Frau + Karbon = Randonneur(in) - aber nicht nur ...

solo-overnighter Mailand-Brixen

Uboldo (Mailand) -Comer See – Valtellina – Passo Aprica – Edolo – Tonalepass – Val di Sole – Mendelpass – Brixen

Gratis Shuttle nach Mailand? DIE Gelegenheit darf frau sich nicht entgehen lassen. Und hatte Hermann vor kurzem mal von seiner „durchgeknallten“ Ehefrau gesprochen, so muss ich doch wieder mal was zur Aufrechterhaltung meines Images tun …

Plan: mit dem Rad heim fahren … es sollte ein Overnighter werden, also darf der Biwaksack mit …

Tourenlänge: 355 km/ 4800 Hm
Ausgangspunkt:  Uboldo bei Mailand
Wegbeschaffenheit: Radwege, sekundäre Sträßchen, kaum Hauptstraßen
Zeit: reine Fahrzeit ca. 17 Stunde

Beschreibung:

  • Uboldo – Como:

Ich starte gegen 9 Uhr in Uboldo nahe Mailand. Verkehrsarm geht es auf Nebensträßchen 30 Kilometer bis kurz vor Como. Ich halte den Atem an, als ich um eine Kurve fahre und tief unter mir Como und den See erblicke. Ein hübsches Serpentinensträßchen bringt mich nach unten.

  • West-Ufer Comer Sees:

Der erste Teil bis etwa Menaggio ist sehr schön, es geht durch Dörfchen nah am Ufer entlang und es fahren relativ wenige Autos. Dann aber zeichnet sich die Fahrt bei mir am späten Vormittag durch einen Stop & Go aus. Vor allem bei den Dorfeinfahrten staut es sich und auch als Radfahrer kann man sich nicht immer vorbeischlängeln, sondern steht ebenso in der Hitze, ohne Klimaanlage …  

  • Sentiero Valtellina.

Durch den Veltliner Talboden führt ein schön angelegter Radweg, oft in unmittelbarer Nähe des Flusses Adda. Am Ende des Comer Sees fahre ich zunächst durch Dörfchen, bis ich auf den Radweg treffe. Auf diesem geht es für mich bis nach  Morbegno, das wir schon als Dorf am Fuße des San Marco Passes kennen (Superrandonneé Lombardia Extreme).

Ich folge allerdings bis Sondrio unseren Spuren bei der Superrandonneé verkehrsarm auf Nebenstraßen durch das Tal, da ich etwas schneller weiter kommen wollte als auf dem Radweg. Nach Sondrio bleibe ich aber auf dem Radweg.

  • Passo Aprica

Bei San Giacomo verlasse ich den Radweg, es geht nun das erste Mal ernsthaft für 18 km aufwärts. Dieser Aufstieg auf den Passo Aprica ist empfehlenswert, da nahezu ohne Autoverkehr und schattig.

Erst die letzten Kilometer verlaufen auf der Straße, die von Tresenda nach oben führt und diese ist stark befahren. In der Kurve vor der Passhöhe mache ich eine Eis-Cola-Rast in einer kleinen Bar mit Terrasse.

  • Aprica – Edolo

Auf diese Abfahrt hatte ich mich eigentlich gefreut, mache hier leider meinen einzigen Fehler auf der Fahrt und bin rechts abgezweigt und über die Dörfer Corteno Golgi und Santicolo. Die Straße bringt einige Höhenmeter und die steile Abfahrt nach Edolo auf schlechtem Straßenbelag ist nicht so erhebend.

  • Radweg Edolo -Ponte di Legno

Es gibt einen schönen Radweg von Edolo, etwa 20 Kilometer lang, der mich in Auf und Ab und einigen steileren „Stichen“ bis Ponte di Legno bringt. In Edolo habe ich einige Schwierigkeiten, den Anfang des Radweges zu finden und lege einem Schild folgend eine kleine Strecke sehr steil und gepflastert zu Fuß zurück.

  • Passo Tonale

Von Ponte di Legno gelangt man relativ schnell auf den Tonalepass. Es sind etwa 10km mit knapp 600 Höhenmetern auf der Pass-Straße zu überwinden. Hatte ich vor noch abzufahren ins Val di Sole und mir dort einen Schlafplatz irgendwo am Radweg zu suchen, so lässt mich das Wetter ganz spontan umdisponieren.

Dichter Nebel am Pass und ungemütliche Temperaturen machen mir die Entscheidung leicht und ich checke auf der Passhöhe in ein Hotel ein, die vernünftige Variante.  Hotel. Und wenn, dann auch gleich mit Frühstück. Warum sollte ich um 4 Uhr aufstehen und weiterfahren? Wartet doch niemand auf mich außer die Hausarbeit …

  • Radweg durch das Val di Sole

Nach der Abfahrt vom Tonalepass nach Ossanna geht es 25 Kilometer talauswärts, vorbei an Dimaro, Malé und vielen anderen Dörfchen. Der Radweg ist sehr schön angelegt, entlang des Flusses Noce. Beliebt ist der Fluss für seine rasanten Raftingfahrten. Viele Radfahrer kamen mir entgegen, man muss etwas aufpassen, da die „Sonntagsradler“ auf ihren oft gemieteten Rädern manchmal für ihre Schlangenlinienfahrt die gesamte Radwegbreite benötigen. Es geht fast immer leicht abwärts. Unterwegs lerne ich Fabio kennen und wir fachsimpeln etwas über schöne Radtouren, er ist mit seinem Gravelbike unterweg zum Monte Pello bei Cles. Ich muss links abbiegen und die kurzweilige Fahrt ist leider zuende.

  • Lago di Santa Giustina – Fondo – Mendelpass

Etwas mühsam bei der Hitze, aber der Blick auf den gut gefüllten Lago di Santa Giustina lenkt ab und auch die Fahrt durch die Dörfchen mit den interessanten Namen Cloz und Brez. Einige Kilometer vor Fondo wird es steiler, hier beginnt der 15 km lange Aufstieg auf den Mendelpass. Ab Malosco knapp oberhalb von Fondo ist es dann nur noch easy auf die Passhöhe hinauf. Nichtsdestotrotz glaube ich mir wieder eine Rast verdient zu haben und im Hotel Waldheim an der Strecke genehmige ich mir wieder mal eine Cola und einen leckeren Blaubeerkuchen.

  • Mendelpass-Bozen-Eisacktal-Radweg

Traumblicke habe ich von der Mendelpass-Straße Richtung Überetsch. Ab Eppan bin ich wieder auf einem Radweg und flitze auf der alten Bahntrasse hinunter nach Bozen. Auf dem Radweg durch das Eisacktal geht es weiter nach Hause, nicht ohne Einkehr auf einen Johannisbeere-Saft bei der Radstation Bios bei Atzwang.

2 Kommentare

  1. Torsten

    Wow!!

    Vielen Dank für den schönen Bericht. Du begeisterst mich immer wieder. Kaum aus Nizza zurück und jetzt schon wieder diese schöne Tour.

    In diesem besonderem Jahr (Corona) sind viele Radveranstaltungen ausgefallen (bedeutet für mich weniger km auf dem Rad) und da die Tage merklich kürzer werden, ist meine Motivation für lange Strecken nicht besonders groß.
    Im Trainingslager/Urlaub am Gardasee und im Vinschgau war ich auch nicht, weil ich Corona sehr ernst nehme (bin halt ein Angsthase).

    Die Edelweißtour findet wohl statt. Dein Bericht und die schönen Bilder haben mir gerade den berühmten „Tritt in den Hintern“ gegeben, mich doch noch aufzuraffen.

    Daaaaanke!

    • gabiwinck

      Danke, Torsten, jaja Gelegenheit macht Diebe … der Bericht nicht so besonders, eher Tourenbeschreibung … da ist mir auch nicht besonders viel zu eingefallen wie bei der ThreePeaks … Edelweiß wollten wir eigentlich mitmachen, nun ist am selben Tag auch das Karwendel Wetterstein Brevet … das heuer Schottergaudi 200 heißt … mal sehen … und eine Woche später sind wir (so corona will) beim Tuskany Trail …

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