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Video Tag 10, 11 und 12:

Hermanns Geschichte … ich hatte am Nachmittag zuvor entschieden die Strecke abzukürzen, da mein Infekt wieder aufgeflammt war. Das hatte zwar unser DNF zur Folge, konnte das Drama aber nicht aufhalten … Was wäre, wenn ich anders entschieden hätte …

Tag 10 – Hermann
142,35 km | 1.732 Hm | 10 Stunden in Bewegung

Der Tag begann früh – um fünf Uhr früh saß ich beim Frühstück, die erste Wärme des Tees noch in den Händen, während draußen die Nacht langsam verblasste. Eine Stunde später, mit dem ersten Licht, packte ich mein Biwak zusammen und machte mich auf den Weg, hinein in den letzten Abschnitt des einsamen Loops.

Die Strecke war rauer als erwartet: sumpfige Passagen wechselten sich mit fast weglosen Abschnitten ab, das Rad tänzelte über matschige Spuren. Gegen Vormittag traf ich Damian aus Polen, der gerade sein Zelt zusammenpackte. Wir fuhren eine Weile gemeinsam – zwei Gestalten in der endlosen Weite Kirgistans.

Gegen Mittag erreichten wir die Stelle, wo der Weg über den Fluss zum Militärcheckpoint führte. Laut Veranstalter war die Brücke unpassierbar, wir mussten also durchs Wasser. Damian war etwas voraus, als ich ihn plötzlich mit weit aufgerissenen Augen zurückkommen sah – klatschnass und sichtlich erschüttert. Die Strömung hatte ihn umgeworfen, nur mit Mühe konnte er sich und das Rad retten.

Gemeinsam mit Tobias, der inzwischen aufgeholt hatte, suchten wir weiter flussabwärts eine bessere Stelle. Schließlich fanden wir eine seichtere Passage – immer noch knietief, aber ruhig genug, um das Rad geschultert sicher hinüberzutragen.

Nach der Kontrolle beim Militärposten ging es wieder bergauf – die Sonne stand mittlerweile hoch, der Wind blies uns unablässig entgegen. Der Anstieg zum Suyekpass mit seinen 750 Höhenmetern zog sich, aber diesmal begleitete mich Sonne statt Schneetreiben. Oben, auf über 3.000 Metern, lag die Landschaft weit und golden unter mir.

Die Abfahrt war zunächst pure Freude – grober Schotter, aber schnell, das Rad tanzte über die Steine. Dann flachte der Weg ab, der Gegenwind kehrte zurück, und jeder Tritt kostete Kraft. Die neun Kilometer zur Kumtorstraße – jene Strecke, die Gabi gestern im Schneesturm bewältigt hatte – zogen sich zäh dahin. Immer wieder donnerten Sattelschlepper vorbei, Staub und Diesel in der Luft.

Die Kumtorstraße selbst, Zufahrt zur riesigen Goldmine, wand sich in unzähligen Kehren durch das Barskoon-Tal. 2.000 Höhenmeter hinunter bis zum Issyk-Kul-See – eine spektakuläre Kulisse, aber gegen Nachmittag lag das Tal schon im Schatten, die Kälte kroch in die Finger.

Auf halbem Weg tauchte plötzlich das Gagarin-Denkmal auf – das steinerne Gesicht des Kosmonauten, in einen Felsen gemeißelt. Ein surrealer Gruß aus einer anderen Zeit.

Später traf ich einige Fahrer, die mir einen Tag voraus waren – sie kämpften sich noch die letzten sieben Kilometer hinauf. Erst da wurde mir bewusst, dass ich genau diese Strecke morgen wieder hinauffahren würde.

Kurz vor Tamga kam mir Gabi entgegen, strahlend, und gemeinsam rollten wir zum Checkpoint 3. Nach Tagen in der Kälte, im Zelt, im Wind – endlich eine Dusche, ein richtiges Bett. Wir übernachteten im Guesthouse Inspiration bei Olga.

Am nächsten Morgen begann der Tag mit einer kleinen Episode kirgisischer Improvisation: Das Tor des Gästehauses war noch verschlossen, ich kletterte kurzerhand darüber, um im Kontrollpunkt zu frühstücken. Als ich zurückkam, hatte Olga geöffnet – und mit einem Lächeln auf den versteckten Schlüssel in der Mauernische gezeigt. Wenn man das doch früher gewusst hätte …

Tag 11 – Hermann
97 km | 3.212 Hm | 12 h 37 min Bewegungszeit

Tosor-Pass, Hike-a-Bike, Auffahrt Kumtorstraße, Barskaun-Pass, Übernachtung auf 3.800 m

Nach einem langen, stärkenden Frühstück mit ein paar anderen Fahrern startete ich allein. Gabi wollte sich auskurieren und gemütlich die 90 Kilometer am Issyk-Kul-See entlangradeln – ihr Plan war, mich in zwei Tagen wieder einzuholen.

Die ersten zehn Kilometer rollten leicht dahin: Asphalt, Baustellen, ein trügerisch entspannter Start in den Tag. Dann bog die Route auf die Tosor-Pass-Strecke ab – 2.400 Höhenmeter, im Schnitt sieben Prozent Steigung. Ich wusste, was das bedeutete: ein langer, zäher Anstieg in die dünne Luft.

Doch die Steigung war erstaunlich gleichmäßig, fast rhythmisch. Die Landschaft öffnete sich – grüne Hänge, glitzernde Bäche, darüber scharfe Gipfel mit weißen Gletscherkappen. Ich fühlte mich stark, erholt, der Körper arbeitete ruhig. Nur der letzte Kilometer forderte Tribut: so steil, dass ich absteigen musste.

Oben, auf 3.890 Metern, blies mir der Wind entgegen, aber der Blick war überwältigend. Ich hielt mich nicht lange auf – die Vorfreude auf die Abfahrt trieb mich weiter.

Doch die Ernüchterung kam schnell. Der Weg hinunter war steinig, rau, jeder Meter verlangte Konzentration. Nach kurzer Zeit bog ich links ab, folgte einer Spur in den Talboden. Fahrspuren wurden sichtbar, leicht ansteigend – doch immer wieder musste ich absteigen. Das Gelände war unberechenbar: Geröll, Felsen, Bäche.

Was als „leichter Abschnitt“ angekündigt war, entpuppte sich als endlose Abfolge von Hike-a-Bike-Passagen. Stundenlang hob, schob und balancierte ich das Rad über Steine, watete durch kalte Bäche, stolperte über Moränenreste. Einmal kam ich an eine abgerutschte Stelle – ein Fehltritt, und ich wäre in die Tiefe gerutscht. Ich fluchte laut in die Bergstille. Nelson hatte uns ja gewarnt: Hier würde es noch zäh werden.

Nach fast sechs Stunden Schinderei öffnete sich das Tal endlich, ein Fahrweg erschien, und nach ein paar hundert Metern mündete er in die Kumtorstraße. Dort traf ich Jos und Markus – erschöpfte Leidensgenossen, die ebenso laut wie ich über diesen Höllenabschnitt fluchten.

Die Sonne neigte sich bereits dem Horizont, die Luft kühlte rasch ab. Vor mir lag der nächste Aufstieg – 700 Höhenmeter auf das Arabel-Plateau, über 3.700 Meter hoch. Mir war klar: Das würde eine kalte Nacht werden. Ich hätte unten in einem alten Container übernachten können, wie es viele Fahrer taten, doch ich entschied mich weiterzufahren. Die Temperaturen waren noch erträglich, der Verkehr spärlich.

Zwei Stunden später war es dunkel. Nur der Lichtkegel meiner Lampe tanzte über den Schotter, während ich langsam Höhe gewann. Ein einziger LKW rumpelte vorbei, dann wieder Stille. Oben auf dem Plateau war es eisig. Ich wollte noch ein Stück weiter, vielleicht eine Jurte finden. Und tatsächlich – eine leuchtete am Straßenrand.

Ich klopfte, doch sie war schon voll – Radfahrer lagen dicht an dicht, eingehüllt in ihre Schlafsäcke. Also weiter. Nach ein paar Kilometern fand ich eine ebene Stelle unweit der Straße. Ich war erschöpft, fror, baute rasch das Zelt auf, blies die Matte auf und zog an, was ich hatte.

Endlich im Schlafsack wollte ich mir noch eine warme Mahlzeit machen – doch der Piezozünder meines Kochers versagte. Kein Funke. Offenbar funktionierte das System in dieser Höhe oder Kälte nicht. Ich hatte kein Feuerzeug dabei – Gabis mahnende Stimme klang mir im Ohr. Also mischte ich das Trockenfutter mit kaltem Wasser. Es schmeckte überraschend akzeptabel – vielleicht war es einfach Hunger.

Die Nacht war frostig, minus sechs Grad zeigte das Garmingerät im Zelt. Ich döste mehr, als dass ich schlief, eingehüllt in das leise Flattern des Windes über der Hochebene. Um halb sechs begann ich zu packen. Draußen war es noch dunkler und kälter. Frühstück verschob ich auf später – wenn endlich wieder Sonne auf mich traf.

Gabi: Tag 11 Höllenfahrt Tamga-Mikhailovka, ca. 100 Kilometer

Tag 10 hatte ich mit Waschen und Radpflege verbracht und mit Einkaufen. Am Nachmittag war ich Hermann die Kumtorstraße entgegen gefahren. Wir hatten gemeinsam zu Abend gegessen im CP3 und ich hörte mir ein bisschen neidisch seinen Abenteuerbericht der letzten eineinhalb Tage an.

Nachdem Hermann am nächsten Morgen das B&B verlassen hat, für ihn mit einer Kletterpartie über den Gartenzaun, beginne ich meine sieben Sachen zu packen. Es gibt dann ein gemütliches Frühstück mit Olga, der Chefin des Hauses und einem anderen Teilnehmer, der auch aussteigt, vielleicht Michael … aus UK.

Olga war übrigens auch Lehrerin, ist gleichalt wie ich. Ihr neuer Lebensinhalt ist das Haus und der Garten, offen für alle Gäste. Das Frühstück ist sehr kurzweilig zwischen Kauderwelsch aus Englisch, Russisch und allem Möglichen dazwischen.

Dann verabschiede ich mich. Die ersten Kilometer führen mich fern des Ufers über ungepflegte Schotterpisten, wohnen tut hier niemand. Ich bin alleine unterwegs. Komisches Gefühl, denn nicht wie beim Rennen ist hinter mir niemand. Ich fürchte mich etwas.

Hundegebell. Oje, …! Da springt einer aus den Büschen und galoppiert über die Straße und ist schon verschwunden. Erleichtert bin ich, als ich auf die Kumtor-Straße treffe. Allerdings ist hier lebhafter Verkehr, auch nicht das, was ich wollte.

Am Ufer biege ich nach Osten. Und radle den Issyk-Kul See entlang. Bis zur nächsten Ortschaft ist das auch ganz ok.

Die Aussicht auf den See ist schön, auf die Berge gegenüber auch. Je weiter ich mich aber Karakol nähere, desto steigt der Verkehr an. Die Fahrt ist ziemlich kriminell.

Geflickte Straße, Löcher, … Eine Baustelle reiht sich zudem an die andere. Die Straße ist recht schmal. Ich weiche immer wieder auf den Schotterstreifen aus, die Fahrbahn scheint nur dem motorisierten Verkehr vorbehalten zu sein.

Und was hier alles fährt: die Automobilgeschichte zieht an mir vorbei.

Wer kann, rast mit über hundert Sachen durch die Geschwindigkeitsbegrenzungen von 40 km/h an den Baustellen. Man könnte meinen, manches Auto fällt bald auseinander.

Gerade kam mir ein Kleinlaster entgegen, der eine enorme Rußwolke ausstieß. Plötzlich schält sich aus dem dunklen Rauch ein Lada heraus, auf meiner Fahrbahnseite. Ich rette mich auf das Bankett. Das war knapp.

Ich muss den Verkehr hinter mir „im Auge behalten“ und gleichzeitig den entgegenkommenden. Denn schrottreife Autos überholen andere schrottreife Autos, egal, ob ein Radfahrer entgegen kommt, die wohl auch nicht zum gewohnten Straßenbild hier passen.

Autos sind unterwegs, deren Besitzer im Westen wohl schon vor meiner Zeit die Verschrottungsprämie eingestrichen haben. Die Vehikel hängen oft kaum mehr zusammen, Farbe blättert ab, Dellen rundherum, Lichter eingedrückt, Spiegel in Splittern, ebenso die Seitenfenster. Geräusche, als würden sie aus dem letzten Loch pfeifen.

Stoßdämpfer sowieso im Eimer, ein Gescheppere und Gequietsche überall. Das Lieblingsfahrzeug ist wohl der Audi 100 und jede Menge alte schrottreife Ladas.

Transportiert wird auf dem Auto auch alles Mögliche und Unmögliche: Tiere, riesige Strohballen, meterweit rausragende Mähgeräte. Es scheint auch keinerlei Begrenzung zu geben, wie viele Insassen sich im Auto befinden dürfen.

Manchmal schauen geschätzt an die zehn Gesichter heraus und staunen wohl über die bepackte Frau. Wie die dort alle reingequetscht wurden, ist mir schleierhaft. Abenteuer, wenn ich von dieser Straße lebendig runter komme, kann ich froh sein.

Und irgendwann ist der Horrortripp Ausfallstraße nach Karakol überwunden, ich darf links abbiegen und radle nun verkehrsberuhigt weiter. Bis zum Hotel ist es nicht mehr weit. Linkerhand darf ich den See vermuten, rechterhand die traumhafte Bergkulisse.

Das Hotel Asfandyar ist zwar auch eine Baustelle, aber ich werde, wohl einziger Gast, nett empfangen und bekomme erst mal Chai und Kekse auf der Terrasse.

Dann fahre ich nochmal die 2km zum nächsten Shop und besorge mir ein üppiges Nachtmahl mit Joghurt, Brot, Käse, Chips, Karotten, Salatgurken, Essiggurken, Multivitaminsaft. Man beachte die geschmackvolle Zusammensetzung. Und chinesische Instantnudeln habe ich auch noch. Man gönnt sich ja sonst nichts. Die Hausdame überrascht mich dann noch mit leckeren Mantis, saftige Teigtaschen mit Fleischfüllung. Das also hatte den ganzen Nachmittag so wundervoll geduftet.

Wo Hermann wohl im Moment ist? Gut, dass er noch keine Ahnung hat, was auf ihn am nächsten Tag zukommt, denn meine letzten 50 Straßen-Kilometer muss er auch fahren. Dann doch lieber Schieben im unwegsamen Gelände. Oder gibt es auch etwas dazwischen???

Entspannt lösche ich das Licht und kuschle mich in die warmen Decken.

Wo Hermann sein Nachtlager wohl aufgeschlagen hat, meinen Berechnungen nach dürfte das auf über 3500 Meter Meereshöhe sein, auf jeden Fall ar…kalt.

Ich freue mich auf den nächsten Tag, wieder vereint mit meinem Hermann und auf die anstehenden gemeinsamen letzten 300 Kilometer am übernächsten Tag.

Tag 12 – Hermann
122 km | 493 Hm | 7 h 54 min Bewegungszeit

Hike-a-Bike auf den Jukuu-Pass, Abfahrt zum Issyk-Kul-See und Wiedersehen mit Gabi

Ich hatte in der frostigen Nacht halbwegs geschlafen, immer wieder kurz aufgewacht, wenn der Wind am Zelt rüttelte. Trotz der Kälte war ich zufrieden – ich hatte es auf das Plateau geschafft. Um 5:30 Uhr kroch ich aus dem Schlafsack, die Finger klamm, die Luft glasklar und beißend.

Das Thermometer zeigte –6 °C im Zelt – draußen sicher noch kälter. Ich packte zusammen, startete gegen sechs Uhr – ohne Frühstück. Das würde ich mir später gönnen, wenn die Sonne endlich wärmte.

Nach etwa elf Kilometern auf der breiten, staubigen Kumtorstraße bog die Route links ab. Dort traf ich Jos und einen weiteren Fahrer, die schon in der Sonne saßen und frühstückten. Ich gesellte mich zu ihnen, froh über den Anblick eines brennenden Kochers – und nutzte dankbar ihr Feuerzeug, um meinen Kaffee endlich heiß genießen zu können.

Gestärkt ging es weiter, zunächst über eine sanfte Hochebene. Der Boden war weich, die Spuren unklar – mehr Schieben als Fahren. Die Weite war beeindruckend: eine stille, winddurchzogene Fläche, eingerahmt von schneebedeckten Bergen. Nur das Knirschen der Reifen und das leise Scheppern der Ausrüstung begleiteten mich.

Dann begann der Anstieg zum Jukuu-Pass. Der Übergang war kaum als solcher zu erkennen, eher eine flache Senke, die sich dann plötzlich öffnete – und in ein steil abfallendes Tal überging. Der Weg dort hinunter war alles andere als fahrbar: lose Steine, tiefe Furchen, Abbrüche. Wer hier stürzte, riskierte mehr als nur Schürfwunden. Also hieß es wieder: schieben, tragen, balancieren. Das Rad fühlte sich doppelt so schwer an wie sonst.

Je tiefer ich kam, desto rauer wurde das Gelände. Immer wieder dachte ich: Jetzt kann man wieder fahren! – nur um wenige Meter später doch wieder abzusteigen. Der Pfad war gespickt mit Felsbrocken, Geröll, Bachläufen. Ich schob Stunde um Stunde, vorsichtig, konzentriert, Schritt für Schritt.

Erst unten, auf Höhe eines kleinen Sees, wurde der Weg etwas besser. Ein kurzer Gegenanstieg, dann endlich wieder fahrbare Abschnitte. Die Sonne stand inzwischen hoch, und die Mühen der letzten Stunden verflogen langsam. Ich konnte wieder in den Rhythmus kommen – treten, rollen, atmen. Das Tal öffnete sich, grüne Wiesen breiteten sich aus, zwischen ihnen verstreut große Felsblöcke, als hätte ein Riese sie zum Spielen hier liegen lassen. Ich musste grinsen – endlich wieder Flow.

Die Abfahrt zog sich über 50 Kilometer – ein Traum aus Staub, Wind und Freiheit. Nach so vielen Tagen in der Kälte und Höhe war die Wärme in der Tiefe fast unwirklich. Das Tal wurde breiter, der Fluss glitzerte neben mir, und irgendwann tauchte der erste Ort auf: Saruu.

Dort hielten fast alle Fahrer an, die gleichzeitig mit mir ankamen. Ein kleiner Laden am Straßenrand wurde zur Pilgerstätte – Schokolade, Cola, Chips, Brot. Ich stürzte mich auf alles, was Zucker hatte, und ließ mir Zeit. Nach dieser Stärkung fühlte ich mich wie neu geboren.

Doch der Rest des Tages war noch lang: rund 50 Kilometer flach, davon 23 auf der stark befahrenen Hauptstraße. Die Sonne brannte inzwischen gnadenlos, der Asphalt war voller Schlaglöcher, und jeder überholende LKW ließ das Rad erzittern. Hier gilt: Defensive ist überlebenswichtig. Ich blieb so weit am Rand wie möglich, das Adrenalin hoch, die Sinne wach.

Nach der Abzweigung auf eine ruhigere Nebenstraße konnte ich endlich durchatmen. Die Felder zogen vorbei, das Meer aus Licht und Staub vibrierte in der Hitze. Ich war erschöpft – körperlich und mental. Dann, wie ein Geschenk, tauchte plötzlich Gabi auf, mir entgegenfahrend.

Wir fielen uns fast in die Arme, dann radelten wir gemeinsam zu ihrem Hotel. Es war erst 16 Uhr, aber ich war völlig leergefahren. Zum ersten Mal seit dem Start fühlte ich mich wirklich platt.

Eine lange Dusche, ein Bett, Ruhe. Ich döste, halb wach, halb schlafend, bis zum Abendessen. Selbst danach war ich so erschöpft, dass ich kaum die Augen offen halten konnte. Es war ein stilles Glück – die Müdigkeit, die Wärme, das Gefühl, wieder bei Gabi zu sein. Dann fiel ich in tiefen, traumlosen Schlaf.