall. Hoffentlich ist kein Radfahrer verwickelt. Auf Umwegen finde ich zusammen mit Wolfgang, der gerade aufgeschlossen ist, wieder auf die Strecke. Dort bin ich aber sofort wieder allein. Bin ich so langsam? Naja, Wolfgang hat nicht so viel Ballast. Sehr minimalistisch und das bei diesem Wetter: Rad, Hose, Trikot, Jacke, 3 Flaschen und das war’s schon. Ich werde ihn noch öfters treffen heute. Er ist zwar viel schneller als ich, aber er verfährt sich öfters. 😊
Etwas Abwechslung von Wiesen und Feldern und Wäldern bietet das Städtchen Wasserburg, dessen Altstadtkern sehr malerisch in einer Inn-Schlinge liegt. Meine Garmin glaub ich ist auch irritiert von dem Hin und Her durch die Stadt und so verfahre ich mich gleich dreimal, bis ich eine Ansammlung von Rennrädern vor einer Bäckerei entdecke. Die sind sicher auf demselben Weg wie ich, wer schwingt sich denn an so einem Tag sonst aufs Rennrad? Wasser auffüllen, aufs Klo, ein kleiner Plausch, ein leckeres süßes Teilchen erstanden und schon geht es weiter. Noch ein Erinnerungsfoto von der Innbrücke mit der Wasserburger Skyline schießen, dann einhändig fahren und Gebäck essen, versuchen Gleichgewicht zu behalten, denn es geht nun langsamer, denn bergauf.

Irgendwann bin ich am Chiemsee, hier ist Halb-Weg. Hilfe, erst die Hälfte … das bedeutet nochmal mindestens 6 Stunden. Und wenn ich Pech habe – im Regen. Die Kontrollstelle Strandbad – trostlos – im Regen und geschlossen. Die paar Minuten, die ich stillstehe mit dem Händeln der Online App zum Erfassen meiner Position, reichen schon, dass ich anfange zu zittern durchnässt, wie ich bin.

Der Gedanken noch viele Stunden so durchnässt und durchfroren auf dem Rad zu sitzen lässt wieder Zweifel aufkommen. Was wäre, wenn ich mit einer Panne länger stillstehen müsste? Wenn mir jetzt schon so kalt ist? Wo ist denn bitte der nächste Bahnhof? Ich könnte doch … Nix da, Gabi! Weiterfahren! Gedacht, getan und siehe da, nach einigen Kilometern wird es mir wieder einigermaßen warm. Besonders in den ganz schön giftigen Steigungen, die jetzt in unregelmäßigen Abständen immer wieder im Weg liegen. Auch die Hände in den klatschnassen Handschuhen sind keine Eiszapfen mehr. Auch bei der nächsten Kontrollstelle, an einer Tankstelle, ist wieder ein willkommene Grund eine kleine Pause einzulegen: Brezel und Latte Macchiato (mit 2x Zucker logo). 

An Rosenheim geht es nun vorbei. Der Blick auf die Berghänge ist eingeschränkt durch Nebel.

Ich freue mich auf die Kontrollstelle in Holzkirchen, bei McDonald’s. Ist zwar nicht grad mein Lieblingslokal, aber ich beschließe mich drinnen etwas aufzuwärmen. Auf dem Parkplatz eingebogen eine La-Ola-Welle durchgeführt von – zwei – Leuten. Hä? Wer kennt mich denn da? Überrascht schaue ich zurück. Aha, die gilt gar nicht mir, hinter mir biegt Wolfgang in den Parkplatz ein. War er sich wohl schon wieder verfahren. Ich wärme mich bei einer riesigen Tasse heißer Schokolade und einem zuckersüßen Donut auf, dann fahre ich langsam in die Dämmerung hinein.

Bis München ist es nun nicht mehr weit, es geht durch ausgedehnte stockfinstere Forste.  Wäre es zu noch späterer Stunde, vielleicht wäre es eine sekundenschlafverdächtige Fahrt, da das Sträßchen schnurgerade ohne viel Ablenkung durch den Wald geht. Oder … sind das nicht gerade diese Gegenden, die die Gänsehaut auslöste bei der Sendung XY, deren ich in meiner Jugendzeit keine versäumt hatte? Oder … gibt es in diesen Wäldern vielleicht Wölfe? Was, wenn … Schluss mit den Gedanken, da vorn lichtet es sich irgendwie und schon bin ich raus aus dem Gruselwald. Noch zweimal verfahren und dann ist auch schon die Strecke auf meiner Garmin beendet. Hmmhmmm … wo ist denn jetzt das 3Mills? Ich blicke mit ratlos um und will schon Dr. Google auf dem Smartphone befragen, der doch alles weiß … Da erblicke ich hinter Hecken ein beleuchtetes Schaufenster. Endlich da!!! Das war heute wohl Überlebenstraining für die GBDuro (Gravel-England-Schottland-Längsdurchquerung) im August.

Hermann on tour – ITALY DIVIDE

Hermann: Live tracker

italiano

Wieder mal ohne Frau unterwegs … diese sitzt neidisch zuhause …
Vor Hermann stehen spannende Tage beim Bike Adventure ITALY DIVIDE.
Die außerordentliche Belastungsprobe startet am 23.April in Pompei, Ziel ist nach 1250 Kilometern und 22.000 Höhenmetern Arco am Gardasee – dazwischen pures Abenteuer!!!

Laut Veranstalter ist Italy Divide das wohl außergewöhnlichste Bikepacking-Event der Welt. Die Teilnehmer sind auf schnellen, hügeligen Schotterstraßen unterwegs, folgen der Via Francigena, der Eurovelo 7 und überwinden auf teils sehr technischen MTB-Trails die Via degli Dei, die Lessinia-Berge und schließlich den Monte Baldo, gespickt mit einer reichhaltigen Mischung aus Geschichte entlang des Weges. Das war Hermanns Italy Divide …


Der Tag davor …
Spannende Anreise. Zugstreik. Umdenken. Flug Innsbruck-Wien-Neapel. Rad im Radkarton. Auseinandergelegt. Aber Hermann ist Tüftler, der schafft das schon, sein Bike wieder fahrtauglich zu bekommen. Ich, Gabi, wäre da ein bisschen „kesslun“ wie man auf Südtirolerisch so schön sagt, übersetzt auf gut Deutsch bedeutet das soviel wie „ratlos“.
Nach Rad-Zusammenbau folgt endloses Schlange-Stehen um die Startunterlagen und den Spot-Tracker. Genau, da komme ich auch schon auf den Punkt: Hermann ist in Echtzeit nachverfolgbar und zwar hier .
Wer sonstige Eindrücke miterleben möchte auf Hermanns in etwa eine Woche dauernden Rad-Wanderung (zum Teil ist das wohl auch wörtlich zu nehmen), der schaue immer mal wieder hier rein.

Tag 1 – 23. April 22 – 160 km/ 1600 Hm

Noch 4 Stunden bis zum Start. Die Socken sind daheim. Dafür fährt ein Stück Gabi im Gepäck mit – Radsocken Größe 39 … 😊
Batterien in den Tracker einlegen. Ohne das geeignete Werkzeug nicht leicht und wer hat schon einen minikleinen Schraubenzieher mit? Taschenmesser? Tiefer Schnitt am Daumen fährt mit …
Der Start verzögert sich etwas, gegen 12:30 geht es los. Nun schlängelt sich das ganze Feld den Vesuv hoch. Fußmarsch angesagt … kilometerweit über Sand-Asche-Piste schieben. Und mittendrin *HL …

Der Abend kommt schneller als gedacht. Nach 150km in Formia nahe Gaeta gibt es ein Hotel, dann nichts mehr, das man noch zu später oder besser gesagt zu früher (Morgen-)Stunde noch beziehen kann. Um 22:00 ist deshalb für heute Zapfenstreich, dafür dann früh raus aus den Federn.

Tag 2 -24. April 22 – 245 km/ 2500 Hm

Start kurz nach 2 Uhr. Nach grad mal dreieinhalb Stunden Schlaf. Die ersten 50 km sind gut zum Einrollen. Dann wird es ernst. Hinauf auf den Monte Circello ist wieder mal Schieben angesagt. Lange. 4 Kilometer. Dann Abfahrt. Und es passiert. Die erste (und hoffentlich einzige) Panne. Ein Schnitt an der Seite des Reifens. Was nun? Hermann versucht den Schaden zu reparieren. Ob das wohl hält?

Bis jetzt ging es an der Küste entlang. Recht schnell kommt man aber nicht voran – Gravel … Auf der Höhe von Latina biegt die Strecke ab ins Landesinnere.

Es geht etwas langsam, schreibt Hermann, viele steile Passagen und viel Schlamm.
Und der Weg nicht immer leicht zu finden … „I glab, i bin folsch. Wieder aui trogn“. Oje …
Durch Rom durch, Menschenmengen.
Unterkunft? Nichts, nichts, nichts … alles, aber auch alles ausgebucht. Ein Motel bald nach Rom hat noch ein Zimmer. Es liegt allerdings 7 km abseits der Strecke und hat auch noch ein paar Höhenmeter im Aufstieg.

Der Tracker zeigt Hermann lange auf derselben Stelle, ich mache mir langsam Sorgen. Über eine Stunde ist er nun schon unterwegs für die grade mal 7 Kilometer Zubringer zum Hotel. Oje! Dann die erlösende Nachricht: „Habe gerade eingecheckt.“ Es ist nun 22 Uhr. Und – er ist nicht der einzige der Teilnehmer im Motel …

Hermann berichtet rasch, denn Bettruhe ist jetzt wichtiger. „Die letzten Kilometer waren ziemlich hart. Die Komoot-Route war spannend. Fussweg, Bach durchwaten, viele Herdenschutzhunde, z. T.  auch freilaufend. Muss mir für die Rückfahrt zur Strecke eine andere Route überlegen.“

Muss schauen, dass ich meine Sachen noch trocken bekomme. Bin kaputt … Heute über zwei Stunden im Regen gefahren, im Matsch!“

Tag 3 – 25. April 22 – 175 km/ 2000 Hm

„Ich hab den Wecker auf 4.30 gestellt. Bin 1 Stunde  früher aufgewacht. Dann aufgestanden und habe alles zusammengepackt und das Rad gepflegt, alles verdreckt, Antrieb mal geschmiert, …  Um 4.45 gestartet. Das Rad ist sehr schwer.“

Zurück bin ich ein Stück auf einer Schnellstraße. Kein Verkehr. Nur ein einsames Wildschwein ist vor mir über die Straße gelaufen. Hat mich aber nicht als Seinesgleichen erkannt, so wie ich im Moment ausschaue. Hahhahaaa!“

Heute geht es gut. Habe schön gefrühstückt unterwegs. Aber es geht verhältnismäßig langsam voran. Die Wege sind schön, teils wunderbare Singletrails, aber schwer zu fahren, alles ist nass, matschig.“

Es rollt, allerdings ab und zu eingebremst … Bei Montefiascone 4 km grobes Pflaster, ein Kilometer davon wieder mal Schiebestrecke.

Schöne mittelalterliche Städte an der Strecke. Ein Juvel Civita di Bagnoregio.
Nun taucht er in die wunderschöne Toskana ein. Heute etwas früher Abendpause, zwar etwas abseits der Strecke in Acquapendente, aber dafür ist noch ein Abendessen in der angeschlossenen Pizzeria drin.

Der Haken daran nur, dass es keinen Platz für das Rad gibt. Erst, wenn alle Gäste die Pizzeria verlassen haben, kann das MTB in den Flur gestellt werden. Das Lokal war voll …

Tag 4 – 26. April 22 – 185 km/ unzählige Hm

Vor 5 geht es wieder los. Es geht nun vorbei an vielen Orten in der Toskana, die wir von der 1001 Miglia und von unseren Aufenthalten in Bagno Vignoni kennnen. Hoffentlich kann es Hermann etwas genießen …

Das Wetter hält heute. Die Strecke birgt immer wieder Überraschungen, sehr oft gibt es kurze sehr steile Anstiege, auf den Abfahrten kann man es leider auch nur selten richtig schnell rollen lassen. So kommen heute auch nur annähernd 200 Kilometer auf den Tacho. Unterwegs heute viele Natur- und Kulturschönheiten der Toskana: Radicofani, Campiglia d’Orcia, Castiglione d’Orcia, Bagno Vignoni, San Quirico d’Orcia, Castelnuovo Beradenga. Unterwegs trifft Hermann Elena G. und Andrea S., diese sind nicht so ganz frisch heute, da sie mangels Unterkunft in Radicofani nur eingewickelt in Rettungsfolie übernachtet hatten. Auf seiner Fahrt wird Hermann von Tiziano D. abgefangen. Dieser war 2021 auch bei der Northcape4000 dabei, wir haben uns am Ende der Welt, in Honningsvåg, getroffen. Nachtruhe gibt es heute in Radda in Chianti.

Tag 5 – 27. April 22 – 140 km/ ?Hm

„Heute schon üble Schlammschlacht gehabt. 5km schieben. Die letzten Tage hat es geregnet. Heute Wetter ok, aber das Weiterkommen sehr mühsam. Geschwindigkeit nicht mehr wie 2-3km/h …“

Start heute 3:30 in der Früh … Heute großen Teil der Via degli Dei gefahren. Viel schieben. Aber schön. Insgesamt kommt doch ein Schnitt von 8km/h zusammen. Neben einigen Radfahrern sieht man viele Rehe, auch Wildschweine hat er bereits drei gesehen. Es geht weiter durch die schöne Toskana, an Florenz vorbei und dann geht es wieder in die Berge. Der Abschnitt Florenz-Bologna steht als „Schreckgespenst“ vor Hermann. Er beschließt nicht in die Nacht hineinzufahren, sondern kurz nach dem Passo della Futa, vor dem Passo Passeggere in der gleichnamigen Agritur eine verfrühte Nachtpause einzulegen. Um halb neun sitzt er schon bei einem leckerne Abendessen. Gab es gestern ein Glas Chianti, heute ist es der San Giovese. Essen dauert etwas. Dafür gönnte er sich heute zwei Gänge.

Tag 6 – 28. April 22 – 285 km/ ?Hm

Vom Passo Passeggero sollte es abwärts rollen bis Bologna. Allerdings ist das nur tendenziell so, denn Abfahrten werden immer wieder unterbrochen von giftigen Anstiegen. Die Po-Ebene dann ziemlich flach, aber die Gravelabschnitte bremsen ein. Vor Mantua dann der Schock: 40 Kilometer Umweg wegen einer fehlenden Brücke. In Verona dann nächtlicher Stopp. Gabi sieht ihren Hermann bis 11:30 immer noch an der Arena von Verona stehen. Langsam sorgt sie sich …

Später die Entwarnung. Batterien leer und der gute Mann hat nicht auf WhatsApp geschaut, dass seine Gattin vor dem PC wartet.

Morgen stehen noch zwei Berge an mit insgesamt über 5000 Höhenmetern. Das Ziel in Torbole ist in greifbarer Nähe …

Tag 7 – 29. April 22 – 125 km/ ?Hm

„Gestern war in der Arena Rockkonzert. Der ganze Platz davor war mit Menschen voll. Ich habe Rad geschoben“. Da erklärt sich alles. Hermann war beim Rockkonzert, während die Frau auf ein Lebenszeichen gewartet hat … Hahhahaaa!

Heute Zielankunft??? „Heute ohne Proviant los. Habe noch 1 Gel.😱 Bis in die nächste Ortschaft werde ich es wohl schaffen.“

Von Verona geht es über die Lessinia. Abfahrt ins Etschtal und dann auf der anderen Seite Richtung Altissimo wieder hoch.

Kurzweiliger Anstieg mit einem Slowaken. Dann Überraschung, kurz nach dem Stausee kommt mir eine Radfahrerin entgegen. Gabi, meine Göttergattin. Bis zum Corno della Paura ist es wieder unterhaltsam. Durch die Felswände des Corno ist es ziemlich luftig, man sollte schwindelfrei sein, denn ins Etschtal runter geht es weit und der Abgrund ist nah, ein Fahrfehler auf dem gerölligen Boden und deine Italy Divide ist hier beendet …

Katrien treffen wir immer wieder. Die junge Frau aus Belgien ist alleine unterwegs und Hermann ist ihr immer wieder begegnet. Taffe Frau!

Gegen 18:30 Uhr biegen wir nach rasanter Abfahrt von Brentonico um eine Kurve und da liegt er: der Gardasse. Wunderbar in der Abendstimmung. Noch ein Kilometer und Hermanns lange Reise ist zuende und ich habe meinen Mann heil wieder.

Obligatorisches Foto auf dem grünen Brokat-Italy-Divide-Thron …

Nächstes Jahr wird die Italy Divide vermutlich in umgekehrter Richtung gefahren. Darf dann ich? Hermann sagt allerdings: „Das ist ein sehr hartes Brett …!“ Nichts für mich?






Verona Garda Gravel Extreme 600

Resoconto in italiano

Zuerst der Kurzfilm (1,5 Min.) & Film in voller Länge (6 Min.)
Bericht auf Deutsch – Bitte nach unten scrollen!
Video des Veranstalters – siehe unten!

Mitternacht ist längst vorbei. Tiefschwarzer Wald. Strada bianca. Die 20%-Steigung hatte mich schon vor Minuten aus dem Sattel geworfen. Schuld auch die Müdigkeit, die meine Konzentration auf ein Minimum schrumpfen lässt. Stockfinstere Nacht. Nur das Frontlicht meines Rades geistert vor mir durch die Dunkelheit. Plötzlich löst sich in der linken Ecke meines Blickfeldes etwas Großes Grau-Braunes. Lautlos segelt es knapp vor mir durch die Luft und ist schon wieder verschwunden. In Sekundenschnelle bin ich hellwach. Was war denn das? Ein Vampir? Den lassen wir im Land der Träume. Was fliegt denn nachts? Uhu, Eule, Käutzchen. Wie war ich nur wieder in eine solche Situation gekommen?

Genau vor einem Jahr waren wir, Hermann und ich, bei der Verona Gravel 200 und waren begeistert von dem Naturparcours im Hinterland des Gardasees. Mit Erfurcht schauten wir damals auf die paar Starter, die die 460 km in Angriff genommen hatte, unvorstellbar!

Day 1 – Motto: Wasser & Hügel

Und nun stehen wir um 6 Uhr am Morgen selbst am Start in Peschiera vor dem Bikeshop Garda Gravel: Verona Garda Gravel Extreme 600!!!  Vor uns 600 Kilometer, viel extremes Gelände, wenig Asphalt, aber dafür auch wenig Verkehr.

Nur etwa 25 sind die Wagemutigen, darunter 5 Frauen, Claudia, Nadia, Valentina, Elena und ich. Am Ende sollten es etwas mehr als die Hälfte ins Ziel geschafft haben, darunter alle 5 Frauen!!!

Einige Teilnehmer dürfen „Whip live“ testen, eine Smartphone-App, um im Notfall getrackt werden zu können. Oh, oh … es wird wohl wirklich extrem … Irgendwie schaffe ich es nicht, mich einzuloggen, Hermann wohl auch nicht …

Flott geht es nun Richtung Verona mit minimal Höhenmetern. Dort werden wir laut meiner Rechnung wohl recht bald vorbeikommen, anschließend folgen nämlich 60 Kilometer Ebene. Flott? Denkste … schon auf den ersten Kilometern erkenne ich, warum das Ding „extreme“ heißt. Nix mit flott dahinrollbaren Passagen. Immer wieder knifflige Abschnitte, die die Durchschnittsgeschwindigkeit rasch sinken lassen. Das kann ja lustig werden. Ich glaube jetzt schon zu verstehen, warum das Zeitfenster von Donnerstag bis Sonntagnacht angesetzt ist. Da sind wir bei der Planung der Etappen wohl etwas zu blauäugig gewesen, wenn wir meinten, bis Samstagabend sei das Ding zu rocken. Au Backe, was ist mit unseren vorgebuchten Unterkünften? Werde wir es bis dahin schaffen? Die Biwaksachen haben wir zuhause gelassen, da die Nächte noch zu kalt sind und wir uns meist in größeren Höhen aufhalten. Eine gewisse Unruhe schleicht sich bei mir ein …

Wasser. Das erreichen wir nach den ersten Hügeln. Bei Pescantina geht es ans Etschufer. Fein der Bifis-Kanal … Schon wieder „denkste!“, denn nach kurzen Radweg-Intermezzo geht es ins Gelände und zwar wirklich. Der Weg am Fluss entlang ist schmal und unregelmäßig. Meine Vorderreifen bohren sich immer wieder in tiefen Sand. Und da ist es auch schon passiert: Der erste Sturz.  Mein Bike bleibt abrupt stehen, beide Schuhe sind in den Klickpedalen gefangen und in Zeitlupe kippe ich seitwärts. Ich schlage auf irgendwas Hartem auf. Mein Oberschenkel schmerzt höllisch. Das wird wohl den ersten blauen Fleck geben. Notdürftig schüttle ich den Sand ab und versuche die anderen wieder einzuholen. Die sind auch nicht viel schneller als ich. Nach unzähligen sehr idyllischen Kilometern verlassen wir das Etsch-Ufer. Hermann bleibt plötzlich stehen. „Mein Handy ist weg!“ Oh, weh! Ich will langsam vorausfahren, Hermann dreht um, um sein Phone zu suchen. Nach wenigen Metern nagt das schlechte Gewissen. Ich kann doch meinen Radpartner nicht alleine zurück fahren lassen und vier Augen sehen mehr als zwei. Zwei Kilometer in Schritt-Tempo zurück. Vom Handy keine Spur. Vom Gerüttel wird es wohl auch kaum mitten auf dem Weg liegen, sondern vielleicht rechts oder links in die Büsche katapultiert. Ratlos gehe ich wieder zurück. Von Hermann keine Spur. Er wird am Ende fünf Kilometer zurück gefahren sein, ich hoffe nicht die 30 Km zum Start zurück… Ich habe eine Erleuchtung. Whip live!! Was, wenn Hermann doch auf der Karte gelistet ist? Mit zitternden Fingern gehe ich auf die App, öffne Verona Gravel und gebe seinen Namen ein. Mein Herz macht einen Sprung. Da ist ein Punkt mit seinem Namen. Schnell will ich ihn anrufen, dass er wieder zurückkommt. Ich Dumme, er hat ja kein Handy … Nach etwas Rumprobieren gelingt es mir meinen Standort einzublenden. Ich befinde mich nicht weit entfernt. Langsam bewege ich mich auch den Hermann-Punkt zu, bis wir auf gleicher Höhe sind. Ich suche Zentimeter für Zentimeter. Kein Smartphone. Auch mein Versuch, das Phone anzurufen – Fehlanzeige, es wird wohl auf lautlos gestellt sein. Auf der einen Seite geht es hinter den Brombeerstauden senkrecht ein paar Meter zum Ufer hinunter, überall trockenes Laub. Urs fährt vorbei, dann Claudia. Irgendwann schließt auch Hermann wieder auf. Zu zwei suchen wir, verzweifelt ziehe ich schon in Betracht in die Dornenbüsche zu steigen. Da! Hermann: „Ich habe es!!!“ Erleichtert nehmen wir die Fahrt wieder auf. Wir sind nun die Allerletzten. Und für die verlorene Dreiviertel-Stunde werden wir wohl auf eine gemütliche „Essenspause“ verzichten müssen. Meine Gedanken fliegen zum gebuchten Bett in Cornedo Vicentino. Das scheint in unerreichbarer Ferne. Aber werden wir sonst noch einen Schlafplatz finden?

Vor Verona steht plötzlich der Veranstalter Giorgio (Musseu) an der Strecke und begleitet uns ein Stück. Er macht den Vorschlag, den nächsten Hügel abzukürzen, um wieder Anschluss an die anderen zu bekommen. Wie kann er nur!! Auf keinen Fall!!! Das geht aber so was gegen unser Ehrempfinden. Es geht nun steil hoch, knapp noch fahrbar. Steine säumen den Weg. Ich quatsche mit Musseu und da ist es schon passiert: Mein Vorderrad rutsch ab, das Rad stellt sich quer und ich kippe mal wieder nach rechts. Wie gehabt – das Klickpedal löst nicht aus. Ich lande auf meinem Allerwertesten. Blauer Fleck Nummer zwei. Wie peinlich.

Musseu verlässt uns. Weiter geht es nach Verona und irgendwie auf Schleichwegen durch die Stadt. Vorbei an geschichtsträchtigen Orten. Bei der Arena von Verona fängt uns Musseu wieder ab und begleitet uns einige Kilometer. Claudia sei nur ein paar Minuten vor uns. Der Abstand wird wieder größer, da wir auf dem Schotter-Etsch-Radweg erst mal die mitgebrachten Brote essen. Nun liegen 60 Kilometer Ebene vor uns. Für mich und meine Beine scheint das eine Horror-Vision. Ebene … immer dieselben Muskeln beansprucht. Viel lieber fahre ich etwas kupiert. Wo es hochgeht, geht es auch wieder runter. Aber bis hierhin habe ich erkannt, Steigungen tun bei der V.G.G.E. meist höllisch weh.  

Ich ziehe in Betracht, die langweilige Passage mit meinem Hörbuch zu versüßen, aber um die Kopfhörer rauszuziehen, müsste ich wieder anhalten, das ist nicht drin, soll noch eine kleine Hoffnung bestehen, den Schlafplatz noch in der Nacht zu erreichen. So vertreibe ich mir die nächste Zeit mit Berechnungen dieses Problem betreffend. Eine ganze Stunde vergeht so mit einer einfachsten Addition. Sagenhaft, wie Radfahren den Kopf von allem befreit. Nahezu Leere! Bei Kilometer 130 sollte es in die „Berge“ gehen, durch die Colli Berici. Und zwar fünf Erhebungen in Folge. Dann sollte die längste Steigung an diesem Tag folgen, zum höchsten Punkt Cima die Monte Malo. Die Gesamtanstiege auf die „Hügel“ sollten zwar mit maximal 400 Metern nicht so ernst sein, aber auch das wieder ein Fall von „Denkste!“

Irgendwann ist die mir verhasste Ebene abgehakt. Einen Supermarkt-Stopp erlauben wir uns noch, um unseren Proviant wieder zu ergänzen: Kefir-Cola-Tramezzini- Ricciarelli, Mandelkekse mit weichem Kern, picksüß, aber himmlisch lecker. Auch unsere Wasserreserven müssen aufgefüllt werden, wer weiß, wann es wieder was gibt.

Nun nehmen wir den ersten Hügel in Angriff. Sofort wird mir klar, dass „nur“ 200 Höhenmeter sich anfühlen können wie 1000 … Steigungen mit an die 20% im Gelände schmeißen mich aus dem Sattel, bevor der Muskel-Schmerz in den Oberschenkeln ankommen konnte. Ich beginne stark zu zweifeln, ob meine Übersetzung 34/34 ideal für solche Vorhaben ist. Dann auch noch ein „Verhauer“. Auf die paar Höhenmeter mehr kommt es nun auch nicht mehr an.

Auf den ersten Hügel folgt der zweite, dann der dritte. Unendliche Male runter vom Rad, rauf auf den Sattel, nach ein paar Metern wieder runter. Beim Aufsteigen das rechte Bein über Packtasche und Sattel wuchten, runter den umgekehrten Weg. Hunderte Male. Wie wird sich das wohl auf meine Statur auswirken. Ich kichere vor mich hin, obwohl mir das Lachen längst vergangen ist. Aber zu komisch der Gedanken, dass die Muskeln der rechten Pobacke wohl unverhältnismäßig gestärkt werden. Kann ich mich in Zukunft noch in die Sauna trauen? Wie erkläre ich die dicke rechte Pobacke?

Die Gegend ist aber traumhaft schön. Viele Weinberge und Olivenhaine, ähnlich wie in der Toskana. Einige Male hängen am Wegesrand mitten in der Pampa Plakate mit ALÉ CLAUDIA, VAI NADIA, FORZA ELENA! Sehr motivierend, ich wurde wohl vergessen. Vorschau: Giancarlo P. wird sich anschließend bei mir melden, er wusste von mir nicht … Und beim nächsten Mal wird er auch „Tifo“ für mich sein.

Die Sonne ist am Untergehen. Die Colli Berici werfen einen Schatten auf die anschließende Ebene. Bei einer gefühlt fast senkrechten Zu-Fuß-Passage schließt Claudia auf. Nanu? Wir dachten, alle seien schon weit weg. Noch ein kleiner Hügel. Am Lago di Fimon legen wir spontan an einem Kiosk am See eine kleine Stärkungs-Pause ein. Wir haben Glück, denn der Kiosk hat eigentlich gerade geschlossen. Toast und Cola kommt gerade recht. Es dämmert nun stark. Claudia entschließt sich den nächsten Hügel noch zu meistern und dann einen Schlafplatz zu suchen. Wir hingegen müssen noch über den großen Berg. Allzu gern würde ich jetzt nicht noch 800 Höhenmeter überwinden müssen. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr, wir hatten im Vorfeld entschieden. Auf jeden Fall gilt die Option gegen 22 Uhr schlafen zu gehen für uns nicht. Ein Anruf beim Hotel.

Begeistert ist der Mitarbeiter Carlo nicht, aber er erklärt sich bereit, auf uns zu warten. Tausend Dank nochmal! Gefühlsmäßig besteige ich den gesamten Berg zu Fuß, enorme Steigungen sei Dank! Im Halbschlaf wankte ich also bergan und wurde unsanft vom vorbeischwebenden Uhu geweckt. Irgendwann war der höchste Punkt „Cima“ erreicht. Nur noch 10 Kilometer Abfahrt und trudelten 10 nach Eins im Hotel „Due Platani“ ein. Die heiße Dusche war das höchste der Gefühle.

Day 2  – Motto: noch mehr Hügel – heiß & bitterkalt

Am Freitag-Morgen nach einem super Frühstück stiegen wir wieder in die Pedale. Ein Blick auf die App Whip -einige Teilnehmer waren nun hinter uns. Wie froh war ich jetzt, 243 Kilometer, 4000 Höhenmeter und DEN Berg schon hinter uns zu haben. Heute liegen zwar nur 168 Kilometer vor uns, aber wieder über 4000 Höhenmeter und wer weiß, welche Teufeleien sich Musseu wieder ausgedacht hatte. Ich bin mir gar nicht so sicher, ob San Ambrogio so leicht erreichbar sein wird vor der nächsten Nacht. Ich sollte mich nicht irren. Wunderschön durch die Lessinia zu fahren. Aber auch heute wie gehabt. Unzählige Male Fußmarsch. Unzählige blaue Flecken später, ich eiere durch die Gegend in mich hineinlachend wie mein nächster Saunabesuch wohl sein wird: „Nein, ich habe keinen gewalttätigen Ehemann, das war mein Rad und die Physik. Ja, ja, die Schwerkraft bekam ich einige Male am eigenen Körper zu spüren. Das nennt man wohl learning by doing. Und eines hatte ich gelernt, der Boden hat eine große Anziehungskraft und zwar um so größer, je schlechter der Untergrund ist (was physikalisch wohl Nonsens ist).

Der erste Hügel ist nur kurz, aber Fußmarsch. Den zweiten von fünf haben wir kurz vor Mittag in der Tasche. Verdient haben wir es uns zwar noch lange nicht, entschließen wir uns doch zu einem Trattoria-Stopp in Campiano. Die Pasta, Bigoli mit sugo al pomodoro, schmeckt himmlisch. Wir treffen hier auf Paolo. In den nächsten Tagen werden wir wir uns mehrmals über den Weg laufen.

Nun geht es in den Talgrund und auf der anderen Seite wieder hoch, die Steigungen wie gehabt. Von meinem Gravelbike werde ich immer wieder abgeworfen, es bäumt sich auf wie störrisches Ross. Weitere blaue Flecken. Unterwegs schicke ich in Gedanken Musseu in das Fegefeuer oder Schlimmeres. Beispielsweise als der Track uns einen mehr als steilen Fußweg hochquält. Oben sehe ich, dass die schmale Straße in einer Schleife an denselben Punkt gelangte.

Einige wenige Dörfer liegen am Weg, man sieht kaum einmal einen Menschen, geschweige denn eine Bar oder Ähnliches. Endlich: In der Pizzeria La Rotonda in Roveré Veronese gibt es Stärkung. Toast und Cola. Der sehr nette Wirt bringt uns Parmesankäse und packt uns sogar noch ein Säckchen voll ein. Eine der besten Wegzehrungen!

In die Dämmerung radeln wir mit Elena, Andrea und Daniel. Diese entscheiden sich für eine Nächtigung in Erbezzo. Die haben es gut. Wir müssen noch zum höchsten Punkt, Richtung Passo Fittanze, gebuchte Unterkunft sein Dank. Es wird schon wieder Nacht, viel zu schnell. Die Aussicht wohl wieder kein Schlaf zu vernünftiger Zeit. Irgendwann sind wir auf dem höchsten Punkt: Schnee und mit knapp 2 Grad bitterkalt. An für sich gibt es jetzt nur noch 30 Kilometer bergab. Aber die ziehen sich endlos. Die Abfahrten sind sehr geröllig. Sturz drei und vier folgen. Noch mehr blaue Flecken.   und ein blutendes Knie. Meine Handgelenke schmerzen unsäglich vom krampfhaften Bremsen und vom Gerüttel über die groben Geröllwege. Zwischendurch immer wieder mal Asphalt. Aber kaum dass der Gedanke aufkommt – „Oh schön, jetzt war Giorgio mal gnädig beim Planen!“, geht es schon wieder ab und in die Stein-Pampa. Denkste!

Weit nach Mitternacht wird es schon wieder, bis wir im Apartment Cris in Sant‘ Ambrogio di Valpolicella ankommen, froh, die zitternden Glieder bei einer heißen Dusche aufzuwärmen und eine Mütze voll Schlaf zu bekommen. Der Chef hatte uns liebenswürdigerweise ein kleines Frühstück gerichtet mit Schoko-Ostereiern. Vielen Dank!

Day 3 – Motto: unzählige Hügel, viel Wasser, Hitze, Kälte

Früh morgens Aufbruch. Etwa 200 Kilometer liegen noch vor uns und ich weiß nach einer Vorbefahrung, was auf uns zukommt, aber zum Glück weiß ich noch nicht alles.

Wir treffen Paolo wieder. Cappuccino-Pause nach einem bunten Mix an Strade Bianche, Etsch-Ufer-Weg, Radwege, Downhillstrecken. Richtig schnell kommen wir nicht weiter. Sturz 5 in eine Brombeerhecke. Neben den blauen Flecken habe ich inzwischen auch jede Menge Kratzer auf meinen Beinen – wenig damenhaft.

Es wird Mittag als wir eine kleine Pause hoch über dem Gardasee in einem Olivenhain einlegen. Ob wir wohl eine weitere Nacht in Peschiera in unserem Basislager „Bike Hotel Enjoy“ einlegen müssen und am Sonntag dann nach dem Frühstück gemütlich die Runde durch die Colli Moreniche? Zeit genug hätten wir ja. Nun folgt die herausfordernde Passage zum Ponte Tibetano. Nicht nur Fußmarsch ist hier angesagt, sondern man muss auf dem losen Geröll das Bike quasi hochwuchten. Auch danach weiterhin regelmäßig Absteigen, Aufsteigen, dahinschleichen auf Holperwegen. Aber fantastische Aussichten auf den Gardasee lassen einen die Qualen vergessen.

Und irgendwann, die Sonne steht schon wieder sehr tief, erreichen wir das Gardasee-Ufer. Gemütlich kann man hier die Uferpromenade entlangradeln. Zur Gemütlichkeit werden wir sozusagen von den unzähligen Spaziergängern gezwungen.  An der Punta San Virgilio knipsen wir traumhafte Sonnenuntergangsbilder und ein Bad mit Rad darf logo nicht fehlen, sagen wir mal Bad bis zum Radshort-Ansatz und bis zum Gepäcksträger.

Wie Touristen genehmigen wir uns Toast, Bier, Cola, Eis und sind entsetzt über die Preise, die dreimal so hoch ausfallen wie in den Dörfchen der Lessinia. Aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Weiter in die Dämmerung hineinfahren, wieder mal ein Verhauer, bei dem wir im Kreis fahren. Mein Handy klingelt. Es ist Musseu. Verabredung in der Pizzeria in Peschiera, Paolo ist auch schon da.

Gesagt getan, Stärkung bei einer leckeren Bowl mit Reis, Garnelen, Obst und Gemüse. Was sollen wir nun tun? Es ist 20 Uhr. Schlafen gehen oder weiter fahren? Nur noch läppische knapp 80 Kilometer. Im Vergleich zu dem Erledigten sollte das nur noch gemütliches Ausfahren durch die Moränenhügel südlich des Gardasees bedeuten. Wir wollen weiter und Musseu hat die Idee eines Bed-Sharing mit Paolo, der ein paar Stunden schlafen möchte, bis zu unserem Eintreffen. Im Bike Hotel Enjoy ist man einverstanden. Das gemütliche Ausfahren entpuppt sich dann als nicht so angenehm. Erstens gibt es auch hier viel Gelände und zweitens wird es rund um Mitternacht bitterkalt. Und das interessanterweise in den Senken. Kommt man auf die kleinen Hügel, ist es bis zu 8°C wärmer und dann muss man wieder in die Kälte-Luft-Seen abtauchen.

Aber die Hügel entpuppen sich sanfter als alles, was wir in den vergangenen Tagen erlebt hatten. Irgendwann glaubte ich hinter mir einen Express-Zug zu hören. Spielt meine Fantasie mir Streiche? Sind das die ersten Anzeichen des gefürchteten Sekundenschlafes? Aber nein, das Geräusch entpuppte sich als die herannahende Dreiergruppe mit Nadia im Schlepptau. Und schon ist der Spuk vorbei. War das nur ein Traum? Aber anscheinend hat Hermann das Gleiche gesehen, denn er fragt: „Bist du verärgert, weil du nun nicht die erste Frau im Ziel bist?“ Ich überlege, nein, keineswegs, ich bin froh, dass ich diese Herausforderung in mein „Albo d’Oro“ aufnehmen kann.  

Die abschließenden ebenen 6 Kilometer am Mincio entlang werden nochmal extrem, hier hat es kaum mal 3 Grad, meine Hände und Füße sind nur noch Eisklötze. Um kurz vor halb zwei schließen wir die Verona Garda Gravel Extreme mit 614 Kilometern und über 10.000 Höhenmeter ab. Paolo hat das Zimmer schon verlassen, ich muss mich unter der Dusche erst mal enteisen. Der Schlaf kommt trotz großer Müdigkeit nicht sofort, viel zu viele Eindrücke müssen erst mal verarbeitet werden. Kurz vor Versinken ins Land der Träume freue ich mich auf das super leckere Enjoy-Frühstück, das wir nun in Ruhe genießen können – zum Glück haben wir die Extrem-Runde schon abgeschlossen, 20 Stunden vor Zielschluss und nach 45 Stunden im Sattel.

Danke an Simonetta & Giorgio für das unvergleichlich schöne Erlebnis. Auch wenn wir die Routenwahl einige Male „verflucht“ haben. Aber was einen nicht umbringt, macht einen nur stark …

GBDURO 2022

I AM IN – a new adventure can begin …
ICH BIN DABEI – ein neues Abenteuer kann beginnen …
2000 km längs durch England und Schottland mit dem Gravel-Bike … das bedeutet über Stock und Stein – das ist GBDURO.
(Instagram: #gbduro & @theracingcollective)
Das Besondere an dem Event: Es ist ein No-flight-event, um unsere Umwelt zu schonen (so wird schon die Anreise ein Abenteuer für sich sein). Weiters sind die Racer verpflichtet im Freien zu schlafen. Und nicht zuletzt starten Hermann (ja, wir sind beide angenommen worden) und ich beide als Solo-Fahrer, das wird für mich Tage der Einsamkeit bedeuten (aber das hatte ich ja schon letztes Jahr…).

  • Werde ich im August genügend Kraft in den Beinen haben, um die 2000km und 22000Hm in 10 Tagen zu schaffen?
  • Werden mein Bike und ich die schwierigen Etappen durch die Highlands meistern?
  • Wird das Wetter uns gnädig sein?

Fragen über Fragen. Ich vermute aber, dass das GBDURO vermutlich ein Stück härter wird, als es Northcape4000 war …
Einsamkeit, schwieriges Gelände, Regen, Wind, … – mit großer Ehrfurcht sehe ich der GBDURO entgegen.

Ich halte euch auf dem Laufenden … Ihr könnt mich während der Tage verfolgen, ein Tracker wird die Koordinaten unserer Standpunkte übertragen.

Von Land’s End nach John O’Groads in Schottland

Solstizio 2021 – Brevet zur Wintersonnenwende

italiano

Solstizio d’inverno … es ist wieder soweit gut 200 km von Arco in einer Schleife zum Toblino-See im Norden und dann um den Gardasee. Diesmal nicht nachts, sondern den Covid-Bedingungen geschuldet auch tagsüber und im Modus „Random“, das bedeutet Startmöglichkeit an allen Kontrollstellen. Bisher fuhr ich das Event also immer nachts, diesmal entschied ich mich für die „angenehmere“ Variante und wählte gleich den ersten Startzeitpunkt um 8 Uhr morgens.

Toblino-See

Mein Allerliebster folgte seinen Pflichten und entschied sich seine Holde allein ziehen zu lassen. Zwischen Verärgerung (das sch… Büro) und Mitleid (dem Armen entgeht was) zog ich also gen Süden. Hermann meinte, ich schaffe es nach dem Frühstück locker vor acht am Start zu sein – mit dem Auto. Ich möchte nicht wissen, wie schnell er immer unterwegs ist … ich war nämlich erst gegen halb neun in Arco.
Hier machte ich mich nach dem Scan des QR-Codes allein auf den Weg – Richtung Norden. Fabio – der Organisator – hatte zwar empfohlen, die Schleife zum Toblino-See besser später am Tag anzugehen, aufgrund möglicher morgendlicher Vereisungen und Reif an schattigen Stellen. Aber Frau ist stur. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt das weniger Angenehme an den Anfang … Vorsicht ist geboten … aber ich habe ja keine Eile. Meine Bestzeit von 7:30 hatte ich nicht vor zu unterbieten, wollte ich doch auch Fotos machen unterwegs, denn nachts war in dieser Beziehung das Angebot immer recht mager ausgefallen.

Maroche di Dro

Einsam stehe ich am Startpunkt. Es gibt eine virtuelle Brevet-Karte und nach dem Scan des QR-Codes und dem OK der ICRON- Plattform zog ich los. Auf dem Radweg Richtung Norden durch die Maroche di Dro, einem gewaltiges Bergsturzgebiet, treffe ich ebenfalls keine Menschenseele. In den Steigungen wird mir gleich warm. Traumwetter heute. Langsam eiere ich über einige bereifte Stellen, aber nichts Dramatisches. Fotopause am Toblino-See. Ein einsamer Radfahrer fährt an mir vorbei. Das war doch … Ja, Umberto, ein Randonneur-Kollege. Lange nicht mehr gesehen. In Santa Massenza, der ersten Kontrollstelle quatschen wir ein wenig, dann geht es die knapp 25 Kilometer zurück nach Arco. Den Rückweg wähle ich kurzentschlossen über die Originalstrecke vorbei am Lago die Cavedine und von Dro über den Ponte Romano.

Ponte Romano

Nun folgt das Sahnestückchen des Brevets: die Fahrt um den winterlichen Gardasee und zwar im Uhrzeigersinn. Immer wieder muss ich stehen bleiben und knipsen. Hermann wird mir nachher sagen, naja, so erklärt sich deine laaaangsame Zeit. Stimmt und ein weiterer Grund, ich fahre den ganzen Tag alleine, also nix mit Windschattenfahren. Allerdings kommen mir tausende Radfahrer entgegen – anscheinend gibt es keine Winterpause für die Rennräder hier unten. Es überholen mich verhältnismäßig wenige Radgruppen, die aber sah ich nicht lange von hinten und somit null Chance sich dranzuhängen. Aber das macht mir auch keinen Spaß. Sich voll auf ein Hinterrad zu konzentrieren bedeutet für mich nur Stress und die Landschaft gleichzeitig zu bewundern birgt Gefahren.

Vorbei an Malcesine, Garda, Bardolino, Lazise, die schön weihnachtlich geschmückt sind, aber das nächtliche Lichterflair fehlt natürlich, dafür funkelt die riesige Weihnachtskugel vom Himmel. Gardaland saust vorbei, hier ist sogar was los an diesem Wochenende. Nein, danke! Nicht ganz mein Fall. Weihnachtsmusik tönt aus den Lautsprechern und die Melodie sollte wie ein Ohrwurm in Endlosschleife durch meinen Tag klingen.

In Peschiera fahre ich bei Mc Donalds, der Kontrollstelle, vorbei und schicke meinem Göttergatten mal wieder eine Nachricht – zum Gluschtn (auf gut Deutsch, damit er mich beneidet oder so ähnlich). Seltsam, dass er noch nie zurückgeschrieben hat heute, er wird doch wohl nicht angefressen sein, dass ich allein losgezogen bin, anstatt Heimchen hinter dem Herd zu spielen? Ich blicke auf das Symbol in der Menüleiste und ich glaube ich werde leicht blass um die Nase: Flugmodus. Hat da der Scan in den Kontrollstellen überhaupt funktioniert? Nein, eben nicht …! (Und Hermann erzählte mir später, dass er sich Sorgen gemacht hatte, er habe mich auf der Verfolge-App nicht gefunden und auch sonst keine Nachricht von mir bekommen. Er sei besorgt nach Hause gefahren und habe nachgesehen, ob ich mein Smartphone liegen gelassen habe …)

Bike Hotel Enjoy in Peschiera

Aber jetzt ist ja alles gut. In Peschiera schwirrt mir im Kopf herum, dass Manuel Jekel mal gemeint hatte, es wäre schön, wenn beim Bike-Hotel Enjoy die Kontrolle wäre. Kurzerhand greife ich die Idee auf und mache einen kleinen Schlenkerer zum Hotel, bei dem wir regelmäßig unsere Zelte aufschlagen und dem Radvergnügen frönen. Alberto und Nicola, selbst begeisterte Radfahrer sind immer für ein paar Ideen gut oder für eine gemeinsame Ausfahrt. Etwas verschwitzt stehe ich in der Hotel-Lobby. Fragende Blicke. Ich erkläre. Gerne könne ich einen Latte-Macchiato haben, darf mich mit ein paar von den leckeren Keksen von Mama Valenti stärken. Das geht natürlich aufs Haus … ist mir ganz peinlich … Aber man sieht sich ja bald wieder, unterwegs -mich wieder abstrampelnd- träume ich von einem Verwöhn-Wochenende noch in diesem Jahr oder im Frühling.

Nun geht es parallel zum südlichen Gardasee-Ufer nach Desenzano. Dann geht es leider nicht durch die Halbinsel nach San Felice und Manerba, sondern weiter der Hauptstraße. Und hier gibt es viel Verkehr, was mir gar nicht zusagt. In der Nacht war es in dieser Beziehung angenehmer.

Nach Saló werden die Schatten immer länger. Wusste ich es doch, dass ich es vor dem Dunkelwerden nicht nach Arco zurück schaffe. Die Gardesana Occidentale zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Immer wieder muss ich anhalten Fotos zu schießen.  Hinter mir geht die Sonne unter.

Über mir thront der Monte Pizzocolo, vor ein paar Jahren war dort oben das Ziel des Duathlon. Zu Toscolano-Maderno, zu seinen Füßen habe ich sowieso einen besonderen Bezug, hier konnte ich mich 2018 beim XTerra Italy qualifizieren für das XTERRA World championship auf Maui/ Hawaii. 5 Jahre nach dem IM auf Kona ging ein weiterer Traum in Erfüllung.

Aus meinen Tagträumen … oder sagt man Nachmittagträumen oder Frühabendträumen werde ich jäh gerissen: Nach Campione lasse ich nämlich zufällig den Blick nach oben schweifen und der Anblick lässt mich die Bremsen durchdrücken. Über mir thront die  „Terrazza del Brivido“, eine Restaurantterrasse, die über den Abgrund kragt. Mein Rad nimmt mir das übel, das Hinterrad bricht aus und mein roter Flitzer schlingert, so dass nicht mehr viel gefehlt hätte zum Abflug. Nach der Rutschpartie fahre ich ganz zahm weiter. Hatte Fabio doch recht gehabt, dass es rutschig werden könnte. Aber meine Gedanken gehen zurück zur Alpi4000, bei der wir hinauf nach Tremosine mussten und auf der Terrasse in die schwindelerregende Tiefe schauten.

am oberen Bildrand: die „Schauer-Terrasse“

Tunnel um Tunnel geht es nun Richtung Ziel. Verkehr gibt es wenig … Oder? Was ist das für ein Geräusch? Das erinnert mich doch … Neiiiin! Doch!! Kommt das „Brüllen“ von vorne oder von hinten? Das Brausen wird lauter und lauter. Hektisch schaue ich über die Schulter nach hinten. Bilder vom Nordkap Tunnelen (Northcape4000) tauchen vor meinem inneren Auge auf. Grausbirnen steigen mir auf (auf gut Deutsch: mir wird unheimlich). Hilfe, ich will weg hier, mache mich ganz klein. Da ist er auch schon vorbei – der Autobus. Und als hätte er das schwarze Tunnelloch verstopft, hintendrein zwei Händevoll Autos. Bald ist der Spuk vorbei und die Luft wieder rein. Aufatmen.

Als ich bei Limone das das spektakuläre Stück Radweg hoch über den Wellen entlangrolle, blitzt urplötzlich ein helles Licht über den Altissimo, den gegenüberliegenden Bergkamm. Der Mond geht in Sekundenschnelle auf und spiegelt sich silbern in den Fluten des Sees unter mir. Ein atemberaubender Anblick, der auf dem Kamerabild gar nicht so wirkt. Und wieder sind ein paar Minuten weg … Ich höre schon meinen Göttergatten: „Ja, kein Wunder, dass du nicht schneller bist … wenn du alle paar Kilometer stehen bleiben musst …“

Aber ich bin ja bald da. Bei Riva wird der Verkehr sehr dicht, ich weiche auf den Radweg aus, den ich mir mit Fußgängern und -innen, Rollerfahrern und vielleicht auch Rollerfahrerinnen, Hunden und Hündinnen, … teilen muss. Wieder einige Minuten Verlust – Schuld sind sicher die ganzen -innen.

Endlich angekommen. Weihnachtsmarktflair in Arco – für mich, die ich kein unbedingter Weihnachtsmarkt-Fan bin. Der Scan ergibt ein OK, was das seltsame Ergebnis am nächsten Tag auf der ICRON-Plattform nicht erklärt, dort bin ich nämlich nie in Arco angekommen.

Ich treffe einen einzelnen Radfahrer und frage, ob er noch auf die Toblino-See-Schleife muss. Nein, er starte jetzt auf die 200km. DAS sind die wahren Helden. Solstizio d’inverno bei Nacht – wie das Original. Und nicht als Weichei, wie ich eines bin – tagsüber. ABER ich bin doch froh, dass ich jetzt alles hinter mir habe. Und der kommende Tag verspricht wunderbar sonnig zu werden und es zieht mich hinaus in den Pulver-Schnee. Aber das ist eine andere Geschichte. Und ein dickes Lob geht an meinen Daheimgebliebenen: Es erwartet mich eine wunderbare Gemüsepfanne mit Feta …

Danke, Fabio, dass du wieder ein Winter-Sonnenwende-Brevet organisiert hast. Und irgendwie kann ich sagen, dass ich alle Events seit 2013 bisher mitgemacht habe – bis auf eines. Aber dafür war ich bei der Edition Zero 2012 dabei- 8 Männer & 1 Frau (wer wohl?). Dieses Brevet war auch meine Feuertaufe in Bezug auf Langstrecken-Radfahren (Francesco sei Dank) und ein lustiges Anekdötchen lässt sich auch noch erzählen, von wegen „Frau & Technik“ …

Rando Imperator München-Ferrara

Es wird langsam Zeit nach der Northcape4000 wieder mal auf das Rad zu steigen. Die 650 Kilometer der Rando Imperator von München nach Ferrara bieten sich an.
Tempo di salire in bici …
Bericht unter den Fotos … Resoconto in italiano

resoconto in italiano

Als Wiederholungstäterin sitze ich zum dritten Mal im Autobus von Bozen nach München, mein roter Flitzer hinten gut verwahrt im Anhänger. Mit dabei wieder mal jede Menge männlicher Radfahrer und einige wenige Frauen, die die 650 km in Angriff nehmen wollen. Hermann fährt berufsbedingt nur bis Bozen mit. Organisiert – alles, was ein Radfahrwochenende bequem macht: Transport von Südtirol, schönes Hotel in München, GPX- Track, einige super bestückte „Ristori“ an den Kontrollstellen, Empfang in Ferrara unter der Kulisse des Palazzo Ducale, zentrales Hotel und Rückfahrt nach Bozen. Mir bleibt nur noch kräftig in die Pedale zu treten.
Wenn man will, kann man auf den Spuren der Via Claudia Augusta fast ausnahmslos auf Radwegen und verkehrsarmen sekundären Straßen fahren. Das hatten wir Rando Imperator 2015 auch gemacht, zum Teil auf Gravelpassagen, auf denen ein Rennrad wirklich nichts zu suchen hat.

Dieses Jahr sind wir bis auf die Abfahrt vom Fernpass auch original gefahren. Pünktlich um 4:30 schickt uns Simone Witoor auf den Weg. Es geht der Isar entlang auf Schotterpisten, im Dunkeln mit meiner mäßig starken Beleuchtung manchmal eine Zitterpartie für mich. Die Hoffnung, mein Rad wird sich wohl einen Weg durch den Schotter pflügen ohne mich abzuwerfen. Aufatmen, als ich auf Asphalt einbiegen durfte. Da wurde es gleichzeitig auch langsam hell. Hatten meine Gedanken im Dunkeln mal wieder gekreist um die Tatsache, dass es jetzt wohl feiner gewesen wäre nicht um halb vier aufzustehen, dass es wohl auch feiner gewesen wäre gemütlich zu frühstücken und feiner gemütlich eine Radrunde zu drehen. Aber ich hatte halt noch diesen Startplatz bei dieser Randonneé, die vom Mai auf September verschoben worden war. Nun im Hellen hörten meine Zweifel auf, denn es gab viel zu sehen im hügeligen bayrischen Alpenvorland Richtung Garmisch. Bei der Kontrollstelle erst mal den QR-Code scannen als Beweis da gewesen zu sein, dann neben einem Schwätzchen das sich Stärken an den vielen leckeren Sachen nicht vergessen. Die Stärkung kommt hier gerade recht, denn nun geht es bergauf zum Fernpass, nicht auf Straßen, sondern durch die Wälder auf groben Forstwegen. Bei der Bergabfahrt treffen wir am Pass-Fuß einen bepackten Radfahrer. Als ich noch überlege, ob das einer von uns ist, die Frage „Bist du nicht die Gabi?“ Nein!!! Das gibt es doch nicht! Unser Radkollege, Rainer Z., auf seinem Weg von Innsbruck nach Slowenien. So ein Zufall. Nur hier kreuzen sich unsere Wege, niemand weiß vom anderen und dann treffen wir genau hier aufeinander … unglaublich! Unterwegs werde ich auch von Rolf S. eingeholt, den kenne ich von der MGM und der 6+6 Isole. Auch auf Bernd R. treffe ich. Peinliche Momente, als ich ihn gleich zweimal nicht erkenne, womöglich hat mein Hirn durch die Anstrengung doch etwas gelitten … Hahhaaaaa, hätte sonst ja nicht so viel Lustiges zu erzählen, denn das wird jetzt wohl ein geflügeltes Wort werden: „Gabi, schickst du mir die Zielfotos von Martin und frag jetzt nicht, welcher Martin!“, oder so ähnlich. Aber uns Frauen wird es auch wirklich nicht leicht gemacht. So viele Männer und alle sehen mit Brille, Helm und Maske fast gleich aus. Uns Handvoll Frauen hingegen kann man leicht auseinanderhalten … Vielleicht ist mein Gesicht-Namen-Zuordungsgedächtnis auch nicht das Beste ist, vor allem nach über 400 Kilometern, wo man auch für eine leichte Addition bisweilen fast eine Stunde benötigt.

Weiter flach durch das Inntal nach Landeck, wo der Inn ums Eck fließt. Taleinwärts auf dem Radweg steigt der Radweg nun stetig an, bis nach Pfunds. Hier fängt es an zu regnen. Keine Rando Imperator ohne Regen, hat mal einer gesagt und das scheint zu stimmen. Fuhren wir vor ein paar Jahren fast 10 Stunden  im Regen, konnten wir nach kurzer Zwangspause unter einem Vordach weiter nach Martina fahren. Hier verlässt man für 50 Meter die EU. Nun die zahlreichen Serpentinen zur Norbertshöhe hinauf und bald mal sitzen wir bei einer Pizza auf dem Reschen. Noch 110 km bis Bozen und zwar tendenziell abwärts. Gegen halb 11 haben wir die 348 km und 3000 Höhenmeter hinter uns. Auf dem Walterplatz erwartet uns Linda noch und das liebevoll gerichtete „ristoro“. Gegen Mitternacht decke ich mich endlich in unserem Cali zu, Wecker auf kurz vor fünf. Und kurz darauf bin ich wieder auf dem Weg. Wenig motivierend im Dunkeln allein durchs Etschtal zu radeln. Nicht nur einmal denke ich, was ich Hermann sagen könnte, der noch in den Federn liegt und später nach Hause radeln durfte. Hatte der es gut … Sollte ich ihn bitten, dass er mich abholt? Dass ich eigentlich nicht so richtig Lust hatte, heute schon wieder 300 km zu radeln? Ich war seit der Northcape4000 fast vier Wochen nicht mehr auf meinem Rad gesessen. Es dämmert und nun geht es gleich besser, noch besser, als ich mich beim Bicigrill Trento Sud mit Lattemacchiato und Brioche al Pistacchio gestärkt hatte. Als ich gemütlich beim Frühstück saß, haben mich wohl viele von den Bozen-Ferrara-Startern überholt. Vom Wunsch zurückzufahren (fast) keine Spur mehr. Am Bicigrill in Faedo großes Hallo mit und seiner Gefolgschaft dann fahre ich allein weiter Richtung Gardasee. In der prallen Sonne schon der Aufstieg nach Rivalta Veronese, dann hügelig bis Lazise. Hier ist heute, Sonntag, die Hölle los. Autoschlangen, E-Bike-Fahrer, Fußgänger, der reine Wahnsinn. Auch in Peschiera ist das so. Auf dem Mincio-Radweg nach Mantua ist auch ganz schön was los. Ewig geht es gerade und flach dahin. Eine nächste Krise überkommt mich. Aber nun gibt es kein Zurück mehr, mein Rucksack ist in Ferrara, wie sollte ich sonst an mein Gepäckstück kommen? Irgendwann ist auch Mantua erreicht, die Kontrollstelle ist diesmal an einem der vier Seen und wieder von der Avis-Gruppe organisiert. Super leckere Spezialitäten aus der Region. Nun folgt, das ist neu für mich, ein Singletrail am See entlang, lustig mit meinem zartbereiften Rennrad. Eine mehr als ein Dutzend große Radlergruppe, darunter auch einige Frauen, aus Ferrara lasse ich ziehen, die kommen frisch aus Bozen (wenn man nach 200km denn noch frische Beine hat). Dann der nicht mehr enden wollende Po-Damm. Und Gegenwind. Als mich schon wieder eine Krise überrollen will, was hatte ich denn hier eigentlich zu suchen, ich hatte vor vier Wochen doch schon genug geradelt … ein Rufen von Unterhalb des Dammes. Eine Kontrollstelle, die mir in der Beschreibung wohl entgangen sein musste. Also runter. Hier gibt es leckere Süßspeisen und Eistee, wirklich mit Eis. Ich will gar nicht mehr weg, auch da Schwätzchen mit den anderen, die genauso unglücklich darüber sind, dass es jetzt immer noch fast 50 Kilometer bis ins Ziel seien. Wir müssen aber los, um nicht zu lange im Dunkeln fahren zu müssen, einige hatten in der vergangenen Nacht gar nicht geschlafen und Sekundenschlaf droht, wenn man nicht mehr abgelenkt wird von der schönen norditalienischen Landschaft. Nun radeln wir zu dritt: Rolf, Martin und ich. Irgendwann endlich das Ende des Dammes für uns und nun freue ich mich auf die Burrana. Diese wunderschöne Allee führt etwa 10 km lang bis kurz vor Ferrara. Die Einfahrt auf die Piazza unter den Mauern des majestätischen Palazzo Ducale lässt Gänsehautfeeling aufkommen. Leicht gefallen ist mir die Rando diesmal nicht. Vielleicht bin ich mit zu wenig Respekt an die doch recht lange Strecke heran gegangen und 350 bzw. 300 km am Tag sind auch kein Pappenstiel. Eine schöne Überraschung erwartet mich. Bei einer Verlosung habe ich ein praktisches Lenkertäschchen des Sponsors MissGrape gewonnen. Ich, die doch sonst nie etwas gewinne … Schön war es wieder auf der Rando Imperator, vor allem habe ich wieder viele nette gleichgesinnte Leute kennengelernt und konnte meine Leidenschaft, das Radeln, ausleben, auch, wenn es manchmal bedeutet, sich überwinden zu müssen.

Danke Simone und Team Witoor!!

Northcape4000 in den Medien





SDF, Südtirol Digital Fernsehen, 28.08.2021,
Facebook Watch,
danke Daniela Thaler

Dolomiten, 27.08.2021, S.15, vielen Dank Alex Zingerle
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ISARCO news, mensile indipendente della Val d’Isarco nr. 12 dicembre 2021, pag. 35

Grazie, Angelo dell‘ Isarco news!

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