Ventoux-Brevet der Ara Breisgau

Zuerst mein Video …
Während …
Rein ins Abenteuer!!

Start nach einem umfangreichen und leckeren Frühstück bei Augustiner
Etwa 70 Abenteuerlustige (in Anbetracht der zu erwartenden Verhältnisse) stehen 620 km vom Ziel in Nyons entfernt in den Startlöchern.
Los geht’s! Ich bin in der ersten Startgruppe und etwas verhalten geht es durch Freiburg mit seinen vielen Straßenbahngleisen.
Ich schaffe es, an der Jungs-Gruppe dranzubleiben – anfangs allerdings eher unrhythmisch. Ich frage mich nur: wie lange?

Im Kopf geistert etwas herum. Was um Himmels Willen sind Geisteradler? Vor mir, auf dem Radweg, in großer weißer Schrift gepinselt. Mal auf dem Kopf, mal lesbar. Ist Freiburg eine besonders tierfreundliche Gemeinde?
Nicht lange und mir geht der „Knopf auf“. Mir war das zweite „R“ im Wort entgangen:
GEISTERRADLER!!
Ich bin gerade so einer. Pendant zum Geisterfahrer.
Zum Glück ist noch fast Nacht.

Raus aus den schützenden Häuserfronten knallt uns erst mal der von der Windy-App angedeutete Wind (harmlos ausgedrückt) entgegen. Mal von vorne (Windschatten erwünscht), mal in harten Böen von der Seite (Windschatten nützt exakt nichts).
Meine Beine brennen schon jetzt vom ständigen Gasgeben zum Dranbleiben und Bremsen, um nicht auf den Letzten aufzufahren. Lange packe ich das nicht mehr.
Es dämmert und ich muss sowieso mal ein Foto machen, also lasse ich die Jungs ziehen. Dafür stehe ich jetzt voll im Wind. Super Plan.

Meine Gedanken kreisen um Wetterphänomene. Was ist schlimmer – starker Gegenwind oder Regen?
Ich kann mich nicht entscheiden.
Nicht weit später am Tag werde ich es wissen …
Beim Frühstück hatte es einen Diskurs gegeben, wann es wohl zu regnen begänne. Mit meinen Berechnungen (inklusive App-Vertrauen) träfe das bei mir in etwa auf 100 Kilometer vom Start zu, also bei Montbéliard.
Kurz vorher lächle ich etwas hämisch in mich hinein: Ist die Wetter-App wohl doch nicht so zuverlässig.
Das hätte ich besser bleiben lassen.
Genau 300 Meter vor Vollmachen des 100ers: der erste Tropfen. Ich kann mich nicht schnell genug anziehen, da öffnet der Himmel schon seine Schleusen – und zwar komplett. Und für Stunden.
Und jetzt kann ich auf die Frage von vorher auch eine Antwort geben:
Was ist schlimmer, Gegenwind oder Regen?
Ganz klar: Gegenwind UND Regen!

Ich bin zwar gut eingepackt, aber Regenfäustlinge und Regenüberschuhe halten nicht, was sie versprechen. In kürzester Zeit lassen sie Wasser durch. Zudem ist es kalt. Sehr kalt.
Die Naturgewalten haben mich voll im Griff. Und der Tag ist nicht mal zur Hälfte um.
Der Gegen-„Sturm“ hat mich weiterhin fest im Griff. Kommt er von vorn (also fast ununterbrochen), fällt meine Geschwindigkeit auf 12–15 km/h.
Meinen Berechnungen zufolge werde ich in diesem Schneckentempo (lach – LumacaGabi lässt grüßen) ohne Pausen für die nächsten 500 km wohl über 40 Stunden brauchen.
Das bedeutet: nicht pünktlich im Ziel sein – und den Mini-Schlaf-Break im 24h-Hotel Ibis in Ambérieu kann ich abschreiben.
Dabei hatte ich beim Buchen noch angenommen, dass ich irgendwann vor Mitternacht dort eintrudeln würde und nach einer heißen Dusche ein paar Stündchen schlafen könnte …
Am Rhein-Rhône-Kanal-Radweg entlang (Canal du Rhône au Rhin) ist es landschaftlich eigentlich sehr ansprechend.
Ich kann es nur kaum genießen: Entweder brauche ich unsägliche Kraft zum Vorwärtskommen oder werde fast von seitlichen Böen vom Rad gefegt. Meine Taschen hinten bieten eine wunderbare Angriffsfläche. Aerodynamik vom Feinsten – leider falsch herum.
Zwischendurch verlässt mich die Motivation. So ein Kraftaufwand.
Wer zwingt mich eigentlich dazu?
Ich halte an. Gerade kommt die Sonne mal hervor und ich krame in meiner Nussmischung. Stephan, Frank und das Tandem mit Christine und Thomas machen auch kurz Halt.

Immer wieder gemeinsam, dann wieder einsam geht es weiter.
Aus den Augenwinkeln sehe ich das Tandem bei einem Café anhalten. Christine wirkte vorher auch nicht so motiviert, meinte, sie seien schon zwei Stunden im Rückstand … Oje. Und ich?
(Christine erzählt mir später in Bédoin, dass sie in Ambérieu den Weg des geringeren Widerstands – sprich: Zug – genommen hätten.)
Irgendwann ist Besançon erreicht. Die Festung sehe ich schon von Weitem.
Und kurz darauf: die seit 195 km heiß ersehnte Boulangerie.
Ich lasse mir beim Auswählen viel Zeit, denn leider gibt es in der warmen Stube keine Möglichkeit zu sitzen – und draußen, mit der Fensterbank als Tisch, ist es bitterkalt.

Weiter geht’s. Nun liegen knapp 90 Kilometer zwischen mir und der nächsten Kontrollstelle. Und dann nochmal 90 bis nach Ambérieu, wo ich mir einen Schlafplatz im Hotel Ibis gebucht hatte.
Stress habe ich keinen – 24h-Rezeption.
Im Vorfeld hatte ich mir ausgerechnet, dass ich vor Mitternacht ankommen sollte und dann bis 4 Uhr bleiben könnte. Die folgenden Kilometer rund um Lyon sollte man tunlichst vor dem um 5 einsetzenden Berufsverkehr zurücklegen.

Also erst mal los.
Landschaftlich geht es weiter wie gehabt: längs Kanälen, flach.
Wenn nur der Gegenwind nicht wäre. Kanalaufwärts (!) ordentlicher Wellengang.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit erhöht sich nicht und die Beine sind nach 200 Kilometern im Dauereinsatz schon „ansatzweise“ müde.
Nach einem kurzen Wolkenfenster beginnt es wieder zu regnen. Gut, dass ich meine Regenhose heute noch nicht wieder ausgezogen habe.
Regen? Was ist das?
Es schmerzt im Gesicht. Hagelkörner!

Und ich kann gar nicht schnell genug denken, was Hagel im Sommer normalerweise bedeutet, da blendet mich ein greller Blitz und im selben Moment ein ohrenbetäubender Donner.
Natürlich passiert das mir – mit meiner fürchterlichen Gewitterangst.
Ich lege einen Zahn zu. Nur weg hier!
Glücklicherweise bleibt es bei diesem einen Blitz.
Das Wetter gleicht Aprilwetter – obwohl noch nicht mal Ende März.
Im Wechsel: Regen, Hagel, Sturmböen, ein bisschen Sonne, über den Himmel rasende mehrschichtige Wolkenbänder, dann wieder bleiernes Grau.
Dann bietet ein Waldstreifen etwas Schutz. Ich radle wieder ein paar Kilometer zusammen mit Stephan und Frank.
Wir klagen uns gegenseitig unser Leid und tauschen uns aus, wer schon alles das „sinkende Schiff“ verlassen hat.
Später werde ich hören, dass sich auf den Bahnhöfen und in den Regionalzügen nicht wenige Randonneure mit Elektrounterstützung Richtung Süden aufgemacht haben.
Die letzten Bäume liegen gerade hinter mir – eine Böe erfasst mich voll und schiebt mich über die gesamte Straßenbreite in den gegenüberliegenden Straßengraben.
Mit zitternden Knien steige ich ab und lege einige hundert Meter schiebend zurück.
Wenn da ein Auto gekommen wäre … nicht auszudenken.

Eine Gruppe Kühe beäugt mich, als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank.
Haben vielleicht recht.
Vier Stunden für die knapp 90 Kilometer – und ich darf wieder ein Beweisfoto schießen für die digitale Brevetkarte.
Beneidenswerte Gäste hinter der Scheibe der Pizzeria Le Grill.
Stephan meint, ein bisschen weiter sei ein netter Kebab-Laden. Und so landen wir bei Devran.

Hier findet sich schon ein lustiges Grüppchen mit Christoph und Stephan.
Ersterer bestellt mir auf Türkisch gleich mein Menü – inklusive Vorzugsbehandlung.
Leckeres Ayran (Joghurtgetränk!) – danach lechzt mein Körper.
Und mein allererster (!!) Döner im Leben.
Köstlich. Nach einem Tag voller Süßkram ein echtes Highlight.
Mit den beiden – sie sollen später auch meine Ferienhaus-Mitbewohner in Bédoin sein – verlasse ich die warme Bleibe.
Es ist längst dunkel geworden. Ein Berg vor uns dient dem Warmfahren (wie freundlich) und dreieinhalb Stunden später, weiteren 90 Kilometern, einigen Höhenmetern und ein paar Müdigkeitsattacken später rollen wir gemeinsam auf den Parkplatz des McDonald’s in Ambérieu-en-Bugey.
Halb eins.
Mein Wunsch, weit vor Mitternacht hier zu sein, hat sich nicht ganz erfüllt.
Um 2 Uhr liege ich dann frisch geduscht in meinem Bett im Ibis. Der Wecker ist auf Viertel vor Vier gestellt.
Schlaf findet sich leider nicht ein. Mein Zimmer ist geteilt und die ungewohnten Atemgeräusche meines Bettnachbarn sind nicht kompatibel mit meinem Schlafbedürfnis.
Also döse ich ein wenig vor mich hin – und dann muss ich eh schon wieder aufstehen.
Als ich die Hoteltür aufdrücke – gegen eine kräftige Windböe – glaube ich meinen Augen nicht zu trauen:
Es schneit.
Fröhlich trudeln die Flocken vom Himmel und beginnen sogar liegenzubleiben.
Natürlich schneit es. Warum auch nicht.
Meine Hoffnung, durch frühes Losfahren dem Berufsverkehr auszuweichen, erfüllt sich anscheinend nicht. Große LKWs und rasende PKWs ängstigen mich.
Haben die um diese Jahreszeit – und auch noch im Dunkeln – Radfahrer überhaupt auf dem Schirm?
Ohne Ablenkung beschäftigen sich meine – nach der gestrigen Gewalttour von 370 Kilometern verbliebenen – Gehirnzellen mit dem kommenden Tag.
Zwar „nur“ knapp 250 Kilometer, aber die Berge drohen schon von meiner papiernen Höhengrafik-Karte.
Wie soll ich das schaffen?
Ich muss spätestens um 21:00 Uhr in Nyons sein.
Ich rechne und rechne. Mit der Geschwindigkeit vom Vortag wird das nichts.
Hätte ich heute früh doch noch mindestens bis Crémieu fahren sollen?
Aber bei der Kälte in der offenen historischen Markthalle schlafen? Eher nicht.

Als ich vorbeifahre, scheinen alle Randonneure, die dort übernachtet haben, schon ausgeflogen zu sein.
Schlechtes Zeichen?
Ich zweifle weiter.
Bin ich die Letzte, die noch durchhält?
Aussteigen wegen des Wetters?
Kommt mir zum Glück nicht ernsthaft in den Sinn.
Wäre auch logistisch schwierig gewesen. Also: weiter mit Muskelkraft.

Abgelenkt werde ich von riesigen Dampfschwaden und lichterbesetzten, gruselig in die Dunkelheit starrenden Türmen.
Gänsehaut.
Ich passiere wohl gerade das Kernkraftwerk Bugey.
Die Strecke führt mich nun einige Kilometer über einen Schotterabschnitt parallel zur Straße.
Trotz zarter Rennradbereifung bin ich heilfroh, dem Verkehr zu entkommen, und rolle vorsichtig über den unebenen Untergrund.

Es wird langsam hell.
Vollbremsung.
Etwas versteckt entdecke ich eine Boulangerie auf der anderen Straßenseite.
Frühstück ist längst überfällig – und mehr als erwünscht.
Ich futtere mich in der warmen Gaststube durch das Sortiment.
Verständigungsprobleme bescheren mir zwei Kaffeevarianten: einen Café au Lait und einen Cappuccino.
Fragt mich nicht nach dem Unterschied – ich war einfach froh über beides.
Einige andere Fahrer trudeln ein.
Also doch: Ich bin nicht die Letzte.

Irgendwann muss ich mich losreißen und starte wieder in die Kälte.
Überraschenderweise weht immer noch starker Wind – aber ich kann es kaum glauben:
Heute aus der richtigen Richtung. Rückenwind!
So erkläre ich es mir auch, dass ich trotz der unzähligen Anstiege heute doch noch pünktlich ankommen sollte.
Nicht auszudenken, wie das mit Gegenwind gelaufen wäre …
Ich wage es sogar einmal, meine Regenhose auszuziehen.
Bei diesem einen Versuch bleibt es auch, denn kurz darauf bricht wieder ein Guss über mich ein.
Die Wetterkapriolen gehen munter weiter – diesmal gern auch in Form von Schneeschauern.
Vor allem auf den höchsten Punkten (die gerade mal auf 600 m liegen!) bläst der Sturm die Flocken quer über die Strecke.
Nach dem Col de la Croix geht es erst einmal länger bergab – zumindest theoretisch.
Denn bei jedem noch so kleinen Gegenanstieg brennen meine Oberschenkel ordentlich.
So früh im Jahr eine solche Gewalttour – der Körper meldet sich.

Immer wieder überhole ich Matthias oder werde von ihm überholt.
Wortlos.
Beim x-ten Mal, als ich wieder anhalte, um irgendetwas an- oder auszuziehen oder in meiner Tasche zu wühlen, frage ich mich kurz, ob Matthias vielleicht denkt, ich würde ständig auf ihn warten …
Vielleicht, um „anzubandeln“? 😄
Wie froh bin ich, als ich bei Kilometer 550 rechts abbiegen darf.
Nicht auszudenken, wenn wir – wie ursprünglich geplant – durch den Naturpark Vercors hätten fahren müssen, mit Léoncel auf über 900 m.
Die schneebedeckten Höhen sehe ich von Weitem.
Nein danke.

Zwar sparen wir uns diesen einen langen Anstieg, aber höhenmäßig wird es nicht wirklich einfacher.
Ständiges Auf und Ab.
Teilweise richtig giftige Rampen.
Dann plötzlich: Der Track verlässt die Straße und führt auf einen Wanderweg.
Aha?
Ich schiebe.
Einen Grund wird es schon haben.
Matthias vor mir macht es genauso.
Raufschieben, steinig wieder runter, dazwischen einen umgestürzten Baum überklettern – und ich stehe wieder neben der Straße.
Erleichterung!
… die genau zwei Sekunden hält.
Es geht nicht auf der Straße weiter.
Sondern wieder über diesen Weg.

Andere sind schlauer und bleiben einfach unten.
Ich nicht.
Ich will ja keinen DSQ riskieren.
Also wieder rein ins Gestrüpp, durch Büsche und Himbeer-Ranken.
So bin ich halt. Wie ein Fähnchen im Wind – ich mache brav, was von mir verlangt wird.
Die Motivation sinkt nach einem weiteren 20%-Anstieg spürbar.
Da rollen Horst und Karl heran.
Ich hänge mich dran.
Ein bisschen Plaudern hilft erstaunlich gut gegen Leiden und Kopfkino.
Gemeinsam erreichen wir den Kontrollpunkt beim Mairie von La Baume-Cornillane.
Hier treffen wir plötzlich auf einen ganzen Pulk Randonneure.
Wo kommen die denn alle her?
Nebenbei löst sich auch mein Rätsel:
Mairie = Rathaus.
Wieder was gelernt.
Mit Horst und Karl rolle ich weiter.
In rasanter Fahrt geht es runter nach Crest.
Vielleicht etwas zu rasant.
In einer scharfen Rechtskurve sehe ich Horst vor mir auf der nassen Straße wegrutschen.
Das Hinterrad geht weg, der ausgeklickte Fuß versucht zu retten, was noch zu retten ist.
Vergeblich.

Er überschlägt sich mehrfach und stürzt die Böschung hinunter.
Auf allen Vieren landet er unten auf dem Acker.
Karl und ich helfen ihm wieder hoch.
Rad: ok.
Horst: bis auf einen Kratzer erstaunlich ok. Meine Knie: zittern.
In Crest muss ich erst mal pausieren. Milchkaffee und Pain au Chocolat.
Es ist inzwischen fast drei. Noch zwei Berge.

Werde ich die Maximalzeit schaffen?
Zu den beiden Anstiegen lässt sich nur sagen:
Allein dafür haben sich die Strapazen gelohnt.
Ich starte.
Matthias überholt mich wieder – genau in dem Moment, als ich wegen eines blauen Wolkenfensters meine Regenhose ausziehe.

Der Wind schiebt mich den Col du Lauzon hinauf.
Ich komme aus dem Staunen nicht heraus: hohe Felswände, eine beeindruckende Schlucht. Der Sturm erfasst unten das Wasser und schleudert es nach oben.
Ein Regenbogen ist zu erahnen – leider nur schemenhaft.
Auf der Passhöhe: natürlich wieder Schneesturm.
Also: schnell runter und Regenhose wieder an.
Im Tal dann: das erste Lavendelfeld vor spektakulärer Felskulisse.
Wir sind in der Provence.

Ein letzter, langer Anstieg zum Col de la Sausse.
Mit Rückenwind geht es erstaunlich gut – bis auf die letzten Meter.
Richtungswechsel.
Und plötzlich wird Radfahren fast unmöglich.
Ich habe kurz Sorge, vom Rad geweht zu werden.
Trotzdem will ich unbedingt mein Erinnerungsfoto am Passschild.
Absteigen wird zur Herausforderung. Auf einem Bein stehen? Schwierig.
Rad loslassen? Risiko. Aber es klappt.

Die Abfahrt danach wird… sagen wir: denkwürdig.
So starke Seitenböen habe ich selten erlebt. Wie ich unten ankam, ist eine Mischung aus Können, Glück und vermutlich Schutzengel.
Dann, es dämmert bereits, rolle ich in Nyons ein.
Ich kann es kaum glauben.
Was ich auf diesen 620 Kilometern erlebt habe, passt eigentlich auf keine Kuhhaut – geschweige denn auf eine Word-Seite.
Der angenehme Teil folgt:
Herzliche Aufnahme bei Margriet und Eric, gemütliche Fahrt nach Bédoin mit Daniel, ein tolles Ferienhaus mit netten Radfahrkollegen.

Der Ventoux: wegen des Sturms nur bis Le Chalet Reynard (ja, ich gebe es zu – ich bin ein Weichei 😄). Dafür eine Traumabfahrt durch die Gorges de la Nesque.
Und schließlich die Rückreise mit dem Zug ab Avignon.
Selbst die TGV-Fahrt mit Rad wird noch einmal abenteuerlich. Anleitung für das Verpacken des Rades: siehe weiter unten!
Schön war’s!!!
Vorher …
Die Anmeldung hatte es schon in sich: Punkt Mitternacht, in den ersten Sekunden des neuen Jahres. Bevor andere mit Sekt anstoßen oder längst selig schlummern, amüsierte ich mich traditionell vor dem Fernseher bei „Dinner for One“ mit „The same procedure as every year“, in den letzten Sekunden des alten Jahres saß ich dann schon etwas verschlafen vor dem Rechner. Eigentlich wollte ich ja früh ins Bett – aber die Startplätze sind angeblich wenige Minuten nach Mitternacht restlos vergeben. Also: Frohes Neues – Klick!
Das Event findet in der letzten Märzwoche statt. In unseren Breiten ist da eher „Übergangsjacke mit Handschuhen“ als Frühlingsgefühle angesagt. Etwas über 600 Kilometer führen von Freiburg im Breisgau nach Nyons – Zeitlimit: 40 Stunden. Klingt sportlich. Ist es vermutlich auch.
Rückfahrt mit TGV … hier muss man sein Rad „verstecken“. Ich habe aus Fallschirmseide eine Hülle genäht, klein zusammenlegbar, leicht und das Rad „verschwindet“ darin schnell. Hier, wie ich es gemacht habe.
Hier ein eine Anleitung.

Das lief vorher so ab …
Die Begeisterung bekam nach der Anmeldung einen kleinen Dämpfer, als ich das „Drumherum“ studierte. Zuerst die Anreise mit dem Zug nach Freiburg. Ich + Rad + Zug = latente Nervosität. Kommt der Zug pünktlich? Erreiche ich die Anschlüsse? Ist der Fahrradplatz wirklich frei? Ein Abenteuer vor dem eigentlichen Abenteuer.
Dann die beiden Brevettage, an denen ich hoffentlich Nyons pünktlich erreiche. Am nächsten Tag fährt, wer möchte, weiter nach Bédoin – unter die Südseite des Ventoux, denn im März ist die Nordseite meist noch gesperrt. Kleine Randnotiz: Bédoin war natürlich ausgebucht. Zeitgleich findet eine Laufveranstaltung statt. Großartig.
Also Planspiel: Auto einen Tag vorher nach Bédoin bringen? Dann mit dem Zug (noch so ein „Rad-im-Zug-Tag“) zurück nach Freiburg zum Start? Logistisch eine kleine Doktorarbeit.
Und nach dem Sturm auf den Ventoux? Zurück mit dem Zug. TGV + Rad bedeutet: Radtasche. Der Drahtesel muss als harmloses Gepäckstück getarnt reisen. Für zwei Tage Brevet darf ich also eine ganze Woche einplanen. Effizienz geht anders.
Immerhin: Das Unterkunftsproblem in Bédoin hat sich inzwischen charmant gelöst. Ich darf mit sieben anderen Randonneuren ein Apartment teilen – was vermutlich mindestens so unterhaltsam wird wie der Ventoux selbst.
Und ich habe mir aus Fallschirmseide ein „Kleidchen“ für meinen Renner genäht. Sehr schick, sehr leicht – nur das Einpacken muss ich noch üben. Momentan schlackern die Einzelteile noch etwas zu sehr im Paket. Der Ventoux wird (hoffentlich) bezwungen – aber zuerst muss ich die Packtechnik üben.
Eigentlich bin ich wieder voller Vorfreude: Züge gebucht, Unterkünfte organisiert, alles geplant.
Wenn ich da nicht heute Morgen beim Frühstück zwei Abenteuerberichte aus 2018 gelesen hätte. Miserables Wetter. Eisiger Wind. Regen. Dramatische Schilderungen.
Hier die Links dazu – danach werdet ihr mich vermutlich nicht mehr beneiden 😉
Mont Ventoux 2018 – Schön wird es erst, wenn alles vorbei ist (Andreas Herrmann) ![]() | Das Leben macht keine Geschenke (viavelo) ![]() |

Herzlichen Glückwunsch und tiefen Respekt für diese (Tor) Tour 👍
Danke fürs Mitnehmen und den unterhaltsamen und schön geschrieben Beitrag!
Danke dir, Tom! Ja, mitunter empfand ich es wirklich als Tortour … Aber man weiß ja, dass es irgendwann endet … Überlege, ob ich das nächstes Jahr wieder ins Auge fasse … Die Verhältnisse können vermutlich nur besser werden … (oder noch viel schlechter …) … GlG
Hey Gabi, Gratulation zum erfolgreichen Finish 👏 Schön, dass du – dem Wetter entsprechen – gut durchgekommen bist. Nach dem Frühstück haben wir uns unterwegs leider nicht mehr gesehen. Ich wünsche dir viel Erfolg beim TCR und bis zum nächsten mal… nach Rwanda und Freiburg bin ich gespannt, wo das sein wird.
Hallo Bernd, ja, irgendwo treffen wir sicher wieder aufeinander. Gratuliere auch dir, bist ja 2h schneller gewesen, vermutlich auch mit längerer Schlafpause …
Bist du gleich wieder heim gefahren? Ich würde das vielleicht nochmal machen, die Zeit danach in Nyons und Bédoin war sehr nett … Was hast du für Pläne 2026? LG
Hallo Gabi, ich bin dieses Jahr leider (?) wegen Magen Darmgrippe ausgefallen. Aber ich habe deine Boulangerie nach der Schotterstrecke nach deiner Beschreibung sofort wieder erkannt. Da kehre ich auch immer traditionell nach der Übernachtung in Amberieu ein.
Toller Berciht, der mich mit dir mitleiden hat lassen. Einmal dabei, und man kommt immer wieder. Mal sehen evtl. sehen wir uns nächstes Jahr dann?
Gerhard
Hallo Gerhard, vielen Dank! Ja, vielleicht war es gut, dass du „leider“ ausgefallen bist … War schon krass mitunter, aber ich möchte wiederkehren, bei (hoffentlich) besseren Verhältnissen …