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zuerst mein Video Tag 7 und 8

Polnische Abenteuer zwischen Mücken und Gülle-Tankanhänger


Swinemünde (Fähre) nach Loučná nad Desnou zumParcours 2(a):  
626 km/ 3460 Hm
SO, 26.07./MO, 27.07. – Tag 7 und 8

Ein paar Handvoll bepackter Radfahrer*innen rollen vor den Autos aus der Fähre. Die ersten Kilometer fahren alle noch auf derselben Straße, dann werden wir wieder in alle Himmelsrichtungen verstreut. Es ist Sonntag und entsprechend wenig hat geöffnet. Ich bin also auf Tankstellen angewiesen – und davon gibt es zum Glück allenthalben welche. Auch das Angebot ist erstaunlich gut sortiert. Außerdem habe ich vorgesorgt und mir beim Frühstück ein paar Brote geschmiert.

Irgendwann fällt mir ein, dass ich vielleicht mal Luft nachpumpen sollte. Das nächste Bänkchen scheint dafür ideal. Pumpe raus und los. Ich habe kaum das erste Ventil aufgeschraubt, da bin ich schon von Stechmücken umschwärmt. Ich vollführe einen regelrechten Veitstanz, um sie abzuwehren. Fertig – und schleunigst weiter.

Der Verkehr ist hier etwas lebhafter. Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, die Leuchtweste anzulegen. Nur: Wo habe ich die hingesteckt? Also anhalten, Taschen durchwühlen. Und schon haben sie mich wieder entdeckt. Die Mücken. Ich schlage um mich, wühle weiter, schlage wieder um mich. Stress!

Die Leuchtweste taucht nicht auf. Also noch einmal alle Taschen überklauben. Da ist sie endlich. Natürlich genau dort, wo ich sie nicht erwartet habe. Normalerweise hat jedes Ding seinen eigenen Platz. Aber in der Eile stecke ich schon mal etwas woanders hin und denke mir: Daran werde ich mich schon erinnern. Tue ich natürlich nicht.

Tipp: Penibel Ordnung halten! Jedes Ding immer genau wieder dorthin stecken, wo es hingehört. In der Enge der Taschen wird die Suche sonst schnell zur zeitraubenden Angelegenheit – und beim Wühlen wird die Unordnung garantiert immer größer.

Dann kommt der erste kleine Berg, schön schattig. Die langsam anschwellenden Mückenstiche danken mir die Kühle. Es geht durch ein Naturschutzgebiet, sehr schön, die Straße in super Zustand. Bis ich viel zu schnell rechts abbiegen muss. Und hier ist zwar Asphalt, ich nenne ihn aber mal „ja aber Asphalt“ Denn ab hier gleicht der Straßenbelag meistens einem Flickenteppich. Das Vorwärtskommen wird entsprechend mühsam und holperig. Die wenigen Autos, die von hinten kommen, machen dementsprechende Geräusche, wenn ihre Stoßdämpfer versuchen, Löcher und Teerflickwerk auszugleichen.

Dann und wann begegne ich einem Radfahrer, aber nur sehr wenigen. Entweder sind alle schon weit voraus oder sie haben inzwischen eine direktere Linie gefunden. Ich radle durch das von Landwirtschaft geprägte Westpommern. Es ist warm und ziemlich schwül.

Die Landschaft besteht aus Wäldern, Feldern und Seen, dazwischen immer wieder ein Dorf. Das tut allerdings weh, denn in den Dörfern macht der Asphalt gerne einem unregelmäßigen, spitzen Kopfsteinpflaster Platz. Ich tue gut daran, auf den sandigen Straßenrand auszuweichen, wenn einer vorhanden ist. Mein Knochengerüst und vor allem mein Po sind für diese Art von Massage nicht besonders dankbar.

In Sowno (Stargard) mache ich eine kleine Mittagspause auf einem Bänkchen im Schatten bei einer Statue. Die letzten Vorräte aus Schweden müssen herhalten. Heute ist Sonntag und in Polen sind die Geschäfte geschlossen – ganz anders als im Norden, wo ich mich inzwischen an die fast überall und zu jeder Zeit vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten gewöhnt hatte.

Danach wieder endlos scheinende Waldpassagen, Felder und kleine Straßendörfer. Schließlich erreiche ich Stargard in Pommern, eine etwas größere Stadt. Ich fahre durch die Wohngebiete, um die größeren Straßen zu meiden. Ein Powernap muss sein. Dabei schütte ich eine Dose Cappuccino über mein (noch) weißes Radtrikot. Riecht nicht schlecht, ich hoffe nach ein paar Tage auch noch.

Gibt ab und zu noch andere unangenehme Überraschungen, wie zum Beispiel, wenn eine Straße plötzlich für Radfahrerinnen wie mich verboten ist und man hoffen muss, dass der Radweg am richtigen Ort rauskommt. Wie hier: Von Pełczyce (deutsch Bernstein) führt mein Weg auf einer historischen Bahntrasse bis nach Barlinek. Kurz nach Berlinchen, so auf Deutsch, fängt es an zu regnen. Zunächst stelle ich mich unter einen Baum und hoffe, dass es gleich wieder aufhört. Tut es aber nicht. Das Blätterdach ist bald auch kein wirklicher Schutz mehr. Also Regenkleidung an und weiter. Hilft ja nichts, hier herumzustehen.

Irgendwann hört der Regen tatsächlich auf und die Straße ist wieder trocken. Also alles wieder aus-, um nicht lange danach erneut alles anzuziehen. Die nächsten 70 Kilometer sind jedenfalls ziemlich nass. Von dem Gedanken, mein Zelt heute noch aufzustellen, verabschiede ich mich zwar noch nicht ganz – aber wenn, wird das wohl eher eine feuchte Angelegenheit. Gerade fängt es nämlich schon wieder an zu tröpfeln. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Skwierzyna, das Ende meines Planungsteilstücks, erreiche ich gegen 21 Uhr. Es regnet schon wieder oder immer noch. An einer Tankstelle heißt es erst einmal: laben und laden. Also etwas essen und die Geräte aufladen. Die Nässe tut der Technik allerdings nicht gut. Die Kabel laden unterwegs nicht und ich stelle außerdem fest, dass meine Powerbank ebenfalls nicht funktioniert. Ist sie leer? Oder was ist da los?

Ich bin hier nicht alleine. Wieder einmal treffe ich auf jemanden vom TCR. Samuel lädt ebenfalls seine Geräte und ist genauso unentschlossen, was er tun soll. Er will weiter.

Der Regen wird immer stärker. Aus meinem Vorhaben, nach weiteren 25 Kilometern auf einem Waldparkplatz das Zelt aufzustellen, wird wohl nichts. Also schaue ich mich nach einem Hotel um und werde tatsächlich drei Kilometer entfernt fündig.

Bei zwei netten Damen komme ich unter. Der Hoteleingang liegt hinter dem Gebäude, das im Dunkeln wie ein kleines Geisterschlösschen wirkt. Denn inzwischen ist es stockdunkel. Ein vollgestellter Abstellraum soll als Unterkunft für mein Rad dienen. Als sich die Tür quietschend öffnet, springt mir fauchend eine schwarze Katze entgegen. Na wunderbar.

Ich muss mehrmals unterstreichen, dass ich schon gegen halb vier wieder los möchte und dafür natürlich an mein Rad in der abgesperrten Garage kommen muss. Ob sie das wohl wirklich verstanden haben? Der Notausgang wird mir jedenfalls gezeigt. Und das Mädel sagt noch, mein Rad würde auf mich warten. Was auch immer das heißen soll. Ich bin misstrauisch.

Im Nachhinein sehe ich, dass auch Tobias in diesem Hotel Zuflucht gefunden hatte. Ich vermute, er stieg hier aus dem Rennen aus, da sein Dot am Ende des Tages immer noch am selben Ort ist.
Durch meinen kleinen Rückstand Wecker auf halb drei gestellt. Mal sehen, was Tag 8 bringt.

300 Kilometer, eine Dusche und viele kleine Zweifel

Es klappt alles und gegen drei Uhr bin ich wieder auf der Straße. Es regnet immer noch – oder schon wieder. Zum Waschen hatte ich mir bisher keine Zeit genommen. Und wie sollte das Zeug bei diesem Wetter überhaupt trocknen?

Neben der Straße entdecke ich in der Dämmerung einen Radweg und biege darauf ein. Keine gute Idee. Der Belag ist grottenschlecht und von Wurzelausbrüchen übersät. Also wieder auf die Straße. Fährt man zu weit rechts dann spritzt das Wasser der Riesenpfützen einem über die Füße bis zum Knie.

Der Verkehr, der gestern, Sonntag, noch erträglich war, ist hier so früh schon ziemlich heftig. Und zweitens die Polen fahren wie die Irren. Und viele LKWs donnern an mir vorbei und grad ein riesiger Traktor mit zwei Anhängern. Schreck!

Mein Fahren ist ziemlich unrhythmisch. Anziehen, ausziehen, bei jeder dritten Schnecke stehen bleiben, Foto machen. Ich bin irgendwie frustriert. Bei der nächsten Tankstelle sperre ich mein Rad nicht ab. Hoffentlich klaut mir jemand mein Rad, dann muss ich das nicht mehr weiter mitmachen.

Im Nachhinein werde ich feststellen, dass ich hier gerade Christoph Strasser „überholt“ habe. Der musste allerdings schon ein paar Tage zuvor aufgeben.

Eine Bäckerei kommt wie gerufen. Leckere Sachen. Ich lasse mir noch einen Zwetschgenstreuselkuchen einpacken. Sehr lecker und noch warm.

Es rollt recht flach dahin. Auf den knapp 300 Kilometern, die ich heute fahren werde, kommen gerade einmal rund 1.000 Höhenmeter zusammen. Wald, Wiesen, Dörfer, wieder Wald, Wiesen und Städtchen. Ich rolle quer durchs Land und sehe kaum andere TCR-Fahrer. Irgendwann treffe ich auf Jan und Mirjam. Eine Weile sind wir auf derselben Strecke unterwegs, dann trennen sich unsere Wege wieder. Die beiden werden später bei Kilometer 2.500 aussteigen.

Überhaupt sind fast alle Leute, die zu diesem Zeitpunkt noch in meiner Nähe sind, am Ende aus dem Rennen ausgestiegen. Ich habe inzwischen 2.000 Kilometer in den Beinen.

Wrocław (Breslau) lasse ich links liegen. Ich rolle lieber auf ruhigeren, verkehrsberuhigten Straßen daran vorbei.

Witzig ist, dass man immer wieder an Kreuzungen kommt und plötzlich von der anderen Seite ein „Konkurrent“ auftaucht. Kurzer Plausch – und bei der nächsten Kreuzung geht jeder wieder seinen eigenen Weg. Wenn jemand eine andere Straße nimmt, kommen bei mir prompt Zweifel auf: Hat der jetzt vielleicht die bessere Variante erwischt? Habe ich mich gerade für die schlechtere Straße entschieden? Ein kleines TCR-Kopfkino gehört offenbar dazu.

Etwas Heimweh kommt auf, als ich an einem Schild mit der Aufschrift Bożeń vorbeikomme. Wäre ich jetzt in unserem Bozen, hätte ich nur noch knapp 40 Kilometer bis nach Hause.

Es wird immer wärmer und schwüler. Durst und Hunger treiben mich in ein Geschäft in Wołów, um meine Vorräte aufzufüllen. Viel Aufregendes gibt es dort nicht – und die Frau an der Kasse ist ausgesprochen unfreundlich und unkoperativ. Vermutlich ist meine Erscheinung inzwischen etwas suspekt. Nicht mehr ganz sauber, rundum aufgepackt und wahrscheinlich irgendwo zwischen Radfahrerin und Obdachloser. Ich muss mir langsam etwas einfallen lassen. Im Nachhinein muss ich zugeben: Meinen Müll (nicht alles) habe ich auf dem Fensterbrett zurückgelassen. Nicht gerade meine reifste Reaktion.

Kurz darauf gibt es in Krępice die nächste Einkehr: eine BP-Tankstelle. Als ich das WC sehe, reift ein Entschluss. Ich frage vorsichtig nach. Ja, ich darf duschen und sogar meine Sachen waschen! Dass ich dabei das gesamte Bad unter Wasser setze, wird mit erstaunlicher Gelassenheit hingenommen.

Meine frisch gewaschenen Sachen hänge ich anschließend an mein Rad. Drinnen wird gleich hinter mir wieder aufgeräumt. So nett!

Ich stärke mich, indem ich mich einmal quer durch das Tankstellenangebot futtere. Es gibt lecker belegte, nahezu einen halben Meter lange Sandwiches. Nach einer viel zu langen Pause und nachdem ich mehrmals kontrolliert habe, ob nicht irgendein Kleidungsstück in die Speichen geraten kann, mache ich mich wieder auf den Weg. Es ist inzwischen später Nachmittag. Und ich habe noch fast 100 Kilometer vor mir.

Der Wind bläst zunächst kräftig von vorne. Irgendwann hat er wohl ein Einsehen – oder ich habe die Richtung gewechselt – und plötzlich habe ich tatsächlich guten Rückenwind. Welch ein Luxus! Die Gegend wird dafür hügeliger.

Irgendwann taucht ein großes Baustellenschild auf. Natürlich auf Polnisch. Irgendeine Straße ist ab Kilometer XY gesperrt. Ich ignoriere das Ding. Ein paar Kilometer weiter wieder ein Hinweis. Und wenn das jetzt meine Straße ist? Irgendwie bekomme ich ein komisches Gefühl.

Tatsächlich kommen eine Baustelle und mehrere Schotterpassagen. Glücklicherweise komme ich aber überall durch. Es wäre eine mittelschwere Katastrophe gewesen, wenn ich umdrehen und meinen Weg von unterwegs neu planen müsste. Darauf hätte ich jetzt, etwas platt nach all den Kilometern, wirklich absolut keine Lust.

Die Sonne steht schon tief. Hatte ich heute zunächst kaum Höhenmeter zu bewältigen, geht es jetzt immer wieder bergauf. Ich rechne kurz nach. Gut 300 Kilometer in den Beinen – kein Wunder, dass selbst kleine Hügel plötzlich ziemlich groß wirken.

Die Sonne verschwindet nun langsam, ich bin in Gedanken. Bekomme ich im nächsten Ort vielleicht doch noch ein Hotelzimmer? Nach so einem langen Tag wäre das schon fein.

Da kommt mir plötzlich ein Radfahrer entgegen und begrüßt mich mit meinem Namen. Nanu? Dotwatcher Jarek, wie er sich vorstellt. Wie cool! Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet – dass ich einmal „abgefangen“ werde.

Er macht ein paar Bilder und erzählt mir, als wir an einer Art Kapelle vorbeikommen, eine Schauergeschichte darüber. Zum Glück erinnere ich mich später nicht mehr daran, als ich im Dunkeln mein Zelt aufstelle.

Es ist fast dunkel, als Jarek sich verabschiedet und ich nach Ziębice rolle.

Perfekt. Bei meiner Planung hatte ich genau diesen Ort als mögliche Nachtruhe eingeplant, vorzugsweise natürlich im Hotel. Also Tankstellenstopp und gleich danach noch zum Supermarkt. Nebenbei versuche ich, über „Booking“ ein Zimmer aufzutreiben. Natürlich gibt es weit und breit nichts für mich.

Aber es ist trocken und nicht kalt. Warum also nicht doch das Zelt aufstellen?

Ich fahre weiter und suche einen geeigneten Platz. Drei Kilometer außerhalb, nahe dem Dörfchen Biernacice, finde ich zwar nicht gerade den Idealplatz, aber zwischen einem Gülle-Tankanhänger – wie romantisch – und einem Holzstapel, an den ich praktischerweise mein Rad anlehnen kann, scheint mein Übernachtungsplatz gesichert.

Eifrig beginne ich mit den üblichen Handgriffen: Unterlage auslegen, Zeltbahnen daraufbreiten, Heringe in die Erde stecken. In der Ferne höre ich einen Hund. Dann bewegt sich über die Wiese plötzlich ein Lichtstrahl auf mich zu. Oje.

Ein junger Mann leuchtet mir direkt ins Gesicht. Die Frage, was ich hier mache. Ich versuche ihm zu erklären, dass ich nur vier Stunden schlafen und danach weiterfahren möchte. Dass ich nicht wusste, wo ich hätte fragen sollen.

Wir radebrechen auf Englisch. Er versteht schließlich, was ich möchte, und scheint sich zu beruhigen. Dann fragt er mich, ob ich etwas zu trinken und zu essen habe. Überschwänglich bejahe ich alles und erkläre noch einmal, dass ich sehr froh wäre, wenn ich hierbleiben dürfte. Zum Glück darf ich.

Mein improvisierter Schlafplatz zwischen Gülle-Tankanhänger und Holzstapel ist damit offiziell genehmigt. Was will man mehr?

Ruhiger Schlaf kommt allerdings nicht, denn ich habe festgestellt, dass mein Smartphone sich nicht mehr laden lässt. Auch nicht mit der Powerbank. Nur noch wenige % Akku sind übrig. Nicht auszumalen, wenn das Ding kaputt ist. Man ist total hilflos ohne. Auch ein neues Gerät würde nichts bringen, auf meine gesamten Passwörter hätte ich keinen Zugriff mehr. Ein Albtraum! Zudem fängt es an zu regnen, ziemlich stark sogar.

Durch Tschechien und in die Slowakei

DI, 28.07. – Tag 9

Drei Stunden bin ich hier, zwei davon schlafe ich. Und es regnet. Also packe ich mein Zelt nass zusammen und mache mich wieder auf den Weg.

Während der Fahrt lädt mein Handy ganz langsam, aber immerhin: Es lädt. Ich sehe ein Schild mit Hinweis auf einen MediaMarkt und überlege kurz, dorthin zu fahren. Aber dann müsste ich auf die Öffnung warten. Vielleicht ist nur etwas Feuchtigkeit ins Gerät gelangt oder es liegt an den Kabeln – aber gleich an allen? Eher unwahrscheinlich. Bei der nächsten Gelegenheit, sprich Tankstelle, werde ich laden.

Die tschechische Grenze ist nah. Und nur noch gut 50 Kilometer trennen mich von Wiesenberg, tschechisch Loučná nad Desnou, wo der nächste Pflichtabschnitt, Parcours 2(a), beginnt. Drei kleinere Berge mit insgesamt rund 1.000 Höhenmetern liegen noch vor mir. Aha. Nach den langen, ziemlich flachen Abschnitten wird es nun offenbar ernst. Und ich habe inzwischen nicht weniger, sondern eher mehr Gepäck im Schlepptau.

Die Grenze ist schnell erreicht. In Vápenná entdecke ich eine Bäckerei und schlemme mich erst einmal durch das Angebot. Jetzt bin ich gestärkt für die drei kleinen Berge – wobei 1.000 Höhenmeter nun wirklich nicht mehr ganz unter „klein“ fallen.

Die Strecke führt zunächst verkehrsberuhigt durch ein kleines Tal. Unterwegs holen mich Kiki und Andreas ein. Dann geht es hinunter nach Wiesenberg, dem Startort des Parcours 2(a). In einem kleinen Supermarkt trifft sich wieder einmal eine Handvoll Radfahrer*innen.

Ich kaufe unter anderem eine Instant-Gemüse-Hühnerbrühe. Eine Verkäuferin ist so nett und bringt mir heißes Wasser. Vor den anderen Produkten stehe ich dagegen wie der sprichwörtliche Ochse vorm Berg. Alles ist auf Tschechisch. Ich muss aufpassen, dass es mir nicht wie Andreas geht, der statt Apfelsaft eine Flasche Sirup erwischt.

Parcours 2(a)

Wieder einmal bin ich die Letzte, die sich vom Supermarkt trennen kann. Schließlich trete ich einsam den Berg hinauf Richtung Dlouhé stráně. Das Pumpspeicherbecken gilt als eines der beeindruckendsten technischen Bauwerke Tschechiens und als eines der „sieben Wunder“ des Landes.

Zum Glück liegt die Straße größtenteils im Schatten. Aber steil ist sie schon. 22 Kilogramm nach oben zu kurbeln, ist nicht ganz ohne. Knapp 900 Höhenmeter warten hier auf mich – und 1.000 Höhenmeter habe ich heute Morgen bereits gesammelt. Weitere 1.800 werden noch dazukommen. Da darf man ruhig einmal tief durchatmen.

Unterwegs gerate ich plötzlich in den Touristentrubel rund um die Kouty-Seilbahnstation. An einen großen Holzrahmen lehne ich mein Rad, um schnell ein Panoramafoto zu machen. Ein Mann giftet mich an: Das sei kein Platz, um ein Fahrrad abzustellen. Er möchte hier ein Foto machen. Ich auch. Missverständnis aufgeklärt. Danach fotografieren wir uns kurzerhand gegenseitig.

Von der Kouty-Seilbahnstation kämpfe ich mich weiter bergauf. Schön rechts bleiben! Von oben schießen unzählige Menschen jeden Alters mit Mountain Scootern herunter – einer Art Tretroller mit dicken MTB-Reifen. Ich fühle mich auf meinem voll beladenen Fahrrad plötzlich ziemlich langsam.

Schließlich erreiche ich den großen Speichersee und fahre die Runde um das obere Becken. Das Pumpspeicherkraftwerk ist eines der beeindruckendsten technischen Bauwerke Tschechiens. Der riesige Speichersee liegt auf rund 1.350 Metern Höhe oben auf dem Berg. Kurioserweise bekomme ich ihn gar nicht zu sehen. Ich fahre einfach rundherum und wundere mich die ganze Zeit über den See, der auf meiner Garmin-Karte eingezeichnet ist. Irgendwann ist das Rätsel gelöst, ich befinde mich unterhalb.

Dann folgt eine lange Abfahrt. Unterwegs mache ich wieder einmal Pause und hänge mein Zelt zum Trocknen am Straßenrand über ein Geländer. Man nimmt, was man kriegt.

Dann beginnt bereits der zweite Aufstieg dieses Parcours. Davor hatte ich mich gefürchtet. Wider Erwarten geht es zunächst in angenehmer Steigung nach oben. Noch … Dann allerdings verwandelt sich der Asphalt in Schotter – und mit der angenehmen Steigung ist es vorbei.

Steil, steinig und bis fast ganz nach oben. Wieder einmal heißt es viel Hike & Bike. Und das, obwohl meine Planungs-Apps Asphalt versprochen haben. Ja, Asphalt. Irgendwo zwischen viel Schotter und spitzen Steinen finden sich tatsächlich ein paar kleine Asphaltflecken.

Der Praděd ist mit 1.492 Metern der höchste Berg des Altvatergebirges und zugleich die höchste Erhebung Mährens und Oberschlesiens. Entsprechend groß ist der Touristenandrang. Oben wimmelt es nur so von Menschen. Zu essen gibt es leider nichts mehr. Nicht einmal ein Eis bekomme ich, denn dafür bräuchte ich tschechisches Bargeld. Also fahre ich ein Stück den Berg hinunter und kehre in einer Berghütte auf eine mittelmäßige Hühner-Suppe und Kuchen ein.

Danach geht es flott weiter bergab. Rund 70 Kilometer Abfahrt liegen vor mir, bis nach Opava. Bei Lidl kaufe ich noch für das nächste Frühstück ein und fahre anschließend wieder einmal mit viel zu viel Gewicht weiter. Das scheint sich zu einem Muster zu entwickeln.

Dann taucht ein Straßenschild auf: Irgendeine Straße ist wegen einer Baustelle gesperrt beziehungsweise umgeleitet. Ich wage es trotzdem. Ein Autofahrer kann mir wegen der Sprachbarriere auch nicht wirklich weiterhelfen.

Also fahre ich hinunter. Und immer weiter hinunter. Der Gedanke, hier irgendwann wieder zurück zu müssen, gefällt mir gar nicht. Irgendwann kommt mir ein Radfahrer entgegen, der Englisch spricht. Er beruhigt mich: Die Straße sei wegen eines Brückenneubaus zwar gesperrt, als Radfahrerin könne ich aber problemlos durch. Na gut. Weiter.

Wenige Kilometer später dasselbe Spiel. Straße gesperrt. Ich fahre trotzdem weiter. Wieder geht es fünf Kilometer bergab. Jetzt wieder umdrehen zu müssen, wäre wirklich blöd. Ein riesiger Traktor nähert sich von hinten. Ich deute nach vorne und mache ein fragendes Gesicht. Der Fahrer macht eine Handbewegung, die alles bedeuten kann: zurückfahren oder weiterfahren? Es bleibt spannend.

Schließlich rolle ich durch das nächste Dorf, in dem offenbar gerade irgendwelche Leitungen verlegt werden. Wasserleitungen? Das bringt mich auf eine andere Idee: Ich habe kein Wasser mehr. Ein Mann, der gerade frisch gemähtes Gras vor seinem Haus zusammenkehrt, ist so nett und füllt mir meine Flasche auf.

Dann komme ich durch Opava. Die Sonne geht gerade unter und ich beschließe, noch einmal an einer Tankstelle Halt zu machen. Wer weiß, wann ich wieder etwas kaufen kann. Und vor allem muss ich dringend mein Smartphone laden.

Ich kaufe gleichzeitig ein neues USB-Kabel. Es gibt allerdings nur welche mit 1,5 Metern Länge. Auf das bisschen zusätzliche Gewicht kommt es jetzt auch nicht mehr an … Kaum habe ich das neue Kabel angeschlossen, funktionieren plötzlich auch alle anderen wieder. Verflixt!

Weiter! Und „endlich“ geht es wieder bergauf. Es wird dunkel. Sehr dunkel. Meine Strecke führt durch einen Wald. Richtige Drakulawälder gibt es hier. Gruselig ist es. Dracula lebte aber in Rumänien, oder?

Ich telefoniere mit Hermann, um mich ein wenig abzulenken. Danach bin ich wieder allein. Gibt es hier Wölfe? Irgendwann geht der Wald in Felder über und ich komme wieder durch bewohntes Gebiet. Der Mond steht riesig am Himmel. Interessant ist aber, dass es bei jeder Abfahrt plötzlich eiskalt wird, während es weiter oben angenehm warm bleibt. Also muss ich meinen Schlafplatz wohl entsprechend wählen.

Nur: Wo soll ich überhaupt schlafen? Keine Ahnung. Ich fädle in einen Radweg ein, der an einem kleinen Fluss entlangführt. Das Dorf Stará Ves nad Ondřejnicí zieht sich lang dahin, überall stehen Häuser. Und dann finde ich tatsächlich den idealen Platz: einen kleinen Park zwischen Fluss und Häuserreihe. Ob ich hier jemanden störe, wenn ich mein Lager aufbaue? Ich stelle das Zelt unter das schützende Dach eines großen Laubbaums, mit Vorteil, dass ich mein Fahrrad an den Stamm lehnen kann. Perfekt!

Knapp fünf Stunden Aufenthalt sind eingeplant, davon etwa eine Stunde für Auf- und Abbau. Irgendwo bellt ein Hund. Bleibt die Frage: Wird mich jemand wieder wegschicken? Zum Glück nicht.

In die Slowakei – ein Tag zum Trödeln und Leiden

MI, 29.07. – Tag 10 – In die Slowakei und zum CP2

Unbehelligt schlafe ich, packe zusammen und frühstücke nebenbei ein paar Oreo-Kekse mit einer Dose Cappuccino. TCR-Frühstück kann so einfach sein.

Weiter geht es zunächst auf dem Radweg, später auf wenig befahrenen Straßen. Ich tauche nun in die nördlichen Ausläufer der Westkarpaten ein.

Vorausgeschickt: Heute wird ein Tag des Trödelns und des Leidens.

Schon am Morgen ist es ziemlich warm und meine Beine fühlen sich schwer an. Erster Stopp: Bäcker.

Vom Stausee Šance an der Ostravice biege ich auf die Hauptstraße Richtung slowakische Grenze ab. Die Straße ist zwar schön breit, aber sehr kurvig und die Verkehrsteilnehmer scheinen große Freude daran zu haben, hier besonders kräftig aufs Gas zu steigen. Ganz wohl ist mir nicht, denn die Straße ist teilweise unübersichtlich.

Zwischendurch liefere ich mir ein unfreiwilliges Wettrennen mit einem Mähfahrzeug des Straßendienstes. Wir überholen uns gegenseitig – wobei ich nicht sicher bin, wer von uns beiden dabei mehr Ehrgeiz entwickelt.

Es geht Richtung Grenzübergang Bílá–Klokočov. Dahinter liegt bereits die Slowakei.

Dann folgen fast 50 Kilometer Abfahrt. Zweiter Stopp: ein Bushäuschen. Ich mache Pause, ziehe mich aus, creme mich ein und komme dabei mit zwei älteren Frauen ins Gespräch. Eine von ihnen spricht Deutsch, weil sie als junge Frau in Wien gearbeitet hat. Sie ist beeindruckt von dem, was ich gerade mache.

Das motiviert mich tatsächlich ein wenig und guten Mutes rolle ich weiter. Bald schon der nächste Stopp: In der Stadt Čadca geht es zum Supermarkt. Vermutlich wird es bis zum Parcours 2(b), in Liptovský Mikuláš rund 150 Kilometer weiter, keine vernünftige Einkaufsmöglichkeit mehr geben. Und falls ich dort zu spät ankomme, kann es gut sein, dass ich erst am nächsten Tag wieder etwas kaufen kann. Also wird wieder gehamstert. Das Ergebnis: Noch schwereres Gepäck für die kommenden Berge – und das bei dieser Hitze.

Ich finde nach einigen kleinen Orientierungsschwierigkeiten wieder aus der Stadt hinaus und fädle kurz darauf in einen Radweg ein, der sich in Schleifen an einem Fluss entlangzieht. Die zusätzlichen Kilometer nehme ich gerne in Kauf, wenn ich dafür von der Straße wegkomme.

In Krásno nad Kysucou zweige ich auf den beliebten Radfernweg Bystrická cyklomagistrála ab. Dann passiert mir allerdings das, was mir heute offenbar unbedingt noch passieren muss: Ich lasse mich verleiten, eine vermeintliche Direttissima zu nehmen. Und plötzlich befinde ich mich hoch über dem eigentlichen Radweg.

Zwischen mir und dem Weg liegt ein steiler, felsiger Hang. Keine Chance, dort mit dem Fahrrad hinunterzukommen. Also zurück. Mehr als zwei Kilometer Umweg bringen mich schließlich wieder auf den richtigen Weg. Heute ist wohl nicht mein Glückstag.

Tipp: Dem Streckenverlauf auf dem Navi vertrauen und keine Abkürzungsversuche unternehmen. Das Navi weiß es manchmal tatsächlich besser.

Der Radweg führt anschließend auf einer alten Bahntrasse durch eine wunderschöne, schattige Landschaft entlang des namensgebenden Flusses. Und dann ereilen mich Gähnattacken. Auch das noch. Schon wieder ein Stopp: Powernap.

Danach geht es weiter hinauf zu einem kleinen Pass, dem Sedlo Lutiška. Oben gibt es einen kurzen Orangensaft-Belohnungsstopp auf einem Bänkchen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Nach der Abfahrt folgt in Terchová der nächste Tankstellenstopp. Eis und Cola. Maris sitzt hier und schläft. Ich muss weiter. Nun beginnt der nächste Anstieg. Auf dem letzten Kilometer wird die Straße so steil, dass ich schieben muss. Und das in der ärgsten Mittagshitze. Ich bin grottenlangsam. Über den Sattel Rovná hora geht es hinauf nach Demkovská, einem kleinen, touristisch geprägten Ort mitten in der Malá Fatra. Danach folgt eine lange Abfahrt über Lučivná und Párnica.

Doch sobald die Beine nicht mehr kurbeln müssen, kommt die Müdigkeit zurück. Ich gähne und gähne. Irgendwann glaube ich, die Augen nicht mehr offen halten zu können. Nicht schon wieder. Ein kurzer Powernap muss her.

Tipp: Bei Müdigkeitsattacken besser eine kleine Pause einlegen und maximal 10 bis 20 Minuten schlafen. Sonst besteht die Gefahr von Sekundenschlaf – und der ist beim Radfahren natürlich extrem gefährlich. Nach zehn Minuten Augen zu, auch wenn man nicht wirklich einschläft, fühlt man sich oft schon wieder deutlich frischer. Ich habe inzwischen sogar herausgefunden, wie sich mein Sekundenschlaf bemerkbar macht: Nicht die Augen fallen mir zu. Bei offenen Augen geht für einen winzigen Moment etwas wie ein Vorhang zu. Also: Stopp. Schlafen. Weiterfahren.

Heute gab es wirklich unzählige Stopps. Wenn ich auf einige davon verzichtet hätte, wäre ich früher bei CP2 angekommen und hätte eine schöne, lange Nachtruhe gehabt. „Hätte, hätte, Fahrradkette …“

Von Párnica geht es durch das breite Orava-Tal weiter Richtung Dolný Kubín. Und hier wird es richtig unangenehm. Auf der Hauptstraße Richtung Dolný Kubín donnern unzählige LKW mit ordentlich Tempo an mir vorbei. Wo immer möglich, flüchte ich auf kleine Nebenstraßen durch die Dörfer. Dafür geht es ständig hoch und runter. Lieber ein paar zusätzliche Höhenmeter als diese LKW-Hölle.

Ganz vermeiden lässt sich die Hauptstraße leider nicht. Die Strecke bis Dolný Kubín wird dadurch deutlich anstrengender und nerviger, als sie auf der Karte aussieht. Für mich bedeutet das vor allem eines: unheimlich viel Stress.

Endlich kann ich links Richtung Malatiná abbiegen und habe den LKW-Verkehr hinter mir. Was für eine Wohltat! Jetzt geht es wieder über kleine Straßen weiter – allerdings nicht ohne einige kräftige Gegenanstiege.

Vorher noch einmal ein Tankstellenstopp. Und hier überschreite ich eine persönliche kulinarische Grenze: Ich esse meinen ersten Hotdog meines Lebens.

Ich nehme nun wieder einmal einen Umweg, während meine Mitstreiter offenbar die direktere Variante wählen, ich vermute weiter über die Hauptstraße, vor der ich geflüchtet bin. Ein Berg steht mir im Weg. Unnötige Höhenmeter. Man gönnt sich ja sonst nichts. Davor gibt es noch einen Joghurt- und Müller-Milchreis-Stopp.

Parcours 2(b) und CP2

Am späten Nachmittag – wegen der vielen Stopps – bin ich endlich oben in Malatiná, am Beginn des Parcours 2(b).

Was sich mir aber bietet, hatte ich mir so nicht vorgestellt. Auf einer dicken Schotterschicht führt die Strecke steil nach oben. Schieben angesagt. Dann schlammige Wege. Anschließend wurzelige Trails, bis eine lange Abfahrt über eine frisch gemähte Wiese folgt.

Um mich herum ist Nathan. Beruhigend, in dieser Einsamkeit nicht ganz allein zu sein. Nach einer Abfahrt und zwei bitterbösen Anstiegen folgt der nächste Teil des Parcours: Die Route führt durch die beeindruckende Kvačianska Dolina, einer tiefen Felsschlucht.

Der Weg ist teilweise so steinig und schwierig, mit kleinen Steinstufen dazwischen, dass ich mein Fahrrad immer wieder schieben muss. Ich komme völlig aus meinem Rhythmus: Absteigen, schieben, aufsteigen, wieder absteigen. Zwischendurch komme ich an einer Aussichtsplattform vorbei. Von hier bietet sich ein ziemlich schauriger Blick tief hinunter in die Schlucht.

Irgendwann höre ich mit dem Schimpfen auf und füge mich in mein Schicksal. Mit dem voll beladenen Fahrrad ist dieser Abschnitt jedenfalls eher Abenteuer als gemütliches Radfahren.

Nathan ist schneller als ich, steht dann aber irgendwo mit einem Schaden. Abgesehen davon, dass ich technisch eine Niete bin, dürfte ich ihm ohnehin nicht helfen. Das ist eine der strengen Regeln des Rennens.

Nach einigem Auf und Ab erreiche ich schließlich Liptovský Mikuláš.

Mein Plan: noch schnell im Supermarkt einkaufen, der hat jetzt um 21 Uhr glücklicherweise noch geöffnet, und dann in meiner gebuchten Pension einchecken. Der riesige Supermarkt einer fremden Kette macht es mir aber nicht leicht, meine gewünschten Dinge rasch zu finden.

Meine Pension liegt günstig auf dem Weg zur Demänovská Dolina. Penzion Fortuna. Ich hoffe, nomen est omen und sie bringt mir tatsächlich Glück. Denn noch immer glaube ich nicht wirklich daran, dass ich in knapp zehn Tagen Kalamata erreichen kann.

Meine Wirtin wartet schon auf mich. Ich mache mich dann gleich wieder auf den Weg und nehme ich die Steigung zum Ende des Parcours in Angriff. Die rund 600 Höhenmeter auf knapp zehn Kilometern fallen mir in der kühler werdenden Nacht überraschend leicht. Dann bin ich oben. Und suche im Dunkeln vergeblich nach CP2.

Er soll sich im Hillview Jasna Chalet befinden. Hier oben gibt es ein Hotel Jasna. Alles dunkel. Etwas weiter unten entdecke ich eine Penzion Jasna. Auch dort niemand.

Was nun? Ich bin inzwischen schon etwa eine halbe Stunde hier oben herumgeirrt. Mein letzter Ausweg: die Telefonnummer der Veranstaltung anrufen. Hoffentlich habe ich Empfang.

Die Lösung des Rätsels kenne ich eigentlich. Meine Planung hatte die Änderung sogar berücksichtigt. Nur hatte ich nach der Änderung durch die Organisation den Track nicht mehr neu erstellt. Und nach so vielen Stunden auf dem Rad und in der Hitze macht das Gehirn wohl nicht mehr das, was es soll, logisch denken.

CP2 liegt etwa vier Kilometer weiter unten. Also fahre ich wieder zurück und hole mir endlich den begehrten Stempel – mit einem ordentlichen Zeitpolster von etwa zwölf Stunden. Dann geht endlich hinunter zu meinem wohlverdienten Bett. Schade um die verlorene Schlafzeit. Eigentlich wollte ich heute etwas länger Pause machen. Um halb eins liege ich endlich im Bett.

Am nächsten Morgen wartet ein wunderbares Frühstück auf mich: mehrere Eierspeisen, Obst, Gemüse, Müsli, Joghurt, frisches Brot und vieles mehr. Ein kleines Paradies nach diesen beiden Tagen. Dann muss ich mich leider von der netten Wirtin und der Penzion Fortuna verabschieden.

Die Reise geht weiter.

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