Frau + Karbon = Randonneur(in) - aber nicht nur ...

Schlagwort: randonnee

Rund um den Ortler: 4 Pässe-nonstop

logoTour d’Ortles – Brevet mit 250km/ 5450 Hm

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Letzter Juni-Tag: Ich und gefühlte hunderttausend Radfahrer und mindestens eine Million Motorräder sind in beiden Richtungen auf den Pässen rund um das Ortler-Massiv unterwegs. Chaos pur und nicht selten kritische Situationen …

Start in dunkler Nacht, 4 Uhr, in Meran, nachdem es eine Stunde vorher noch ein Erlebnis beim Aufpumpen des Hinterreifens meines Rades gibt: Nach einigen Minuten machte es pfffffffffpfffft, eine Pulverfontäne und Luft schoss aus einem Löchlein im Reifen.  Zur Erklärung: ich fahre tubeless Reifen und hatte in den letzten Monaten einen Wahnsinns-Verschleiß an Reifen. Auch der Vorderreifen ging, obwohl neu, nicht unversehrt an diesen Start (siehe V.R.V.). Also sollte der heutige Tag auch in dieser Hinsicht spannend werden. Es stellte sich sowieso schon die Frage, ob ich die Runde schaffen würde. Recht fit fühle ich mich eigentlich nicht. Aber ich wollte vor der Alpi4000 nochmal sehen, wie der letzte Pass dieser 1400km langen Tourtur sein würde: das Stilfser Joch … Angemeldet war ich heute alleine und so sollte es auch den restlichen Tag bleiben – so konnte ich alleine vor mich hinleiden …

Los und ich an der Spitze führte die Gruppe aus Meran heraus. Sofort nachdem wir in den Radweg einfädeln ist die Gruppe weg. War auch nicht anders zu erwarten, denn bei diesem ersten Anstieg auf die Töll habe ich keine Lust meine gefühlt spärlichen Kräfte schon zu verpulvern. A propos „verpulvern“: Ich hatte den defekten Reifen kurz vor Abfahrt nochmal aufgepumpt und wie verrückt gedreht. Ein wenig Hoffnung war vielleicht auch dabei, dass irgendwann der Reifen, als der vernünftigere, mich an der Weiterfahrt hindern würde: Der erste Aufstieg auf das Stilfserjoch sind sage und schreibe 2400 Höhenmeter, auf den Gavia rauf nochmal 1200, Tonale nur knapp 700 und Richtung Gampen sollten nochmal über 1000 Höhenmeter zu Buche schlagen. Eigentlich keine Tour, sondern eher eine Tortour… (der kleine Bruder zur Alpo4000??? – das ganze müsste in drei Wochen etwa 5-mal aneinandergereiht werden).

K800_20180630_044255Einsam auf dem Vinschgau-Radweg in die Morgendämmerung hineinkurbeln… traumhaft. Wenn nicht nur das gesamte Vinschgau zu dieser Zeit seine Obstwiesen-Bewässerungsanlagen eingeschaltet hätte. Immer wieder werde ich unfreiwillig geduscht. Schotter und Wasser und das Rad ist in kürzester Zeit verdreckt – und das an einem wolkenlosen Tag. Zwischenstop am Brunnen in Prad. Ich versuche mein Bike etwas sauber zu bekommen. Ein Radler fährt vorbei: „Donne …!“

K800_20180630_075555Die an die 50 Kehren hinauf zum Stilfser Joch erlebte ich mit gemischten Gefühlen. In drei Wochen werde ich die steileren Passagen wohl zu Fuß zurücklegen …  Heute habe ich hatte eine Geheimwaffe: HÖRBUCH. Die Zeit verfliegt mit der spannenden Geschichte und im Kopf kreisen nicht unablässig Hochrechnungen: Wie viele Kehren sind es noch? Wie viele Kilometer und Höhenmeter? Zwischendurch auch mal ein Schwätzchen. Ich treffe Stefano und ein paar andere ciclisti. Peinlich nur, dass ich die Namen immer wieder vergesse. Es ist aber auch K800_20180630_082004zu ungerecht – Die Männer haben nicht so viele Frauennamen  zu merken. Heute etwa ist das Mischungsverhältnis ähnlich wie immer: Wir sind mit einem Zehntel weit in der Minderheit.

Wider Erwarten bin ich schneller auf dem ersten Pass als bei der letzten Tour d’Ortles (ist schon drei Jahre her – die Leiden waren anscheinend schnell vergessen …). Schon spektakulär, wie sich die Straße in unzähligen Kehren nach oben windet. Recht frisch ist es hier oben. Nicht viel anzuziehen habe ich, also „schlotterte“ ich nach dem Stop bei der Kontrollstelle langsam talwärts nach Bormio, überholt von unzähligen Radfahrern . Irsinnig viele Motorräder und Autos von hinten und von vorne und jede Menge Radler, die auf der Gegenseite nach oben schinden. Nicht wenige kritische Situationen konnte ich vor mir beobachten. Lieber auf Nummer sicher und laaangsam.

In Bormio staut sich schon die Hitze. Den Kreisverkehr umrunde ich zweimal. Ich muss was aufheben. Auf der Straße liegt nämlich ein Paar Handschuhe. Ich brauche eine Weile, bis ich einen Stauraum dafür finde. Wer vermisst schwarze MTB-Handschuhe? Drauf gedruckt steht „Bergamo“. Bitte melden! Selber schuld, wer den Bericht nicht ganz liest. Die Hitze bei Stillstand noch unerträglicher. Die Sonne knallt nun auf dem endlosen Anstieg nach Santa Caterina. Und dann geht die Steigung erst richtig los. Immer wieder K800_20180630_124333kurze Rampen und der Gavia-Pass will und will nicht näher kommen. Unterwegs ein Bänkchen im Schatten. Ein Motorrad-Pärchen ist beeindruckt: So viele Kilometer und Höhenmeter … Das machen die nicht mal auf dem Motorrad.

Auf der Passhöhe treffe ich Andy. Bei der Abfahrt keine Chance dran zu bleiben. Das schmale Sträßchen nach Ponte di Legno ziemlich kriminell bei dem Verkehr. Radfahrer und Motorräder ohne ende, dazwischen mal ein Auto und es gibt kaum ein Durchkommen.

Den Tonale-Pass hatte ich angenehm in Erinnerung. Die Steigung moderat und überschaubar lang. Aber es kommt immer anders, wie man/frau denkt: Kein Lüftchen regt sich bei Temperaturen um die 35°. Unterwegs finde ich schon wieder was: ein praktischer Inbus-Schlüssel. Kann man immer mal brauchen. Und es ist eine Ausrede wieder mal vom Rad zu steigen. Im Täschchen hat er noch gut Platz.
Oben werde ich sehr nett empfangen. Eine Dame, Loris und seine Kollegen. Auch auf Andy bin ich wieder aufgeschlossen und auf Stefano. Hier treffe ich auch einen -wie er mir später erzählt- siebzigjährigen Herrn (Franco??), der sich diese Tortour auch antut. Alle Achtung!
In Anbetracht auf die 40 km hinaus durch das Val di Sole habe ich vor mich an die kleine Gruppe anzuhängen, die gerade startet. Pffffffpfft! Die freiwillige Helferin hatte es schon K800_20180630_143321vor mir gehört: Ein Platten? Es ist mein Hinterreifen. Bei der Hitze hat der sein „Notventil“ geöffnet um Druck abzulassen. Kennen wir ja schon: System Schnellkochtopf … Schrecksekunde meinerseits und Erklärung an die Helfer, dass das wahrscheinlich nicht so schlimm ist. Ich drehe schnell den Reifen und das Loch auf die Unterseite. Ich kontrolliere mit dem Daumen. Da ist anscheinend noch genügend Druck drin. Die Gruppe ist inzwischen aber weg. Ich rolle hinterher – verhalten. Man weiß ja nie … Nicht dass der Reifen einfach mal runter springt aus seinem Felgenbett. Immer wieder schweift mein Blick misstrauisch nach unten. Am Reifen tut sich nichts. Lieber nicht stehen bleiben und schauen, ob weitere Luft entweicht. Was man nicht weiß …
Wieder gefährliche Situationen. Motorradfahrer überholen in der dritten Reihe: Auto überholt Rad und die Motorradfahrer Radfahrer und Auto. Und die in der dritten Reihe kommen mir gefährlich nahe. Dass es da auf den Passstraßen nicht öfters kracht, wundert mich sehr.
In der brütenden Hitze – eine Tafel in einem Dörfchen zeigt 39°!!! – ist niemand unterwegs. Der Gegenwind fühlt sich wie ein heißer Föhn an. Aus den Augenwinkeln sehe ich in einem Bushäuschen Franco (?) von vorher. Auf einmal Sprühregen auf meine Unterschenkel. Eigentlich angenehm, aber … Ach ja, wieder mal der Vorderreifen, der Druck ablässt. Hatten wir auch schon ein paarmal heute. Nicht weiter schlimm. Mich wundert, dass überhaupt noch Luft drin ist. Die dünne Latexschicht auf dem Reifen wird irgendwann abfallen. Vom Rahmen und Beinen kann die Milch auch abgerubbelt K800_20180630_161017werden. Weiter. Endlich die Abzweigung nach Fondo.

Nun sollten es nur noch 32km bis auf den Gampenpass sein. Nur? Nein heute scheinen mir 32 Kilometer noch sooo viel. In der Hitze zudem an die 1000 Höhenmeter. Das endlose Auf und Ab hatte ich nicht mehr in Erinnerung. Unterwegs lockt ein Brunnen. Herrliche Erfrischung. Franco schließt auf und Stefano. Die beiden sind schnell weiter. Ich bekomme irgendwie keinen Speed mehr drauf. Erst hinter Fondo, da ist mir die Strecke bekannt und ich lege einen Zahn zu.
Endlich ist der letzte Pass, der Gampen erreicht. Wieder Stefano und Andreas. Und Klaus. Mit ihnen mache ich mich auf den Abwärtsweg. Natürlich entstochwinden die drei schnell meinen Blicken. Wie gehabt. In Lana warten Andy und Klaus auf mich. Nett von ihnen. Klaus hat ein schmerzverzerrtes Gesicht. Was ist los? Der immer wieder krampfende Oberschenkelmuskel hatte ihn schon zu einigen Geh-Einlagen gezwungen. Ich habe die rettende Idee. Meine gesalzene Nussmischung ist immer noch unberührt in meinem Oberrohtäschchen. Mit viel Wasser runtergespült wirkt das anscheinend sofort Wunder. Auch die kleinen Gegenanstiege nun ohne Krämpfe. Und bald sind wir im Ziel. Hermann ist auch schon da. Er war von Brixen über den Jaufen geradelt, um mich abzuholen. Schön. Brevetkarte abgeben. Und zur Dusche. Davon hatte ich nicht wenige Male geträumt heute in der Hitze … Die leckeren Nudeln helfen die Energiereserven wieder aufzufüllen und zwei Eis … Heute habe ich die wirklich verdient.

Fazit 1: Sehr schöne Veranstaltung, aber sehr hart: 250 KilomeUnbenanntter/ 5450 Höhenmeter. Einen herzlichen Dank an die Organisatoren und die vielen freiwilligen Helfer vom Athletic Club Merano.
Fazit 2: Die Panoramen sind traumhaft. Alleine unterwegs zu sein ist nicht so schön, als wenn man diese mit jemandem teilen kann und ebenso die Leiden. Denn die sind bei so einem Event auch vorprogrammiert. Zum Glück vergisst man schnell.
Fazit 3: Der Verkehr auf den Pässen. Mitunter kriminell. Ich bin dankbar, dass ich da heil durchgekommen bin.

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Die Nacht zum Tag machen …

Edelweiß-Tour (460 km/ 3500 Hm)

Wer radelt so spät durch Nacht und Gewitter?
Es sind die Edelweiß Drahtesel-Ritter …
(frei nach Goethes Erlkönig)

Bicigrill Bike Break, Faedo – 9.00 Uhr                                                          Italiano
Ein Tross aus etwa 50 Pedalrittern setzt sich in Bewegung. Richtung Norden. Alle haben dasselbe im Sinn, nämlich sich im Kreise zu drehen: Über den Brenner-Pass nach Innsbruck, über Landeck immer dem Inn entlang zu seinen Ursprüngen im Oberinntal, durch das Dreiländereck bei Martina, Reschenpass und runterrollen durch das Vinschgau nach Meran, weiter nach Bozen und über den Kalterer See wieder nach Faedo.
Strava

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Hermann hat nach der 999miglia und der LEL nicht wirklich Lust sich nochmal eine Nacht um die Ohren zu schlagen und entschließt sich (nicht schweren Herzens) bis zum Brenner mitzufahren. So hängen wir uns an das buntradbeshirtete Führungsgrüppchen an. Es geht flott dahin bis kurz vor Klausen. Da zerstreut sich. Vorbei an Klausen. Hmmmhhhmm, wo sind die denn alle abgeblieben? Vermutlich in einem der Lokale in der wunderschönen Klausner Altstadt hängen geblieben – zum Holbmittogn (=Halbmittag). Wir pedalieren weiter, alleine … Nein nicht ganz ein pinkfarbenes Radshirt bleibt uns an den Fersen, Ivan, wie sich später herausstellen wird. Kurz nach Brixen, eine weibliche Stimme, Laura M., etwas ungehalten über das Stück Radweg. Wir haben es vermieden, weil der Untergrund sich nicht wirklich für zarte Rennradreifen eignet. Und schon entschwindet sie mit Enzo unseren Blicken. Sie ist ja auch – wie auf ihrem Radshirt zu lesen ist – auf dem Weg zur RAAM (=Race Across Amerika) …
Auf dem Brenner kurze Kuchen-Ess-Pause, man gönnt sich ja sonst nichts … und den ersten Stempel ins Brevet-Büchlein drücken lassen. Dann muss  ich alleine weiter. Alleine? Nein, Ivan wartet schon.
Den starken Gegenwind merkt man kaum, denn es geht kilometerlang abwärts. Kurz vor Innsbruck der steile Aufstieg nach Mutters, uns bleibt nichts erspart … Hätte man da nicht weiter unten um Innsbruck rum können? Wieder unten im Inntal hat sich der wolkenlose Nachmittagshimmel plötzlich bedrohlich zugezogen. Nach einem Verhauer sind wir endlich auf dem Inn-Radweg. Und schon fallen die ersten großen Tropfen. Über der Axamer Lizum gehen die Blitze nieder. Ist ja weit weg …!!?? Blitz und Krach! Schnell unter der Autobahnbrücke Schutz suchen. Eine Essenspause hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt. Nach einer halben Stunde ist das Ärgste vorbei. Komisch nur, dass wir schon stundenlang niemanden von der Randonneé gesehen hatten. Wo sind die denn alle? Ich schlage Ivan vor, er könne ja schon vorausfahren, er müsse nicht auf mich warten … Er gesteht mir, dass er kein GPS-Gerät habe und seinen Kumpel „verloren“. Und so geht es weiter. Ich mit Ivan im Schlepptau. Es gibt einiges zu sehen. Tiere. Eine Ringelnatter. Große Hasen schlagen Haken. Drei Gämsen. Nanu, was machen denn hier unten im Talgrund?  die  Nicht sehr weit kommen wir, dann ist es wieder duster und noch zweimal erreichen wir rechtzeitig einen Unterschlupf vor Blitz, Hagel und Sturzbächen.  Es dämmert und so heißt es Lichter an. Nun wird sich zeigen, was die Sigma Buster 2000 verspricht. 10 Stunden soll der Akku halten. Hoffentlich. Ich fahre nämlich nicht mehr mit Nabendynamo. Ob das eine gute Entscheidung war? Um die Geräte aufzuladen muss ich nun auch noch eine Powerbank mithaben. Hermann hatte mich schon tadelnd gefragt, was ich schon wieder alles Überflüssiges mitschleppte, weil mein Rad so schwer sei. Im Dunkeln überholen einen Radler der Edelweiß Tour. Nein, eine Radlerin. Olga. Endlich in Landeck beginnt die Steigung. Zum Glück auch durch das Oberinntal verläuft die Strecke immer auf einem Radweg. Es ist inzwischen fast Schlafenszeit. Die Müdigkeit kommt, hatte ich doch in der letzten Nacht bei Verena und Ivo gefeiert und wenig geschlafen. Ich beschließe für mich bei der netten Kapelle mit Bank eine kurze (Schlaf-?)Pause zu machen. Aber Fehlanzeige, vom Regen ist alles nass. Also weiter. Den Radweg entlang, auf und ab. Schwarz glänzender nasser Asphalt. Komisch, haben sie da ein Stück anders … andere Farbe, glatter … „Wusch!! Es spritzt nach allen Seiten, bis zu meinen Knien reicht die Wasserfontäne. Schuhe, Socken – alles pitschnass, zum Glück ist es nicht sehr kalt.  Ein Dörfchen. Mehrere Hotels. Haben die es gut, die Leute, die jetzt schlafen gehen dürfen. Schlafen! Das wird zu einer fixen Idee. Eine Bank. Nein, keine Sitzbank. Die hier hat einen Vorraum. Trocken. Ich erinnere mich, dass Peter W. erzählt hatte, dass er öfters in so einem Banken-Vorräumen geschlafen hat oder in Bushaltestellen-Häuschen. Könnte ich da nicht auch …? Ich bleibe wieder stehen. Das wird Ivan wohl nerven … Aber nein, geduldig ist er … bleibt ihm aber auch nichts anderes übrig. Ich ziehe mal was Warmes an, stecke meine Füße trocken besockt in Nylontüten und überlege. Nein, hier zu schlafen, da habe ich doch Hemmungen. Also weiter. Geht eh wieder. Wir kommen zur Schweizer Grenze. Man muss als Radfahrer nämlich den Umweg über das Dreiländereck nehmen, da die Reschenpass-Straße sich durch viele Galerien – für Radler gefährlich und verboten- nach Oben windet. Also rein in die Schweiz und nach 50 Metern das Land wieder verlassen. Keine Grenzkontrolle. Die Beamten sind wohl auch schon schlafen gegangen. Schlafen! Neben dem Grenzhäuschen entdecke ich eine Bank, geschützt unter einem Dach. Das wäre es! Ich überrede Ivan schon weiter zu fahren. Es sei ganz leicht. Nach Nauders und dann immer über den markierten Radweg bis zurück nach Faedo. Ich lege mich hin. Angenehm eingepackt in meine warme Jacke. Jetzt, wo ich liege, will der Schlaf nicht kommen. Es fröstelt mich doch etwas, die Bank ist hart. Ich höre Stimmen und setze mich auf.  Urs und Elena. Ich fahre weiter. Bekomme über die 10 Serpentinen wieder richtig warm. Auf dem Reschen alles zu. Stempel? Ich mache ein Foto von der Ortseinfahrt und fahre gleich weiter, rechts um den See herum. Jetzt nur noch 150 km hinunterrollen. Wieder Tiere. Kröten wenden mir ihre weißen Bäuche zu. Ein großer Fuchs mit seinem buschigen weißen Schwanz. Steil geht rolle ich abwärts bis Glurns. Müdigkeit macht sich wieder breit. Solange man treten muss, geht es, aber beim Abwärtsrollen droht bei Übermüdung der Sekundenschlaf. Sollte ich vielleicht doch nochmal …? Es ist inzwischen zwei Uhr vorbei. In Prad am Brunnen bereite ich wieder ein Schlaflager. Diesmal halte ich es aber nur an die 10 Minuten aus, wieder ohne Schlaf. Weiter.  Von Ivan keine Spur mehr. Fischteich Brugg. Leider zu. Schade. Hatte mich schon auf Pasta und Kuchen gefreut. Weiter. Und weiter gegen die Müdigkeit ankämpfen. Ich komme bis zur Radbar. Leider auch zu, aber einladende Bänke. Wieder Jacke an und ich begebe mich in die Horizontale. Einige Minuten, dann höre ich was. Was war das? Ein leises Rauschen und noch eines. Vielleicht Elena und Urs. Schnell auf und weiter, vielleicht kann ich mich da ranhängen. Nicht weit, dann sehe ich die beiden. Sie ziehen an oder aus. Ich vorbei. Endlich wird es hell am Horizont. Nach Meran sehe ich einen Radfahrer mit rot-weißer Radhose. Das wird doch nicht … Doch es ist Stefan F.. Wir quatschen etwas und die Zeit vergeht wie im Fluge. Vor Bozen muss ich abbiegen. Musseu hat sich da was Besonderes einfallen lassen. Abstempeln beim Kalterer See. Ich muss also noch über den Radweg, der auf der alten Bahntrasse verläuft. Aber irgendwer hat da den Weg wohl „aufgestellt“ oder hat das mit der Auffaltung der Alpen zu tun? Irgendwie kommt es mir hier heute steiler vor … Die letzen Kilometer auf dem Etschtal-Radweg rollen wieder so richtig. Mit Rückenwind und einem Schnitt von über 30 km/h. Beim Bicigrill in Faedo ist nichts los … Keine Radler, wie ich vermutet habe. Aber ich bin auch erst die Vierte, die angekommen ist … Jetzt erklärt sich auch, warum ich kaum mal jemanden gesehen habe auf der Tour. Übrigens, Ivan ist noch nicht da … Der wird sich doch hoffentlich nicht verfahren haben?

Danke Musseu für das Erlebnis! Danke auch Emilio P. vom Bicigrill Bike Break, dass er uns den Parkplatz zur Verfügung gestellt hat und uns so schön verpflegt hat.

lorettaVorbereitung: Loretta bei der Registrierung

K800_20170826_095101K800_20170826_134721Hermann mit Ivan im Schlepptau

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Blick Richtung Nordkette von Götzens ausK800_20170826_161609
Es braut sich was zusammenK800_20170826_164710K800_20170826_165033
Im Westen wird es hellerK800_20170826_174833_001
Die hohe Munde

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In dieser Nacht waren noch andere Leute auf: Das wunderbare Foto hat Petra Stenz gemacht. Danke Petra!

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Beweisfoto in ReschenK800_20170827_060654
Kurz vor 6 Uhr. Endlich wird es hellK800_20170827_081531_001
Abstecher zum Kalterer See

Randonnée zur Wintersonnenwende

malcesine
Solstizio d’inverno … am Sonnensonnwend-Tag … nein, in der Nacht rund um den
Gardasee … Das wird schon langsam Tradition. (Qui il solstizio dalla vista di Fabio)img_6195

Dieses Mal fand dieses Event schon das 5. Mal statt, 4-mal war ich auch dabei. Das Event,
das sich laufender Beliebtheit erfreut, wird immer am Samstag nahe am 21.12. ausgetragen und ist sage und schreibe 203,6 km (1200Hm) lang. Von Arco wird zuerst nach Norden, vorbei am Toblino-See, nach Santa
Massenza gefahren, dann zurück nach Arco und weiter die Runde um 15493738_964363517030113_1567871085996548378_oden Gardasee – im Uhrzeigersinn.
Waren bei der ersten, inoffiziellen Version (das war zugleich mein allererstes Brevet und besonders in Erinnerung, weil unvorhergesehene Schwierigkeiten, im Nachhinein wirklich zum Lachen …), wo war ich bei diesem Mammutsatz? Ach ja, bei der inoffiziellen Fahrt waren wir zu 8, 7 Männer und 1 Frau, wer wohl?? Haha, Lumi lässt nichts „anbrennen“.
An den nächsten Sonnwendevents 🙂 waren dann zunehmend Teilnehmer … und dieses img_6199
Jahr fast 300 Anwärter, darunter 70 Meldungen aus Deutschland – vermutlich angeregt
durch den Beitrag von Manuel Jekel in der Tour im März), auch wenn schlussendlich einige auf den Start verzichtet haben aufgrund der Wettervoraussage. Waren die letzten Ausgaben vom Wetter bzw. Temperaturen verwöhnt (vom Dauerregen 2014 mal abgesehen …). Die Voraussagen sprachen von Temperaturen um
den Gefrierpunkt … und so war es dann auch, im Süden peschierades Gardasees hatte es -5° … Aber
was einen nicht umbringt, macht einen nur stark … auf jeden Fall hält es wach – *lach*.
Angenehm die neue Streckenführung auf der Eingangsschleife. Hier wurden dieses Jahr die Hauptstraße vermieden, welche Wohltat. Es ging anfangs durch Obstwiesen (etwas rutschig wegen Reifs, dann hinauf zum Cavedine-See. Anschließend bei der See-Umrundung ist der Verkehr sowieso kein Problem mehr: Die vernünftigen Leute schlafen zu der Zeit und treiben sich nicht auf Rennrad-Reifen in der Dunkelheit und Kääääälte herum … Aber man muss ja nicht immer vernünftig sein …
Ich startete zwar alleine, Hermann konnte leider kurzfristig nicht mit, fand aber ab Santa Massenza Gesellschaft:  Luciano. Das ist das Schöne an den Brevets, dass der Stress von Radrennen
wegfällt … und sich Zufalls-Fahrgemeinschaften finden. Die Schnellen ließen wir gruppenweise passieren, denn beide waren wir der Ansicht, Fahren in der Gruppe nachts 433359-yrju758ezf23-dsc05013-largebei unberechenbaren Fahrbahnverhältnissen liegt uns nicht. „Gemütlich“ tingelten wir durch die wunderschön weihnachtlich geschmückten Dörfer und waren um Dreiviertel auf Sechs wieder am Ausgangspunkt. Kurz zuvor hat mich der Mann mit dem Hammer voll erwischt: Vor Limone kam in Wellen die Müdigkeit und meine Beine streikten. Ich hatte wahrscheinlich
zu wenig gegessen und getrunken (bei läppischen 200km braucht frau ja fast nichts …) und als ich einige Kinderschokolade-Riegel und Sesamschnitten verdrückt hatte, ging es wieder aufwärts (obwohl es in Wirklichkeit nur noch abwärts ging, haha) und die letzten 20 km ragten nicht mehr als  drohendes Ungeheuer vor mir in die Nacht (wie sehr doch Strecken relativ sind … 1600 vor dir … ok, passt schon … aber 20 km können sich endlos ziehen …).
In der „Pasticceria Conti d’Arco“ angelangt (reine Fahrzeit: 8:21), machen allerhand 20161218_054620Leckereien die „Leiden“ vergessen. Und die Gedanken schweifen schon zu den nächsten Brevets … in der Frühlings-Wärme oder vielleicht doch im oft verregneten England???? Geübt genug haben wir ja …
Danke, Fabio!!!!

Grazie Fabio, Illaria, Luciano e Petra per le foto!!! Foto Malcesine
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Rando Imperator – Via Claudia Augusta zum Zweiten

Huch, ich seh „Gespenster“ … vor meinem linken Auge flirren ein paar Mücken herum … Was ist denn das? Abklärung beim Augenarzt: Glaskörperablösung und dadurch „mouches volantes“. Aber nicht genug – ein kleiner Netzhauteinriss muss gelasert werden … körperliche Schonung wird mir verordnet für ein paar Tage … EIN PAAR TAGE???? Das bedeutet … Donnerstag, Freitag? Sind DAS ein paar Tage??? Samstag sollte die Rando Imperator von München nach Ferrara -organisiert von Witoor- starten, auf die ich mich schon so lange gefreut hatte.  Zu dumm. Was also tun? Vernünftig sein und auf die Radfahrt verzichten? Unvernunft könnte mein Augenlicht gefährden … Also doch vernünftig sein … oder nur ein bisschen unvernünftig? Ich entscheide mich für „ein bisschen vernünftig“ … ich würde mit den Athleten starten, die sich für die kurze Variante eingeschrieben hat, starten. Ein kleiner Trost ist der Wetterbericht: Er sagte Verhältnisse voraus, wie im Jahr zuvor (hier lesen). Eine Familienhälfte, Hermann, ging wie geplant mit 150 anderen Verrückten um 4.30 Uhr in München auf die 666-Kilometerstrecke.  Fast den ganzen Tag im Regen. Ich fahre unseren California nach Bozen und warte abends auf dem Waltherplatz auf Hermann. Ein paar Stunden Schlaf und dann starten wir gemeinsam Richtung Ferrara. Die Strecke: Immer dem Radweg entlang. Erster Stopp beim Bicigrill in Avio, dann weiter an den Gardasee und dem Mincio-Radweg entlang nach Mantova. Dort 6aK1024_20160515_173542Bewirtung und weiter geht es Richtung Osten auf dem Po-Deich nach Ferrara.  Die Gruppe haben wir irgendwann ziehen lassen, die Radler mit den frischen Beiden waren uns etwas zu schnell unterwegs. Hermann hatte ja schon fast 400km hinter sich und ich sollte ja vernünftig sein …  Irgendwann haben wir uns dann in einer Dreigruppe zusammengefunden: Andrea und Hermann, beide in München gestartet und ich. Am Mincio-Radweg war diesmal etwas weniger los. Die Kilometer flossen so dahin. Auf den ewig  langen Geraden hatte ich Zeit nachzudenken … Was, wenn das doch nicht so eine gute Idee war? Spüre ich irgendeine Veränderung am Auge? Nein …, aber … jetzt ist es sowieso zu spät. Ich versuchte so zu tun, als wäre das eine ganz gemütliche Radltour. Nach fast 200 km will das mein Körper nicht so ganz glauben …
Ab Mantua dann die Überraschung: in der Ferne bleierner Himmel, Gewitterwolken. Da 8K1024_20160515_195352würde es uns wohl ordentlich einweichen später. Auf dem Po-Deich bremste uns ein ganz strammer Gegenwind ein. Ich fühlte mich irgendwie verpflichtet, den anderen, die schon einen halben Tausender hinter sich haben, den Wind abzuhalten. Die Gewitterfront holten wir zum Glück nicht ein. Irgendwann bei Dämmerung verließen wir endlich auch den Deich und windgeschützt ging es auf einer schönen Allee, der Burana, die letzten 10 Kilometer nach Ferrara. Ziel vor dem Castello Estense. Wunderbare Kulisse!K1024_13240721_10207906543996116_4929936932532536162_n
In der Unterkunft dann die nächste Überraschung: Kein einziges Teil aus dem Rucksack mit der Wechselkleidung war trocken. Handtuch, Pyjama, …, alles pitschnass, die Rucksäcke sind wohl statt unser in das Gewitter gekommen … (Im Ziel hatte das Zelt den Sturmböen nicht standgehalten und sindflutartige Regengüsse waren niedergegangen). Aber nach 315 Kilometern ließ mich das alles eher kalt. Auch mit einem nassen Handtuch kann man sich noch die Tropfen vom Körper wischen, ich schlafe halt in der Radjacke und am nächsten Tag … der ist ja noch sooo weit weg, fahre ich halt im Radgewand nach Hause … egal … jetzt nur noch schlafen … Wir hatten ja noch Glück gehabt, denn unsere Zimmermitbewohner, Vonni und Peter, bekamen etwas nach uns auch noch Regen ab und nicht nur ihr Wechselzeug, sondern auch sie selbst waren plitschnass. Aber ich glaube Vonni hat das auch ziemlich kalt gelassen, denn – Detail am Rande- sie hat die GANZE Strecke mit dem Mountainbike zurückgelegt und nicht mit einem leichten und auch nicht mit glattem Reifenprofil – einfach IRRE!!!

Wenn ich auch nur die Hälfte fahren durfte, so war es doch wieder schön und vor allem vernünftig, wie vernünftig wird die Arztvisite nächste Woche zeigen …
Mal schauen, ob ich nächstes Jahr wieder die ganze Via Claudia Augusta fahren darf … Grazie, Andrea, per alcune delle foto!!

Tour-Magazin Nr. 3: Bericht über Solstizio d’inverno

19/12/2015 Solstizio d’inverno,  Arco – nachts um den Gardasee

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Das aktuelle Tour-Magazin steckt vor ein paarsolstizio_1 Tagen in meinem Postkasten. Der Absender, Manuel Jekel, hat ein Kärtchen beigeheftet: „Hallo Gabi, noch mal vielen Dank für den tollen Tipp. Ohne dich gäbe es die Geschichte nicht.“

Solstizio d’inverno – Wintersonnenwende – eine Randonneé ein paar Tage vor Weihnachten … nachts um den Gardasee, 200km. Manuel
Jekel hat einen sehr emotionalen Bericht für die Ausgabe 3 des Tour-Magazins verfasst.

Leider ist die Bildqualität nicht so, dass man den Bericht lesen kann … deshalb tippe ich ein paar Zeilen ab … Schon deswegen, weil ich auch darin vorkomme …
Lest selbst …gardasee

„Manche Radsportler bekommen nicht genug von ihrem Hobby. Manche
Radsportlerinnen auch nicht. Gabi Winck ist so ein Fall. Die 53-jährige Lehrerin aus Brixen hat ein intensives Jahr hinter sich, als sie am Vorabend des vierten Advent mit ihrem Rennrad auf der Piazza Marchetti im Zentrum von Arco steht. Im Frühjahr 2015 hatte sich die Südtirolerin durch die strapaziöse Qualifikation für das 1.200-Kilometer-Brevet Paris-Brest-Paris gekämpft. Nachdem sie dort im August erfolgreich gefinisht hatte, gönnte sie sich nicht etwa eine Ruhepause. Vielmehr wechselte sie aufs Mountainbike, fuhr einen Marathon und zahlreiche Touren in ihren geliebten Dolomiten. Nun als Saisonausklang noch eine 200-Kilometer-Runde um den Gardasee. Fünf Tage vor Heiligabend. In der zweitlängsten Nacht des Jahres.
Randonneé del Solstizio d’inverno heißt die Veranstaltung, für die Gabi Winck nach Arco gekommen ist. Solstizio d’inverno bedeutet Wintersonnenwende auf Deutsch, und Initiator des schrägen Treffs zum ungewöhnlichen Termin ist Fabio Albertoni, ein 40-jähriger Langstreckenradler aus Arco. Die Idee kam ihm vor einigen Jahren bei einer ähnlichen Distanzfahrt im amerikanischen Seattle – einem Brevet, das durch die längste Nacht des Jahres führte. Nicht obwohl, sondern weil es dann besonders lange dunkel ist.
Albertoni war sofort angefixt. Im Dezember trommelte er sieben Mitfahrer zusammen, darunter Gabi Winck. Im zweiten Jahr kamen bereits 50 Teilnehmer, 2014 trotz Horrorwetters sogar 100. „Anfangs hielt ich die Idee selbst für ein bisschen bizarr“, sagt Albertoni. „Aber offenbar trifft die Veranstaltung bei vielen Leuten einen Nerv.“ (Tour 3, S. 117)

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