
Mit der Hurtigruten auf der MS Finnmarken von Hamburg bis zum Nordkap und zurück – 14 Tage, die uns positiv überrascht haben. Eigentlich waren wir nach einer früheren Kreuzfahrt eher skeptisch. Einmal hatte uns gereicht: zu groß, zu laut, zu viele Menschen auf engem Raum. 6000 Passagiere und Dauerprogramm sind einfach nicht unsere Welt.
Die MS Finnmarken war dagegen genau das Gegenteil. Ein vergleichsweise kleines Schiff mit Schwerpunkt auf Outdoor, Natur und Wissenschaft, begleitet von einem engagierten Expeditionsteam statt „Ramba Zamba“. Angenehme Atmosphäre, viel Ruhe, spannende Vorträge und dazu wirklich hervorragendes Essen.

Unsere vielleicht beste Idee der ganzen Reise: die eigenen Räder mitzunehmen. Das war offenbar ein kleiner Präzedenzfall, hat aber völlig unkompliziert funktioniert – und uns eine Freiheit ermöglicht, die wir nicht mehr missen möchten. Keine festen Ausflüge, keine Busgruppen, keine durchgetakteten Besichtigungstouren. Viele der angebotenen Wanderungen hätten ohnehin nicht zu unserem Fitnesslevel gepasst.
So hieß es für uns jeden Tag: runter vom Schiff, rauf aufs MTB und die Umgebung auf eigene Faust erkunden. Oft haben wir Radtouren mit Wanderungen kombiniert und dabei Landschaften erlebt, die man abseits organisierter Touren wahrscheinlich ganz anders wahrnimmt.
Eine außergewöhnliche Reise – ruhig, aktiv, unabhängig und landschaftlich einfach überwältigend schön.
Start Hamburg, 1. Mai
2. Mai – Esbjerg, Dänemark

Wir fahren das erste Mal mit unserem Rad aus dem Schiff. Unsere Tour führte uns gemütlich nahezu eben entlang der Nordseeküste bei Esbjerg und kurvten etwas durch den Naturpark Sjelborg. Unterwegs kamen wir am bekannten 9 Meter hohen Monument Man Meets the Sea vorbei (der Mensch am Meer): vier riesige weiße Figuren, die seit 1995 aufs Meer blicken. Die Strecke verbindet Hafenstadt, Dünenlandschaft und ruhige Küstenwege auf eine besondere Weise.
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3. Mai – Stavanger und Lysefjorden
Der nächste Stopp der MS Finnmarken war Stavanger. Eigentlich wäre ich gerne auf den Preikestolen hochgewandert, aber die Zeit war zu kurz, so schwangen wir uns aufs Rad und unternahmen eine etwas über 100 Kilometer große Runde. Wir folgten den hervorragend ausgebauten Radwegen entlang der Küste bis nach Sandnes. Anschließend ging es östlich um das beliebte Wandergebiet Maudnes herum – meist auf stillen Nebenstraßen direkt am Wasser. Zum Abschluss hängten wir noch eine Westrunde durch ländliche Gegenden an und kamen dabei auch am Flughafen Stavanger-Sola vorbei.
Kurze Fakten:
Stavanger gilt als Norwegens Öl- und Energiemetropole.
Die Region ist bekannt für Fjorde, Küstenlandschaften und gute Radwege.
Sandnes ist die achtgrößte Stadt Norwegens.
Der Flughafen Stavanger-Sola wurde bereits 1937 eröffnet.
Rund um Stavanger wechseln sich Küste, Landwirtschaft und kleine Dörfer auf engem Raum ab.
Danach ging es mit der MS Finnmarken weiter in den beeindruckenden Lysefjord – eines der großen Naturhighlights der Reise. Die Einfahrt in den Fjord war ein spektakuläres Naturschauspiel: steile Felswände, tosende Wasserfälle und tiefblaues Wasser. Vom Schiff aus sahen wir auch den berühmten Preikestolen, eine rund 600 Meter hoch über dem Fjord aufragende Felsplattform und eines der bekanntesten Wahrzeichen Norwegens.
Weiter hinten im Fjord befindet sich auch der berühmte Felsblock Kjeragbolten – ein zwischen zwei Felswänden eingeklemmter Stein hoch über dem Fjord. Besonders eindrucksvoll waren außerdem die vielen Wasserfälle, darunter der Hengjanefossen, einer der bekanntesten Wasserfälle im Fjordgebiet. Danach fuhr das Schiff denselben Weg wieder zurück durch den Lysefjord.
Kurze Fakten:
Viele Kreuzfahrt- und Hurtigruten-Schiffe fahren nur ein Stück in den Fjord hinein – die komplette Einfahrt gilt als besonderes Erlebnis.
Der Lysefjord ist etwa 42 Kilometer lang.
Die Felswände ragen teils über 1.000 Meter steil empor.
Preikestolen liegt rund 604 Meter über dem Fjord.
Kjeragbolten klemmt auf etwa 984 Metern Höhe zwischen den Felsen.
4. Mai – Bergen
In Bergen machten wir zunächst etwas Sightseeing vom Rad aus, bevor es hinauf auf den Fløyen ging. Oben bei der Bergstation bot sich ein atemberaubender Blick über Bergen, die Fjorde und den Hafen, wo gleich zwei Kreuzfahrtschiffe ankerten. Entsprechend belebt war es dort oben – doch sobald man den touristischen Bereich hinter sich ließ, führten schöne Wege ruhig durch den Wald. Danach ging es wieder hinunter Richtung Küste. Zum Abschluss hängten wir noch eine Runde um eine Halbinsel an, die allerdings wegen des vielen Verkehrs weniger reizvoll war.
Kurze Fakten zu Bergen:
Bergen war im Mittelalter Norwegens wichtigste Handelsstadt.
Die Stadt ist bekannt für ihre bunten Holzhäuser am Hafen Bryggen.
Bergen wird oft als „Tor zu den Fjorden“ bezeichnet.
Der Fløyen gehört zu den sieben Bergen rund um die Stadt.
Mit durchschnittlich über 200 Regentagen pro Jahr gilt Bergen als eine der regenreichsten Städte Europas.
Der Fischmarkt im Hafen zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
5. Mai – Seetag – Inner coastal crusing
6. Mai – Træna und Sanna
ist eine winzige Inselgruppe weit draußen vor der norwegischen Küste. Mit unseren Rädern umrundeten wir zunächst die Hauptinsel – gerade einmal etwa fünf Kilometer lang – stets mit sagenhaftem Blick auf die markanten Felsformationen der Nachbarinsel Sanna.
Bei einem Ausflug mit dem Expeditionsteam ging es später hinüber auf diese kleine Insel. Zuerst besuchten wir die historisch bedeutende Kirkhelleren, eine große Höhle, in der Spuren menschlicher Besiedlung entdeckt wurden, die mehrere tausend Jahre zurückreichen. Danach folgte die Wanderung auf den kleinsten Gipfel der Insel. Besonders spektakulär war der rund 700 Meter lange Tunnel, durch den der Weg steil hinaufführt. Um nicht wieder im Dunkeln absteigen zu müssen, nahm ich spontan einen Direttissima-Abstieg – nachdem ich beiläufig aufgeschnappt hatte, dass es auch einen sehr steilen direkten Weg nach unten gibt.
Anschließend fuhren wir mit dem kleinen Linienboot noch rund um die übrigen Inseln der Træna-Gruppe – eine großartige Möglichkeit, diese abgelegene Inselwelt vom Wasser aus zu erleben.
Kurze Fakten:
Træna gilt als eine der ältesten dauerhaft besiedelten Regionen Norwegens.
Die Inselgruppe liegt direkt am Polarkreis.
Auf Sanna leben nur sehr wenige Menschen dauerhaft.
Die Höhle Kirkhelleren wurde schon in der Steinzeit genutzt.
Die markanten Berge und Felsen machen Træna zu einem beliebten Ziel für Fotografen und Kajakfahrer.
7. Mai – Torsken
In Torsken auf der Insel Senja starteten wir zu einer besonders eindrucksvollen Radtour. Vom Hafen ging es zunächst über einen kleinen Pass hinauf auf die alte Bergstraße – vermutlich zur Gegend rund um Skaland oder den Aussichtspunkt am Pass. Direkt vom höchsten Punkt aus machten wir noch eine kurze Wanderung durch Tundralandschaften auf den Gipfel Smaltinden.
Danach folgte die schöne Abfahrt hinunter zu dem netten Strand Ballesvika mit türkisfarbenem Wasser, bevor wir weiter Richtung Hamn i Senja fuhren – vorbei an schroffen Bergen, kleinen Buchten und stillen Küstenabschnitten.
Kurze Fakten:
Senja ist die zweitgrößte Insel Norwegens.
Die Insel wird oft „Norwegen im Miniaturformat“ genannt.
Viele Straßen auf Senja führen spektakulär direkt an Fjorden und Bergen entlang.
Hamn i Senja war früher ein Handelsplatz und Fischerdorf.
Die weißen Sandstrände auf Senja erinnern bei Sonne fast an karibische Küsten – nur deutlich kälter.
8. Mai – Honningsvag
Vom Hafen in Honningsvåg ging es mit dem Rad hinauf zum Nordkap. Dort war ich zwar schon einmal vor einigen Jahren mit dem Rennrad im Rahmen von NorthCape4000 angekommen – damals vom Gardasee aus –, doch diesmal zeigte sich das Nordkap bei deutlich schönerem Wetter. Die Strecke hinauf war trotz der spektakulären Landschaft nicht ganz ohne: Das ständig wellige Gelände und die kühlen Temperaturen machten vor allem die Abfahrten ziemlich frisch. Unterwegs wurden wir immer wieder von insgesamt neun Bussen überholt, die die übrigen Passagiere unseres Schiffes zum Nordkap brachten.
Kurze Fakten:
Das Nordkap liegt auf der Insel Magerøya.
Die Klippe ragt rund 300 Meter steil aus dem Eismeer empor.
Viele betrachten das Nordkap als nördlichsten mit dem Auto erreichbaren Punkt Europas.
Im Sommer geht dort die Sonne wochenlang nicht unter.
Honningsvåg zählt zu den nördlichsten Städten der Welt.
9. Mai – Tromsø
Der nächste Stopp war Tromsø. Von dort fuhren wir mit dem Rad zu einer Wanderung auf den Aussichtsberg Nattmålsfjellet. Der Anstieg wurde mit einem großartigen Blick auf Tromsø, die Fjorde und die umliegenden Berge und Fjorde belohnt. Besonders beeindruckend war die Kombination aus arktischer Landschaft, Meer und schroffen Gipfeln direkt vor der Stadt.
Kurze Fakten:
Tromsø liegt weit über dem Polarkreis.
Die Stadt wird oft als „Tor zur Arktis“ bezeichnet.
Tromsø ist ein beliebter Ausgangspunkt für Nordlicht-Touren.
Die berühmte Eismeerkathedrale gehört zu den Wahrzeichen der Stadt.
Dank des Golfstroms ist das Klima deutlich milder als in anderen Regionen auf gleicher Breite.
10. Mai – Svolvær, Lofoten
Auf den Lofoten machte uns starker Wind und hoher Seegang einen Strich durch die ursprünglichen Pläne – ein Anlegen in Reine war nicht möglich. Stattdessen steuerten wir Svolvær an. Dort erwartete uns eine fantastische Wanderung auf den Fløya. Zunächst ging es über 505 steile Steinstufen hinauf, die von nepalesischen Sherpas angelegt wurden. Danach führte der Weg abwechslungsreich weiter über felsiges Gelände, teils mit leichter Kraxelei. Kurz unterhalb des Gipfels kehrten wir um, da noch ziemlich Schnee lag.
Von hier oben Traumblicke auf Svolvær und die umliegenden Gipfel.
Ein besonderes Highlight unterwegs war der Fotostopp an Djevelporten – einem spektakulär zwischen zwei Felsen eingeklemmten Steinblock hoch über der Landschaft. Natürlich müssen wir da hochklettern. Vom Gipfel bot sich schließlich ein großartiger Blick über die zerklüfteten Berge, das Meer und die Inselwelt der Lofoten.
Kurze Fakten:
Die Lofoten liegen weit über dem Polarkreis.
Trotz der nördlichen Lage herrscht dort ein vergleichsweise mildes Klima.
Fløya zählt zu den beliebtesten Aussichtsgipfeln rund um Svolvær.
Die Sherpa-Stufen sollen Wanderwege haltbarer und sicherer machen.
Djevelporten bedeutet übersetzt „Teufelstor“.
11. Mai – Bessaker
In Bessaker begann der Tag mit einem Fotostopp oben am Windpark, hoch über der Küste mit weitem Blick über Meer, Inseln und die zerklüftete Landschaft. Danach fuhren wir wieder hinunter in den Ort und starteten dort unsere eigentliche Wanderung.
Von Bessaker aus ging es zunächst hinauf zu den beiden Gipfeln Storskardheia und Vattan. Die Tour bot eine tolle Mischung aus offenen Höhen, windgepeitschter Küstenlandschaft und großartigen Ausblicken über das Meer und die vorgelagerten Inseln.
Im Ort selbst war zudem einiges los: Zur Ankunft der MS Finnmarken wurde ein kleines Festival organisiert, das dem sonst ruhigen Küstenort eine besondere Atmosphäre verlieh.
Kurze Fakten:
Bessaker liegt in der Kommune Åfjord in der Region Trøndelag.
Die Landschaft ist stark geprägt von Wind, Küste und Schäreninseln.
Der Windpark oberhalb des Ortes gehört zu den markanten Energieanlagen der Region.
Storskardheia und Vattan sind typische Küstengipfel mit weitem Blick über das Meer.
Hurtigruten-Anläufe bringen regelmäßig kurzfristig Leben und Besucher in den sonst sehr ruhigen Ort.
in prägender Teil des Konzepts ist die enge Zusammenarbeit mit den Küstengemeinden entlang der Route: Statt nur „durchzufahren“, wird gezielt mit lokalen Produzenten, Fischern und kleinen Betrieben zusammengearbeitet.
Wichtige Aspekte dabei:
- Regionale Küche an Bord: Viele Zutaten stammen direkt aus den Anlaufhäfen oder deren Umgebung – besonders Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch und Molkereiprodukte.
- Lokale Lieferketten: Kleine Produzenten entlang der norwegischen Küste liefern direkt an die Schiffe.
- Stärkung der Küstenorte: Die regelmäßigen Anläufe bringen nicht nur Touristen, sondern auch wirtschaftliche Unterstützung für abgelegene Gemeinden.
- „Norwegian Coastal Kitchen“: Dieses kulinarische Konzept betont genau diese Regionalität und Saisonalität.
- Zusammenarbeit mit Gemeinden: Häfen werden nicht nur angefahren, sondern oft aktiv in Programme, Veranstaltungen oder Begrüßungen eingebunden.
Gerade auf der klassischen Küstenroute zwischen Bergen und Kirkenes entsteht dadurch dieses typische Hurtigruten-Gefühl: nicht nur eine Kreuzfahrt, sondern eine Art „lebendige Verbindung“ zwischen Schiff und Küste.
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12. Mai – Sæbø
In Sæbø gab es eine besondere Situation: Das Schiff konnte nicht direkt anlegen, sodass alle Gäste mit Tenderbooten an Land gebracht wurden – inklusive der Fahrräder. Schon die Anlandung im Hjørundfjord war dadurch ein kleines Erlebnis für sich.
Von Sæbø aus startete dann unsere Radrunde über die andere Seite der Halbinsel Richtung Volda. Die Strecke führte durch eine eindrucksvolle Fjordlandschaft mit ruhigen Straßen, kleinen Höfen und immer wieder spektakulären Blicken auf die steilen Gipfel der Sunnmørsalpen. In Richtung Volda mussten zudem mehrere lange Straßentunnel umfahren werden, da diese für Radfahrer gesperrt waren – glücklicherweise führte die alte Küstenstraße als ruhige und landschaftlich schöne Alternative außen herum. Anschließend fuhren wir in einer Rundtour wieder zurück nach Sæbø.
Kurze Fakten:
Sæbø liegt im Hjørundfjord, einem der landschaftlich eindrucksvollsten Fjorde Norwegens.
Die Sunnmørsalpen fallen dort direkt steil ins Meer bzw. in den Fjord ab.
Volda ist ein regionales Zentrum mit Hochschule und Fjordlage.
Tenderanlandungen sind in kleineren Häfen bei Hurtigruten nicht ungewöhnlich.
Die Region ist besonders für ihre Mischung aus steilen Bergen und engen Fjorden bekannt.
13. Mai -Kopervik, Karmøy
Auf Karmøy fand schließlich die letzte Radtour der Reise statt. Die Runde führte einmal um die Insel und zeigte noch einmal die ganze Vielfalt der norwegischen Westküste: offene Meeresabschnitte, kleine Buchten und ruhige Landstraßen.
Ein besonderer Abschnitt war der Abstecher in ein hochmoorartiges Gebiet im Inselinneren, wo das Radfahren kaum noch möglich war und wir ein Stück schieben mussten. Danach ging es weiter durch den Ort Skudeneshavn, der mit seinen gut erhaltenen weißen Holzhäusern und Hafenatmosphäre als einer der schönsten Küstenorte der Region gilt.
Zum Abschluss führte die Route noch nach Sandve, einem kleinen, geschützten Hafenort mit ruhiger Lage direkt am Meer – ein stimmungsvoller letzter Eindruck der Tour.
Über die ganze Reise hinweg fällt besonders auf, wie schön und harmonisch die Norweger wohnen: Die Häuser wirken durchweg gemütlich, gepflegt und gut in die Landschaft eingebettet – und auffällig ist auch, dass man entlang der Straßen und Küstenstrecken so gut wie keinen Müll sieht, was den sehr sauberen und respektvollen Umgang mit der Natur zusätzlich unterstreicht.
Kurze Fakten:
Karmøy liegt an der windreichen Westküste Norwegens.
Skudeneshavn ist bekannt für seine historische Holzhausbebauung aus der Segelschiffzeit.
Die Insel hat sowohl offene Küsten als auch moorige Inlandgebiete.
Sandve ist ein kleiner, typisch ruhiger Fischerei- und Hafenort.
Karmøy ist stark vom Meer und der maritimen Geschichte geprägt.
14. Mai – Seacrossing
15. Ankunft Hamburg