
Eine sehr schöne Bergtour in den Hohen Tauern. Zwei Tage in einer einsamen wunderschönen Bergwelt. Unbedingt empfehlenswert.
Krimml – Krimmler Tauernhaus (mit Rad), dann Aufstieg zur Richterhütte und der Richterspitze. Am nächsten Tag zurück zum Tauernhaus via Eissee.
Rad hin und zurück: 28km/ 850 Hm (kann auch mit Taxi zurückgelegt werden)
Wandern insgesamt: 28km/ 2000Hm
Wandern Tag 1:
Krimmler Tauernhaus – Richterhütte – Richterspitze:
7 km/ 750 Hm/ 2:20
Richterhütte- Richterspitze:
3km/ 600 Hm/ 2:00 (Rückweg: 1:40)

Wandern Tag 2:
Richterhütte – Eissee – Krimmler Tauernhaus:
14km/ 500Hm/ 6:00

Rad von Krimml zum Tauernhaus:
hoch: 11 km/ 700 Hm
runter: 11 km/ 100 Hm (evtl. Abstecher zu Fuß zu Wasserfall)


Wir starten schon um halb fünf am Morgen von Brixen über das Zillertal und den Gerlos-Pass nach Krimml (Fahrzeit etwa 2:30). Parken kann man auf dem kostenlosen Hüttenparkplatz in Krimml gegenüber der Tankstelle.
Um die 11 Kilometer vom Ort entlang der Krimmler Wasserfälle nicht zu Fuß zurücklegen zu müssen, haben wir unsere „Bio“-Bikes mit. Wer das in Betracht zieht, sollte Radbeleuchtung mitbringen, denn es geht 300 Meter durch einen unbeleuchteten Tunnel. Wahlweise könnte man auch mit dem Taxi hochfahren, das zwischen Krimml und dem Taunernhaus verkehrt. (Telefonnummer hier)
Beim Tauernhaus darf man das Rad in der „Bikegarage“ unterstellen.

Weiter geht es zu Fuß durch das wunderschöne Rainbachtal. Wimmelt es vor Wanderern um das Krimmler Tauernhaus, so sind wir hier alleine.
Der Weg startet ziemlich steil, dann gemütliches Wandern bis zur Materialseilbahn, von dort steigt der Weg nochmal etwas an.
Nach einer kleinen Erfrischung entscheiden wir uns noch auf die Richterspitze (3054m) hinauf zu steigen.
Es ist halb eins und das Wetter stabil. Der Weg steigt sehr gut markiert zunächst über einen Serpentinenweg über steileres Moränengelände an, ab und an sollte man seine Schritte etwas konzentrierter setzen. Das ein oder andere Schneefeld haben wir Ende Juni noch zu queren, aber nichts Dramatisches.

Auf der Gamsscharte dann beginnt eine 20-minütige Kraxelei über die etwa 100 letzen Höhenmeter zum Gipfel. Die paar Meter der Eingangs-„Wand“ überwindet man mit Hilfe von ein paar Klammern und einem Drahtseil, dann gibt es lustige Blockkletterei. Ich, die etwas ängstlich ist, wenn es etwas ausgesetzter wird, habe hier keine Probleme, aber trittsicher und schwindelfrei sollte man doch sein. Die Aussicht rundum auf die Gipfel der Reichenspitzgruppe ist grandios. In der Ferne kann man die Dreiherrenspitze ausmachen. Unter uns liegt die Plauenerhütte und der Zillergründl Speicher.

Der Rückweg erfolgt auf demselben Steig.
Wir übernachten in einem netten Zweibettzimmer auf der Richterhütte, die 2019 saniert wurde. Nach Erfahrungen auf anderen Hütten, erwarte ich mir nicht sehr viel von der Halbpension. Das Abendessen ist deshalb für mich unerwarteterweise sehr schmackhaft.
Hervorheben möchte ich die Fußbodenheizung in den neu gestalteten Waschräumen, die die „Katzenwäsche“ mit kaltem Wasser etwas erträglicher machen.

Nach etwas unruhiger Nacht, denn die ersten Wanderer machen sich schon gegen vier Uhr lautstark startbereit, starten auch wir nach dem Frühstück. Für Mittags wird schon Gewitter angesagt, deshalb sollten wir uns etwas sputen. Wir steigen hoch zur Windbachscharte. Unter der Ziller Plattenspitze queren wir und steigen die paar Minuten zum Eissee hinauf, der in eine traumhafte Bergkulisse eingebettet ist. Ein kurzes Bad muss sein, aber ein nur sehr kurzes, denn auf dem See schwimmen noch Eisschollen, nicht umsonst heißt er Eissee …

Wäre das Wetter stabiler gewesen, hätten wir gerne noch die Zillerplattenspitze mit ihrer Gratkraxelei mitgenommen, aber leider … (etwas erleichtert bin ich aber doch, dass wir die knapp 3 Stunden Auf- und Abstieg mit knapp 700Hm nicht machen, denn die Tour ist eh lang genug und man kommt auf dem manchmal verblockten Weg nicht so schnell weiter).
Vom Eissee geht es nun bald steil hinunter ins Windbachtal. Der Serpentinenweg schlängelt sich zwischen Felsen und steilem Bergbach durch steile Alpenrosenhänge hinunter. Im Talgrund treffen wir auf den Weg zum Krimmler Tauernpass. Dieser war über Jahrhunderte ein wichtiger, aber sehr schwieriger Saumpfad und wurde u. a. von Händlern, Hirten, Schmugglern, Pilgern und auch Flüchtlingen benutzt.

Auf Infotafeln am Weg wird auf die Geschichte hingewiesen:
Im Sommer 1947 überquerten etwa 5.000 bis 8.000 jüdische Holocaust-Überlebende den Krimmler Tauern. Sie gehörten zur „Bricha“, einer jüdischen Fluchthilfeorganisation, die Überlebende aus Osteuropa nach Palästina (damals noch britisches Mandatsgebiet) brachte.
Übergang über den hochalpinen Pass ins Südtiroler Ahrntal und Weitertransport Richtung Italien und schließlich über den Hafen Genua nach Palästina.
Es gilt als eine der größten organisierten Fluchtaktionen jüdischer Überlebender in Europa nach 1945. Das Ereignis wurde lange kaum beachtet, wird heute aber durch Gedenkinitiativen wie „Alpine Peace Crossing“ aufgearbeitet und erinnert.

Wie dankbar sind wir beim Lesen der dramatischen Ereignisse, dass wir hier zwei gemütliche Wandertage verbringen dürfen und nicht …
Der Marsch talauswärts zieht sich etwas und die Hitze ist nun nahezu gnadenlos. Um so überraschter sind wir über den Windbach-Alm-„Getränkeautomat“. In einer Holzbox durch die der Gebirgsbach läuft lagern hier Bier und Cola, die man gegen Bezahlung nutzen darf. Genial!

Weiter geht es nun. Bald erreichen wir die Baumgrenze und einen kleinen schattigen Steig, der uns kurz steil hinunter ins Achental bringt. Den Schotterweg entlang erreichen wir etwa eine halbe Stunde später das Krimmler Tauernhaus.
Und nach einer Erfrischung mit Blaubeer-Buttermilch und Apfelstrudel, schwingen wir uns auf unsere Räder und rollen wieder talauswärts.
Kurzer Pflicht-Stopp nach der Brücke über die Krimmler Ache. Wir wandern (hier ist Radfahr-Verbot) etwa 50 Höhenmeter nach oben, für den grandiosen Blick auf den Oberen Krimmler Wasserfall. Dann geht es endgültig zurück zum Auto.
Alles in allem eine sehr schöne Tour!