Frau + Karbon = Randonneur(in) - aber nicht nur ...

Jetzt hab ich Rücken … oder Nicki im Land der Langstrecken

Randonneé delle Dolomiti di Brenta (211km/ 2400Hm)
Flug über die Strecke: Relive

brent
Gastbericht von Nicki:
Irgendwann im Februar hab ich mir überlegt, ich könnte Gabi mal in Brixen besuchen. Gesagt getan und mal nachgefragt, ob ich Pfingsten kommen darf. Nach der positiven Rückmeldung stand der Plan fünf Tage Brixen in der ersten Pfingstferienwoche.

Was hier auf mich zu kommt war allerdings damals noch unklar, meine Vorstellung war ein bisschen wandern, schwimmen und radeln. Hierzu muss man sagen meine 20170603_084931Komfortzone bei Streckenlängen liegt beim Radeln bei 100 km, längste Distanz bisher waren 140km.

Dann drei Wochen vor der Reise kommt die erste Anfrage von Gabi: „Kannst du Mountainbiken? Da ist ein MTB-Event …“, von mir kam dazu nur eine klare Absage, weil ich dabei definitiv im Krankenhaus gelandet wäre, da MTB -Fahren für mich gleichzusetzen ist mit auf mindestens zwei Meter breiten Waldwegen rumzurollen. Eine Woche später neuer Versuch von Gabi: „Randonneé delle dolomiti di Brenta (211km/2500Hm)??“. Mein Mann meinte nur: „Super! Ist bestimmt toll und ein super Training. Die Höhenmeter merkst du gar nicht auf der Strecke, da rollst du einfach mit“. Meine Begeisterung hielt sich eher in Grenzen bei der Vorstellung 200 km irgendwie zu versuchen hinter irgendwem herzuhecheln. Gabi hat mich dann beruhigt und mir versichert, es sei kein Rennen, sondern alles ganz locker und es gehe nur ums Ankommen.

Also hab ich mich breitschlagen lassen und stand am Samstag, dem 3. Juni mit neuem Rad in Arco am Start. Schon ging es los. Das Tempo war zu meiner Überraschung wirklich moderat und es ging über hübsche Radwege an Weinreben und einer schönen Landschaft vorbei.

Nach etwa 15 km ging es dann erstmal berghoch, jetzt muss man erwähnen ich bin echt nicht Nairo Quintana, also kleiner Gang und im Schneckentempo gefühlt ewig, realistisch etwas zwei Kilometer, hoch. Dann ging es erstmal flach weiter und dann 20170603_091056schon wieder hoch bis wir in irgendeinem Dorf (Stenico) angehalten haben, um ein Ortschild zu fotografieren, was der erste Beweis war, dass wir tatsächlich da waren. Für mich war der Weg dorthin schon ein langer Anstieg, aber Gabi meinte nur der sei kurz und der lange nach Madonna di Campiglio käme erst noch …

Mir grauste es langsam bei der Vorstellung noch mehr berghoch zu müssen, aber hilft ja nichts, jetzt war ich dabei und Aufgeben gibt es nicht. Also weiter erstmal bergrunter. Auf dem Weg bis zum nächsten Kontrollpunkt wurde es lustig, Gabi ist uns zweimal verloren gegangen, einmal hatte sie ihre Stempelkarte verloren und danach hatte sie sich für den Weg über die Straße, wo sie den Kontrollpunkt vermutete entschieden, Hermann mit mir am Hinterrad hingegen hatte den Radweg gewählt. Nach einem Telefonat und der Erkenntnis den Kontrollpunkt verpasst zu haben sind Hermann und ich dann weiter bis wir Gabi wieder gefunden hatten.

Dann fing die Steigung Richtung Madonna di Campiglio an,  10km nur berghoch mit durchschnittlich 7 % Steigung (AAAAHH!!!!). Zu erwähnen ist hierbei erstens deutsche Touristen (ausgenommen meiner Wenigkeit) sind Idioten: Auf dem ersten Kilometer ist so ein Irrer mit 20 cm Abstand an mir vorbei, wohingegen die meisten Italiener echt Abstand halten, danke!!  Zweitens: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, also hab ich brav Kilometer gezählt während ich hinter Gabi her bin, Hermann war schon vor gefahren. Bei km Fünf von 10 dann der Schock!!! Gabi : „Es sind nur noch 10km hoch.“

Och nööö, ich bin von 5 km ausgegangen und hatte mich gefreut, jetzt muss ich noch auf einen Pass hoch. Als wir dann in Madonna die Campiglio angelagt waren, die nächste tolle Idee von Gabi: „Lass uns den Tunnel nehmen!“  Also sind wir ohne Licht am Rad Tunnel gefahren, wobei Gabi dann irgendwann feststellte, der wäre ganz schön lang …  Knapp zwei Kilometer, um genau zu sein. Ich glaub die waren die schnellsten am ganzen Berg. Ich bin gestrampelt wie blöd. Was Adrenalin nicht alles aus einem rausholt. Als das Drama dann zu Ende war, das nächste … „Wo ist Hermann bloß?“ Der tauchte dann aber an der Passhöhe wieder auf, wo es dann Limo und Kuchen gab. Den hatte ich mir nach ca. 72 km mit 1700 Hm aber auch verdient.nicki_brunnen

Nächstes Ziel war dann die Eisdiele in Cles, die wir nach einer schönen Abfahrt und einem welligen Radweg in schöner Natur durch das Val di Sole dann auch ohne Personenverluste erreichten. Hier gab es neben einem Stempel Eis und die Gewissheit, dass mein Hintern weh tut, ich etwa die Hälfte erstampelt und noch 100 km weiter müsste. Unter normalen Umständen hätte ich meine Radtour jetzt schon fertig und würde mich auf meine Couch zum Mittagsschlaf begeben, aber nichts da … das Rad ruft. Meine Beine sind schwer und ich hab langsam keine Lust mehr -mein Hauptproblem. Im nächsten Dorf nochmal Radflaschen füllen und ein Gel rein, damit ich irgendwie durchhalte. Bis Trient ging es dann erstmal lange bergab und schließlich durchs Tal mit viel Gegenwind flach dahin. Hier hieß es wieder mal aufpassen, um niemanden zu verlieren darum zwischendurch immer mal umdrehen und schauen. Bilanz: Gabi zweimal außer Sicht, Hermann einmal.

In Tento Süd wäre eigentlich der nächste Kontrollpunkt beim Bicigrill gewesen, wenn man und frauen nicht die falsche Flussseite genommen hätten. Naja auch egal, nimmt man halt die nächste Rad-Bar, wo es dann erfreulicherweise Cola , Eis, Orangensaft, Granita und was zu Essen gab. Radfahren vermindert anscheinend die Gehirnzellen, was vielleicht erkären kann, warum Gabi einen tiefen Schluck aus dem Bierglas eines Gastes nahm … Oder vielleicht die mildere Deutung, dass sie glaubte, das Glas gehöre ihrer besseren Hälfte?  Noch etwa 30 km trennten mich vom Ziel und mein Rücken beschwerte sich auch langsam, um es mit den Worten von Horst Schlemmer zu sagen „ Isch han Rücken“. Jedenfalls sind wir dann weiter, um Hermann dann kurz vorm Ziel ein weiteres Mal zu verlieren. Aber kurz vor Torbole holte er uns wieder ein, dann nur noch bis nach Riva runterrollen, wo der arme Hermann erstmal an dem Zielkiosk vorbei ist, weil er uns nicht abbiegen gesehen hat. So durfte er noch 5 km extra dranhängen.

Fazit über 200 km Radtour überstanden, bei schönem Wetter und toller Strecke, aber ich gebe zu ich war ganz schön platt, aber auch mächtig stolz, das geschafft zu haben und die Pizza zum Abendessen hab ich mir echt verdient gehabt.

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Strava

Arco-Sarche-Stenico-Pinzolo-Madonna di Campiglio-Cles-Trient-Rovereto-Mori-Riva

3 Kommentare

  1. Jochen Kleinhenz

    Schöner Gastbeitrag: Mehr davon, Nicki (inkl. die zugehörigen Strecken- und Höhenmeter natürlich … 😉).

  2. gabiwinck

    Danke Jochen, Strecken und soweiter wie immer … hier auch der Flug über die Strecke: https://www.relive.cc/view/1020190217

  3. Robert

    Sehr schöner Beitrag, tolle Bilder!!!

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