Frau + Karbon = Randonneur(in) - aber nicht nur ...

Autor: Gabi Winck (Seite 1 von 15)

80% ist mental - der Rest ist Kopfsache

AMR Atlas Mountain Race 2023

AMR – Atlas Mountain Race – in Kürze … ……………………….italiano english

Foto: Torsten Frank

Das AMR – Atlas Mountain Race – ist ein Radrennen mit vorgegebener Strecke, die ohne Unterstützung von außen zurückgelegt werden muss. Das heißt, es gibt nichts, keine organisierten Unterkünfte oder Essen und Trinken. Jeder und jede muss das eigene „Überleben“ selbst sichern. Ein Video der Veranstaltung findet ihr am Ende der Seite; die wunderbaren Bilder hat mir Torsten Frank zur Verfügung gestellt. Seinen spannenden Erfahrungs-Bericht könnt ihr hier lesen. Die Bilder findet ihr am Seitenende größer in der Bilder-Galerie.

Nun zu den Details …

Der Start ist in Marrakesch, auf abgelegenen Pfaden wird der marokkanische Atlas überquert, die Hochflächen des Anti-Atlas bis nach Essaouira an der Atlantik-Küste. Insgesamt sind 1300 Kilometer mit 20200 Höhenmetern zurückzulegen.

Dabei geht es ganz schön zur Sache. Asphalt gibt es nur selten. Wir sind auf Schotterstraßen, schmalen Wegen, auf alten, längst vergessenen und oft verfallenen Kolonialpisten unterwegs. Der Veranstalter schreibt, manchmal wird auch zu Fuß zu gehen sein, was vermutlich eine ganz schöne Untertreibung ist, denn aus Berichten der vorhergegangenen zwei Austragungen sind die Schiebe- und Tragestrecken an der Tagesordnung und das nicht selten.

Drei Kontrollstellen gibt es unterwegs. In der Beschreibung wird schon darauf hingewiesen, dass oft lange Strecken zurückgelegt werden müssen ohne Möglichkeit sich mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen.

Unsere Recherchen haben ergeben, Einkaufsmöglichkeiten sind nicht nur äußerst dünn gesäte, sondern auch das Angebot ist nicht zu vergleichen mit europäischen Standards. Zudem ist die Ungewissheit, was man überhaupt sorglos essen kann (außer – wie Teilnehmer schrieben Omelette, Omelette, Omelette …), ohne von der Rache des Montezuma getroffen zu werden (hat der Aztekenherrscher hier in Afrika überhaupt was zu sagen?) – Spaß beiseite, spaßig ist es bestimmt nicht, wenn einen eine Magen-Darm-Infektion ereilt. Das würde zudem neben Wandern, Schieben, Tragen das Weiterkommen erheblich hemmen, denn viel Zeit gibt es nicht das Ziel am Atlantik zu erreichen. Nur acht Tage sind zur Verfügung, wollen wir zur Finisher-Party ankommen. Ich kann nach den Erfahrungen bei der GBDuro schon ahnen, dass es mit erholsamen nächtlichen Pausen diesmal wieder nichts wird.

Foto: Torsten Frank

Ich bin überglücklich, dass Hermann auf seinen inneren Renn-Drang verzichten wird und mit mir im Schlepptau, sprich im Team starten wird. Ohne mich gäbe es für ihn wohl ein schnelleres Weiterkommen, technisch gesehen ist er einfach der größere Draufgänger. Stürzen und sich verletzen sollte man aber vermeiden, da Hilfe nicht wie bei uns gewohnt schnell da wäre. Auch gibt es im Inland kaum mal Handy-Empfang. Ich freue mich auf das Abenteuer mit ihm!

Die Landschaft soll traumhaft sein. Und hoffentlich spielt das Wetter mit. Es kann in den Höhen von Atlas und Antiatlas empfindlich kalt werden in den Nächten und tagsüber können auch Temperaturen über 30°C überschritten werden. Regen fällt normalerweise nicht oft in diesem trockenen Land, aber es nicht ausgeschlossen, dass Niederschläge die Flüsse zeitweise unüberwindbar macht, wie bei der vergangenen Edition. In den Höhen kann es auch schneien.

Viele unbekannte Variablen, wie auch die Verständigung, Arabisch spreche ich ja nicht fließend, ich scherze, nein, kann ich gar nicht und Französisch auch nicht … Ein Wort auf Arabisch kann ich schon, ich hoffe, dass ich es oft anwenden darf: شكرًا – das heißt „Danke“.

Und lässt mich mein MTB wohl nicht im Stich unterwegs … ich bin keine begnadete Rad-Mechanikerin und Bike-Shops gibt es im Inland vermutlich keinen einzigen. Nein, da wird man nicht mal vorsichtig vermuten dürfen …

Die Spannung wächst von Tag zu Tag, eine Mengen Laufereien sind notwendig, die Planung und das sich-Organisieren wird uns die nächsten paar Wochen wohl auf Trapp halten. Packlisten erstellen … Was muss mit? Was kann daheim bleiben? Jedes Gramm an Zuviel ist unnützer Ballast, der ein schnelles Weiterkommen verhindert. In Großbritannien (GBDuro22) schleppte ich ein 20-Kilo-Gravelbike mit mir, hier wird es wohl auch nicht sehr viel leichter werden, bedenkt man, dass man zeitweise wohl bis zu 5 Liter Wasser mitführen muss.

Unüberwindbare Hürde?

Mein Reisepass muss nach Ausreise aus Marokko noch 6 Monate gültig sein, meiner verfällt im August 2023, aber genau 5 Tage zu früh. Nach der Race-Zusage habe ich versucht einen Termin bei der Questura zu bekommen, aussichtslos, vor Ende Februar gibt es keine … Das kann doch nicht sein, jetzt hat man den heißbegehrten Startplatz ergattert und kann nicht hin?

Ich schrieb an mehrere Stellen e-Mails. Eine sehr nette Commissaria beruhigt mich, mit einem Schreiben des Veranstalters, der Bestätigung des Starplatzes, also aus Dringlichkeitsgründen, könnte ich einen vorgezogenen Termin bekommen. Ich hoffe, dass alles klappt …

Uns könnt ihr im Februar verfolgen, denn ein Tracker ist verpflichtend und die Position aller Fahrer*innen kann minutiös auf einer Karte beobachtet werden.
Der Link wird zur gegebenen Zeit hier zu finden sein.

Die wunderbaren Bilder (siehe auch Galerie unten), freundlicherweise von Torsten Frank zur Verfügung gestellt, können euch einen Einblick geben, was uns erwarten wird … Besucht auch seinen sehr spannenden Erfahrungsbericht auf seinem Blog! HIER

Hier der Film des Veranstalters:

Terrenobili Gravel 2022

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Klingt gut: 700 Kilometer Gravel durch den Norden Italiens, wenig Höhenmeter, viel Kultur (Unesco Weltkulturerbe), noch mehr Natur entlang der Flüsse und Kanäle.

Und da ich nach dem Abenteuer GBDuro22 im Moment noch keine Lust habe mir die Nächte um die Ohren zu schlagen, starte ich völlig ohne Ambitionen mit dem Vorsatz jede Nacht gut zu schlafen. Das Zelt schließe ich aus, da der Wetterbericht Regen und Kälte voraussagt. Unterkünfte vorgebucht, schlappe gut 200 Km täglich, das würde gemütlich werden. Ab nach Caorle und los geht es. Der Startbereich ist nicht überfüllt, da es das die Edition 01 der Terrenobili ist und man zudem innerhalb 24h das Startfenster auswählen kann .

Zunächst mein Video:

Es sollten einige norditalienische Städte abgeklappert werden, darunter Treviso, Vicenza, Padua, Verona, Peschiera del Garda und weitere Orte mit wunderschönem mittelalterlichem Stadtkern wie Montagnana, Este, Monselice, …

Ein weiteres Kennzeichen dieser ersten Ausgabe der Terrenobili ist, dass die Streckenführung meist entlang von Flüssen und Kanälen führt, das bedeutet sehr viel Gravel auf Dämmen, daneben sehr wenig Straßen, sondern neben den Schotterpassagen Radwege, manches sekundäre Sträßchen und der ein oder andere Singletrail über Wanderwege. Besondere Schwierigkeiten gibt es kaum.

Am ersten Tag hatte ich 212 Kilometer vor mir und kaum Höhenmeter. Ich lerne unterwegs Marina kennen und wir fahren immer wieder mal zusammen, auch Mauro treffen wir immer wieder. Die vielen Schotterpassagen senken allerdings meine Durchschnittsgeschwindigkeit, sodass ich erst nach Einbruch der Dunkelheit im Hotel Piroga in Selvazzano bei Padua eintreffe, nachdem ich mir im Zentrum Paduas den Stempel auf meiner Brevetkarte geholt hatte.

Ging der erste Tag recht unterhaltsam zu Ende mit viel Quatschen und Austausch von Geschichtchen, so werde ich die nächsten drei Tage einsam unterwegs sein. Auch nicht schlecht, man kann tun und lassen, was man will, Fotopausen machen, wann man will. Mir liegt es sowieso nicht, am Reifen eines anderen Radfahrers zu kleben, zu gerne schaue ich mir die Landschaft rundum an und möchte nicht den ganzen Tag auf den Reifen des Vordermannes oder der Vorderfrau starren, um Auffahrunfälle zu vermeiden.

Da ich heute nach dem Frühstück nur 190 Kilometer abzuspulen habe, überlegte etwas überheblich schon, ob ich heute nicht viel zu früh im Hotel sein würde. Dieser zweite Tag ist geprägt durch ein abwechslungsreiches ständiges Auf und Ab, unterbrochen von einigen kurzen aber sehr knackigen Anstiegen; die „Handschrift“ von Giorgio Murari ist deutlich erkennbar. Auch erfordern die Gravelpassagen heute mehr Konzentration. Und so bin ich erst am späten Nachmittag am Gardasee und fahre die Kontrollstelle an.

Ich bin leider zu früh dran, um in unserem Lieblings-Rad-Hotel Enjoj ein paar Stündchen zu schlafen. So muss ich nach einem kleinen Imbiss nun meine Lampen montieren, denn es wird langsam dunkel und zudem dräuen dicke dunkle Wolken vom Himmel. Nicht bald danach die ersten Regentropfen. Es geht kreuz und quer durchs Gelände, die Wege mitunter sehr steinig. Aber irgendwann bin ich in meiner gebuchten Unterkunft in Villafranca, Hotel Antares, viel später als erwartet und völlig durchnässt. Was bin ich froh, dass ich nun in ein warmes Bett schlüpfen kann und die erste Wahl nicht auf das Zelt gefallen ist.

Frühstück und weiter geht es. Heute „nur“ 180 Kilometer. Es geht durch landwirtschaftliche Ebene, die mich mit den vielen Gewächshäusern etwas an Spanien erinnert. Dann wieder wunderschön über einsame schmale Weglein auf Flussdämmen. Die gesamte Tour ist geprägt durch ständige Richtungswechsel, langweilig wird es nie und das Navigationsgerät sollte besser nicht zu lange unbeobachtet bleiben. Einige „Verhauer“ bringt mir die Unachtsamkeit ein. Ich besuche wunderschöne Orte mit mittelalterlichen Kernen, wie Montagnana, Este, Monselice. In Arquà am Hang der Euganeischen Hügel suche ich das Haus, in dem Petrarca seine letzten Lebensjahre verbrachte. Hier ist ordentlich was los. Waren mir schon vor einer Weile die Bäume voller kleiner roter ovaler Früchte aufgefallen, so wird mir hier erklärt, dass es sich bei den Früchten um die für das Gebiet typische Giuggiole handelt.

Die Giuggiole haben die Form einer großen Olive, haben auch einen Stein, haben aber einen dem Apfel ähnlichen Geschmack. Sehr lecker! Vor Montegrotto fängt es wieder an zu regnen. Nach dem Abstempeln geht es steil aufwärts. Der nun folgende Singletrail ist regennass und dementsprechend rutschig. Weiter um die Colli Eugnei und Richtung Padua. Nicht bald darauf wird es schon wieder dämmrig und ich komme punktgenau zu meinem gebuchten b&b, in Saonara, mit dem Namen burro & marmelata. Sehr nett werde ich von der Chefin des Hauses umsorgt.

Nach einem leckeren Frühstück mit selbst gebackenem Kuchen und anderen Köstlichkeiten geht es wieder los. 135 Kilometer werden wohl bis zum frühen Nachmittag zu schaffen sein. Mit dem Rennrad wäre das so …, aber die Gravelstrecke hat es in sich und so komme ich auch heute wieder langsamer als erwartet vorwärts. Ich habe aber keinen Stress und die Terrenobili ist ja schließlich kein Rennen.

Heute ist wieder das Wasser im Mittelpunkt: von einem Fluss zum nächsten, entlang von Kanälen und Lagunen. Wieder viel Natur, sehr schön. Wie auch in den letzten Tagen gibt es etwas Wind, aber der fällt kaum ins Gewicht durch die vielen Richtungswechsel. Hat man mal Gegenwind, so ändert der sich bald, nämlich nach der nächsten Fluss-Schlinge, wieder in Rückenwind.

Unterhaltsam bis zuletzt. Lange Kilometer in Sichtweite Venedigs über einen Radweg am Meer entlang, dann Singletrail neben der Laguna del Mort, ich passiere Jesolo, Eraclea und bin schon bald in Porto Santa Margherita, dem Zielort. Eine wunderschöne Reise geht zuende.

Der Veranstalter Massimo und Diego von der Gelateria ‚La Fiesta‘ empfangen mich herzlich. Es gibt eine handwerklich sehr schön gearbeitete Medaille (die sicher nicht in meiner Schachtel im Keller landet!!). Nachdem ich mir in den letzten Tagen kaum Zeit zum Essen genommen hatte, genieße ich es jetzt, mich mit einem super leckeren Tost und einem perfekten Eisbecher verwöhnen zu lassen.

Hatte ich vorher gedacht „nur“ 700 Kilometer, so haben sie diese doch ziemlich in die Länge gezogen. Meine Entscheidung für das Radeln tagsüber war goldrichtig, hätte ich sonst doch viele Natur- und Kulturschönheiten nicht gesehen.

Massimo erzählt mir von seinen Plänen in Zukunft. Die Terrenobili soll jährlich Strecke und auch Thema wechseln. Dieses Jahr die verschiedenen Orte mit Unesco-Weltkulturerbe und die Flussläufe … Was wird es wohl nächstes Jahr sein? Lassen wir uns überraschen.

Hier findet ihr die aktuellen Informationen: Terrenobili.bike

Ausblick 2023: Die Terrenobili finden im kommenden Jahr wahrscheinlich unter dem Motto le colline = die Hügel statt.

GBDURO 22 – epische Herausforderung

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GBDuro – ein Gravel-Event von 2000 km längs durch England und Schottland und eines der härtesten Events, die ich jemals gefinisht habe. Die Gravel-Strecke ist sehr impegnativ, aber die vielen Hindernisse, die sich mir in den Weg stellten, sprich – Pannen, brachten mich mehrmals fast dazu aufgeben zu müssen.

Bevor ich beginne, einige Regeln, um das Erzählte richtig verstehen zu können …

  • 2000 Kilometer von Land’s End im äußersten Südwesten Englands bis nach John O’Groats (=JOG), den nordöstlichsten Zipfel Schottlands
  • 4 Streckenabschnitte (=stages), an deren Ende gibt es eine Kontrollstelle, bei der sich alle Teilnehmer wieder treffen zum gemeinsamen Start am nächsten Morgen. Wer schnell radelt, kann lange ausruhen. Wer nicht pünktlich zum nächsten Start vor Ort ist, ist raus aus dem Rennen.
  • Strenges Selfsupporting, das heißt keine Hilfe von außen darf angenommen werden
  • Reines Outdoor-Event: immer im Freien schlafen, auch an den Kontrollstellen
  • Nach 10 Tagen ist ein Zimmer in JOG reserviert, wer pünktlich zum Abendessen da ist, gilt als finisher, sonst „nur“ als angekommen, alle anderen sind DNF oder DSQ (did not finish oder disqualifiziert)
  • Alle Fahrer müssen mit einem Tracker ausgerüstet sein

Für diejenigen, die es weniger interessiert sich durch die folgende ausführliche Beschreibung zu arbeiten, bald das Video und am Ende der Seite in Kürze eine Zusammenfassung.

Stage 1:  Land’s End to Ysbyty Cynfyn

Tag 1, 2 und 3 durch Cornwall und Wales
640 km/ 9700 Hm

Tag 1:

Start Land’s End

Start in Land’s End. 40 Starter setzen sich an diesem südwestlichsten Punkt Englands in Bewegung. Ich bin mir bewusst, dass es hart werden würde, aber was auf mich zukommen würde, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Die Straße steigt gleich steil an und ich den Start filmend halte mich möglichst weit rechts. Ist keine so gute Idee bei Linksverkehr …

Bald geht es schon ins Gelände. Die ersten kurbeln wie verrückt und das Feld lichtet sich so rasch. Es wird immer unwegsamer, der Weg schlängelt sich kilometerweit durch eine Art Heidelandschaft, geprägt durch große – bei uns würde man sagen – Erika-Büsche und einer anderen äußerst wadenfeindlichen stacheligen Staude. Im nu sind meine Beine bis zum Knie blutig zerkratzt. Fahren und Schieben wechseln sich ab. Irgendwann scheine ich ganz allein zu sein. Jetzt schon? Da kommt mir jemand zu Fuß entgegen, Jamie, wie ich später wissen werde. Ob ich seine Flasche gesehen habe. Nein, leider nicht. Für verlorene Gegenstände gibt es saftige Zeitstrafen. Ich hatte bisher schon eine Vorderlampe gefunden. Miles werde ich in 35 Km treffen, mit einem Müllsack schon angefüllt mit Gegenständen, die sich bei dieser Rüttelstrecke von diversen Rädern gelöst hatten. An meinem Rad ist zum Glück noch alles dran und Problem mit der Beleuchtung oder verlorenen Lampen hatte ich (zumindest jetzt noch) nicht. Mein Nabendynamo speist nachts die Beleuchtung und tagsüber über einen Pufferakku Smartphone und Navigationsgerät Garmin. Ich bin also unabhängig von Stromquellen. Feiner Gedanke.

Nun geht es sehr hügelig auf verkehrsarmen Sträßchen weiter. Diese haben aber fast alle eine unangenehme Eigenart: Kurze sehr steile knackige Anstiege, meist um die 20%, für mich und meinen 20 Kilo-schweren Gravel-„Traktor“ nahezu unmenschlich steil, insbesondere auch deshalb, weil meine Schaltung ein Gemisch aus Rennradschaltung und Gravelübersetzung ist, nicht so ideal.

Die angesagte Hitzewelle tut ihr übriges. Ich habe keinen Hunger nur ständig Durst, Durst, Durst. Beim ersten Supermarkt gibt es kein Wasser. Vor dem Geschäft aber steht einsam und verlassen eine fast volle Flasche „sparkling water“, Mineralwasser mit Kohlensäure. Die kralle ich mir sofort und befülle damit meine Trinkflaschen. Das hat beim Fahren über die holprigen Untergründe einen angenehmen Nebeneffekt für die Waden: In regelmäßigen Abständen entweicht duscheähnlich die Kohlensäure in einem Sprühregen.

Im nächsten Supermarkt gibt es gar kein Wasser mehr. Hamsterkäufe hatten dazu geführt, dass ich meine Flaschen nun mit Ananas-Saft füllen muss. An den nächsten beiden Tagen bekomme ich nirgendwo mehr Wasser. Ausnahme: An einer Kirche haben Senioren Flohmarktstände aufgebaut, hier frage ich, ob sie Wasser für mich hätten. Eine Dame verschwindet mit meinen Flaschen und bietet mir an, ich könne mich in der Kirche etwas hinsetzen und mich abkühlen – leider keine Zeit dafür.

Die Strecke führt nun wunderschön durch aufgelassenes Mienengelände und das auf leichtem Gravel-Radweg, dem Mines-Trail.

Hermanns „DOT“ ist schon etwa 20 km voraus. Mein ursprünglicher Zeitplan hat sich schon hier verabschiedet und ist weit überschritten. Bei einem Campingplatz-Pub-Stop bei Cola und Eis und Radflaschen-Auffüllen treffe ich Jamie wieder. Er hatte seine Flasche nach einigen Kilometern Fußmarsch wieder. Am Abend ein Supermarkt-Stop schon am späten Abend (die Supermärkte haben fast alle bis 23 Uhr auf) und dort lerne ich Simon kennen, der die GBDuro schon im Jahr zuvor gefinisht hat. Die Frage, wie ein vernünftig denkender Mensch diese Strapazen wissentlich noch mal auf sich nehmen kann, stelle ich mir zum Glück erst später im weiteren Verlauf des Rennens. Im Dunkeln fädele ich nun in ein einsames Flusstälchen im Exmoor Nationalpark ein. Schieben, fahren, schieben und so weiter. Am Wegesrand sehe ich mehrmals dunkle Hügel, die sich beim Näherkommen als bemannte Schlafsäcke entpuppen.

Leise vorbeischleichen, man will ja niemanden wecken. Mich holt trotz Ananas-Red Bull- Mischung nun auch die Müdigkeit ein, Mitternacht ist auch schon lang vorbei. Ich beschließe mir ein Schlafplätzchen zu suchen. Eine kleine Lichtung scheint ideal. An einen dicken Ast lehne ich mein Rad und beginne mein Nachtlager zu richten. Sobald ich meine Helmlampe anmache, stürzen sich eine paar riesige rotorange Fliegen auf mich, Mücken scheinen keine da zu sein. Zeltaufbau? Das ist mir jetzt zu langwierig, so muss Matte und Schlafsack reichen. Zähneputzen? Hat das mit Ananas-Saft einen Sinn? Ich lasse es sein. Zudem fühle ich mich sehr verschwitzt und klebrig. Nächtliche Geräusche. Was könnte das sein? Wölfe und Bären gibt es in England wohl nicht, oder? Ich döse ein. Nicht lange später weckt mich das Geräusch meines eigenen Zähneklapperns, auch die Knie zittern wie verrückt. Es ist neben dem Fluss kalt und feucht. Ich beschließe so nach etwa 1,5h Ausruhen zusammenzupacken und weiter zu … fahren, gehen.  

Tag 2:

Nachdem ich minutenlang vor einem Gatter überlegt habe, wie das aufgehen könnte, geht es aufwärts. Die Quantock Hills sind nicht mehr weit. Ich höre was. Grüßt mich da jemand? Ja doch, da vorne ist ein Licht. Da ist wohl bei jemandem auch Aufbruchstimmung. Ich grüße laut zurück „morning! How are you?“ – keine Antwort. Das Licht entpuppt sich als Spiegelung des Mondes im darunter liegenden Teich gepaart mit Fantasiegespinsten, die der Müdigkeit geschuldet sind? Nicht lange nachher, am Horizont kündigt sich der nahe Morgen an, möchte ich eine Gegenlichtaufnahme machen. Es fehlt nun nur die Silhouette eines Radfahrers. Siehe da! Da vor mir ist ja einer. Breite Schultern und schmale Hüften. Super! Beim Näherkommen, es ist ein Vorfahrts-Schild. Hahhaaaa!

Dunkery Hill

Der Tag zwei fängt auch an mit einer bunten Mischung aus Asphalt und Gravel und bald wird es ernst: Es geht hoch auf den Dunkery Beacon, den höchsten Gipfels Südenglands. Auf dessen Gipfel erhebt sich ein weit sichtbarer Steinhügel. Und welch Überraschung, Miles ist mit seiner Kamera vor Ort. In der Ferne geht die Sonne über dem Meer auf. Wunderbar. Die Abfahrt von diesem Hill ist schwerer als erwartet. Ich schiebe einige Kilometer über große Steinbrocken, durch dichtes Gebüsch. Oje, wenn das so weiter geht, bin ich wohl bald raus.

Miles

Aber es kann nur noch besser werden und irgendwann bin ich wieder auf fahrbarem Terrain. Und finde einen offenen Pub. Ich gönne mir Frühstück und eine ausgiebige Körperhygiene im Bad.

Heute scheint es wieder heiß zu werden. Unterwegs locken die kleinen Äpfelchen an einem Baum. Leckere saftige Früchte. Ich merke, dass ich einen Wurmkanal, wahrscheinlich mit Bewohner, mitgegessen habe. Egal, bekanntlich sind Proteine beim Sport ja gut. Eine lange ebene Asphalt-Strecke in der Gluthitze und Stopp in Bridgewater. Die Gegend scheint mir etwas heruntergekommen. Wie immer kein Wasser erhältlich. Alish treffe ich, die tiefgefrorene Erbsen ersteht und sich zwischen Rucksack und Körper klemmt. Ich rüste mich mit Sandwich, Kefir und Keksen. Als ich den Supermarkt verlasse, steht mein Oberrohrtäschchen weit offen, der gesamte Müll liegt auf dem Boden. Da hat wohl jemand was gesucht. Zum Glück sind Garmin und mein Tracker noch am Rad.

Powernap

Weiter durch die Gluthitze. Ich finde eine Bäckerei, die mir die Wasserflaschen auffüllt. Und der Hit – meine Idee wird gleich lachend umgesetzt: Ich frage, ob es einen Eimer gibt, den man mit Wasser füllen könnte … Mein Wunsch ist Befehl, der Chef des Hauses steigt mit befülltem Wassereimer auf einen Stuhl und schon trifft der kühle nasse Schwall meinen Kopf und läuft prickelnd über meinen ganzen Körper bis in die Schuhe. Herrlich! Mindestens eine halbe Stunde kann ich nun meine Körpertemperatur niedriger halten, dann geht es wieder in die Berge. Zwischendurch wieder mal Stopp in einem Pub. Cola für mich und Wasser für die Flaschen. Die Leute sind echt nett hier.

Auf den letzten Kilometern nach Bristol mache ich die Bekanntschaft mit Rob von der Firma Tailfinn, deren super praktische Radtaschen wir auch verwenden. Die Kilometer schmelzen beim Quatschen nur so dahin. Rob hat es gut, er wird seine Fahrt in Bristol beenden. Diesen Gedanken verbiete ich mir sofort. Es rollt im Moment ja gut. Wir fahren über die Clifton Suspension Bridge, ein fantastisches Bauwerk. Auch die Innenstadt begeistert mich. Allerdings stehe ich nach meinem Erlebnis am Nachmittag etwas ratlos vor dem Supermarkt. Da spricht mich ein Herr an, ob ich die GBDuro fahre? Ja. Da drüben an der Ecke sitze sein Freund Oliver Y., der sei auch dabei. Ich erzähle ihm von meiner Erfahrung in Bridgewater und dass ich Angst hätte, mein Rad hier draußen stehen zu lassen während des Einkaufs. Er bietet sich sofort an aufzupassen. Ich, vertrauensselig wie ich bin, gehe mich versorgen. Rad und Mann sind noch da. Ich gehe kurz mit zu Oliver und dann weiter zum Essen in den Park. Langsam wird es dämmerig, ich muss weiter. Ich bin grad wieder auf mein Rad aufgestiegen und nochmal zurück, weil der Helm noch auf der Parkbank liegt, da sprechen mich zwei junge Männer an, später werde ich erfahren, dass sie Loz und Jack heißen.

Loz und Jack

GBDuro? Ja! Nach einem Foto und einem kurzen Plausch, ich mache mir aus meinem fehlerhaften Englisch gar nichts mehr draus, fahre ich weiter. Ich radle durch die wunderschönen Siedlungen am Stadtrand von Bristol und hinein in die Dunkelheit. Vielleicht der Müdigkeit geschuldet schleichen sich wieder mal komische Gedanken ein. Was ist, wenn diese Männer, die ich getroffen habe, böse Gedanken haben? Wie leicht bin ich über Dotwatching.com verfolgbar. Was ist, wenn ich eines Nachts überfallen werde? Eine Frau allein unterwegs im Dunkeln? Eine leichte Beute. Weg mit diesen Gedanken!!

Nach Bristol gibt es eine Umleitung. Der Weg zur Severn-Bridge ist gesperrt. Ich verpasse nach vielen Kilometern im Dunkeln wohl ein Umleitungs-Schild und fahre noch viele unnütze Kilometer weiter. Danach Ratlosigkeit, ist die Brücke gesperrt und ich nun falsch? Ich habe Glück und treffe zu so später Stunde auf zwei Männer, die mir bestätigen, dass ich hier einfach grad weiterfahren soll. Erleichterung.

mein Schlafzimmer

Drei kleine Berge liegen vor mir. Ich beschließe über die drei noch drüberzufahren und dann einen Schlafplatz zu suchen. Es lässt sich wieder sehr steil an und die Kilometer ziehen sich, ich verfahre mich, finde den richtigen Weg nicht gleich, komme nicht so weit, wie ich wollte. Vor dem dritten Anstieg finde ich eine nette Lichtung vor einer Bachquerung. Zelt raus und Bett vorbereitet. Diese Nacht werde ich mir 2h Schlaf gönnen, eingelullt durch das Wasserrauschen. Der nächste Tag steht als Schreckgespenst vor mir, es würde so richtig schwer werden durch den Brecon Beacons Nationalpark mit dem berüchtigten „The Gap“, einer beliebten Mountainbike-Strecke.

Tag 3:

Als ich weiterwill, verlaufe ich mich gleich wieder. Also zurück. Der „Weg“ geht über halb Meter hohe Stufen. Dann endlich wieder eine Abfahrt und im nächsten Ort ein McDonalds. Frühstück in Brynmawr!! Eine freundliche Mitarbeiterin führt mich, die ratlos vor dem Bestellboard steht, in die Geheimnisse des Mackie ein. Wäre ich vor dem Angebot davor glatt verhungert. Mein Bike bekommt anschließend auch noch eine Kettenpflege. Dann kann es losgehen Richtung „the Gap“. Bei Gregs nebenan erstehe ich noch ein mindestens einen halben Meter langes Sandwich mit Käse und Schinken und so ein Blätterteig-Teil mit Chicken-Füllung. Das muss für die nächsten 130 Kilometer reichen. Es fängt an leicht zu regnen. Nicht so schlimm. Nach der ersten langen Steigung bin ich auf einer almähnlichen Hochfläche. Von hier geht es wellig abwärts ähnlich einem Pumptrail. Sehr unterhaltsam, bis es durch Farnwäldchen runterzuschieben ist bis zum Stausee bei Ponticill. Die nassen Steine sind äußerst rutschig. Aber zuerst mal Brotzeit machen. Hmmhmm, wo ist denn das Sandwich? Verschwunden. Wahrscheinlich durch das Gerüttel. Die Schafe werden sich freuen. Mögen die überhaupt Sandwiches? Strafpunkte für mich? Glaub eher nicht, denn Papiertüte und belegtes Brot sind doch biologisch abbaubar, oder? Ich werde allerdings hungern müssen. Wer weiß, wann ich wieder zu einer Einkaufsquelle komme. Verlieren ist wohl meine Spezialität, siehe Northcape4000.

Nach dem Stausee, bei dem wie bei unserem Reschensee eine Turmspitze aus der Wasserfläche ragt, kommt eine lange feine Gravelstrecke. So könnte es meinetwegen ewig weiter gehen. Und da geht es schon rechts weg. Für mich unfahrbar. Große Steine, tiefe Löcher, unergründliche Pfützen. Die Länge ist aber überschaubar, etwa 2 km und in der Ferne kann ich schon den Pass ausmachen. Und dann die bittere Erkenntnis, dass ich auf der anderen Seite auch wieder hinunterschieben muss.

Dachte ich, dass ich nach zwei fast schlaflosen Nächten in Ysbyty Cynfyn, der Kontrollstelle, so richtig Schlaf nachholen könnte, so sehe ich langsam ein, dass das wohl eine Illusion sein wird. Dachte ich, dass wohl Tag 2 DER walking day gewesen wäre, so wurde ich eines Besseren belehrt, auch Tag 3 bedeutet oft walking up und walking down. Über den Gap würde ich sicher auch mit MTB nicht runter fahren.

Kraftakt

Heute überkommt mich zudem die Erkenntnis, dass ich inzwischen Fachfrau für Weidegatter bin. Es gibt unzählige Versionen von Öffnungsmechanismen. Bei der ersten Gelegenheit stand ich minutenlang vor dem Rätsel und dachte „ich Depp!“ Drüber heben nicht möglich, weil zu hoch. Die Gitter sind nicht wie bei uns „Riegel auf – Riegel zu“, nein, sie haben meist noch einen zusätzlichen Sicherheits-Mechanismus. Wahrscheinlich sind die Schafe hier schlauer als bei uns. Apropos Schafe: Es gibt hier mindestens 10-mal so viele wie Einwohner. Und jede Gegend hat ihre eigene Schafrasse sowie eigene Öffnungsmechanismen bei den Gattern.

Nun folgt am späten Nachmittag noch eine mindestens zwei Kilometer lange Steigung mit an die 20%, ein riesiges Militär-Areal ist zu durchqueren und das nach 3000 Höhenmetern in den Beinen heute. Dann endlich das Örtchen mit dem Zungenbrechernamen Llanwrtyd Wells. Wider Erwarten ist der dortige Supermarkt in Betrieb. Ausgehungert stürze ich mich auf Sandwich, Kefir, Yogurt, Milchreis, Wasser, Kekse, mein langsam etwas eintönig erscheinendes Mahl. Ich aber bin glücklich.

Dann trennen mich nur noch 70 Kilometer von der Kontrollstelle. Ich starte gegen halb sieben auf diese letzte Anstrengung. Es geht angenehm über Gravel kilometerlang durch Wälder, an Seen entlang. Die Sonne geht unter.

Ich bin allein. Stundenlang schon keine Menschenseele. Simon hatte mich vorher überholt und war schnell verschwunden. Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf. Aus den Augenwinkeln sehe ich einen Blitz. Hilfe! Ein Gewitter! Fehlalarm, es war wohl nur meine Fantasie oder eine Spiegelung meiner Sonnenbrille.

Meine flotte Fahrt wird jäh unterbrochen. Wieder mal stoppt mich ein Weidegatter. Aber auch mit meiner inzwischen umfangreichen Erfahrung mit verschiedenen Mechanismen komme ich nicht weiter, dieser ist zwar einer der vielen gelernten, aber das Gitter ist zusätzlich mit einer dicken Kette versperrt. Verzweiflung. Wie soll ich da drüber kommen? 20 Kilo über eine Stange in Brusthöhe oder höher wuchten? Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe.

Und einige Kilometer weiter das nächste. Hier schwirren zudem zig Mücken um mich rum, die hatten wahrscheinlich hungrig schon auf ihr nächstes Opfer, das nicht schnell flüchten kann, gewartet, nun nach 3 Tagen ohne Dusche lecker duftende Radfahrerin. Aber zumindest war die Dusche schon in greifbare Nähe gerückt, glaubte ich zumindest.

Und keine 5 Minuten später das nächste Gitter. Ich verfluche innerlich meinen Göttergatten, der mich durch seinen Wunsch als Solo-Fahrer anzutreten so schändlich im Stich gelassen hatte. Inzwischen habe ich wohl eine bestimmte Technik entwickelt: Vorderrad über die Stange, Sattel auf die Schulter gestemmt, Hinterrad hinterher. Das Rad hängt nun auf der anderen Seite, ich hinterher geklettert, dann Rad runter gehoben. Als ich wegfahren will, ist der Lenker blockiert. Hab ich was kaputt gemacht. Ich schiebe Beutel und Taschen beiseite. Brems- oder Schaltkabel hatten sich am Vorbau verklemmt. Der Kabel ist außen etwas beschädigt. Hilfe! Hoffentlich macht das nichts.

Es wird dunkel. Endlich bin ich in Pontrhydfendigaid -unaussprechlich- nun liegen NUR noch 20 Kilometer vor mir. Lächerlich wenig, so wie Brixen-Klausen oder so. Nicht einberechnet die fast 1000 Höhenmeter und es wird wieder unwegsamer. Ich irre scheinbar kreuz und quer durch die Wälder. Verfahre mich nicht nur einmal und kippe auch nicht nur einmal um, mitgerissen durch das Übergewicht meines Gravel-Traktors. Die Erschöpfung nimmt langsam überhand. Sekundenschlaf-Attacken. Einmal schrecke ich hoch, bin fast stehen geblieben und weiß im Augenblick nicht, wie ich hier hingekommen bin, wo ich überhaupt bin, in welchem Land und was ich hier mache. Irgendwann erreiche ich den Punkt, an dem die Kontrollstelle sein sollte und an dem ich das time-stamp-foto machen sollte, ein Bild mit Datum und Uhrzeit als Beweis. Hier ist aber nichts. Eine verlassene Farm oder schlafen hier vielleicht alle schon? Beweisbild gemacht und dann entscheide ich mich dem Track weiter zu folgen. Müdigkeit und Verzweiflung, ich will mir ein paar Tränen aus den Augen drücken. Geht nicht. Ist wohl der Flüssigkeitsmangel. Etwas weiter ein verschlossenes Tor, daran hängt ein Blatt mit einem Hinweis für die GBDuro-Racer: Dem Zaun parallel zur Straße folgen, bis zu einem Haus, das Lager ist gegenüber davon hinter den Büschen. Aber wo ist die Straße? Und wo das Haus? Ich sehe im Dunkeln weder das eine noch das andere. Verzweiflung. Ich irre dem Zaun entlang. Da! Ein Licht! Von Links kommt Simon und sagt mir den Weg. Erleichterung! Im Lager schält sich Hermann aus seinem Biwaksack. Er zeigt mir alles. Ich bekomme noch etwas Warmes zu essen. Dusche? Nach drei Tagen hatte ich mich darauf so gefreut. Fehlanzeige, diese sei nun leider außer Betrieb. Defekt! Ist mir im Moment aber egal, ich verschwinde schleunigst in meinem auf der feuchten Wiese aufgeschlagenen Zelt, der (kurze) Schlaf kann kommen. Bis auf die fehlende Waschmöglichkeit für mich, der Chef der Kontrollstelle von Daf’s Farm  hat alles getan, damit man sich dort sehr wohl fühlen konnte. Die Versorgung war fabelhaft, es gab Wasser, ein Toilettenhäuschen, eine ebene Wiese. Was will frau mehr.

Stage 2: Ysbyty to Garrigill

Tag 4, 5 und 6
470 km/ 7100 Hm

Tag 4:

Am nächsten Tag nach gemütlichem Frühstück und Zusammenpacken der Start auf die nächsten 3 Tage. Entsetzt stelle ich fest, dass meine Planungsblätter weg sind. Hermann gibt mir seine Kopie. Bin ich froh, ohne diese wäre ich komplett ziellos durch die Gegend geirrt. Ihm schicke ich die digitale Version, er fährt eher ins Blaue hinein. Heute soll es auch wieder hart werden, fast 4000 Höhenmeter verteilt auf 7 „Berge“. Wales ist berüchtigt. Viel Auf und Ab erwartet mich. Es lässt sich fein an. Einrollen über ein welliges Asphaltsträßchen. Angenehm? Naja, vor allem wieder steil. Ich habe Zeit nachzudenken. Warum sind die Straßen hier so steil? Ich glaube die Lösung gefunden zu haben. Man spart Material, sprich Teer. Aber wir sind doch noch nicht in Schottland, oder?  Was ich noch verstanden habe: das Motto der GBDuro ist, dass es ein „rolling Picknick“ ist durch die unterschiedlichsten Landschaften. Stimmt! Denn heute ist es wieder mal soweit, ein Supermarkt, dann wieder lange nichts. Ich muss also wieder Essen und Trinken für den ganzen Tag und die nächste Nacht mitschleppen. Übrigens: Wasser gibt es hier in Wales genug zu kaufen.

Genug des Nachdenkens, es geht wieder ins Gelände. Steine, Pfützen, Steine, 10 Kilometer und 100 Höhenmeter- das ist doch easy, dachte ich mir, aber die stop-and-go-Fahrt ist sehr mühsam.

Eine Flussdurchquerung. Hermann zieht sich gerade auf der anderen Seite die Socken und Schuhe wieder an. Ist mir zu aufwändig. Ich wate einfach durch. Meine Schuhe und Sochen warten eh dringend auf eine Wäsche. Dann eine etwas ruckelige Abfahrt. Angenehmer. Ich finde Dextro Energen, 50m weiter ein Riegel, die interessieren mich nicht. Wieder etwas weiter ein Snickers, der muss mit. Da hat wohl jemand seinen gesamten Proviant verloren.

Supermarktstopp. Ich treffe auch einige andere, die aber schon beim Abfahren sind. Bei mir ist heute anscheinend etwas die Luft raus. Hatte ich gedacht nur „the Gap“ sei schwierig, ich werde langsam eines Besseren belehrt. Besonders die stetigen Steigungen über 15% tun so weh.

Inzwischen gibt es schon einige Fahrer*innen, die schon vor der ersten Kontrollstelle aus dem Rennen ausgestiegen sind. Und ich fühle mich als Letzte der Verbliebenen, es sind nicht mehr wie 2 bis 3 hinter mir. Aber ich genieße die anstehende Asphaltfahrt durch ein idyllisches Tal in den Ausläufern des Snowdonia-Nationalparks und bin auch etwas Stolz, dass ich zumindest bis hierhin durchgehalten habe, kann nur besser werden … oder …

Und schon wieder Gravel durch unendliche Wälder und dann die unterhaltsamen Trails CLIMACHX easy rider und dann va-va-voom. Ganz leicht tue ich mich mit meinem schweren Gravel-Taktor nicht das Gleichgewicht zu halten und durch die schmalen Wege und engen Kurven zu manövrieren. Mein Bike reißt mich immer öfter fast zu Boden.

Dann weiter hügelig leicht durch ein wunderschönes Tal und an dessen Ende DER Hammer: Einige Kilometer über Teer mit 20% und mehr. Für mich Schiebestrecke. Also auch heute Wandertag! Zwischendurch packt mich der Irrsinn: Radreinigung an einem Rinnsal. Zum Glück sieht mich niemand. Sind ja schon alle weg. Und das Putzen macht auch absolut keinen Sinn werde ich bald feststellen. Tolle Abfahrt übrigens, aber der nächste „Berg“ wird auch wieder megahart, nicht durch die Höhenmeter, sondern wegen des steinigen Weges, der sich in unendlich weite Ferne schlängelt. Hinunter geht es auch ruppig, die Handgelenke tun vom Gerüttel schon weh. Dann auf einmal feiner Schotter. Super! Ich brause talwärts. Nach einem halben Kilometer meldet die Garmin eine Streckenabweichung. Oh nein, wieder hoch …

Nun noch drei Berge und ich werde endlich wieder schlafen. In einem Tante-Emma-Laden bin ich die letzte vor Ladenschluss. Glück gehabt. Beim Losfahren treffe ich eine kleine Familie mit Hund. Dieser kläfft zweimal, dann habe ich ihn schon an meiner Wade hängen. Aua! Aber ich bin nun wieder putzmunter.

Es dämmert nun, als ich an den nächsten Aufstieg gehe. Ich treffe auf 2 Mountainbiker und mit Quatschen vergeht die Zeit. Der Aufstieg ist ganz ok, aber dann das Unerwartete: unfahrbarer Abstieg. Ich bin kilometerweit von der nächsten Siedlung entfernt, es ist dunkel, was ist wenn man sich hier verletzt? Kein Empfang, schon seit Stunden keine Menschenseele. Es wird kalt. Die brütende Hitze der ersten Tage ist vorbei, es hat grad mal 12°. Gegen Mitternacht habe ich noch einen kurzen aber heftigen Anstieg, dann entschließe ich mich, den letzten Berg sein zu lassen und mir einen Schlafplatz zu suchen. Das war eine äußerst weise Entscheidung. Es fängt an zu tröpfeln und als ich in Llangeollen in einem Schulpark mein Zelt aufgebaut hatte, gießt es wie aus Kübeln. Wecker auf 2 Uhr gestellt, dann aber bis 3 Uhr verlängert, da es immer noch regnet.

Tag 5:

Da Einpacken des nassen Zeltes ist nicht so angenehm. Es ist bitterkalt und ich freue mich, dass es gleich bergauf geht. Sehr steil, deshalb ist wieder mal fahren-gehen-fahren-schieben angesagt. Ich erreiche ein Hochmoor. Hier soll es wieder ins Gelände gehen. Ich folge der lila Linie auf meiner Garmin. Ein schmaler Weg führt durch Erika-Stauden. Meine Füße sind eh schon nass, aber jetzt werden sie klatschnass. Immer wieder versinke ich im Morast. Die Steigspuren verschwinden so langsam, ich quäle mich inzwischen durch hüfthohe Pflanzen. Kann das stimmen? Doch, ich befinde mich genau auf der Linie. Völlig durchnässt und verzweifelt bleibe ich stehen und schaue ratlos rundum, es dämmert leicht. Da fällt mir etwas Weißes auf, länger als ein Schaf. Ich wate darauf zu. Ein schmaler Plattenweg aus hellem Gestein. Mein Weg! Gerettet.

Bald endet dieser vor einem Wäldchen. Es stürmt und tröpfelt. Vor einem Gatter ein oranges Rad und ein Biwaksack. Bin ich froh, dass ich nicht hier schlafen musste.  Ein Trail durch den Wald folgt nun, nass und rutschig. Ich verfahre mich mehrmals und hab wieder mal düstere Gedanken: warum bin ich hier? Alleine?

Ende des Single Trails. Sprühregen. Hier gibt es einen Freizeitpark. Verschlossen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zwei riesige orange Gatter versperren meine Weg. Fast 2 m hoch. Hier komme ich nie und nimmer drüber mit dem Rad. Ich irre hin und her und entdecke niedergetrampeltes Farnkraut, dahinter einen nicht so hohen Stacheldraht-Zaun. Wie ich da drüber gekommen bin – keine Ahnung.

Der nächste Supermarkt-Stopp kommt bald, zum Glück hat der gegen 7 Uhr schon offen. Ein Becher Latte Caramel  XL mit dreimal Zucker belebt meine Lebensgeister. Es geht nun viele viele Kilometer recht flach bis Manchester.

In Chester mache ich kurz halt bei einem Mechaniker, der mir aber auch nicht helfen kann oder will. So ziehe ich weiter. Die Schaltung macht nach wie vor Probleme. Hoffentlich bricht das Kabel nicht früher oder später. Es gab schon ziemlich einige Ausfälle von Teilnehmern durch technische Probleme. Aber ich WILL  weiter, auch wenn es mega hart ist.

Das Wetter ist nun schön geworden. Meine Sachen trocknen langsam, auch die Füße. Boxen-Stopp bei einer Kiste mit verführerischen Früchten am Straßenrand. Ich labe mich mit Pflaumen und Äpfeln und stopfe mir auch noch die Tasche voll. Beim Wegfahren fällt mir ein umgefallenes Kärtchen auf. Freiwillige Spende? Ich habe nur einen 100-Pfund-Schein. So fahre ich als Zechprellerin weiter. Diese rächt sich wohl gleich: Es fängt wieder an zu regnen, ich verfahre mich.

Um die Mittagszeit ereilt mich eine große Müdigkeit. Was tut frau da ihrem Körper an? Dem Körper keinen Schlaf gönnen kann das nicht tödlich enden? In gewisser Weise schon … ich erschrecke fürchterlich, an mir braust ein Riesentraktor vorbei mit Anhänger, mindestens mit 100 km/h. Wenn man da unter die Räder kommt … Ich entschließe mich für einen Powernap auf einer Bank. Davor ein Radfahrer, der mich in ein Gespräch verwickeln möchte. GBDuro? Ach so, ein Dotwatcher. Ich bin aber so müde, dass ich ihn abwimmle, er zieht enttäuscht von dannen und ich versuche ein paar Minuten zu dösen, nachdem ich den Wecker auf 20 Minuten gestellt habe.

Great Budworth

Im nächsten Dorf große LKW und Kameras. Ein Filmteam dreht. Die Kulisse ist aber auch wunderbar. Ich nehme mir vor zuhause zu googeln: Es ist Great Budworth, das bei Filmregisseuren anscheinend sehr beliebt ist.

Die langen ebenen einfachen Abschnitte lassen mir viel Zeit nachzudenken: Jetzt ist mal das Linksfahren dran. Wenn es kritisch wird, hilft Nachdenken gar nichts, man macht es wie man gewohnt ist. Müde und unkonzentriert findet man sich so rasch in lebensgefährlichen Situationen wieder. Ich überlege mir, wie ich mir eine Eselsbrücke bauen könnte. Geht man bei uns über die Straße, muss man zuerst links schauen, hier rechts. Abbiegen mit dem Rad links ist easy, es ist nur zu gucken, ob aus der rechts was kommt. Beim Rechtsabbiegen wird es komplizierter. Ich komme auf keinen grünen Zweig. Also am besten warten, bis die gesamte Straße frei ist und schnell rüber auf die andere Seite.

Die letzten Kilometer vor Manchester führt die Strecke schon entlang eines Kanals mit angetäuten Hausbooten. Im Zentrum dann ein Gewimmel von Leuten, es ist relativ schmutzig und riecht nicht überall gut. Für mich Kleinstadt-Pflänzchen der reinste Horror. Mir ist die einsame Natur viel lieber. Schnell weg!

Ich muss mich noch versorgen, ist doch auf den nächsten 160 Kilometern wieder mal nichts und die nächste Nacht steht auch noch an. Ich fahre einen Supermarkt an, in der Tür ein Wachmann. Ich äußere meine Bedenken, dass ich Angst habe, mein Bike kommt weg. Was der wohl von mir hält, ein dreckiges voll bepacktes Rad, eine schmutzstarrende und wahrscheinlich nach 5 Tagen ohne Dusche müffelnde Fahrerin? Er erlaubt mir jedenfalls das Rad in das Geschäft zu schieben und an einem wackeligen Karton-Regal anzulehnen. Erleichterung. Was hätte ich sonst getan? Ohne Essen weiter?

In einem Vorort habe ich noch ein interessantes Erlebnis: In der Ferne kann ich einen Mann auf der Straße ausmachen. Sein ferngesteuertes Auto rast mit einem Affenzahn auf mich zu. Ich kann mit meinem schweren Gefährt nicht so schnell ausweichen und „knacks!“ fahre ich direkt drüber. Das Auto fährt noch und zurück zum Herrchen. Dieser schimpft wie ein Rohrspatz. Ich suche schnell das Weite. Fahrerflucht? Schuld habe doch nicht ich.

Ich mag mich heute übrigens gar nicht. In der vergangenen Nacht im Zelt habe ich mich gehasst. Klebrig, verschwitzt. Am Schlimmsten riechen die Socken. Waschen geht mit meinem Tuch, das ich an der Tasche festgemacht habe, ganz gut. Aber an den Kleidern kann ich nichts ändern. Der 5.Tag ohne Dusche. Was wohl die Leute in den Supermärkten sagen? Aber egal, schenkt mir ja niemand was dafür … Und: Das ist doch der Umweltgedanke pur – ich spare viel Wasser, Shampoo, Seife!

Dotwatcherin Adele

Aus Mancherster raus gibt es eine nette Gravelstrecke. An einer Tankstelle treffe ich auf Adele und ihren Mann, zwei begeisterte Radfahrer, die hier etwas dotwatchen. Sehr nett. Sie zeigen mir einen Wasserhahn.

Dann geht es wieder mal einen Windpark mit versperrtem Gatter. Irgendwie drüber und wieder Kabel gequetscht. Oje, das wird irgendwann wohl mal zum Problem werden. Kurzer Plausch mit einer MTB-Fahrerin, die das Gardasse-Gebiet kennt. Dann weiter. Raus aus dem Windpark, juhu, kein Gatter!

Vor dem nächsten Berg mache ich erst mal eine Ess-Pause. Und kurz danach komme ich bei einem Teich mit Imbisbude vorbei. Und schon wieder Pause bei Latte und Kuchen. Kein Wunder, dass ich so langsam weiterkomme. Aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Dann wird es wieder dunkel. Ich komme wieder mal an ein verschlossenes sehr hohes Gatter. Dahinter kann ich ein Haus ausmachen. Ich sehe eine Klingel. Aber kann ich um diese Uhrzeit klingeln? Ich versuche es in die andere Richtung am Zaun entlang. Fehlanzeige, hier geht es nicht weiter. Wieder zurück. Den gegenüberliegenden Zaun entlang. Hier werde ich fündig. Im Mond-Schatten einiger hohen Bäume gibt es ein Tor für Fußgänger. Irgendwie kann ich mich und mein Bike da durchquetschen. Weiter geht es hinauf auf eine Art Alm. Immer wieder leuchtende Kugeln am Wegesrand. Die reflektierenden Schafaugen. Ich schiebe einen Serpentinenweg hinunter, dann wieder erste Häuser.

Ich beschließe den Tag hier zu beenden und suche mir auf einer Wiese hinter einem Zaun ein Schlafplätzchen. Ich wundere mich noch über die hohen Töne, die hier ab und an zu hören sind. Auf dem Schild am Tor steht was über Diebstahlschutz. Muss ich zuhause googeln.

Zwei Stunden später wieder Abfahrt. Ich hatte mir den Wecker auf 3:15 gestellt, er ging allerdings nicht los und so wurden es eine Stunde später.

Tag 6:

Dachte ich, heute gibt es einen „gemütlichen“ Tag, so wurde ich bald eines Besseren belehrt. Wieder mal Fehlschluss. Es geht unendlich weit über Weiden, Gitter auf Gitter zu. Einige Kilometer fahre ich mit Steve und wir unterhalten uns köstlich. Der Spaßvogel ist bester Laune, obwohl er schon einige Pannen hatte, u.a. brach der Rahmen, an dem seine Tasche befestigt ist, dann wurde er in einer öffentlichen Toilette, in der er nachts seine Wäsche waschen wollte, eingesperrt und musste bis am nächsten Vormittag auf Befreiung warten, an Schlaf war nicht zu denken, da er fürchterlich fror mit den nassen Sachen. Die Pechsträhne ging noch weiter. Irgendwann beginnt es wieder zu regnen, unsere Wege trennen sich. Ich muss zuerst mal meinen Milchreis aus der Packtasche löffeln. Keine gute Idee auf den Holperstrecken Joghurt- und Milchreisbecher übereinander zu stapeln in der Tasche.

Einschub: Unendlich sind die Möglichkeiten Zeit zu verlieren. Zusammenfassung und Vorschau:

  • Sich in Toiletten-Häuschen einschließen zu lassen
  • Essen ungünstig einpacken und Entfernung der sagenhaften Sauerei
  • Fotografieren/ Filmen
  • Smartphone verlieren
  • Rad und Zubehör reparieren
  • Der eigenen Gattin zu Hilfe eilen (betrifft mich nicht, aber Zeitverlust ist immens)
  • Verpennen
  • Körperreinigung unterwegs nach vielen Tagen ohne Duschen. Ist eh sinnlos, für wen denn?
  • Einkaufen ohne Plan
  • Zuviel Zeug rumschleppen. Jedes Kilo zu viel verlangsamt die Reise.

Die folgenden Abfahrten sind richtig flott. Der vorletzte Berg vor der Kontrollstelle wird hart. Nicht nur, dass Schieben angesagt ist, es regnet stark und ist stürmisch. Irgendwann blockiert mein Hinterrad. Nanu? Der Spannriemen meiner Tasche ist von dieser runtergerutscht und hat sich verklemmt. Zum Glück passierte das beim Langsam-Fahren, nicht auszudenken eine paar Kilometer später bei der Abfahrt. Das hätte böse ausgehen können. Da muss sich Tailfinn unbedingt was einfallen lassen.

Nun sause ich dahin. Entlang einer Eisenbahnstrecke und vielen Viadukten, wie man sie aus Harry Potter kennt. Es läuft super. So schön kann Radfahren sein. Vor Kirkby Stephen holt mich die Müdigkeit ein, es ist auch schon später Nachmittag. Mitten auf der befahrenen Kreuzung ein Bänkchen. Das kommt wie gerufen. Wecker auf 15 Minuten und Powernap.

Anschließend nur noch ein letzter (sehr steiler) Anstieg und 10 Kilometer runterrollen zur Kontrollstelle Garrigill. Das wird nicht mehr so schlimm sein. 600 Höhenmeter geht es nun noch hoch. Easy, wenn man an vergleichbare Anstiege bei uns denkt. Vor mir ein Radfahrer. Übermütig beginne ich die Jagd, der wird doch einzuholen sein. Es ist Miles, der wieder mal filmt. Ich versuche möglichst frisch auszusehen und so zu wirken, als machte mir dieser wieder mal mörderisch steile Anstieg gar nichts aus.

Miles berichtet, Hermann sei hinter mir. Ich ungläubig, das kann unmöglich sein, der ist sicher schon seit Stunden auf dem Campingplatz.

Zum Glück fährt Miles Simon hinterher, der von hinten aufgeschlossen hatte und ich kann verlangsamen und muss das hechelnde Luftschnappen nicht unterdrücken. Ein Auto kommt entgegen. Jemand steigt aus und erzählt er habe Brownies gebacken, ob er mir einen anbieten darf. Liebend gerne, aber darf ich das? Miles ist ja weg, so nehme ich dankend an.

Kurz darauf holt mich wieder jemand ein: Hermann. Wie gibt es das denn? Wo soll ich ihn überholt haben? Er erzählt, er habe in Kirkby Stephen, meinem Powernap-Halt, 5h auf mich gewartet, weil ihm Simon erzählt habe, nach dem Pass würde es sehr schweres Gelände geben. Der Liebe!

Das hatte ich nicht auf dem Schirm. Wirklich, die letzten 10 Kilometer waren Gehgelände, zumindest die Hälfte. Und dabei war es auch nicht leicht, den richtigen Weg zu finden. Da es jetzt auch langsam dunkel wurde, bin ich nicht unfroh nicht alleine zu sein.

Es ist wieder spät, als wir Garrigill erreichen.

Und hier, juhu, eine funktionierende heiße Dusche, Möglichkeit die Kleider zu waschen, leckeres Essen und nicht zuletzt schlafen, 5h sollten es sein, welcher Luxus. Mein Zelt muss ich im leichten Regen aufstellen und unter Mückenplage. Die Biester sind schrecklich. Millionen umschwirren und peinigen dich, gehen vor allem auf Augen und Ohren los. Ohne Mückennetz ist man machtlos. Die Aussicht auf saubere Kleidung ist auch klasse, der Trockenraum aber bis auf die letzte Ritze behängt. Mehr als  Halbweg ist geschafft.

Zu betonen ist, wie nett die Crew der Kontrollstelle uns umsorgt haben! Vielen Dank noch einmal!

Und nun geht eigentlich mehr oder weniger alles -um es mit einer Redewendung zu sagen- den Bach runter …

Stage 3 : Garrigill to Fort Augustus, Inver Coille Camping, Loch Ness

Tag 7, Tag 8 und 9
510 km/ 6500 Hm

Tag 7

Nach dem reichhaltigen Frühstück und nach Zusammenpacken unter Mückenplage fühle ich mich wie neu. Die Strecke führt auf einem idyllischen Radweg entlang einer stillgelegten Bahnlinie. Ein kleines Hindernis bringt mich nicht aus der Ruhe, der Track verlässt den Radweg und führt über eine ruppige Weide mit anschließendem Über-den-Zaun-heben – wieder mal. Kurz danach die nächste Erschwernis. Es bleibt frau auch wirklich nichts erspart: Vor einem wunderschönen alten Viadukt muss man ab von der Strecke, das Bike über unzählige glitschige hohe Stufen runterheben und dasselbe auf der anderen Seite wieder hoch (20kg sei Dank = Schwerstarbeit). Im nächsten Örtchen, Alston, ist erst mal Einkaufen angesagt. Beziehungsweise, versuche ich erstmal einen Radmechaniker zu erreichen, der sich meine Schaltung mal anschauen kann. Langsam habe ich den Verdacht, dass es nicht mehr lange bis zu einem Kabelriss dauern kann. Verständnisschwierigkeiten am Telefon. Dann fahre ich halt so weiter. Ich besuche noch kurz ein Café, in dem ein Mitarbeiter des Mechanikers arbeitet, der aber hat keine Zeit. Beim Einkaufen im Supermarkt sucht mich netterweise der nette Herr, mit dem ich am Telefon gesprochen hatte und gibt mir eine Kontaktadresse, aber das ist wiederum der vom Café. Nette Geste, aber leider vergeblich. Ich mache mich nach dem Einkauf und Costa-Latte mit meinem um einiges schwereren Rad auf den Weg. Es stehen an die 200 Kilometer ohne Versorgungsmöglichkeiten an.

Es geht weiter easy durch ländliches Gebiet, nach einem Verkehrsschild „Red squirrels“ – Achtung Eichhörnchen, wird es ein paar mal wieder unerträglich steil. Dann wieder Schotter, stundenlang durch den Nationalpark Kielder Water, aber leichtes Gelände. Irgendwann ein Durchfahrtverbot wegen schwerer Waldarbeitsgeräte. Was nun? Zurück- unmöglich. Ich schiebe mein Rad durch Matsch in Richtung der Arbeitenden. Die Räder der Maschinen sind enorm hoch. Hoffentlich sehen die mich. Ich komme unbeschädigt weiter.

Etwas später holt mich Steve ein. Die nächste Steigung bewältigen wir gemeinsam. Nach einer rasanten Gravelabfahrt ein Kleintransporter am Wegesrand. Er wartet auf Oliver, der hier aussteigen will, leider wieder einer weniger um mich herum. Und noch etwas weiter holt uns Christophe aus Belgien ein, der Führende der zweiten Stage. Wieso denn das? Freilaufschaden, er hat nur noch 2 Gänge zur Verfügung. Weit und breit keine Möglichkeit das zu reparieren auf den nächsten 200 Kilometern. Schade, er wäre Anwärter auf den Sieg gewesen. Nun sind die Führenden beider Stages raus, denn Alex hat aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen. So schnell kann es gehen … Das werde ich in den nächsten Stunden auch erfahren … (Christophe und Alex waren Teil unserer Fahrgemeinschaft nach Land’s End).

Ich überfahre nun irgendwo die schottische Grenze. Nach einem Berg kommt bekanntlich wieder ein Tal, in dem es „flutscht“. Angenehme Steigung, Asphalt, was will frau mehr. Ein Moment der Unachtsamkeit und ab nun geht so ziemlich alles schief: Mein Vorderrad kommt von der Straße ab, der Straßengraben rast auf mich zu, ich stürze und mein Bike verkeilt sich unter der Leitplanke. Der Lenker ist verbogen, ich habe mir zum Glück außer ein paar Schrammen, nichts getan. Minutenlang versuche ich das Rad wieder freizubekommen und den Lenker mit meinem Tool aufzuschrauben und grade auszurichten. Dann bin mit zitternden Knien wieder on the road. Erst später werde ich draufkommen, dass die Lampe nicht mehr funktioniert und ich über den Nabendynamo auch nicht mehr laden kann. Katastrophe. Das Ziel rückt in weite Ferne. Wie soll ich dann ohne Lampe und ohne Stromversorgung nach JOG finden? Kommunikation und Streckenverfolgung ohne geladenen Akku unmöglich. Vermutlich bin ich wohl auch bald raus. Ich erreiche Hermann. Er sitzt einige viele Kilometer weiter in einem Pub beim Abendessen und verspricht zu warten. Ich steigere die Geschwindigkeit, die Kilometer ziehen sich, mein Garmin macht Mätzchen, das Problem löst sich zum Glück durch einen Neustart des Geräts. Die Dämmerung bricht herein, es wird bitterkalt, auf einmal habe ich eine Art Erscheinung: „Gabi, hier warst du schonmal! Nein, du gute Frau, du spinnst wohl, das ist sicher wieder mal ein Zeichen von Übermüdung …“ Später werde ich draufkommen, dass ich hier bei der LEL (London-Edinburgh-London) vorbeigekommen bin. Ich trudle im Tushielaw Inn ein. Die Küche ist leider schon zu, aber mein enttäuschtes Gesicht erweicht den Chef des Hauses und ich bekomme noch ein Sandwich und kann mich mit einem heißen Getränk aufwärmen.

Auch Steve und Simon finden hierher und zusammen bilden wir eine lebhafte Gesellschaft, lustig, wenn meine Gedanken nicht verdüstert wären durch mein drohendes Ausscheiden. Was könnte der Grund des Nicht-Funktionierens meines Ladegeräts sein? Hermann meint, es liege vielleicht an einem Kurzschluss, da der Lampenkabel beschädigt sei, die Kupferdrähte waren freigelegt. Kurzerhand wird das Lampenkabel gekappt und wie durch ein Wunder kann ich wieder laden. Ich plane nun, wie ich vorgehen könnte: Mit geladenem Reservelicht käme ich 2 Stunden weit. Wenn ich unterwegs irgendwo eine akkubetriebene zusätzliche Beleuchtung kaufen könnte, wäre ich gerettet.

Hermann und ich fahren einige Kilometer gemeinsam weiter. Es wird immer kälter und fängt auch wieder an zu tröpfeln. Es findet sich kein geeigneter Biwak-Platz, ein höherer Berg stand an. Irgendwo dann eine steinige Weide und wir beschließen aufgrund der Kälte beide in mein Mini-Zelt zu schlüpfen, etwas zu ruhen und bald wieder aufzubrechen. Wecker stellen wir fatalerweise keinen. Und Schock, es ist schon 6 Uhr als wir aufwachen, nicht 4 wie geplant. Mein Finish rückt in immer weitere Ferne. Ich würde die kommende Nacht durchfahren müssen, um den CP3 Fort Augustus pünktlich zu erreichen. Wie sollte das aber gehen ohne ordentliche Beleuchtung? Und mit einer Lampe, die nach spätestens 2 Stunden ihren Geist aufgibt?

Tag 8

Hermann fährt ab, ich muss noch das Zelt wegpacken. Der erste Berg bringt schwierigeres Gelände in der Auf- und Abfahrt, dann geht es über die nächste Erhebung, hier ist wieder mal Schieben angesagt. Runter ist fahrbar, aber auch nicht ganz leicht. Das schwere Rad, ein Drittel meines Gewichtes ist nicht so leicht manövrierbar und so reißt mich das Bike einige Male um. Bei einem der Stürze lande ich auf dem Rücken aber weich im Farnkraut. Beim Aufstehen sehe aus den Augenwinkeln ein Stück gelbes Drainage-Rohr. Im Tal, etwa 250 Höhenmeter tiefer, ich hatte gerade einen Bauernhof passiert, merke ich, dass mein Smartphone weg ist. Schock! Kopflos lege ich mein Rad neben die Straße und laufe den Weg zurück hinauf. Unterwegs treffe ich auf Simon, der hat aber nichts gefunden unterwegs. Ich stapfe in meinen Radschuhen weiter und merke zu spät, dass ich vom richtigen Weg abgekommen bin.

Durch das Farnkraut suche ich den richtigen Weg zu erreichen, das Garmin Gerät steckt am Rad, das hätte mir die Suche erleichtert. Etwas weiter oben die Erkenntnis, dass der Sturz nicht so weit oben war. Also wieder hinunter. Ich suche nach dem Rohr. Nichts. Ich stieg bis zu einem kleinen dichteren Farnwäldchens ab. Im Kopf das Szenario: Ich kann niemanden mehr kontaktieren. Ich weiß auch keine Telefonnummer auswendig. Schrecklicher Gedanke. Was tun? Es bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als nochmal hochzugehen, bis an den höchsten Punkt. Hier hatte ich nämlich das letzte Foto geschossen. Oben dann trifft mich eine weitere Erkenntnis wie ein Blitzschlag: Ich hielt nach diesem Drainagerohr Ausschau. Gelb und mit Rillen. Die zum Teil gelben Blätter des Farnkrauts schauten ähnlich aus. Vielleicht war das Rohr nur ein Hirngespinst? Ich drehte also jede der gelben Blätter unterwegs um. Nichts. Als ich mich zum zweiten Male dem Farnwäldchen näherte, leuchtet mir links was entgegen: Das Rohr und daneben – mein SMARTPHONE. Gerettet!!! Erleichtert fasse ich es und renne den Berg hinunter. Unterwegs ein neuer schlimmer Gedanke: Was, wenn mein Rad nun nicht mehr da wäre? Ich hatte es nicht abgesperrt und hatte Geld und Dokumente einfach so zurückgelassen. Erleichterung, als mein Gravel-Traktor noch dort liegt, wo ich ihn zurück gelassen hatte. Später wird mir Simon erzählen, dass der Farmer beim Rad stand und ihn gefragt habe, ob das sein Rad sei. Hahhhaaahhaa, GBDuro mit zwei Rädern fahren … Simon hat dem Farmer die Sachlage erklärt.

Falkirk Wheel

Dieser Zu-Fuß-Ausflug hatte mich wohl mindestens weitere zwei Stunden gekostet, eineinhalb Mal den Berg hoch, ca. 300 Höhenmeter und 4 Kilometer Fußmarsch. Das wird jetzt wohl das wirkliche Ende sein!

Mein Mut wird etwas gehoben, da es jetzt recht einfach weiter geht Richtung Falkirk mit seiner Attraktion „Falkirk Wheel“, einem spektakulären Schiffshebewerk.

Unterwegs überholen Simon und ich uns gegenseitig mehrmals. Dann bei einem Windpark wieder einmal ein gesperrtes Gitter. Darüberheben ist angesagt. Simon steigt auf der anderen Seite gerade wieder auf sein Bike. Keine Anstalten, mir zu helfen. Genau – das hatte ich ja vergessen – das Rennen ist streng SELFSUPPORTET – das gilt genauso für uns Frauen! Minutenlang stehe ich erst mal wie ein dummes Schaf vor der neuerlichen Aufgabe meinen Traktor da drüber zu wuchten und kann die Tränen gerade noch zurück halten. Obwohl nun Ebene angesagt, muss ich anschließend trotzdem schieben, der Weg ist „gepflastert“ mit einem bunten Gemisch an Scherben, da traue ich mich nicht drüber zu rollen.

Die letzten Kilometer geht es unterhaltsam nicht schwierig über eine Downhillstrecke. Ich hatte in Falkirk auch einen Bikeshop entdeckt, merke aber am Ende der Strecke, dass ich schon 3 Kilometer zu weit bin. Also zurück und das auch noch aufwärts. Der nette Mitarbeiter richtet meine Schaltung, tauscht die Bremsbacken, schmiert die Kette und das Wichtigste, hier kann ich ein Vorderlicht erstehen. Allerding werde ich beim Einsatz merken, dass das Licht eher dazu gedacht ist, gesehen zu werden und nicht als sinnvolle Leuchtquelle dient. Ich blicke nun aber wieder positiver auf die Strecke vor mir.

Es ist nun schon wieder später Nachmittag, wie schnell die Zeit vergeht … Die nächsten Kilometer gehen leicht, ein nächster Supermarkt-Stopp ist angesagt, da wieder über 150 Kilometer nichts sein wird. Meine Wahl fällt auf Morrison, nicht so gut, da es hier nur übergroße Packungen gibt. Meine Packtasche bekomme ich anschließend kaum zu. Gestärkt mache ich mich auf den Weg. Ich verfranze mich x-mal, muss wohl etwas aufmerksamer sein. Nach dem hübschen Örtchen Stirling dämmert es. Mich holen die düsteren Gedanken ein, denn der Wetterbericht droht mit Regen. Ich spiele mit dem Gedanken, hier aufzuhören. Das wäre ein idealer Ort sich am nächsten Tag abholen zu lassen, eine Weiterfahrt würde das wieder komplizieren. Mehrmals bleibe ich stehen und überlege. Pro und Contra wäge ich ab. Dann siegt die abenteuerlustige Gabi: Weiter, mal sehen, was kommt.

Nun liegt gemischtes Terrain vor mir. Im Dunkeln radelt Steve an mir vorbei, ich bin wohl jetzt Allerletzte. Es fängt an zu regnen, in kurzer Zeit bin ich völlig durchnässt. Also weiterfahren, das gibt etwas warm. Ich scheine auf einem Radweg zu sein. Es geht irgendwann auf Mitternacht zu, die Müdigkeit holt mich ein. Ich werde immer langsamer, friere, am liebsten würde ich mich jetzt irgendwo hinlegen. Aber hier im strömenden Regen? Irgendwann vor mir ein Dorf: Killin. Mitternacht ist lang vorbei, es geht auf Halbzwei zu. Ein Ambulanzwagen vor einem beleuchteten Restaurant. Ich klopfe. Nein, nicht offen, ich kann mich auch nicht kurz aufwärmen. Ich schlingere übermüdet und frierend weiter. Was mache ich hier? Ich hätte aufgeben sollen und das schon Kilometer zuvor. Den Tränen nahe trete ich weiter. Ein Haus mit Garten und dort steht wer. Und wenn ich hier einfach frage? Ich sehe keinen Ausweg mehr und muss mich schleunigst etwas aufwärmen. 6° und ich klatschnass. Ich frage den großen wie ein englischer Adeliger aussehenden Kerl, mit nicht kleiner Wiskey-Fahne, ob er nicht einen Platz hätte, an dem ich mich kurz aufwärmen könnte, eine Garage, ein Gartenhäuschen oder so. Was macht er eigentlich hier um diese Zeit, frage ich mich, aber meine Verzweiflung war riesengroß, keinesfalls könnte ich jetzt noch weiter fahren. Er schaut mich lange an, dann sagt er, er wollte mir helfen, führt mich in einen winzig kleinen überfüllten Raum. Er wohne hier im Moment, da er sein Haus wegen eines Events im Dorf vermietet habe. Ich kann mich umziehen, er bietet mir ein Glas Wiskey an, ein Feldbett wird aufgeklappt. Etwas mulmig wird mir schon, als er die Tür mit einem riesigen Schlüsselbund absperrt, über mich drüber klettert und in seinem Schlafsack verschwindet.

Tag 9

Nach einer Stunde des Aufwärmens bin ich schon wieder auf dem Weg, alles gutgegangen, der Herr wachte nicht mal auf, als ich meine Siebensachen zusammensuche.

Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen. Ein nächster gut fahrbarer Berg wärmt mich auf. Auch die Abfahrt ist fein und es geht weiter durch ein Tälchen, sehr einsam. Hin und wieder ein Haus, dann ein Café an der Strecke, leider noch geschlossen. An der Abzweigung zum nächsten Aufstieg, die Sonne war gerade aufgegangen, treffe ich wieder auf Steve, im Gespräch mit einem Herrn, der mit drei Hunden unterwegs ist. Ich drücke gerade meine Enttäuschung aus, dass ich nun ohne Frühstück weiter muss in unbestimmte Endlosigkeit, da fragt der nette Herr, er lüde uns ein zum Kaffee, sein Anwesen sei grad mal 400 Yard weg. Steve und ich strahlen um die Wette. An der Tür ziehen wir unsere Radschuhe aus, sofort verbreiten sich unsere Sockendüfte in der ganzen Küche. Hier ist der Tisch reichhaltig gedeckt. Es gibt Porridge für uns mit Obst und heißen Kaffee. Herrlich.

Sehr dankbar brechen wir wieder auf. Der nächste Berg ist wieder unangenehmes Gelände. Aber irgendwann erreiche ich Loch Rannoch und damit wieder einige Kilometer Asphalt. Hier ist gerade ein Radrennen in Gange.

Anschließend 48 Kilometer Rüttelgelände, das heißt die Steine sind so groß, dass ich und mein Rad so richtig durchgeschüttelt werden und kein Ende in Sicht. Irgendwas kratzt an meinem Oberschenkel, da fällt auch schon eine Schraube zu Boden. Zum Glück habe ich es gemerkt. Ich pule das Ding wieder an seinen Ort, Abdeckung drüber und weiter. Langsam fällt wohl mein Rad auseinander. Dieses Rennen stellt wohl nicht nur an die Fahrer*innen, sondern ganz besonders auch an das Material riesengroße Ansprüche.

Loch Ossian, hier geht die Strecke auf einem super schnellen Gravel-Untergrund weiter und ich sause durch die Landschaft. Es macht richtig Spaß wieder. Auf einmal scheint es mir, dass mein Bike nicht mehr so leicht manövriert werden kann, schaue nach unten und sehe, dass Dichtmilch aus meinem Hinterreifen spritzt. Eine Panne? Ich fahre weiter, vielleicht verschließt sich das Loch ja wieder. Fehlanzeige, bald ist der Reifen ganz platt. Auch das noch! Mir bleibt auch gar nichts erspart. Aufpumpen hilft nichts, der Reifen springt von der Felge. Schei … Tasche runter, Werkzeug raus, Reifen runter, Dichtmilch rausputzen, Reifen auf Splitter kontrollieren, Schlauch rein, aufpumpen.

Inzwischen hält ein Geländefahrzeug. Ich bin erleichtert, als der Fahrer mir anbietet, falls ich in einer Stunde immer noch hier sei, mich mitzunehmen. Also ist das Ende der Welt wohl doch nicht so am Ende. Der Gedanke, dass hier für mich Schluss sei, tut mir nun doch wieder leid. Ein Mann und zwei Frauen halten. Nein, ich brauche keine Hilfe, sie warten aber ab, falls doch. So nett alle …

Dann wieder alles aufgepackt und weiter. Nur noch 60 Kilometer trennen mich von der nächsten Kontrollstelle. Diese gehen sehr schleppend, mein Reifen ruckelt, ist wohl nicht in sein Felgenbett gerutscht. Einer der höchsten Berge liegt noch vor mir, das sorgt mich etwas. Fast 500 Höhenmeter, das wären bei uns eigentlich sehr wenig, aber was ich bisher erlebt hatte, lässt mich schon ahnen, dass es nicht leicht würde.

Endlich bin ich dann wirklich in der Steigung und es läuft nicht rund. Das Gebiet ist sehr wasserreich und das bedeutet alle 50 Meter eine befestigte Wasserauskehre quer über den steinigen Weg. Unendlich oft muss ich absteigen, das Rinnsal überqueren, wieder aufsteigen. Endlos. Dann wird es ganz steil. Schieben angesagt. Die letzten Serpentinen quäle ich mich hoch. Dann ist endlich Abfahrt angesagt. Über einen steinigen steilen Weg. Höchste Konzentration ist angesagt. Nur kein Sturz! Die Handgelenke schmerzen höllisch vom krampfhaften Bremsen, trotz gefedertem Vorbau. 20 Kilometer schwierige Abfahrt. Irgendwann wollen die Tränen kommen, Tränen ohne Tränen, geht das? Ich führe mit mir Selbstgespräche. Maßregle mich, das habe ich so gewollt, jetzt solle ich gefälligst still sein. Es wird langsam dunkel. Und nun kommt meine Reservelampe zum Einsatz. Diese scheint nicht so schlechtes Licht zu geben, wenn ich nicht zu schnell fahre. Und wie lange, das wird sich zeigen. Irgendwann in der Ferne Lichter von Fort Augustus am Loch Ness. Die wollen aber nicht näher kommen. Endlos. Irgendwann dann angekommen, nun sind es nur noch 7 Kilometer bis zum Camping-Platz mit CP3. Es geht nun wieder bergauf. Interessanterweise liegen hier auf dem Weg dattelgroße braune Gebilde. Was? Hier wachsen Datteln? Da spielt mir wohl meine Müdigkeit wieder Streiche.

Es scheint mir, dass ich kreuz und quer durch den Wald schlingere. Wo ist CP3? Ich verfahre mich zig-mal. Irgendwann dann ein Licht zwischen den Bäumen. Hermann! Es hätte ein Hinweisschild gegeben, aber das hat mein „ersterbendes“ Licht leider nicht erfasst.

Geschafft, das hätte ich in den letzten beiden Tagen wohl nicht erwartet … Ich bin megaglücklich. Lagerfeuer, ich bekomme noch Pizza, Dusche, Zeltaufbau und der lang ersehnte Schlaf.  

Stage 4: Fort Augustus to John O’Groats

Tag 10 und 11
400 km/ 4100 Hm

Tag 10

Allerdings ist dieser nach 5 Stunden schon wieder vorbei. Frühstück und Aufbruch zur letzten Stage. Knapp 400 Kilometer stehen an und dafür nur 2 Tage Zeit. Wer am zweiten Tag beim Abendessen um 20 Uhr vor Ort sein würde, der konnte sich FINISHER nennen. Und wie die Ausfall-Liste zeigte, würden maximal 18 von den 47 Eingeschriebenen in John O‘ Groats ankommen.

Drei Berge gleich nach Abfahrt. Und es ging gleich in die Vollen. Äußerst steiler Anstieg. Dann wunderbar hoch über Loch Ness durch Heidelandschaft, dann ein Downhill und auf zum nächsten Berg. Auf einmal kann ich nicht mehr schalten. Nein!!! Nicht schon wieder ein Problem, jetzt das Ende in greifbarer Nähe. Ich schiebe etwas, dann wird es flacher. Das Schalten scheint wieder zu gehen, nur der erste Gang lässt sich nicht mehr schalten. Abfahrt. Supermarkt-Stopp mit Latte-Pause, Hermann fährt gerade wieder ab. Danach gibt es lange nichts, außer man schafft es zeitlich bis Contin, dort gibt es einen Tankstellen-Shop, der bis 19 Uhr offen hat. Ob ich das schaffe? Keine Ahnung, deshalb besser vorgesorgt, was wieder mehr Gewicht bedeutet. Essen und Wasser.

Ich komme nicht weit. Der Reifen hinten ist wieder platt. Ein Entsetzensschrei meinerseits. Wieder die gleiche Prozedur wie am Tag zuvor. Luft einpumpen. Geht nicht! Ich versuche den inneren Gummiring etwas zu schmieren, jetzt geht garnichts mehr. Ein Lieferwagen hält. Der kann mir auch nicht helfen, aber nette Geste. Pumpe kaputt! Aus der Traum. Ich schreibe Hermann, dass ich nun endgültig raus bin und google, wie ich hier weg kommen könnte.

Hermann ist schon 11 Kilometer weiter und halb den nächsten Berg hoch und gut in der Zeit das Finish zu schaffen. Und was macht der Kerl? Er dreht um und bringt mir seine Pumpe.

Gemeinsam fahren wir weiter. Ein schwieriger Berg, eine schwierige Abfahrt, aber wir schaffen es bis zur Tankstelle, um uns ein letztes Mal zu versorgen, ab hier nämlich 260 Kilometer bis zum Ziel keine Einkaufmöglichkeit mehr.

Die Höhenmeter, die nun anstehen, sind nicht viele, das Gelände in der Nacht ist aber nicht leicht. Ich bin ohne gute Beleuchtung und als es dunkel wird, erkenne ich, wie schwierig es ist. Die bessere Bontrager-Lampe leuchtet grad mal 2 Stunden, die andere Lampe ist kaum brauchbar. Das bedeutet sehr langsames Vorankommen, während die Bontrager auflädt. Untragbar und dann noch die Müdigkeitsattacken in der Nacht. Ich fahre zwischen zwei Zaunstangen durch, erschrecke und ziehe den Kopf vor der Querstange ein, die gibt es allerdings gar nicht, Trugbild, es wäre wohl langsam Zeit zu schlafen. Dachten wir zunächst das Ende des ersten Abschnitts, Rosehall, gegen Mitternacht zu erreichen, wird es 2 Uhr, dann 4 Uhr, schlussendlich sind wir erst gegen 6 Uhr dort.

Tag 11

Ein kurzer Powernap, dann weiter. Die Motivation ist gesunken, Hermann hatte auf der Dotwatcher-Seite gelesen, dass die Beobachter uns schon abgeschrieben hätten, Hermann und Gabi würden es nicht schaffen bis 20 Uhr. Demotivierend.

Die restlichen 200 Kilometer sollten wir nun in knapp 14 Stunden schaffen. Asphalt nur recht wenig darunter. Ein 400 Höhenmeter-Berg mit giftigen Steigungen bringen wir hinter uns. Plötzlich vor uns ein langsamer Radfahrer. Nein, der schiebt ja. Beim Näherkommen erkennen wir Jamie. Freilauf kaputt. Er möchte die 200 Kilometer laufend hinter sich bringen. Ein Held! Er wird aber einige Kilometer später abbrechen. Schade. Das tut mir sehr leid für ihn.

Wir quälen uns weiter. In immer kürzeren Abständen kommt die Müdigkeit, nun auch tagsüber. Zweimal gönnen wir uns noch eine je viertelstündige Schlafpause. Mir geht das Wasser aus. Es gibt auch keine Bäche in der Gegend. Wider Erwartung kommen wir an einem kleinen Campingplatz vorbei. Dort bekommen wir Wasser und ein Eis.

Der nächste Anstieg ist eine ellenlange Rüttelpiste. Muss das sein? Ich bin wieder hundemüde. Auf einmal sehe ich vor mir eine Hütte, sieht aus wie eine bewirtschaftete Bergalm. Trugbild meines erschöpften Gehirns, hier gibt es nur Steine und Gras. Irgendwann ist auch diese Steigung und Abfahrt gemeistert. Die lange Asphaltstrecke zieht sich allerdings. Ich sehe immer wieder komische Dinge, jetzt eine Maschine, die das Farnkraut schneidet, kurz vor mir, ich zucke zusammen und erkenne es ist nur eine Spiegelung des Wassers neben mir.

Irgendwann liegen „nur“ noch 40 Kilometer vor uns und nur noch Asphalt. Nun wird es wieder dunkel und das Problem Beleuchtung ist dasselbe wie in der Nacht zuvor. Ich habe zudem Angst, dass ich von Autofahrern nicht gesehen werde. Schleppendes Vorankommen. Es ist nun 20 Uhr schon vorbei. Aus der Traum!

Die Ankunft in John O‘ Groats, trotz 2 Stunden Verspätung, trotzdem überwältigend. Eine Gruppe um Emily Harper, der Siegerin erwartet uns am nordöstlichsten Punkt Schottlands. Eine wunderbare Geste von der Gruppe, die sicher lieber schon im wärmenden Bett sein wollte. Da wir das Abendessen versäumt und über einen Tag uns nicht versorgen konnten, schenkte uns Emily ihren Reiseproviant, Keks, Orangen, Chips – eine tolle Geste!! Danke,  Emily!! Dann konnten wir in unser ersehntes Bett sinken …

Am nächsten Tag Frühstück mit den Finshern, dann löste sich die Gemeinschaft langsam auf und jeder machte sich auf den Heimweg.

GBDuro war so das Härteste, das ich je in meinem Leben gefinisht habe …
Sehr viele Augenblicke waren Spaß-Stufe 3; aber nicht zuletzt deswegen bin ich mega stolz es bis John O’Groats geschafft zu haben, besonders, wenn man bedenkt, wie viele der Racer aufgeben mussten (über die Hälfte der Gestarteten)

Danke für alles und danke für die vielen netten Leute, die ich kennen lernen durfte, sei es Mitfahrer*innen als auch Dotwatcher und andere Leute an der Strecke!!!

Was nun auf uns zukommen sollte, ist nicht mehr zu toppen: Horrortripp Heimreise.

TransAlp Rando

resoconto in italiano

1250 Kilometer: Verona – Ljubljana – Verona

Tarvisio. 3 Uhr nachts. Ich bin alleine. Hermann hatte nach seiner Italy Divide keine Lust auf über 1200 Kilometer Rennrad. Kreisverkehr. Stockfinster ist es, bis auf den gleißend weißen Bildschirm meines GPS-Geräts. Violett schlängelt sich mein Weg, dem ich nach Ljubljana folgen sollte, über das Display. Wohin soll ich fahren? Rechts, links oder geradeaus? Versuch 1 – Irrtum, also zurück. Auch Möglichkeit 2 erweist sich als falsch. Ärger. Nummer 3 auch. Ratlos versuche ich es nochmal mit der ersten Ausfahrt. Doch richtig. Wie soll ich aber den Weg nach Timau und zum Plöckenpass finden, wenn nicht im Schneckentempo durch den Ausfall der Funktionen meines Geräts? Hilfe!! Aus- und Einschalten hat auch keine Wirkung. Dass ich so hilflos sein würde, hatte ich mir am Start wohl nicht ausmalen können.

2 Nächte und einen Tag zuvor …
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Hier ein Kurzfilm (am Ende der Seite der 6-Minutenfilm)



Mittwochnacht / Donnerstag: Nacht & Tag 1
485 km/ 3550 m D+

20:30 Uhr. Start an der Arena von Verona. An die 80 Personen setzen sich in Bewegung, darunter zwei Handvoll Frauen. Vier Tage später werden zwei Drittel wieder zurück sein, darunter 5 Frauen.
Wir fahren in die Dämmerung hinein, vor uns 1200 Kilometer Weg. Die Gruppe lasse ich nach etwa einer Stunde ziehen, das mörderische Tempo mag ich nicht mehr mitmachen. Wissen die nicht, dass wir noch ein paar Kilometer vor uns haben?

Erste Kontrolle am Gardasee. Dann geht es den See entlang nach Norden. Es ist Schlafenszeit und langsam fange ich an zu gähnen. Ich schließe an ein Grüppchen auf, das ist mir jedoch zu stressig und unrhythmisch. Ich beschleunige und fahre vor, gemütlich auf meinem Triathlonlenker lümmelnd. In der steilen Steigung nach Nago hinauf überholen mich die Jungs. Dann aber bin ich die restliche Nacht allein. Vielleicht durch Red Bull, einem grauenhaft süßen Getränk, habe ich keine Müdigkeitsattacken, vielleicht aber auch durch den spannenden Krimi, den ich mir via Hörbuch reinziehe.

Lichtblick die Kontrollstelle beim Bicigrill in Faedo. Latte Macchiato und ein leckerer Kuchen motivieren mich zum Weiterfahren. Nun geht es zudem Richtung Heimat, ich kenne nahezu jeden Meter.

Vor Klausen wird es hell. Kontrolle Nummer 2. Hier halte ich mich nicht auf, trinke nur einen überteuerten Minibecher lauwarmen Tee. Brixen ist gleich erreicht. Frühstück!!! Dann folgt die nächste Steigung nach Elvas. Von der nun folgenden Strecke über den idyllischen Radweg durch das Pustertal bis nach Bruneck kenne ich jeden Meter. Auch die weitere Strecke durch das enge Rienztal und weiter über Olang und den gleichnamigen Stausee bis nach Niederdorf ist mir gut bekannt. Kontrolle Nummer 3 ist beim Sportplatz. Die Jungs vom Sportverein leisten super Arbeit. Sie warten mit einer leckeren Gemüsesuppe auf, grad das richtige für uns Radreisende: Flüssigkeit und Vitamine, ich gönne mir noch ein paar Nudeln, ein Brot mit Orangenmarmelade und zum Abschluss ein Joghurt.

Haben viele der Teilnehmer drei Gepäckbeutel abgegeben und nun an 5 Stellen Zugriff darauf, habe ich mich entschieden alles selbst mitzunehmen, so ist mein Bike nun nicht gerade leicht mit Biwakzeug und allem möglichen anderem beladen, was man als Frau so zu brauchen glaubt. Nun rolle ich es über den beliebten Radweg nach Toblach und Innichen und dann hinunter nach Lienz. Rollen. Das fordert seinen Tribut. Der Schlafentzug beginnt sich signifikant zu äußern. Ich gähne an einer Tour. Eine kurze Rast ausgestreckt auf einer Bank bringt auch den ersehnten Powernap nicht. Die unzähligen vorbeibrausenden Radler verhindern ein Wegnicken. Apropos – die vielen Hobbyradler, die diese Strecke mit Kind und Kegel bevölkern, sind nicht ungefährlich. Sie verhalten sich oft unberechenbar, scheren aus, halten plötzlich an. Bin ich froh, als Lienz erreicht ist. Zwischendurch der erste Regenguss. Das Wetter soll unstabil bleiben mit Gewitterneigung. Oje, ich Angsthase habe schreckliche Angst vor Blitz und Donner und immer wieder äuge ich misstrauisch nach oben.

 
Entlang der Drau wird es nun sehr einsam. Es geht oft über Schotterpisten und zudem immer wieder auf und ab. Bei Kontrolle 4 in Oberdrauburg gönne ich mir einen Latte Macchiato (wie immer mit 2x Zucker) und ein belegtes Brot. Ein Schwätzchen mit Valentina Rocca, die meine Brevetkarte abstempelt. Und weiter geht’s. Ich hatte vor noch bis Tarvisio fahren und dort etwas zu schlafen. Bis dorthin sind aber noch 70 Kilometer flach zu fahren und dann noch die berüchtigte Windische Höhe zu überwinden, die anschließenden 20 Kilometer zählen wahrscheinlich kaum. Es ist schon späterer Nachmittag und am Himmel bräut sich was zusammen.


Die 70 sind gefühlt relativ rasch runtergespult, dann wird es ernst. Berüchtigte Windische Höhe, genau, und das ist sie. Es geht gleich mit 15% Steigung los und weniger wird es kaum mal.
Später im Anstieg geht es dann auch los. In der Ferne blitzt es, ich zähle bis 7, aha, das Gewitter ist etwa 2 km weg … Mir sträuben sich schon die Haare, ich bin hier mitten im Wald, einsam. Schnell weg ginge nur nach unten. Aber die mühsam erkämpften Höhenmeter will ich keinesfalls ein zweites Mal machen müssen. Also mit zitternden Knien weiter. Das Gewitter verzieht sich wieder. Gefühlt wird es immer steiler. Mir scheint, dass mich mein Gepäck nach unten zieht. Ein LKW naht. In mir steigen die Grausbirnen auf in Erinnerung an die Erlebnisse bei der NC4K. Ich steige vom Rad und ziehe es an den Straßenrand. Ein Wieder-Aufsteigen in dieser Steigung? Unmöglich. So schiebe ich ein paar Hundert Meter. Angenehm nach fast 450 Kilometern nonstop. Ein weißes Auto kommt entgegen, das Fenster wird runtergekurbelt und eine Frau und ein Mann blicken mir besorgt entgegen. Ob ich Probleme habe? Nein, meine Beine haben allerdings was gegen diese mörderische Steigung. Ach so. Das Auto wendet und verschwindet wieder. Das habe ich in meinem Radfahrerinnenleben auch noch nicht erlebt. Das Auto hatte mich überholt, kam wieder zurück, um mir Hilfe anzubieten. Nun gibt es eine kurze Abfahrt. Sehr steil. Es fängt wieder an leicht zu regnen. Blitz! Oje, was mache ich jetzt? Die letzten Häuser waren vor der Abfahrt. Da wieder hoch? Etwas weiter ein Haus. Schaut unbewohnt aus. Ich stelle mich unter. Irgendwann kommen zwei Radfahrer vorbei. Ich traue mich noch nicht weiter zu fahren, es grollt immer noch in der Ferne oder doch nicht so fern? Langsam wird es dunkel.

Wieder kommt ein kleines Grüppchen vorbei, nun fahre ich mit. Ich kann Aurora und Maria Grazia erkennen und ein paar Jungs. Es ist so steil, dass Aurora die ganze Straßenbreite nutzt. Auf einmal Reifenquitschen. Ein Auto legt eine Vollbremsung hin, das Rad am Rand seiner Fahrbahnseite hat wohl sehr irritiert. Die haben aber auch einen Karacho drauf hier. Der höchste Punkt ist erreicht. Nun folgt die Abfahrt, vor der der Veranstalter gewarnt hatte. Verschlimmert wird es durch die Regennässe. Die Fahrbahn ist ein Flickenteppich, mitunter geht es mit über 18% Gefälle hinunter. Die Gruppe fährt schneller als ich, sodass ich nach der Grenze Italien/ Slowenien wieder alleine bin. Ich verfahre mich mehrmals und muss zurück. Meine Garmin reagiert mit Streik. Der Bildschirm wird weiß, keine Karte ist hinterlegt. Wo bin ich? Wie finde ich nun nach Tarvisio? Es wird wieder sehr steil. Zu Fuß irre ich durch die Dunkelheit, meine Reaktionsfähigkeit ist auch nicht mehr die beste. Ich bin nun seit über 27 Stunden ohne Schlafen unterwegs und mag nicht mehr. Warum bin ich hier? Ich sollte wohl in naher Zukunft in „Sportpension“ gehen … Eine so alte Tante hat hier wohl nichts mehr zu suchen. Ich kann zwischen den Bäumen ein Licht erkennen. Eine Kirche.

Ich öffne die Strecke auf dem Smartphone. Ganz falsch bin ich wohl nicht. Und nicht mehr weit und ich bin da … die Kaserne in Tarvisio empfängt die Teilnehmer der Randonnée mit Essen, Schlafen und – Duschen. Gegen halb zwölf beziehe ich dann endlich mein Feldbett und nachdem ich mit meinen Ohrenstöpsel einen sinnlosen Kampf ausgefochten habe, falle ich auch ohne in einen tiefen Schlaf. Gefühlt nicht lange und die ersten beginnen mit Radschuhen rumzugehen, mit Plastiktüten zu rascheln und den Rest erledigen die lauten Schnarcher. Gabi ist wieder hellwach. Also raus aus dem Schlafsack, alles zusammengepackt, ich ziehe meine klammen Sachen wieder an, die nassen Socken duften unbeschreiblich, eine Kleinigkeit gefrühstückt und wieder raus in die Morgendämmerung.

Freitag: Tag 2
235 km/ 2200 m D+

Auf dem Programm stehen die 120 Kilometer nach Ljubljana und dasselbe wieder zurück. Es ist ungemütlich draußen, die Straßen nass. Die Radschuhe sind auch noch klitschnass. Die Strecke verläuft nun fast 50 Kilometer auf einem schönen Radweg ganz leicht bergauf. Finde ich gut, denn am Abend kann ich hier dann abwärts düsen. Ab Kranjska Gora bis Bled kenne ich die Strecke von meiner Northcape4000 vom Vorjahr. Wunderschöne Landschaften hier im Triglav-Nationalpark. Die Steigung geht schnell vorüber abgelenkt mit Quatschen mit Aurora und Maria Grazia, die ich an der Slowenischen Grenze wieder getroffen hatte. Und die lange Abfahrt durch das Tal des Flusses Radovna hatte mich schon letztes Jahr begeistert. Wir fahren um den Bleder See. Frühstückszeit. Es dauert etwas, bis wir eine geöffnete Bar gefunden haben und alle einverstanden mit der Wahl sind. Ich bestelle und zahle gleich, denn ich ahne, als Gruppe dauert alles etwas länger. Und wirklich, die anderen haben grad erst ihre Bestellung bekommen, da suche ich schon das Weite. Bis Ljubljana werde ich alleine durch die von Landwirtschaft geprägte Gegend radeln.

Und schon wieder eine aufgestellte Ebene, 15% zeigt mein GPS-Gerät. Ein Regenwurm ringelt sich mitten auf der fast trockenen Straße. Der Arme. Ich steige vom Rad. Mal eine verlorene Seele retten. Wieder aufs Rad steigen. Allerdings erweist sich die Steilheit der Straße nicht gerade als regenwurmrett-freundlich. Aufsteigen – unmöglich. Anlässlich beginnt es in meinem Kopf zu arbeiten. Warum ist mein Rad so schwer? Zuviel Gepäck!

Und in dem Moment schießt die Erkenntnis durch meine Gehirnwindungen. Was zum Teufel machen Biwaksack, Matte und Schlafsack an meinem Rad??? Den Schlafsack brauchte ich in Tarvisio und dann erst wieder am Abend zurück am selben Ort. Warum habe ich mein Gepäck nicht dort gelassen? Die Nachlässigkeit bei der Planung wird sich heute noch bitter rächen, denn solche Steigungen werden noch diverse folgen. Ich könnte mich selbst ohrfeigen. Warum habe ich eigentlich nicht mehr Equipment an die Kontrollstellen schicken lassen? Warum wollte ich alles selbst mitschleppen?


Das muss ich nun büßen. Es ist wolkenlos heute. Sogar die Schuhe trocknen. Auch heute gibt es einige Schotterpassagen. Ich hoffe auf pannenfreies Durchkommen. Ich erreiche nach endlosem Auf und Ab den Stadtrand von Ljubljana. Auf dem Track sehe ich die Kontrollstelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ich muss aber noch 7 Kilometer bis ins Zentrum fahren. Nicht gerade angenehm, denn durch einer Ampel nach der anderen ist es ein ständiges Stop and Go. Bürgersteigkanten hoch und runter ohne Ende. Eine Runde durch das Zentrum der Stadt, ein paar Bilder geknipst, wie einen der Bronzeungeheuer der Drachenbrücke. Nur zu Fuß komme ich über den Marktplatz. Betörende Düfte umwabbern mich. An den Ständen am Platz Pogačarjev trg in Ljubljana kann man jeden Freitag leckere Gerichte aus aller Welt probieren. Aber dazu habe ich heute leider keine Zeit. Bei der Kontrollstelle empfangen mich Elena und Paolo mit wunderbaren Tortellini mit Butter und Parmesan. Ich wasche Radhose und Trikot. Mein Rad wird kurzerhand in einen mobilen Wäscheständer verwandelt. Als ich weiter fahre, kommt gerade Maria Grazia zur Kontrolle, auch sie hatte die Gruppe verlassen. Die Hitze ist extrem, ich komme nicht weit und eine Eispause muss sein. In Kranj. Die Überlandfahrt und die mörderischen Steigungen überwinde ich mit Rechnen: Wie viele Kalorien verbrauche ich mit meinem „Übergewicht“? Wie viele Knoppers mehr darf ich essen? Apropos Knoppers: Die Schoko-Riegel sind echt lecker und waren in der ersten Nacht auch der ideale Tröster, aber jetzt am brüllend heißen Nachmittag drücke ich nur noch verschmierte Waffeln aus der Verpackung, die Schokolade hat sich verflüssigt und läuft mir über die sonnenverbrannten Waden runter. Igitt, das klebt. Die Kalorien nützen so rein gar nichts.


Ich schaffe es bis Bled. Dort Supermarkt-Stop mit Kefir, Cola und Salzmandeln. Nach der Stärkung fahre ich zurück auf die Strecke. Minuten später kommt mir eine Gruppe entgegen, eine Frau macht irgendwelche Handzeichen, die Unverständnis darstellen sollen. Hähhh? Wer war denn das? Aurora? Maria Grazia? Wieso fahren die Richtung Ljubljana? Ich folge weiter meiner blauen Line auf dem Gerät. Komisch, die Straßenkreuzung kommt mir bekannt vor, da war ich doch davor. Oder etwa nicht? Ich fahre zurück, dort geht es zum See hinunter oder etwa nicht? Falsch! Ich fahre im Kreis. Jetzt dämmert es mir. Bei der Ausfahrt aus dem Supermarkt hatte ich die falsche Richtung gewählt. Alles gut. Die anderen sind nun schon weg. Als ich um den See fahre, fängt es an zu schütten. Zum Glück hört es bald wieder auf. Nun das lange Tal des Radovna hinauf. Im Talgrund lauern die 150 Höhenmeter mit 18% Steigung. Ich hatte mir geschworen, dass ich die zu Fuß bewältigen werde. In der Ferne jedoch höre ich ein Donnergrollen und wie durch ein Wunder pedalieren meine Beine die Steigung hoch als wäre es flach. Ich fühle mich wie Asterix bei den Goten. Meine Beine drehen so schnell und sind von der Seite sicher als kreisförmige Scheibe sichtbar- wie beim flitzenden Asterix. Wäre die Situation nicht so ernst, müsste ich jetzt laut lachen. Richtung Kranjska Gora nieselt es leicht, dann die ersehnten 10 Kilometer Abfahrt nach Tarvisio. Nun sind auch meine Schuhe wieder nass – wie gehabt. Es dämmert nun stark, als ich die Kaserne erreiche. Wie am Tag zuvor Essen, Dusche, Feldbett.

Samstag: Tag 3
260 km/ 3800 m D+


Ich wache auch heute wieder ohne Wecker auf, bzw. die Wecker sind menschlicher Natur. Ärger. Aber egal, heute stehen Hammeretappen an. Wahrscheinlich schaffe ich es eh nur bis Niederdorf. Die detaillierte Planung hatte sich schon am Vortag verabschiedet, hatte ich doch vorgehabt noch bis Timau weiter zu fahren – an die 80 Kilometer. Die Frage hatte sich jedoch am Vorabend nicht mehr gestellt.

Das Grüppchen um Aurora und Maria Grazia hatten sich schon verabschiedet, ich war noch beim Packen. Überraschung bei der Abfahrt: Das Display meiner Garmin ist genau so bleich wie wahrscheinlich mein Gesicht im ersten Schreckmoment. Ich sehe nur weiß und mittendrauf in dunkelviolett meinen Track, dem ich folgen sollte. Mittendrauf das kleine Dreieck, nämlich ICH. Im ersten Kreisverkehr fahre ich bei der ersten Ausfahrt ab, falsch. Zurück. Versuch und Irrtum auch die nächsten beiden Versuche. Dann wohl doch zurück zu Nummer eins. Stimmt doch. Irgendwie lande ich dann richtig auf dem Radweg in Richtung Tolmezzo. Nach etwa einer Stunde Fahrt ist auch die Karte wieder da. Hat wohl verschlafen, hahahhaaa! Als es dämmert, welch Spektakel, kann man erkennen, wo der Radweg verläuft, nämlich auf einer alten Bahntrasse und durch ein enges schluchtartiges Tal. Gewaltig schön. Dann ist der Radweg auf einen Schlag zuende, mitten in den Büschen. Links geht ein grobsteiniger schmaler Weg ab. Ich fahre ein paar Hundert Meter zurück. Falsch. Also doch den steinigen Weg. Dieser mündet zum Glück bald in ein ungepflegtes schmales Asphaltsträßchen und dann irgendwann auf eine richtige Straße.

Das nächste Hindernis jedoch schon kurz danach: Die Brücke, über die der Track führt ist verbarrikadiert. Kein Durchkommen, Drüberheben oder Durchschlüpfen möglich. Wieder zurück und der Umleitung folgen. In den letzten Stunden war ich mutterseelenalleine unterwegs. Wo sind denn die anderen alle? Tolmezzo ist bald erreicht, mich dürstet nach einem Kaffee, aber es ist noch zu früh. Dann halt in den nächsten Anstieg ohne Frühstück. In einem der nächsten Dörfchen werde ich dann fündig, es gibt aber leider nichts zu essen. Der Latte Macchiato hat aber meine Lebensgeister erweckt und ein Blick auf die SeteTrack-Plattform zeigt mir, dass ich nicht alleine auf der Welt bin, einige Radkollegen sind nicht weit vor mir. Die gefürchtete Steigung nach Timau unterm Plöckenpass ist sehr angenehm zu fahren, Andrea schließt auf und wir quatschen etwas. Bald bin ich an der Kontrollstelle im ristorante da Otto. Endlich ein leckeres Frühstück. In endlosen Serpentinen steigt die Straße nun bis zur Passhöhe. Die Strecke angenehm und die Aussicht klasse, ABER: in beide Richtungen reiht sich ein Auto an das nächste. Vor allem deutsche Targen. Die Leute wählen wohl die Abkürzung über den Plöckenpass, um schnell nach Süden zu gelangen. Zum Glück bin ich schnell oben.

Rasante Abfahrt hinunter nach Kötschach. Zum Glück habe ich null Ahnung, was nun auf mich zukommt. Endlos windet sich die Straße durch das Lesachtal nach oben. Hitze. Dann wieder verliert man die gerade mühsam erkämpften Höhenmeter durch kurze steile Abfahrten. Supermarktstopp. Es gibt am Samstagmittag kein Brot mehr. Die Dame an der Theke belegt mir ein gefrorenes Brötchen. Kefir, Pfirsiche, Cola, das ganze Programm. Weiter. In Obertilliach große Überraschung:

Plötzlich steht Hermann vor mir auf seinem bepackten Rennrad. Er war am Morgen daheim gestartet, nun wollte er über den Plöckenpass und ein paar andere Pässe, um mich am nächsten Tag irgendwo einzusammeln. Ich mache eine Pause bei Eis und Apfelschorle, Mario leistet mir mit einem Eis Gesellschaft. Er fährt los. Ich mache mich noch etwas frisch, sprich, hinterlasse im Bad eine Pfütze beim Versuch mich von oben bis unten mit kaltem Wasser zu benetzen, eine Dusche wäre praktischer gewesen. Der Kartitscher Sattel ist bald erreicht. Abfahrt nach Sillian. Dann mühsame 30 Kilometer leichte Steigung im Gegenwind. Unterwegs großes Hallo, als mir Maria Grazia und ihre Begleiter entgegen kommen auf ihrem Weiter-Weg nach Cortina.

In Niederdorf bewirten uns die Jungs vom Sportverein in voller Frische, als hätten sie ihren Dienst gerade erst begonnen. Im Hintergrund motivierende Klänge von Metallica. Super! Nach einer belebenden Dusche und Waschtag für Hosen, Shirt usw. (die Socken vergaß ich leider – die stinken weiterhin fürchterlich vor sich hin …) futtere ich mich durch die gesamte Speisekarte: leckere Gemüsesuppe, Maccheroni, Tortellini, Joghurt, Äpfel. Aurora kommt an und beschließt hier etwas zu schlafen. Ich ziehe weiter. Das heißt zurück nach Toblach und dann Richtung Cortina. Unterwegs obligater Fotostopp mit Blick auf die Drei Zinnen. Cortina ist rasch erreicht, dann geht es abwärts nach Tai di Cadore. Unterwegs dämmert es und ich treffe auf Mario.

Gemeinsam fahren wir die letzten Kilometer und essen in der Kontrollstelle, der Locanda alla stazion eine leckere Kartoffelsuppe. Gemeinsam schlagen wir unser Biwak auf der Terrasse der geschlossenen benachbarten Bar auf. Um drei klingelt der Wecker. Packen angesagt. Ich finde meine Stempelkarte nicht mehr und suche noch endlos lange. Mario fährt inzwischen.

Sonntag: Tag 4
280 km/  2000 m D+

In der Dunkelheit folge ich nun der Radstrecke auf der alten Straße durch das Piave-Tal. Bei Longarone wird es langsam hell. Misstrauisch äuge ich hinauf zur Staumauer des Vajont. Aber keine Sorge, die Staumauer ist zwar noch vorhanden, der See ist aber nicht mehr aufgestaut. Bei der Katastrophe vom Vajont 1963 gab es einen Bergsturz in den Stausee.

Dieser verursachte eine große Flutwelle, die sich über die Mauerkrone in das enge Tal ergoss und das Städtchen Longarone und andere Dörfer vollständig zerstörte. Bei der Katastrophe starben etwa 2000 Menschen.

Ein schöner Radweg führt nun bis kurz vor Belluno, dann geht es weiter durch das Hinterland und über die Hügel. Krise. Null Motivation mehr. Irgendwann dann finde ich doch eine Bar und nach Brioche und Latte Macchiato geht es auch wieder leichter. Bei der nächsten Kontrolle in Feltre treffe ich auf ein paar wenige Radfahrer. Es gibt kaum noch was zu essen. Ich frage mich, wo alle anderen geblieben sind. Nun folgt eine sehr schöne Strecke rund um den Monte Grappa nach Bassano. Der Radweg durch das Val Brenta ist anfangs schön kühl. Kurz vor Bassano aber wendet sich das Blatt. Brütende Hitze wird mich den gesamten Tag begleiten.

Die Strecke windet sich in hunderttausenden Richtungsänderungen durch die Ebene. In Creazzo werde ich von einer Gruppe netter Alpini bewirtet. Als ich losfahre, holt mich Hermann ein. Es ist nun schon späterer Nachmittag, immer noch ist es mega-heiß. Ein Radfahrer im TransAlp Radtrikot kommt uns entgegen. Großes Hallo. Es ist Giancarlo. Er hat das Ziel schon mittags erreicht und war mir nun entgegengefahren. 40 Kilometer!

Vorgeschichte: Bei der Veneto Gravel Extreme 600 hatte Giancarlo Plakate aufgehängt mit motivierenden Aufschriften für Elena und die anderen Mädels. Für mich nicht. In meinem Bericht schrieb ich darüber und Giancarlo meldete sich, entschuldigte sich vielmals, er habe mich nicht gekannt und versprach das wieder gutzumachen … Und jetzt war er da. Ein paar Kilometer weiter das Plakat „Vai Gabi“ und noch weiter „Stop Gabi“ und Giancarlo lud uns zu einem superleckeren Eis ein. Danke schön, Giancarlo!!! Die noch fehlenden 40 Kilometer gingen dann ganz locker, obwohl alle von den Schrecken der vier steilen Steigungen erzählten, die man dort vor sich habe. Steigungen? Welche Steigungen? Das Eis hat ganze Arbeit geleistet. Inzwischen hatten sich am Himmel über den Hügeln dicke Wolken zusammengeballt. Im Regenschauer stelle ich mich kurz unter. Es ist nun nicht mehr so heiß und zum Glück fahren wir dem Gewitter davon. Es ist noch hell, als ich in Montorio ankomme. Leider haben die Masseure schon Feierabend. Aber es gibt noch was zu essen und dann sinke ich nach einer schönen Dusche auf Matte und Schlafsack in den wohlverdienten Schlaf.
Am nächsten Morgen bin ich allerdings froh nicht noch weiter fahren zu müssen. Schön war es! Aber manchmal frage ich mich schon: Warum tut sich frau das an?

Die TransAlp Rando war definitiv Spaß Stufe 1 & 2*
Danke an Simonetta und Giorgio von Sport Verona für das Erlebnis. Und vielen Dank auch an die vielen freiwilligen Helfer, ohne die ein solches Event nicht möglich ist.


*Zur Erklärung
Spaß Stufe 1: Man unternimmt etwas und hat zu jederzeit Spaß dabei
Spaß Stufe 2: Man unternimmt etwas, unterwegs hat man nicht nur Spaß dabei, aber rückblickend war es Spaß.
Spaß Stufe 3: Das Unternehmen macht in keinem Moment Spaß und so sieht man es auch rückblickend

Mein 6-Minuten-Video:

Überlebenstraining Chiemsee-Rundfahrt

Zuerst das Video …

6:30 in Isarnähe in München bei Latte Macchiato, Brezel, Vollkorn-Schnitten, Marmelade, Kuchen, Käse, Wurst, Hummus und das in interessanter Umgebung, im 3MILLS Cycling & Coffee, im „Radladen“ mit Verkauf, Service und Verleih für Renn-, Gravel- und Crossräder und eben auch Café. Ein toller Ort, die Startunterlagen für die Chiemsee-Rundfahrt zu holen und Randonneure zu treffen. Ein Hallo mit Jörg und Igor von der ARA MUC, die das Brevet organisieren. Ein großes Hallo mit Sara, die ich von der Schottergaudi kenne und die ich im vergangenen Jahr mit meinem Northcape4000-Fieber anstecken konnte und die deshalb auch unter den wenigen Frauen war, die die 4700 Kilometer vom Gardasee zum Nordkap radelten. Ich treffe Horst, der aber bei der Pfaffenwinkel-Runde mitfährt, die auch heute startet, da war ich aber schon mal dabei vor Covid und auch bei der 600 Kilometer langen Voralpen-Rundfahrt, beides sehr schöne Veranstaltungen. Fast vergesse ich beim Frühstück, Schlemmen und Quatschen ist angesagt, vergessen, dass 300 Kilometer vor mir liegen.

mit Sara

In einer großen Runde soll es von hier bis zum Chiemsee und zurück gehen.

Start und Ziel ist der Röcklplatz, von hier ist das Isarufer und über diesen ist der Stadtrand von München bald erreicht. Die Randonnée führt über Radwege und Nebensträßchen verkehrsarm durch ländliche Gegend. Nette Dörfer werden durchfahren oder tangiert und sonst viele Wälder, Felder und Wiesen.

Irgendwie bin ich dann auch in Gedanken noch nicht ganz da – beim Radfahren, als ich um 8 Uhr zwei Ecken weiter beim Röcklplatz starten soll. Ich hantiere noch mit der digitalen Brevetkarte, um meine Position zu bestätigen und ein Foto hochzuladen, das sind sie schon weg … fast alle.

Die Ausgabe 2022 ist geprägt durch viel Regen. Das nagt an der Moral. Meine Gedanken nach etwa 50 Kilometern, die mir gefühlsmäßig schleppend langsam vergehen, sind genau so düster wie die dunklen Regenwolken über mir, die mal mehr mal weniger Wasser über mich ausschütten. Inzwischen bin ich bis auf die Haut nass. Werde ich durchhalten? Anfangs ist es noch kurzweilig, ein Schwätzchen mit Andreas K., dann holen wir eine Radgruppe vor uns ein. Das Wasser spritzt mir ins Gesicht. Wir plaudern grad über die Banane als praktisch verpackten Snack auf einer Radfahrt, eine Radlerin hat nämlich drei Stück hinten irgendwo festgemacht, da kommt Bewegung in den Radfahrer vor mir. Dieser macht ein scharfes Ausweichmanöver. Zu spät für mich. Ich fahre voll drüber über das Hindernis, es holpert, mein Bike wirft mich zum Glück nicht ab. Was war das? Ein Blick zurück. Hahahhaaaa, oje, das war der Snack, über den wir grad noch diskutiert hatten. Nun halt wahrscheinlich nur noch Bananenbrei … ist vielleicht eh leichter verdaulich …

Regen, Regen, es liegen noch 250 Kilometer vor uns. Wieder eine größere Gruppe, auch Ulrich, mein Gastgeber in München, ist dabei. Ich überhole, denn hinten am Rad von irgendwem kleben ist eine nasse Angelegenheit durch das Spritzwasser. Nur weniger sind mit Kotflügeln ausgerüstet. Dann zig Kilometer allein. Irgendwie scheinen keine Teilnehmer mehr um mich rum. Sind die vielleicht alle vernünftiger gewesen und ausgestiegen? Von Zweifel geplagt ziehe ich weiter. Irgendwann sind die 100 Kilometer voll. Vor mir eine Umleitung, auch das noch. Ein Unfall. Hoffentlich ist kein Radfahrer verwickelt. Auf Umwegen finde ich zusammen mit Wolfgang, der gerade aufgeschlossen ist, wieder auf die Strecke. Dort bin ich aber sofort wieder allein. Bin ich so langsam? Naja, Wolfgang hat nicht so viel Ballast. Sehr minimalistisch und das bei diesem Wetter: Rad, Hose, Trikot, Jacke, 3 Flaschen und das war’s schon. Ich werde ihn noch öfters treffen heute. Er ist zwar viel schneller als ich, aber er verfährt sich öfters. 😊
Etwas Abwechslung von Wiesen und Feldern und Wäldern bietet das Städtchen Wasserburg, dessen Altstadtkern sehr malerisch in einer Inn-Schlinge liegt. Meine Garmin glaub ich ist auch irritiert von dem Hin und Her durch die Stadt und so verfahre ich mich gleich dreimal, bis ich eine Ansammlung von Rennrädern vor einer Bäckerei entdecke. Die sind sicher auf demselben Weg wie ich, wer schwingt sich denn an so einem Tag sonst aufs Rennrad? Wasser auffüllen, aufs Klo, ein kleiner Plausch, ein leckeres süßes Teilchen erstanden und schon geht es weiter. Noch ein Erinnerungsfoto von der Innbrücke mit der Wasserburger Skyline schießen, dann einhändig fahren und Gebäck essen, versuchen Gleichgewicht zu behalten, denn es geht nun langsamer, denn bergauf.

Irgendwann bin ich am Chiemsee, hier ist Halb-Weg. Hilfe, erst die Hälfte … das bedeutet nochmal mindestens 6 Stunden. Und wenn ich Pech habe – im Regen. Die Kontrollstelle Strandbad – trostlos – im Regen und geschlossen. Die paar Minuten, die ich stillstehe mit dem Händeln der Online App zum Erfassen meiner Position, reichen schon, dass ich anfange zu zittern durchnässt, wie ich bin.

Der Gedanken noch viele Stunden so durchnässt und durchfroren auf dem Rad zu sitzen lässt wieder Zweifel aufkommen. Was wäre, wenn ich mit einer Panne länger stillstehen müsste? Wenn mir jetzt schon so kalt ist? Wo ist denn bitte der nächste Bahnhof? Ich könnte doch … Nix da, Gabi! Weiterfahren! Gedacht, getan und siehe da, nach einigen Kilometern wird es mir wieder einigermaßen warm. Besonders in den ganz schön giftigen Steigungen, die jetzt in unregelmäßigen Abständen immer wieder im Weg liegen. Auch die Hände in den klatschnassen Handschuhen sind keine Eiszapfen mehr. Auch bei der nächsten Kontrollstelle, an einer Tankstelle, ist wieder ein willkommene Grund eine kleine Pause einzulegen: Brezel und Latte Macchiato (mit 2x Zucker logo). 

An Rosenheim geht es nun vorbei. Der Blick auf die Berghänge ist eingeschränkt durch Nebel.

Ich freue mich auf die Kontrollstelle in Holzkirchen, bei McDonald’s. Ist zwar nicht grad mein Lieblingslokal, aber ich beschließe mich drinnen etwas aufzuwärmen. Auf dem Parkplatz eingebogen eine La-Ola-Welle durchgeführt von – zwei – Leuten. Hä? Wer kennt mich denn da? Überrascht schaue ich zurück. Aha, die gilt gar nicht mir, hinter mir biegt Wolfgang in den Parkplatz ein. War er sich wohl schon wieder verfahren. Ich wärme mich bei einer riesigen Tasse heißer Schokolade und einem zuckersüßen Donut auf, dann fahre ich langsam in die Dämmerung hinein.

Bis München ist es nun nicht mehr weit, es geht durch ausgedehnte stockfinstere Forste.  Wäre es zu noch späterer Stunde, vielleicht wäre es eine sekundenschlafverdächtige Fahrt, da das Sträßchen schnurgerade ohne viel Ablenkung durch den Wald geht. Oder … sind das nicht gerade diese Gegenden, die die Gänsehaut auslöste bei der Sendung XY, deren ich in meiner Jugendzeit keine versäumt hatte? Oder … gibt es in diesen Wäldern vielleicht Wölfe? Was, wenn … Schluss mit den Gedanken, da vorn lichtet es sich irgendwie und schon bin ich raus aus dem Gruselwald. Noch zweimal verfahren und dann ist auch schon die Strecke auf meiner Garmin beendet. Hmmhmmm … wo ist denn jetzt das 3Mills? Ich blicke mit ratlos um und will schon Dr. Google auf dem Smartphone befragen, der doch alles weiß … Da erblicke ich hinter Hecken ein beleuchtetes Schaufenster. Endlich da!!! Das war heute wohl Überlebenstraining für die GBDuro (Gravel-England-Schottland-Längsdurchquerung) im August.

Hermann on tour – ITALY DIVIDE

Hermann: Live tracker

italiano

Wieder mal ohne Frau unterwegs … diese sitzt neidisch zuhause …
Vor Hermann stehen spannende Tage beim Bike Adventure ITALY DIVIDE.
Die außerordentliche Belastungsprobe startet am 23.April in Pompei, Ziel ist nach 1250 Kilometern und 22.000 Höhenmetern Arco am Gardasee – dazwischen pures Abenteuer!!!

Laut Veranstalter ist Italy Divide das wohl außergewöhnlichste Bikepacking-Event der Welt. Die Teilnehmer sind auf schnellen, hügeligen Schotterstraßen unterwegs, folgen der Via Francigena, der Eurovelo 7 und überwinden auf teils sehr technischen MTB-Trails die Via degli Dei, die Lessinia-Berge und schließlich den Monte Baldo, gespickt mit einer reichhaltigen Mischung aus Geschichte entlang des Weges. Das war Hermanns Italy Divide …


Der Tag davor …
Spannende Anreise. Zugstreik. Umdenken. Flug Innsbruck-Wien-Neapel. Rad im Radkarton. Auseinandergelegt. Aber Hermann ist Tüftler, der schafft das schon, sein Bike wieder fahrtauglich zu bekommen. Ich, Gabi, wäre da ein bisschen „kesslun“ wie man auf Südtirolerisch so schön sagt, übersetzt auf gut Deutsch bedeutet das soviel wie „ratlos“.
Nach Rad-Zusammenbau folgt endloses Schlange-Stehen um die Startunterlagen und den Spot-Tracker. Genau, da komme ich auch schon auf den Punkt: Hermann ist in Echtzeit nachverfolgbar und zwar hier .
Wer sonstige Eindrücke miterleben möchte auf Hermanns in etwa eine Woche dauernden Rad-Wanderung (zum Teil ist das wohl auch wörtlich zu nehmen), der schaue immer mal wieder hier rein.

Tag 1 – 23. April 22 – 160 km/ 1600 Hm

Noch 4 Stunden bis zum Start. Die Socken sind daheim. Dafür fährt ein Stück Gabi im Gepäck mit – Radsocken Größe 39 … 😊
Batterien in den Tracker einlegen. Ohne das geeignete Werkzeug nicht leicht und wer hat schon einen minikleinen Schraubenzieher mit? Taschenmesser? Tiefer Schnitt am Daumen fährt mit …
Der Start verzögert sich etwas, gegen 12:30 geht es los. Nun schlängelt sich das ganze Feld den Vesuv hoch. Fußmarsch angesagt … kilometerweit über Sand-Asche-Piste schieben. Und mittendrin *HL …

Der Abend kommt schneller als gedacht. Nach 150km in Formia nahe Gaeta gibt es ein Hotel, dann nichts mehr, das man noch zu später oder besser gesagt zu früher (Morgen-)Stunde noch beziehen kann. Um 22:00 ist deshalb für heute Zapfenstreich, dafür dann früh raus aus den Federn.

Tag 2 -24. April 22 – 245 km/ 2500 Hm

Start kurz nach 2 Uhr. Nach grad mal dreieinhalb Stunden Schlaf. Die ersten 50 km sind gut zum Einrollen. Dann wird es ernst. Hinauf auf den Monte Circello ist wieder mal Schieben angesagt. Lange. 4 Kilometer. Dann Abfahrt. Und es passiert. Die erste (und hoffentlich einzige) Panne. Ein Schnitt an der Seite des Reifens. Was nun? Hermann versucht den Schaden zu reparieren. Ob das wohl hält?

Bis jetzt ging es an der Küste entlang. Recht schnell kommt man aber nicht voran – Gravel … Auf der Höhe von Latina biegt die Strecke ab ins Landesinnere.

Es geht etwas langsam, schreibt Hermann, viele steile Passagen und viel Schlamm.
Und der Weg nicht immer leicht zu finden … „I glab, i bin folsch. Wieder aui trogn“. Oje …
Durch Rom durch, Menschenmengen.
Unterkunft? Nichts, nichts, nichts … alles, aber auch alles ausgebucht. Ein Motel bald nach Rom hat noch ein Zimmer. Es liegt allerdings 7 km abseits der Strecke und hat auch noch ein paar Höhenmeter im Aufstieg.

Der Tracker zeigt Hermann lange auf derselben Stelle, ich mache mir langsam Sorgen. Über eine Stunde ist er nun schon unterwegs für die grade mal 7 Kilometer Zubringer zum Hotel. Oje! Dann die erlösende Nachricht: „Habe gerade eingecheckt.“ Es ist nun 22 Uhr. Und – er ist nicht der einzige der Teilnehmer im Motel …

Hermann berichtet rasch, denn Bettruhe ist jetzt wichtiger. „Die letzten Kilometer waren ziemlich hart. Die Komoot-Route war spannend. Fussweg, Bach durchwaten, viele Herdenschutzhunde, z. T.  auch freilaufend. Muss mir für die Rückfahrt zur Strecke eine andere Route überlegen.“

Muss schauen, dass ich meine Sachen noch trocken bekomme. Bin kaputt … Heute über zwei Stunden im Regen gefahren, im Matsch!“

Tag 3 – 25. April 22 – 175 km/ 2000 Hm

„Ich hab den Wecker auf 4.30 gestellt. Bin 1 Stunde  früher aufgewacht. Dann aufgestanden und habe alles zusammengepackt und das Rad gepflegt, alles verdreckt, Antrieb mal geschmiert, …  Um 4.45 gestartet. Das Rad ist sehr schwer.“

Zurück bin ich ein Stück auf einer Schnellstraße. Kein Verkehr. Nur ein einsames Wildschwein ist vor mir über die Straße gelaufen. Hat mich aber nicht als Seinesgleichen erkannt, so wie ich im Moment ausschaue. Hahhahaaa!“

Heute geht es gut. Habe schön gefrühstückt unterwegs. Aber es geht verhältnismäßig langsam voran. Die Wege sind schön, teils wunderbare Singletrails, aber schwer zu fahren, alles ist nass, matschig.“

Es rollt, allerdings ab und zu eingebremst … Bei Montefiascone 4 km grobes Pflaster, ein Kilometer davon wieder mal Schiebestrecke.

Schöne mittelalterliche Städte an der Strecke. Ein Juvel Civita di Bagnoregio.
Nun taucht er in die wunderschöne Toskana ein. Heute etwas früher Abendpause, zwar etwas abseits der Strecke in Acquapendente, aber dafür ist noch ein Abendessen in der angeschlossenen Pizzeria drin.

Der Haken daran nur, dass es keinen Platz für das Rad gibt. Erst, wenn alle Gäste die Pizzeria verlassen haben, kann das MTB in den Flur gestellt werden. Das Lokal war voll …

Tag 4 – 26. April 22 – 185 km/ unzählige Hm

Vor 5 geht es wieder los. Es geht nun vorbei an vielen Orten in der Toskana, die wir von der 1001 Miglia und von unseren Aufenthalten in Bagno Vignoni kennnen. Hoffentlich kann es Hermann etwas genießen …

Das Wetter hält heute. Die Strecke birgt immer wieder Überraschungen, sehr oft gibt es kurze sehr steile Anstiege, auf den Abfahrten kann man es leider auch nur selten richtig schnell rollen lassen. So kommen heute auch nur annähernd 200 Kilometer auf den Tacho. Unterwegs heute viele Natur- und Kulturschönheiten der Toskana: Radicofani, Campiglia d’Orcia, Castiglione d’Orcia, Bagno Vignoni, San Quirico d’Orcia, Castelnuovo Beradenga. Unterwegs trifft Hermann Elena G. und Andrea S., diese sind nicht so ganz frisch heute, da sie mangels Unterkunft in Radicofani nur eingewickelt in Rettungsfolie übernachtet hatten. Auf seiner Fahrt wird Hermann von Tiziano D. abgefangen. Dieser war 2021 auch bei der Northcape4000 dabei, wir haben uns am Ende der Welt, in Honningsvåg, getroffen. Nachtruhe gibt es heute in Radda in Chianti.

Tag 5 – 27. April 22 – 140 km/ ?Hm

„Heute schon üble Schlammschlacht gehabt. 5km schieben. Die letzten Tage hat es geregnet. Heute Wetter ok, aber das Weiterkommen sehr mühsam. Geschwindigkeit nicht mehr wie 2-3km/h …“

Start heute 3:30 in der Früh … Heute großen Teil der Via degli Dei gefahren. Viel schieben. Aber schön. Insgesamt kommt doch ein Schnitt von 8km/h zusammen. Neben einigen Radfahrern sieht man viele Rehe, auch Wildschweine hat er bereits drei gesehen. Es geht weiter durch die schöne Toskana, an Florenz vorbei und dann geht es wieder in die Berge. Der Abschnitt Florenz-Bologna steht als „Schreckgespenst“ vor Hermann. Er beschließt nicht in die Nacht hineinzufahren, sondern kurz nach dem Passo della Futa, vor dem Passo Passeggere in der gleichnamigen Agritur eine verfrühte Nachtpause einzulegen. Um halb neun sitzt er schon bei einem leckerne Abendessen. Gab es gestern ein Glas Chianti, heute ist es der San Giovese. Essen dauert etwas. Dafür gönnte er sich heute zwei Gänge.

Tag 6 – 28. April 22 – 285 km/ ?Hm

Vom Passo Passeggero sollte es abwärts rollen bis Bologna. Allerdings ist das nur tendenziell so, denn Abfahrten werden immer wieder unterbrochen von giftigen Anstiegen. Die Po-Ebene dann ziemlich flach, aber die Gravelabschnitte bremsen ein. Vor Mantua dann der Schock: 40 Kilometer Umweg wegen einer fehlenden Brücke. In Verona dann nächtlicher Stopp. Gabi sieht ihren Hermann bis 11:30 immer noch an der Arena von Verona stehen. Langsam sorgt sie sich …

Später die Entwarnung. Batterien leer und der gute Mann hat nicht auf WhatsApp geschaut, dass seine Gattin vor dem PC wartet.

Morgen stehen noch zwei Berge an mit insgesamt über 5000 Höhenmetern. Das Ziel in Torbole ist in greifbarer Nähe …

Tag 7 – 29. April 22 – 125 km/ ?Hm

„Gestern war in der Arena Rockkonzert. Der ganze Platz davor war mit Menschen voll. Ich habe Rad geschoben“. Da erklärt sich alles. Hermann war beim Rockkonzert, während die Frau auf ein Lebenszeichen gewartet hat … Hahhahaaa!

Heute Zielankunft??? „Heute ohne Proviant los. Habe noch 1 Gel.😱 Bis in die nächste Ortschaft werde ich es wohl schaffen.“

Von Verona geht es über die Lessinia. Abfahrt ins Etschtal und dann auf der anderen Seite Richtung Altissimo wieder hoch.

Kurzweiliger Anstieg mit einem Slowaken. Dann Überraschung, kurz nach dem Stausee kommt mir eine Radfahrerin entgegen. Gabi, meine Göttergattin. Bis zum Corno della Paura ist es wieder unterhaltsam. Durch die Felswände des Corno ist es ziemlich luftig, man sollte schwindelfrei sein, denn ins Etschtal runter geht es weit und der Abgrund ist nah, ein Fahrfehler auf dem gerölligen Boden und deine Italy Divide ist hier beendet …

Katrien treffen wir immer wieder. Die junge Frau aus Belgien ist alleine unterwegs und Hermann ist ihr immer wieder begegnet. Taffe Frau!

Gegen 18:30 Uhr biegen wir nach rasanter Abfahrt von Brentonico um eine Kurve und da liegt er: der Gardasse. Wunderbar in der Abendstimmung. Noch ein Kilometer und Hermanns lange Reise ist zuende und ich habe meinen Mann heil wieder.

Obligatorisches Foto auf dem grünen Brokat-Italy-Divide-Thron …

Nächstes Jahr wird die Italy Divide vermutlich in umgekehrter Richtung gefahren. Darf dann ich? Hermann sagt allerdings: „Das ist ein sehr hartes Brett …!“ Nichts für mich?






Verona Garda Gravel Extreme 600

Resoconto in italiano

Zuerst der Kurzfilm (1,5 Min.) & Film in voller Länge (6 Min.)
Bericht auf Deutsch – Bitte nach unten scrollen!
Video des Veranstalters – siehe unten!

Mitternacht ist längst vorbei. Tiefschwarzer Wald. Strada bianca. Die 20%-Steigung hatte mich schon vor Minuten aus dem Sattel geworfen. Schuld auch die Müdigkeit, die meine Konzentration auf ein Minimum schrumpfen lässt. Stockfinstere Nacht. Nur das Frontlicht meines Rades geistert vor mir durch die Dunkelheit. Plötzlich löst sich in der linken Ecke meines Blickfeldes etwas Großes Grau-Braunes. Lautlos segelt es knapp vor mir durch die Luft und ist schon wieder verschwunden. In Sekundenschnelle bin ich hellwach. Was war denn das? Ein Vampir? Den lassen wir im Land der Träume. Was fliegt denn nachts? Uhu, Eule, Käutzchen. Wie war ich nur wieder in eine solche Situation gekommen?

Genau vor einem Jahr waren wir, Hermann und ich, bei der Verona Gravel 200 und waren begeistert von dem Naturparcours im Hinterland des Gardasees. Mit Erfurcht schauten wir damals auf die paar Starter, die die 460 km in Angriff genommen hatte, unvorstellbar!

Day 1 – Motto: Wasser & Hügel

Und nun stehen wir um 6 Uhr am Morgen selbst am Start in Peschiera vor dem Bikeshop Garda Gravel: Verona Garda Gravel Extreme 600!!!  Vor uns 600 Kilometer, viel extremes Gelände, wenig Asphalt, aber dafür auch wenig Verkehr.

Nur etwa 25 sind die Wagemutigen, darunter 5 Frauen, Claudia, Nadia, Valentina, Elena und ich. Am Ende sollten es etwas mehr als die Hälfte ins Ziel geschafft haben, darunter alle 5 Frauen!!!

Einige Teilnehmer dürfen „Whip live“ testen, eine Smartphone-App, um im Notfall getrackt werden zu können. Oh, oh … es wird wohl wirklich extrem … Irgendwie schaffe ich es nicht, mich einzuloggen, Hermann wohl auch nicht …

Flott geht es nun Richtung Verona mit minimal Höhenmetern. Dort werden wir laut meiner Rechnung wohl recht bald vorbeikommen, anschließend folgen nämlich 60 Kilometer Ebene. Flott? Denkste … schon auf den ersten Kilometern erkenne ich, warum das Ding „extreme“ heißt. Nix mit flott dahinrollbaren Passagen. Immer wieder knifflige Abschnitte, die die Durchschnittsgeschwindigkeit rasch sinken lassen. Das kann ja lustig werden. Ich glaube jetzt schon zu verstehen, warum das Zeitfenster von Donnerstag bis Sonntagnacht angesetzt ist. Da sind wir bei der Planung der Etappen wohl etwas zu blauäugig gewesen, wenn wir meinten, bis Samstagabend sei das Ding zu rocken. Au Backe, was ist mit unseren vorgebuchten Unterkünften? Werde wir es bis dahin schaffen? Die Biwaksachen haben wir zuhause gelassen, da die Nächte noch zu kalt sind und wir uns meist in größeren Höhen aufhalten. Eine gewisse Unruhe schleicht sich bei mir ein …

Wasser. Das erreichen wir nach den ersten Hügeln. Bei Pescantina geht es ans Etschufer. Fein der Bifis-Kanal … Schon wieder „denkste!“, denn nach kurzen Radweg-Intermezzo geht es ins Gelände und zwar wirklich. Der Weg am Fluss entlang ist schmal und unregelmäßig. Meine Vorderreifen bohren sich immer wieder in tiefen Sand. Und da ist es auch schon passiert: Der erste Sturz.  Mein Bike bleibt abrupt stehen, beide Schuhe sind in den Klickpedalen gefangen und in Zeitlupe kippe ich seitwärts. Ich schlage auf irgendwas Hartem auf. Mein Oberschenkel schmerzt höllisch. Das wird wohl den ersten blauen Fleck geben. Notdürftig schüttle ich den Sand ab und versuche die anderen wieder einzuholen. Die sind auch nicht viel schneller als ich. Nach unzähligen sehr idyllischen Kilometern verlassen wir das Etsch-Ufer. Hermann bleibt plötzlich stehen. „Mein Handy ist weg!“ Oh, weh! Ich will langsam vorausfahren, Hermann dreht um, um sein Phone zu suchen. Nach wenigen Metern nagt das schlechte Gewissen. Ich kann doch meinen Radpartner nicht alleine zurück fahren lassen und vier Augen sehen mehr als zwei. Zwei Kilometer in Schritt-Tempo zurück. Vom Handy keine Spur. Vom Gerüttel wird es wohl auch kaum mitten auf dem Weg liegen, sondern vielleicht rechts oder links in die Büsche katapultiert. Ratlos gehe ich wieder zurück. Von Hermann keine Spur. Er wird am Ende fünf Kilometer zurück gefahren sein, ich hoffe nicht die 30 Km zum Start zurück… Ich habe eine Erleuchtung. Whip live!! Was, wenn Hermann doch auf der Karte gelistet ist? Mit zitternden Fingern gehe ich auf die App, öffne Verona Gravel und gebe seinen Namen ein. Mein Herz macht einen Sprung. Da ist ein Punkt mit seinem Namen. Schnell will ich ihn anrufen, dass er wieder zurückkommt. Ich Dumme, er hat ja kein Handy … Nach etwas Rumprobieren gelingt es mir meinen Standort einzublenden. Ich befinde mich nicht weit entfernt. Langsam bewege ich mich auch den Hermann-Punkt zu, bis wir auf gleicher Höhe sind. Ich suche Zentimeter für Zentimeter. Kein Smartphone. Auch mein Versuch, das Phone anzurufen – Fehlanzeige, es wird wohl auf lautlos gestellt sein. Auf der einen Seite geht es hinter den Brombeerstauden senkrecht ein paar Meter zum Ufer hinunter, überall trockenes Laub. Urs fährt vorbei, dann Claudia. Irgendwann schließt auch Hermann wieder auf. Zu zwei suchen wir, verzweifelt ziehe ich schon in Betracht in die Dornenbüsche zu steigen. Da! Hermann: „Ich habe es!!!“ Erleichtert nehmen wir die Fahrt wieder auf. Wir sind nun die Allerletzten. Und für die verlorene Dreiviertel-Stunde werden wir wohl auf eine gemütliche „Essenspause“ verzichten müssen. Meine Gedanken fliegen zum gebuchten Bett in Cornedo Vicentino. Das scheint in unerreichbarer Ferne. Aber werden wir sonst noch einen Schlafplatz finden?

Vor Verona steht plötzlich der Veranstalter Giorgio (Musseu) an der Strecke und begleitet uns ein Stück. Er macht den Vorschlag, den nächsten Hügel abzukürzen, um wieder Anschluss an die anderen zu bekommen. Wie kann er nur!! Auf keinen Fall!!! Das geht aber so was gegen unser Ehrempfinden. Es geht nun steil hoch, knapp noch fahrbar. Steine säumen den Weg. Ich quatsche mit Musseu und da ist es schon passiert: Mein Vorderrad rutsch ab, das Rad stellt sich quer und ich kippe mal wieder nach rechts. Wie gehabt – das Klickpedal löst nicht aus. Ich lande auf meinem Allerwertesten. Blauer Fleck Nummer zwei. Wie peinlich.

Musseu verlässt uns. Weiter geht es nach Verona und irgendwie auf Schleichwegen durch die Stadt. Vorbei an geschichtsträchtigen Orten. Bei der Arena von Verona fängt uns Musseu wieder ab und begleitet uns einige Kilometer. Claudia sei nur ein paar Minuten vor uns. Der Abstand wird wieder größer, da wir auf dem Schotter-Etsch-Radweg erst mal die mitgebrachten Brote essen. Nun liegen 60 Kilometer Ebene vor uns. Für mich und meine Beine scheint das eine Horror-Vision. Ebene … immer dieselben Muskeln beansprucht. Viel lieber fahre ich etwas kupiert. Wo es hochgeht, geht es auch wieder runter. Aber bis hierhin habe ich erkannt, Steigungen tun bei der V.G.G.E. meist höllisch weh.  

Ich ziehe in Betracht, die langweilige Passage mit meinem Hörbuch zu versüßen, aber um die Kopfhörer rauszuziehen, müsste ich wieder anhalten, das ist nicht drin, soll noch eine kleine Hoffnung bestehen, den Schlafplatz noch in der Nacht zu erreichen. So vertreibe ich mir die nächste Zeit mit Berechnungen dieses Problem betreffend. Eine ganze Stunde vergeht so mit einer einfachsten Addition. Sagenhaft, wie Radfahren den Kopf von allem befreit. Nahezu Leere! Bei Kilometer 130 sollte es in die „Berge“ gehen, durch die Colli Berici. Und zwar fünf Erhebungen in Folge. Dann sollte die längste Steigung an diesem Tag folgen, zum höchsten Punkt Cima die Monte Malo. Die Gesamtanstiege auf die „Hügel“ sollten zwar mit maximal 400 Metern nicht so ernst sein, aber auch das wieder ein Fall von „Denkste!“

Irgendwann ist die mir verhasste Ebene abgehakt. Einen Supermarkt-Stopp erlauben wir uns noch, um unseren Proviant wieder zu ergänzen: Kefir-Cola-Tramezzini- Ricciarelli, Mandelkekse mit weichem Kern, picksüß, aber himmlisch lecker. Auch unsere Wasserreserven müssen aufgefüllt werden, wer weiß, wann es wieder was gibt.

Nun nehmen wir den ersten Hügel in Angriff. Sofort wird mir klar, dass „nur“ 200 Höhenmeter sich anfühlen können wie 1000 … Steigungen mit an die 20% im Gelände schmeißen mich aus dem Sattel, bevor der Muskel-Schmerz in den Oberschenkeln ankommen konnte. Ich beginne stark zu zweifeln, ob meine Übersetzung 34/34 ideal für solche Vorhaben ist. Dann auch noch ein „Verhauer“. Auf die paar Höhenmeter mehr kommt es nun auch nicht mehr an.

Auf den ersten Hügel folgt der zweite, dann der dritte. Unendliche Male runter vom Rad, rauf auf den Sattel, nach ein paar Metern wieder runter. Beim Aufsteigen das rechte Bein über Packtasche und Sattel wuchten, runter den umgekehrten Weg. Hunderte Male. Wie wird sich das wohl auf meine Statur auswirken. Ich kichere vor mich hin, obwohl mir das Lachen längst vergangen ist. Aber zu komisch der Gedanken, dass die Muskeln der rechten Pobacke wohl unverhältnismäßig gestärkt werden. Kann ich mich in Zukunft noch in die Sauna trauen? Wie erkläre ich die dicke rechte Pobacke?

Die Gegend ist aber traumhaft schön. Viele Weinberge und Olivenhaine, ähnlich wie in der Toskana. Einige Male hängen am Wegesrand mitten in der Pampa Plakate mit ALÉ CLAUDIA, VAI NADIA, FORZA ELENA! Sehr motivierend, ich wurde wohl vergessen. Vorschau: Giancarlo P. wird sich anschließend bei mir melden, er wusste von mir nicht … Und beim nächsten Mal wird er auch „Tifo“ für mich sein.

Die Sonne ist am Untergehen. Die Colli Berici werfen einen Schatten auf die anschließende Ebene. Bei einer gefühlt fast senkrechten Zu-Fuß-Passage schließt Claudia auf. Nanu? Wir dachten, alle seien schon weit weg. Noch ein kleiner Hügel. Am Lago di Fimon legen wir spontan an einem Kiosk am See eine kleine Stärkungs-Pause ein. Wir haben Glück, denn der Kiosk hat eigentlich gerade geschlossen. Toast und Cola kommt gerade recht. Es dämmert nun stark. Claudia entschließt sich den nächsten Hügel noch zu meistern und dann einen Schlafplatz zu suchen. Wir hingegen müssen noch über den großen Berg. Allzu gern würde ich jetzt nicht noch 800 Höhenmeter überwinden müssen. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr, wir hatten im Vorfeld entschieden. Auf jeden Fall gilt die Option gegen 22 Uhr schlafen zu gehen für uns nicht. Ein Anruf beim Hotel.

Begeistert ist der Mitarbeiter Carlo nicht, aber er erklärt sich bereit, auf uns zu warten. Tausend Dank nochmal! Gefühlsmäßig besteige ich den gesamten Berg zu Fuß, enorme Steigungen sei Dank! Im Halbschlaf wankte ich also bergan und wurde unsanft vom vorbeischwebenden Uhu geweckt. Irgendwann war der höchste Punkt „Cima“ erreicht. Nur noch 10 Kilometer Abfahrt und trudelten 10 nach Eins im Hotel „Due Platani“ ein. Die heiße Dusche war das höchste der Gefühle.

Day 2  – Motto: noch mehr Hügel – heiß & bitterkalt

Am Freitag-Morgen nach einem super Frühstück stiegen wir wieder in die Pedale. Ein Blick auf die App Whip -einige Teilnehmer waren nun hinter uns. Wie froh war ich jetzt, 243 Kilometer, 4000 Höhenmeter und DEN Berg schon hinter uns zu haben. Heute liegen zwar nur 168 Kilometer vor uns, aber wieder über 4000 Höhenmeter und wer weiß, welche Teufeleien sich Musseu wieder ausgedacht hatte. Ich bin mir gar nicht so sicher, ob San Ambrogio so leicht erreichbar sein wird vor der nächsten Nacht. Ich sollte mich nicht irren. Wunderschön durch die Lessinia zu fahren. Aber auch heute wie gehabt. Unzählige Male Fußmarsch. Unzählige blaue Flecken später, ich eiere durch die Gegend in mich hineinlachend wie mein nächster Saunabesuch wohl sein wird: „Nein, ich habe keinen gewalttätigen Ehemann, das war mein Rad und die Physik. Ja, ja, die Schwerkraft bekam ich einige Male am eigenen Körper zu spüren. Das nennt man wohl learning by doing. Und eines hatte ich gelernt, der Boden hat eine große Anziehungskraft und zwar um so größer, je schlechter der Untergrund ist (was physikalisch wohl Nonsens ist).

Der erste Hügel ist nur kurz, aber Fußmarsch. Den zweiten von fünf haben wir kurz vor Mittag in der Tasche. Verdient haben wir es uns zwar noch lange nicht, entschließen wir uns doch zu einem Trattoria-Stopp in Campiano. Die Pasta, Bigoli mit sugo al pomodoro, schmeckt himmlisch. Wir treffen hier auf Paolo. In den nächsten Tagen werden wir wir uns mehrmals über den Weg laufen.

Nun geht es in den Talgrund und auf der anderen Seite wieder hoch, die Steigungen wie gehabt. Von meinem Gravelbike werde ich immer wieder abgeworfen, es bäumt sich auf wie störrisches Ross. Weitere blaue Flecken. Unterwegs schicke ich in Gedanken Musseu in das Fegefeuer oder Schlimmeres. Beispielsweise als der Track uns einen mehr als steilen Fußweg hochquält. Oben sehe ich, dass die schmale Straße in einer Schleife an denselben Punkt gelangte.

Einige wenige Dörfer liegen am Weg, man sieht kaum einmal einen Menschen, geschweige denn eine Bar oder Ähnliches. Endlich: In der Pizzeria La Rotonda in Roveré Veronese gibt es Stärkung. Toast und Cola. Der sehr nette Wirt bringt uns Parmesankäse und packt uns sogar noch ein Säckchen voll ein. Eine der besten Wegzehrungen!

In die Dämmerung radeln wir mit Elena, Andrea und Daniel. Diese entscheiden sich für eine Nächtigung in Erbezzo. Die haben es gut. Wir müssen noch zum höchsten Punkt, Richtung Passo Fittanze, gebuchte Unterkunft sein Dank. Es wird schon wieder Nacht, viel zu schnell. Die Aussicht wohl wieder kein Schlaf zu vernünftiger Zeit. Irgendwann sind wir auf dem höchsten Punkt: Schnee und mit knapp 2 Grad bitterkalt. An für sich gibt es jetzt nur noch 30 Kilometer bergab. Aber die ziehen sich endlos. Die Abfahrten sind sehr geröllig. Sturz drei und vier folgen. Noch mehr blaue Flecken.   und ein blutendes Knie. Meine Handgelenke schmerzen unsäglich vom krampfhaften Bremsen und vom Gerüttel über die groben Geröllwege. Zwischendurch immer wieder mal Asphalt. Aber kaum dass der Gedanke aufkommt – „Oh schön, jetzt war Giorgio mal gnädig beim Planen!“, geht es schon wieder ab und in die Stein-Pampa. Denkste!

Weit nach Mitternacht wird es schon wieder, bis wir im Apartment Cris in Sant‘ Ambrogio di Valpolicella ankommen, froh, die zitternden Glieder bei einer heißen Dusche aufzuwärmen und eine Mütze voll Schlaf zu bekommen. Der Chef hatte uns liebenswürdigerweise ein kleines Frühstück gerichtet mit Schoko-Ostereiern. Vielen Dank!

Day 3 – Motto: unzählige Hügel, viel Wasser, Hitze, Kälte

Früh morgens Aufbruch. Etwa 200 Kilometer liegen noch vor uns und ich weiß nach einer Vorbefahrung, was auf uns zukommt, aber zum Glück weiß ich noch nicht alles.

Wir treffen Paolo wieder. Cappuccino-Pause nach einem bunten Mix an Strade Bianche, Etsch-Ufer-Weg, Radwege, Downhillstrecken. Richtig schnell kommen wir nicht weiter. Sturz 5 in eine Brombeerhecke. Neben den blauen Flecken habe ich inzwischen auch jede Menge Kratzer auf meinen Beinen – wenig damenhaft.

Es wird Mittag als wir eine kleine Pause hoch über dem Gardasee in einem Olivenhain einlegen. Ob wir wohl eine weitere Nacht in Peschiera in unserem Basislager „Bike Hotel Enjoy“ einlegen müssen und am Sonntag dann nach dem Frühstück gemütlich die Runde durch die Colli Moreniche? Zeit genug hätten wir ja. Nun folgt die herausfordernde Passage zum Ponte Tibetano. Nicht nur Fußmarsch ist hier angesagt, sondern man muss auf dem losen Geröll das Bike quasi hochwuchten. Auch danach weiterhin regelmäßig Absteigen, Aufsteigen, dahinschleichen auf Holperwegen. Aber fantastische Aussichten auf den Gardasee lassen einen die Qualen vergessen.

Und irgendwann, die Sonne steht schon wieder sehr tief, erreichen wir das Gardasee-Ufer. Gemütlich kann man hier die Uferpromenade entlangradeln. Zur Gemütlichkeit werden wir sozusagen von den unzähligen Spaziergängern gezwungen.  An der Punta San Virgilio knipsen wir traumhafte Sonnenuntergangsbilder und ein Bad mit Rad darf logo nicht fehlen, sagen wir mal Bad bis zum Radshort-Ansatz und bis zum Gepäcksträger.

Wie Touristen genehmigen wir uns Toast, Bier, Cola, Eis und sind entsetzt über die Preise, die dreimal so hoch ausfallen wie in den Dörfchen der Lessinia. Aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Weiter in die Dämmerung hineinfahren, wieder mal ein Verhauer, bei dem wir im Kreis fahren. Mein Handy klingelt. Es ist Musseu. Verabredung in der Pizzeria in Peschiera, Paolo ist auch schon da.

Gesagt getan, Stärkung bei einer leckeren Bowl mit Reis, Garnelen, Obst und Gemüse. Was sollen wir nun tun? Es ist 20 Uhr. Schlafen gehen oder weiter fahren? Nur noch läppische knapp 80 Kilometer. Im Vergleich zu dem Erledigten sollte das nur noch gemütliches Ausfahren durch die Moränenhügel südlich des Gardasees bedeuten. Wir wollen weiter und Musseu hat die Idee eines Bed-Sharing mit Paolo, der ein paar Stunden schlafen möchte, bis zu unserem Eintreffen. Im Bike Hotel Enjoy ist man einverstanden. Das gemütliche Ausfahren entpuppt sich dann als nicht so angenehm. Erstens gibt es auch hier viel Gelände und zweitens wird es rund um Mitternacht bitterkalt. Und das interessanterweise in den Senken. Kommt man auf die kleinen Hügel, ist es bis zu 8°C wärmer und dann muss man wieder in die Kälte-Luft-Seen abtauchen.

Aber die Hügel entpuppen sich sanfter als alles, was wir in den vergangenen Tagen erlebt hatten. Irgendwann glaubte ich hinter mir einen Express-Zug zu hören. Spielt meine Fantasie mir Streiche? Sind das die ersten Anzeichen des gefürchteten Sekundenschlafes? Aber nein, das Geräusch entpuppte sich als die herannahende Dreiergruppe mit Nadia im Schlepptau. Und schon ist der Spuk vorbei. War das nur ein Traum? Aber anscheinend hat Hermann das Gleiche gesehen, denn er fragt: „Bist du verärgert, weil du nun nicht die erste Frau im Ziel bist?“ Ich überlege, nein, keineswegs, ich bin froh, dass ich diese Herausforderung in mein „Albo d’Oro“ aufnehmen kann.  

Die abschließenden ebenen 6 Kilometer am Mincio entlang werden nochmal extrem, hier hat es kaum mal 3 Grad, meine Hände und Füße sind nur noch Eisklötze. Um kurz vor halb zwei schließen wir die Verona Garda Gravel Extreme mit 614 Kilometern und über 10.000 Höhenmeter ab. Paolo hat das Zimmer schon verlassen, ich muss mich unter der Dusche erst mal enteisen. Der Schlaf kommt trotz großer Müdigkeit nicht sofort, viel zu viele Eindrücke müssen erst mal verarbeitet werden. Kurz vor Versinken ins Land der Träume freue ich mich auf das super leckere Enjoy-Frühstück, das wir nun in Ruhe genießen können – zum Glück haben wir die Extrem-Runde schon abgeschlossen, 20 Stunden vor Zielschluss und nach 45 Stunden im Sattel.

Danke an Simonetta & Giorgio für das unvergleichlich schöne Erlebnis. Auch wenn wir die Routenwahl einige Male „verflucht“ haben. Aber was einen nicht umbringt, macht einen nur stark …

Solstizio 2021 – Brevet zur Wintersonnenwende

italiano

Solstizio d’inverno … es ist wieder soweit gut 200 km von Arco in einer Schleife zum Toblino-See im Norden und dann um den Gardasee. Diesmal nicht nachts, sondern den Covid-Bedingungen geschuldet auch tagsüber und im Modus „Random“, das bedeutet Startmöglichkeit an allen Kontrollstellen. Bisher fuhr ich das Event also immer nachts, diesmal entschied ich mich für die „angenehmere“ Variante und wählte gleich den ersten Startzeitpunkt um 8 Uhr morgens.

Toblino-See

Mein Allerliebster folgte seinen Pflichten und entschied sich seine Holde allein ziehen zu lassen. Zwischen Verärgerung (das sch… Büro) und Mitleid (dem Armen entgeht was) zog ich also gen Süden. Hermann meinte, ich schaffe es nach dem Frühstück locker vor acht am Start zu sein – mit dem Auto. Ich möchte nicht wissen, wie schnell er immer unterwegs ist … ich war nämlich erst gegen halb neun in Arco.
Hier machte ich mich nach dem Scan des QR-Codes allein auf den Weg – Richtung Norden. Fabio – der Organisator – hatte zwar empfohlen, die Schleife zum Toblino-See besser später am Tag anzugehen, aufgrund möglicher morgendlicher Vereisungen und Reif an schattigen Stellen. Aber Frau ist stur. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt das weniger Angenehme an den Anfang … Vorsicht ist geboten … aber ich habe ja keine Eile. Meine Bestzeit von 7:30 hatte ich nicht vor zu unterbieten, wollte ich doch auch Fotos machen unterwegs, denn nachts war in dieser Beziehung das Angebot immer recht mager ausgefallen.

Maroche di Dro

Einsam stehe ich am Startpunkt. Es gibt eine virtuelle Brevet-Karte und nach dem Scan des QR-Codes und dem OK der ICRON- Plattform zog ich los. Auf dem Radweg Richtung Norden durch die Maroche di Dro, einem gewaltiges Bergsturzgebiet, treffe ich ebenfalls keine Menschenseele. In den Steigungen wird mir gleich warm. Traumwetter heute. Langsam eiere ich über einige bereifte Stellen, aber nichts Dramatisches. Fotopause am Toblino-See. Ein einsamer Radfahrer fährt an mir vorbei. Das war doch … Ja, Umberto, ein Randonneur-Kollege. Lange nicht mehr gesehen. In Santa Massenza, der ersten Kontrollstelle quatschen wir ein wenig, dann geht es die knapp 25 Kilometer zurück nach Arco. Den Rückweg wähle ich kurzentschlossen über die Originalstrecke vorbei am Lago die Cavedine und von Dro über den Ponte Romano.

Ponte Romano

Nun folgt das Sahnestückchen des Brevets: die Fahrt um den winterlichen Gardasee und zwar im Uhrzeigersinn. Immer wieder muss ich stehen bleiben und knipsen. Hermann wird mir nachher sagen, naja, so erklärt sich deine laaaangsame Zeit. Stimmt und ein weiterer Grund, ich fahre den ganzen Tag alleine, also nix mit Windschattenfahren. Allerdings kommen mir tausende Radfahrer entgegen – anscheinend gibt es keine Winterpause für die Rennräder hier unten. Es überholen mich verhältnismäßig wenige Radgruppen, die aber sah ich nicht lange von hinten und somit null Chance sich dranzuhängen. Aber das macht mir auch keinen Spaß. Sich voll auf ein Hinterrad zu konzentrieren bedeutet für mich nur Stress und die Landschaft gleichzeitig zu bewundern birgt Gefahren.

Vorbei an Malcesine, Garda, Bardolino, Lazise, die schön weihnachtlich geschmückt sind, aber das nächtliche Lichterflair fehlt natürlich, dafür funkelt die riesige Weihnachtskugel vom Himmel. Gardaland saust vorbei, hier ist sogar was los an diesem Wochenende. Nein, danke! Nicht ganz mein Fall. Weihnachtsmusik tönt aus den Lautsprechern und die Melodie sollte wie ein Ohrwurm in Endlosschleife durch meinen Tag klingen.

In Peschiera fahre ich bei Mc Donalds, der Kontrollstelle, vorbei und schicke meinem Göttergatten mal wieder eine Nachricht – zum Gluschtn (auf gut Deutsch, damit er mich beneidet oder so ähnlich). Seltsam, dass er noch nie zurückgeschrieben hat heute, er wird doch wohl nicht angefressen sein, dass ich allein losgezogen bin, anstatt Heimchen hinter dem Herd zu spielen? Ich blicke auf das Symbol in der Menüleiste und ich glaube ich werde leicht blass um die Nase: Flugmodus. Hat da der Scan in den Kontrollstellen überhaupt funktioniert? Nein, eben nicht …! (Und Hermann erzählte mir später, dass er sich Sorgen gemacht hatte, er habe mich auf der Verfolge-App nicht gefunden und auch sonst keine Nachricht von mir bekommen. Er sei besorgt nach Hause gefahren und habe nachgesehen, ob ich mein Smartphone liegen gelassen habe …)

Bike Hotel Enjoy in Peschiera

Aber jetzt ist ja alles gut. In Peschiera schwirrt mir im Kopf herum, dass Manuel Jekel mal gemeint hatte, es wäre schön, wenn beim Bike-Hotel Enjoy die Kontrolle wäre. Kurzerhand greife ich die Idee auf und mache einen kleinen Schlenkerer zum Hotel, bei dem wir regelmäßig unsere Zelte aufschlagen und dem Radvergnügen frönen. Alberto und Nicola, selbst begeisterte Radfahrer sind immer für ein paar Ideen gut oder für eine gemeinsame Ausfahrt. Etwas verschwitzt stehe ich in der Hotel-Lobby. Fragende Blicke. Ich erkläre. Gerne könne ich einen Latte-Macchiato haben, darf mich mit ein paar von den leckeren Keksen von Mama Valenti stärken. Das geht natürlich aufs Haus … ist mir ganz peinlich … Aber man sieht sich ja bald wieder, unterwegs -mich wieder abstrampelnd- träume ich von einem Verwöhn-Wochenende noch in diesem Jahr oder im Frühling.

Nun geht es parallel zum südlichen Gardasee-Ufer nach Desenzano. Dann geht es leider nicht durch die Halbinsel nach San Felice und Manerba, sondern weiter der Hauptstraße. Und hier gibt es viel Verkehr, was mir gar nicht zusagt. In der Nacht war es in dieser Beziehung angenehmer.

Nach Saló werden die Schatten immer länger. Wusste ich es doch, dass ich es vor dem Dunkelwerden nicht nach Arco zurück schaffe. Die Gardesana Occidentale zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Immer wieder muss ich anhalten Fotos zu schießen.  Hinter mir geht die Sonne unter.

Über mir thront der Monte Pizzocolo, vor ein paar Jahren war dort oben das Ziel des Duathlon. Zu Toscolano-Maderno, zu seinen Füßen habe ich sowieso einen besonderen Bezug, hier konnte ich mich 2018 beim XTerra Italy qualifizieren für das XTERRA World championship auf Maui/ Hawaii. 5 Jahre nach dem IM auf Kona ging ein weiterer Traum in Erfüllung.

Aus meinen Tagträumen … oder sagt man Nachmittagträumen oder Frühabendträumen werde ich jäh gerissen: Nach Campione lasse ich nämlich zufällig den Blick nach oben schweifen und der Anblick lässt mich die Bremsen durchdrücken. Über mir thront die  „Terrazza del Brivido“, eine Restaurantterrasse, die über den Abgrund kragt. Mein Rad nimmt mir das übel, das Hinterrad bricht aus und mein roter Flitzer schlingert, so dass nicht mehr viel gefehlt hätte zum Abflug. Nach der Rutschpartie fahre ich ganz zahm weiter. Hatte Fabio doch recht gehabt, dass es rutschig werden könnte. Aber meine Gedanken gehen zurück zur Alpi4000, bei der wir hinauf nach Tremosine mussten und auf der Terrasse in die schwindelerregende Tiefe schauten.

am oberen Bildrand: die „Schauer-Terrasse“

Tunnel um Tunnel geht es nun Richtung Ziel. Verkehr gibt es wenig … Oder? Was ist das für ein Geräusch? Das erinnert mich doch … Neiiiin! Doch!! Kommt das „Brüllen“ von vorne oder von hinten? Das Brausen wird lauter und lauter. Hektisch schaue ich über die Schulter nach hinten. Bilder vom Nordkap Tunnelen (Northcape4000) tauchen vor meinem inneren Auge auf. Grausbirnen steigen mir auf (auf gut Deutsch: mir wird unheimlich). Hilfe, ich will weg hier, mache mich ganz klein. Da ist er auch schon vorbei – der Autobus. Und als hätte er das schwarze Tunnelloch verstopft, hintendrein zwei Händevoll Autos. Bald ist der Spuk vorbei und die Luft wieder rein. Aufatmen.

Als ich bei Limone das das spektakuläre Stück Radweg hoch über den Wellen entlangrolle, blitzt urplötzlich ein helles Licht über den Altissimo, den gegenüberliegenden Bergkamm. Der Mond geht in Sekundenschnelle auf und spiegelt sich silbern in den Fluten des Sees unter mir. Ein atemberaubender Anblick, der auf dem Kamerabild gar nicht so wirkt. Und wieder sind ein paar Minuten weg … Ich höre schon meinen Göttergatten: „Ja, kein Wunder, dass du nicht schneller bist … wenn du alle paar Kilometer stehen bleiben musst …“

Aber ich bin ja bald da. Bei Riva wird der Verkehr sehr dicht, ich weiche auf den Radweg aus, den ich mir mit Fußgängern und -innen, Rollerfahrern und vielleicht auch Rollerfahrerinnen, Hunden und Hündinnen, … teilen muss. Wieder einige Minuten Verlust – Schuld sind sicher die ganzen -innen.

Endlich angekommen. Weihnachtsmarktflair in Arco – für mich, die ich kein unbedingter Weihnachtsmarkt-Fan bin. Der Scan ergibt ein OK, was das seltsame Ergebnis am nächsten Tag auf der ICRON-Plattform nicht erklärt, dort bin ich nämlich nie in Arco angekommen.

Ich treffe einen einzelnen Radfahrer und frage, ob er noch auf die Toblino-See-Schleife muss. Nein, er starte jetzt auf die 200km. DAS sind die wahren Helden. Solstizio d’inverno bei Nacht – wie das Original. Und nicht als Weichei, wie ich eines bin – tagsüber. ABER ich bin doch froh, dass ich jetzt alles hinter mir habe. Und der kommende Tag verspricht wunderbar sonnig zu werden und es zieht mich hinaus in den Pulver-Schnee. Aber das ist eine andere Geschichte. Und ein dickes Lob geht an meinen Daheimgebliebenen: Es erwartet mich eine wunderbare Gemüsepfanne mit Feta …

Danke, Fabio, dass du wieder ein Winter-Sonnenwende-Brevet organisiert hast. Und irgendwie kann ich sagen, dass ich alle Events seit 2013 bisher mitgemacht habe – bis auf eines. Aber dafür war ich bei der Edition Zero 2012 dabei- 8 Männer & 1 Frau (wer wohl?). Dieses Brevet war auch meine Feuertaufe in Bezug auf Langstrecken-Radfahren (Francesco sei Dank) und ein lustiges Anekdötchen lässt sich auch noch erzählen, von wegen „Frau & Technik“ …