Ventoux-Brevet der Ara Breisgau

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Die Anmeldung hatte es schon in sich: Punkt Mitternacht, in den ersten Sekunden des neuen Jahres. Bevor andere mit Sekt anstoßen oder längst selig schlummern, amüsierte ich mich traditionell vor dem Fernseher bei „Dinner for One“ mit „The same procedure as every year“, in den letzten Sekunden des alten Jahres saß ich dann schon etwas verschlafen vor dem Rechner. Eigentlich wollte ich ja früh ins Bett – aber die Startplätze sind angeblich wenige Minuten nach Mitternacht restlos vergeben. Also: Frohes Neues – Klick!

Das Highlight der Tour? Die Bezwingung des legendären Mont Ventoux.
Und ja: Ich habe einen Platz bekommen!

Das Event findet in der letzten Märzwoche statt. In unseren Breiten ist da eher „Übergangsjacke mit Handschuhen“ als Frühlingsgefühle angesagt. Etwas über 600 Kilometer führen von Freiburg im Breisgau nach Nyons – Zeitlimit: 40 Stunden. Klingt sportlich. Ist es vermutlich auch.

Von früheren Teilnehmerinnen und Teilnehmern hörte ich nur Schwärmen: traumhafte Landschaft, tolle Organisation, viele Radwege. Die Gegend kenne ich noch nicht – umso größer die Vorfreude. Oder den größten Teil kenne ich nicht, um und auf dem Ventoux war ich schon bei meinen beiden „Three Peaks Bike Race“ – Teilnahmen. (2019 Wien – Barcelona & 2020 Wien – Nizza)

Die Begeisterung bekam allerdings einen kleinen Dämpfer, als ich das „Drumherum“ studierte. Zuerst die Anreise mit dem Zug nach Freiburg. Ich + Rad + Zug = latente Nervosität. Kommt der Zug pünktlich? Erreiche ich die Anschlüsse? Ist der Fahrradplatz wirklich frei? Ein Abenteuer vor dem eigentlichen Abenteuer.

Dann die beiden Brevettage, an denen ich hoffentlich Nyons pünktlich erreiche. Am nächsten Tag fährt, wer möchte, weiter nach Bédoin – unter die Südseite des Ventoux, denn im März ist die Nordseite meist noch gesperrt. Kleine Randnotiz: Bédoin war natürlich ausgebucht. Zeitgleich findet eine Laufveranstaltung statt. Großartig.

Also Planspiel: Auto einen Tag vorher nach Bédoin bringen? Dann mit dem Zug (noch so ein „Rad-im-Zug-Tag“) zurück nach Freiburg zum Start? Logistisch eine kleine Doktorarbeit.

Und nach dem Sturm auf den Ventoux? Zurück mit dem Zug. TGV + Rad bedeutet: Radtasche. Der Drahtesel muss als harmloses Gepäckstück getarnt reisen. Für zwei Tage Brevet darf ich also eine ganze Woche einplanen. Effizienz geht anders.

Immerhin: Das Unterkunftsproblem in Bédoin hat sich inzwischen charmant gelöst. Ich darf mit sieben anderen Randonneuren ein Apartment teilen – was vermutlich mindestens so unterhaltsam wird wie der Ventoux selbst.

Und ich habe mir aus Fallschirmseide ein „Kleidchen“ für meinen Renner genäht. Sehr schick, sehr leicht – nur das Einpacken muss ich noch üben. Momentan schlackern die Einzelteile noch etwas zu sehr im Paket. Der Ventoux wird (hoffentlich) bezwungen – aber zuerst muss ich die Packtechnik üben.

Eigentlich bin ich wieder voller Vorfreude: Züge gebucht, Unterkünfte organisiert, alles geplant.
Wenn ich da nicht heute Morgen beim Frühstück zwei Abenteuerberichte aus 2018 gelesen hätte. Miserables Wetter. Eisiger Wind. Regen. Dramatische Schilderungen.

Hier die Links dazu – danach werdet ihr mich vermutlich nicht mehr beneiden 😉


Mont Ventoux 2018 – Schön wird es erst, wenn alles vorbei ist
(Andreas Herrmann)

Das Leben macht keine Geschenke
(viavelo)